{"id":581,"date":"2026-01-16T16:33:01","date_gmt":"2026-01-16T15:33:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/?p=581"},"modified":"2026-01-26T15:54:18","modified_gmt":"2026-01-26T14:54:18","slug":"zivilgesellschaftliches-handeln-und-operativer-katastrophenschutz-der-berliner-stromausfall-im-januar-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/archive\/581","title":{"rendered":"Zivilgesellschaftliches Handeln und operativer Katastrophenschutz: Der Berliner Stromausfall im Januar 2026"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Von Nicolas Bock (KFS), Cordula Dittmer (AKFS) &amp; Peter Windsheimer-Kolla (KFS)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>16. Januar, 2026<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.17169\/refubium-50971\">http:\/\/dx.doi.org\/10.17169\/refubium-50971<\/a><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund <\/h2>\n\n\n\n<p>Am Samstag, den 3. Januar 2026, kam es im S\u00fcdwesten Berlins zu einem massiven Stromausfall: Die Ortsteile Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde im Bezirk Steglitz-Zehlendorf waren bei winterlichen Wetterverh\u00e4ltnissen \u00fcber 4,5 Tage weitestgehend ohne Strom. Der Betreiber Stromnetz Berlin meldete, dass mehr als 45.000 Haushalte und \u00fcber 2.000 Gewerbekunden betroffen waren. Ursache war ein Brand in einer Verteilerstation bzw. an einer Kabelbr\u00fccke in Lichterfelde, bei dem mehrere Kabel besch\u00e4digt wurden und die Stromversorgung zusammenbrach. Schon fr\u00fch gingen Ermittler von einem Brandanschlag aus, der zeitgleich von einer linksextremistischen Gruppierung im Internet in einem Bekennerschreiben f\u00fcr sich reklamiert wurde. Anschl\u00e4ge oder Sabotageakte auf die Berliner Verkehrs-, Energie-, oder Telekommunikationsinfrastruktur sind seit den letzten f\u00fcnf Jahren geh\u00e4uft zu beobachten, erst im September 2025 wurden zwei Strommasten im S\u00fcdosten Berlins mutwillig besch\u00e4digt und lie\u00dfen ca. 50 000 Personen f\u00fcr ca. 2,5 Tage ohne Strom (<a href=\"https:\/\/www.rbb24.de\/panorama\/beitrag\/2026\/01\/berlin-sueden-massiver-stromausfall-nikolassee-zehlendorf-wannsee-lichterfelde-verteilerstation-brand.html\">rbb24<\/a>). <\/p>\n\n\n\n<p>Der Ausfall f\u00fchrte nicht nur zum Wegfall der Stromversorgung in Privathaushalten und dem Gewerbe, sondern hatte aufgrund der vielf\u00e4ltigen Abh\u00e4ngigkeiten kaskadierende Effekte auf W\u00e4rmeversorgung, Telekommunikation (Ausfall des Mobilnetzes im gesamten betroffenen Gebiet (86 Mobilfunkmasten verschiedener Anbieter waren betroffen)), Verkehrsinfrastruktur wie Ampelschaltungen oder den S-Bahnbetrieb, Notrufe, Aufz\u00fcge und digitale Zahlungssysteme. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"940\" height=\"514\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/grafik-4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-615\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/grafik-4.png 940w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/grafik-4-300x164.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/grafik-4-768x420.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 1: Betroffenes Gebiet (Stand 03.01.2026, ca. 06:30 Uhr) Quelle: <a href=\"https:\/\/www.stromnetz.berlin\/krisenseite\/\">Stromnetz Berlin<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Rolll\u00e4den lie\u00dfen sich nicht mehr \u00f6ffnen, so dass auch tags\u00fcber kein Licht in die H\u00e4user und Wohnungen drang, Klingeln funktionierten nicht mehr, Superm\u00e4rkte blieben geschlossen und mussten ihre Ware entweder in z.T. von den Unternehmen selbst zur Verf\u00fcgung gestellten K\u00fchltransportern verlegen oder entsorgen. Zwar war die Wasserversorgung grunds\u00e4tzlich nicht gef\u00e4hrdet, in Hochh\u00e4usern konnte allerdings die Versorgung aufgrund der Abh\u00e4ngigkeit von Wasserpumpen nicht fl\u00e4chendeckend gew\u00e4hrleistet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem betroffenen Gebiet befinden sich zudem f\u00fcnf Krankenh\u00e4user, 74 Pflege- und Seniorenheime, drei Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte und ambulant versorgte pflegebed\u00fcrftige Personen. Bereits im Laufe des Samstags wurde deutlich, dass sich aufgrund des massiven Schadens an der Leitung eine Wiederherstellung erst in 5-6 Tagen realisieren lie\u00df. Der zust\u00e4ndige Bezirk Steglitz-Zehlendorf richtete daraufhin einen Krisenstab ein und \u00f6ffnete das Rathaus Zehlendorf als zentrale Notrufannahmestelle, W\u00e4rme- und Betreuungspunkt. Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) oder der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) bauten Notunterk\u00fcnfte in Turnhallen auf, Gesch\u00e4fte und zivilgesellschaftliche Organisationen wie Kirchengemeinden richteten Betreuungspunkte und W\u00e4rmeinseln ein, an denen die Betroffenen ihre Handys aufladen, warmes Wasser oder Essen erhalten konnten. Die Polizei erh\u00f6hte ihre Pr\u00e4senz in den betroffenen Stadtteilen und errichtete ebenso wie das THW an Verkehrsknotenpunkten Lichtmasten, die insbesondere in den ersten 48 Stunden sowohl der Beleuchtung der dunklen Kreuzungen als auch als Auflade-, und Informationspunkte dienten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach und nach etablierten sich verschiedene Unterst\u00fctzungsstrukturen, die v.a. \u00fcber das Internet, soziale Medien und Lautsprecherdurchsagen der Polizei verbreitet wurden. Mit Hilfe von Notstromaggregaten konnte der Betrieb der Krankenh\u00e4user aufrechterhalten werden. Sonntagnachmittag wurde von der Berliner Innensenatorin erstmalig die in Berlin erst Mitte 2021 mit der Novellierung des Berliner Katastrophenschutzgesetzes eingef\u00fchrte Einsatzkategorie \u201eGro\u00dfschadenslage\u201c ausgerufen. Damit kann die Einsatzf\u00fchrung geb\u00fcndelt, die Freistellung f\u00fcr die ehrenamtlichen Einsatzkr\u00e4fte der Hilfsorganisationen erm\u00f6glicht und Bundeswehrunterst\u00fctzung angefordert werden. Neben den Notunterk\u00fcnften und privaten Wohnungsvermittlungen gab es auch die M\u00f6glichkeit, f\u00fcr einen Betrag von 70\u20ac nicht vermietete Hotelzimmer zu nutzen. Montagabend wurde schlie\u00dflich entschieden, dass der Bezirk \u00fcber die Senatsverwaltung die Hotelkosten komplett \u00fcbernimmt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p>Das Land Nordrhein-Westfalen stellte f\u00fcnf Notstromaggregate zur Verf\u00fcgung, die an verschiedenen Knotenpunkten die Stromversorgung unterst\u00fctzten. Die Bundeswehr \u00fcbernahm deren Betankung und teilte an verschiedenen Standorten insbesondere im Laufe des Mittwochs Essen aus. Am Mittwochmorgen wurde von Seiten des Stromnetzbetreibers verk\u00fcndet, dass man die Stromversorgung zu 11 Uhr wieder herstellen k\u00f6nne, man aber weiterhin den Strom m\u00f6glichst sparsam nutzen sollte, um das Stromnetz nicht zu \u00fcberlasten. Dies wurde sowohl in den Medien als auch \u00fcber Lautsprecherdurchsagen und Flyer, die die Polizei in den Notunterk\u00fcnften und Betreuungspunkten auslegte, kommuniziert. Zus\u00e4tzlich wurden Cell Broadcast und die NINA-App genutzt, um die entsprechenden Handlungsanweisungen zu kommunizieren. Die Gro\u00dfschadenslage wurde schlie\u00dflich am Freitagabend wieder aufgehoben. <\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-center is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"312\" height=\"468\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/grafik-3-edited-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-595\" style=\"width:229px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/grafik-3-edited-1.png 312w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/grafik-3-edited-1-200x300.png 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 85vw, 312px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 2: Entwarnung \u00fcber Warnapp NINA (eigene Aufnahme)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum Quick-Response Forschung?<\/h2>\n\n\n\n<p>Bevor Erkenntnisse und Ableitungen aus der w\u00e4hrend des Stromausfalls durchgef\u00fchrten Quick-Response Forschung dargestellt werden, wird diese kurz eingeordnet und bewertet, da diese Methode bislang im deutschen Kontext noch viel zu wenig bekannt ist und deutlich umfassender genutzt werden sollte. Die <a href=\"https:\/\/www.geo.fu-berlin.de\/geog\/fachrichtungen\/anthrogeog\/katastrophenforschung\/index.html\">Katastrophenforschungsstelle (KFS)<\/a> an der Freien Universit\u00e4t Berlin sowie die <a href=\"https:\/\/a-kfs.de\/\">Akademie der Katastrophenforschungsstelle (AKFS)<\/a> f\u00fchren seit vielen Jahren diese Art der Forschung durch, sowohl im Hochwasser 2013 in Magdeburg, w\u00e4hrend der Fl\u00fcchtlingslage 2015\/16 (<a href=\"https:\/\/refubium.fu-berlin.de\/bitstream\/handle\/fub188\/21907\/KFS_Working_Paper_3_Dittmer_Lorenz_Waiting_for_the_bus_that_never_comes.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y\">Dittmer &amp; Lorenz 2016<\/a>) und 2022 (<a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/archive\/tag\/deutsch\">Dittmer &amp; Lorenz 2022<\/a>), den ersten Wochen der SARS-CoV-2 Pandemie 2020 (<a href=\"https:\/\/refubium.fu-berlin.de\/bitstream\/handle\/fub188\/33664\/Working_Paper_BePal_final_final.pdf?sequence=2&amp;isAllowed=y\">Dittmer &amp; Lorenz 2022<\/a>; <a href=\"https:\/\/refubium.fu-berlin.de\/bitstream\/handle\/fub188\/27062\/Schulze_et_al_2020_SARS_CoV_2_Pandemie_aus_Sicht_der_Bev%c3%b6lkerung.pdf?sequence=2&amp;isAllowed=y\">Schulze et al. 2020<\/a>) oder den Winterhochwassern 2023\/24 (<a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/archive\/414#more-414\">Bock et al. 2024<\/a>). Quick-Response Forschung kann als \u201eerster Draft\u201c der sich schnell ver\u00e4ndernden \u201eKatastrophenerz\u00e4hlung\u201c gesehen werden. Wenn Forschende nach einem extremen Ereignis schnell ins Feld gehen, besteht die M\u00f6glichkeit, Daten zu sammeln, die nach Ende einer Katastrophe ansonsten zeitnah verschwinden oder sich ver\u00e4ndern. Dazu geh\u00f6ren Einstellungen, Gef\u00fchle, soziale Interaktionen oder Erlebnisse, die vielfach \u00fcber die Zeit vergessen werden, oder sich in eine \u00fcbergreifende Gesamtnarration und -interpretation der Katastrophe einf\u00fcgen oder neu gerahmt werden (Oulahen et al. 2020; <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0277953617304628?via%3Dihub\">Johnson &amp; Vindrola-Padros 2017<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/journals\/sociology\/articles\/10.3389\/fsoc.2023.959765\/full\">D\u00edaz et al. 2023<\/a>). <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Quick-Response Forschung institutionell als Teil des Katastrophenmanagements etabliert ist, dann kann sie konstruktiv in der Lagebew\u00e4ltigung unterst\u00fctzen, da sie zus\u00e4tzliche Informationen und Perspektiven einbringt, die vom Krisenmanagement h\u00e4ufig nicht gesehen werden (k\u00f6nnen). Die Umsetzung ist jedoch sehr voraussetzungsvoll, da kaum Zeit f\u00fcr Vorbereitung bleibt, sich der Forschungsprozess, ebenso wie die Lage, entsprechend dynamisch anpassen k\u00f6nnen muss und die Datenlage schwierig sein kann, da h\u00e4ufig ausf\u00fchrliche Interviews aufgrund der Einbindung der Akteure in die Lagebew\u00e4ltigung kaum m\u00f6glich sind. Quick-Response Forschung erlaubt kaum nach klassischen Kriterien der qualitativen Sozialforschung vorzugehen, was Kontaktaufnahme, Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t der Daten u.\u00e4. angeht. &nbsp;Aufgrund der extremen Situation stellen sich auch verst\u00e4rkt ethische Fragen, z.B. nach einer m\u00f6glichen Retraumatisierung von Betroffenen (und der Forschenden selbst), der St\u00f6rung von Betriebsabl\u00e4ufen, Gefahr des \u201eKatastrophentourismus\u201c, oder der Instrumentalisierung der Forschung in z.T. hoch emotionalen Kontexten (<a href=\"\/Users\/dittm\/Downloads\/FQS_19_3_Dittmer_Research-in-the-Context-of-Vulnerability-and-Extreme-Suffering\u2014Ethical-Issues-of-....pdf\">Dittmer &amp; Lorenz 2018<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem fehlen insbesondere im deutschen Kontext auch in Drittmittelprojekten h\u00e4ufig die finanziellen und personellen Ressourcen, um auf spontane Ereignisse zu reagieren, so dass diese von den Forschenden selbst getragen werden m\u00fcssen. F\u00fcr die Quick-Response Forschung zum Berliner Stromausfall konnte gl\u00fccklicherweise neben Ressourcen der AKFS auf personelle Ressourcen des BMFTR-Sicherheitsforschungsprojekts <a href=\"https:\/\/www.geo.fu-berlin.de\/geog\/fachrichtungen\/anthrogeog\/katastrophenforschung\/forschung-lehre\/forschung\/forschungsprojekte\/KRISENFIT\/index.html\">Krisenfit<\/a> zur\u00fcckgegriffen werden, da dieses explizit eine in-situ Forschung vorsieht. Der Schwerpunkt der Forschung liegt hier auf der Untersuchung der Schnittstellen von kommunaler Verwaltung, zivilgesellschaftlichen Akteuren und dem Katastrophen- und Krisenmanagement. &nbsp;Um sich dieser Fragestellung zu n\u00e4hern, wurden zun\u00e4chst Hilfsangebote wie W\u00e4rme- und Informationspunkte von zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie staatliche Notunterk\u00fcnfte und Katastrophenschutzleuchtt\u00fcrme identifiziert, die medial \u00fcber regionale Rundfunkanstalten sowie die Presse kommuniziert und vermittelt wurden, ebenso wie \u00fcber Schwarze Bretter z. B. im Rathaus Zehlendorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die KFS\/AKFS identifizierte verschiedene dieser Lokalit\u00e4ten anhand von Auflistungen aus den Medien und suchte diese am Montag, den 05.01.2026, Dienstag, den 06.01.2026 sowie dem Mittwoch, 07.01.2026 aktiv auf. Eine Voranmeldung bei den aufgesuchten Orten erfolgte nicht. Der Schwerpunkt in der Auswahl aufgesuchter Einrichtungen lag in einer m\u00f6glichst diversen Bandbreite von Akteuren (Kirchen, Sozialverb\u00e4nde, Kulturverb\u00e4nde, ambulante Gesundheitseinrichtungen, Parteien, Hilfsorganisationen, Sportvereine, Einkaufszentren). Insgesamt wurden neun zivilgesellschaftlich organisierte Hilfsstellen abgelaufen, von denen f\u00fcnf Stellen noch aktiv und ansprechbar waren. An vier aufgesuchten Hilfsstellen wurde kein entsprechendes Angebot und kein*e Ansprechpartner*in mehr vorgefunden, obwohl diese noch in den zug\u00e4ngigen Informationskan\u00e4len vermerkt war. Hier konnte offenbar die entsprechende Liste nicht schnell genug aktualisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurden Interviews mit Angeh\u00f6rigen einer evangelischen Kirchgemeinde, einem Kulturzentrum, einem Tageszentrum f\u00fcr psychisch belastete und kranke Menschen, des Bezirksverbands einer politischen Partei sowie einer durch eine im Katastrophenschutz mitwirkenden Hilfsorganisation betriebene Notunterkunft in einer Turnhalle gef\u00fchrt. Au\u00dferdem wurden Begehungen neuralgischer Punkte (z.B. S-Bahnhof Mexikoplatz als zentraler Schwerpunkt f\u00fcr Einsatzkr\u00e4fte, Superm\u00e4rkte, die als Betreuungspunkte dienten, S-Bahnhof Zehlendorf) durchgef\u00fchrt. Die untersuchten Standorte von Hilfsstellen befanden sich \u00fcberwiegend au\u00dferhalb des vom Stromausfall betroffenen Gebietes im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Mit Ausnahme der Einrichtung der Hilfsorganisation w\u00e4re der Betrieb der Hilfsstellen im vorgefundenen Umfang in nicht stromversorgten Bereichen nicht m\u00f6glich gewesen, da diese nicht \u00fcber eine Notstromversorgung- bzw. Einspeisepunkte verf\u00fcgten. Neben dem Rathaus Zehlendorf befanden sich die besuchten Hilfsstellen \u00fcberwiegend am nord\u00f6stlichen Rand des betroffenen Gebietes in Zehlendorf sowie um den Steglitzer Kreisel herum. Parallel wurde die Medienberichterstattung intensiv verfolgt, insbesondere die bereits am Samstagvormittag schnell etablierten Live-Ticker des Tagesspiegel sowie des RBB.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend an diese Quick-Response Forschung wird eine <a href=\"https:\/\/www.soscisurvey.de\/QuickResponseRes\/\">Bev\u00f6lkerungsbefragung<\/a> durchgef\u00fchrt, weitere Expert*innen und Betroffene interviewt, ein Workshop ist in Planung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zivilgesellschaftliche Bew\u00e4ltigung und Handeln des operativen Katastrophenschutzes<\/h2>\n\n\n\n<p><strong><u>Angebotsbandbreite zivilgesellschaftlicher Hilfsstellen<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Mehrzahl der zivilgesellschaftlich organisierten Hilfsangebote f\u00fcr Betroffene und hilfebed\u00fcrftige Bewohnende des vom Stromausfall betroffenen Gebiets waren bereits seit Samstag oder Sonntag aktiv. In den meisten F\u00e4llen umfasste das Hilfsangebot die Zeit vom Morgen bis zum sp\u00e4ten Nachmittag. In F\u00e4llen von zivilgesellschaftlichen Vereinigungen mit regul\u00e4ren \u00d6ffnungszeiten im Alltag wurden diese f\u00fcr den Verlauf der Lage erweitert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zentralen materiellen Dienstleistungen, welche die zivilgesellschaftlich organisierten Hilfsstellen anboten, betrafen warme R\u00e4umlichkeiten, (Hei\u00df-)Getr\u00e4nke, die M\u00f6glichkeit, elektrische Ger\u00e4te aufzuladen und das Internet zu nutzen. Ansonsten wurden die Hilfsstellen als soziale Begegnungspunkte und zum Informationsaustausch genutzt. Teilweise suchten Betroffene die Hilfsstellen auch zur Fortf\u00fchrung ihres Arbeitsalltags auf, wie z. B. f\u00fcr Homeoffice-T\u00e4tigkeiten oder f\u00fcr Videokonferenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zivilgesellschaftlich organisierten Hilfsstellen, welche in unmittelbarer N\u00e4he des Stromausfallgebiets t\u00e4tig waren, registrierten ein eher gleichbleibendes Aufkommen an Besuchenden \u00fcber die Zeit des Stromausfalls hinweg. Jene Hilfsstellen, die im Bereich Steglitz ihre T\u00fcren \u00f6ffneten, registrierten ab dem Maximum des Besuchendenaufkommens mit dem ersten Tag des Stromausfalls eine stetig abnehmende Tendenz, was auch dadurch bedingt war, dass in deren Umgebung eine hohe Dichte an Einkaufszentren, Lebensmittelgesch\u00e4ften und Restaurants zu finden ist, welche nicht vom Stromausfall betroffen waren und am Montag regul\u00e4r \u00f6ffneten. Eine verantwortliche Person einer der in Steglitz besuchten Hilfsstellen f\u00fchrte die abnehmende Anzahl Hilfesuchender auch auf die angek\u00fcndigte \u00dcbernahme von Hotelkosten durch den Senat sowie das Anlaufen von Hilfeleistung explizit seitens der Bundeswehr zur\u00fcck. In allen besuchten Einrichtungen im Bezirk mischten sich die Personenkreise der regul\u00e4ren Stammg\u00e4ste- und Klienten, der Mitglieder und Angeh\u00f6rigen der Tr\u00e4ger sowie von Hilfesuchenden. &nbsp;Teilweise lie\u00dfen sich diese Gruppen auch nicht klar differenzieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Angebot der Notunterkunft der Hilfsorganisation im Ortsteil Dahlem wurde gleichbleibend angenommen, allerdings mit leichter Steigerung bei den \u00dcbernachtungsg\u00e4sten im Verlauf der Krise. Grund hierf\u00fcr war das zunehmende Ausk\u00fchlen der Wohnungen. Die Notunterk\u00fcnfte der Hilfsorganisationen spielten eine besondere Rolle als Einrichtungen des staatlichen Notfallnetzes. Menschen, deren Versorgung nicht anderweitig geregelt werden konnte, weil sie zu schwach, krank, alt oder in anderer Art und Weise zu vulnerabel waren, konnten hier tempor\u00e4r unterkommen, bis sie in andere Betreuungs- und Versorgungskontexte vermittelt werden konnten oder die Lage beendet war. Der Vorteil im Gegensatz zu anderen privaten oder kirchlichen Angeboten war die kontinuierliche Gew\u00e4hrleistung medizinischer Versorgung vor Ort.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Selbstorganisation zivilgesellschaftlicher Akteure<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den meisten F\u00e4llen konnten die zur Verf\u00fcgung gestellten Angebote seitens der zivilgesellschaftlichen Akteure mit eigenen Ressourcen und ohne deutlich erh\u00f6hte materielle Aufw\u00e4nde eingerichtet werden. Die Organisationen passten in vielen F\u00e4llen haupts\u00e4chlich ihre \u00d6ffnungszeiten an, organisierten intern einen Aufwuchs von ehrenamtlichen Hilfskr\u00e4ften aus ihren eigenen Strukturen heraus und skalierten bestehende Angebotsstrukturen (Verpflegung auch durch Spenden, R\u00e4umlichkeiten). Einige Akteure verlie\u00dfen ihre T\u00e4tigkeitsschwerpunkte und suchten Angeh\u00f6rige der Gemeinde\/Vereinsstruktur mit m\u00f6glichen Hilfsbedarfen aktiv auf. Z.T. vermittelten sie Betroffene an andere besser geeignete Hilfsstellen. Vielfach bestand auch die M\u00f6glichkeit, zu duschen und Basishygiene zu betreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ehrenamtlichen der besuchten Einrichtungen zeigten ein hohes Engagement und hohe Motivation zur Hilfe. Durch das Ausfallen des Unterrichts an Schulen halfen auch Jugendliche aktiv im Betrieb der Hilfsstellen mit. Eine gr\u00f6\u00dfere oder in Bezug auf den Betrieb der Hilfsstellen negativ wirkende Eigenbetroffenheit der Mitglieder der die Hilfsstellen betreibenden Vereine, Gemeinden und Organisationen lie\u00df sich nicht feststellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zivilgesellschaftlichen Organisationen und Vereine organisierten sich in der Lage anhand ihrer gewohnten, internen Hierarchiestrukturen und entlang der Kapazit\u00e4ten ihrer Mitglieder. In den meisten F\u00e4llen blieben die Vorsitzenden der Organisationsstrukturen auch die Leiter des Krisenmanagements der Hilfsstellen. Sofern die Organisationen die entsprechende Gr\u00f6\u00dfe hatten, erfolgten Aufgabenverteilung und Organisation auch entlang von Substrukturen innerhalb der bestehenden Organisationsstruktur. Teilweise mussten auch g\u00e4nzlich neue Aufgaben wahrgenommen werden, z. B. ein Telefondienst oder eine Person, die den E-Mailverkehr betreute und Informationen weitergab. Die Helfenden konnten sich dabei \u00fcberwiegend entlang gewohnter Kommunikationskan\u00e4le selbst organisieren, da sie meist noch \u00fcber Mobilfunknetzanbindung verf\u00fcgten.<\/p>\n\n\n\n<p>Teilweise hatten die Akteure Vorerfahrungen im Krisenmanagement oder konnten von ihrem Alltagshandeln in der Krise profitieren. So sind einige Organisationen in der Obdachlosenhilfe aktiv oder konnten auf Erfahrungen in humanit\u00e4rer Hilfeleistung in den Fluchtkrisen ab 2015 und 2022 zur\u00fcckblicken. Die Einheit der Hilfsorganisation, die eine der Hilfsstellen betrieb, war als Angeh\u00f6rige der BOS (Beh\u00f6rden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) und Aufgabentr\u00e4gerin im Katastrophenschutz als einzige in ihrer humanit\u00e4ren Mission staatlich legitimiert, ausgestattet und mit einem Einsatzauftrag in der konkreten Lage versehen. Alle anderen Organisationen organisierten ihre Hilfsangebote in Eigenregie mit eigenem Personal und Ressourcen auf Basis intrinsischer humanit\u00e4rer Motivation und Pflichtgef\u00fchl gegen\u00fcber der Zivilgesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><u>Informationsmanagement zwischen Krisenstab und Hilfsstellen<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00f6glichkeit, \u00fcber die zivilgesellschaftlich organisierten Hilfsstellen aktuelle Informationen \u00fcber die Gesamtlage oder beh\u00f6rdliche Informationen zu erhalten, bestand jeweils nur partiell. Selbstst\u00e4ndige Recherche \u00fcber das Internet war sowohl den Betreuenden der Hilfsstellen als auch den anwesenden Betroffenen ohne Einschr\u00e4nkungen m\u00f6glich. Es bestand teilweise ein Austausch zwischen den einzelnen zivilgesellschaftlichen Hilfsstellen bzw. waren diese untereinander bekannt (z.B. entlang von Tr\u00e4gerschaften, pers\u00f6nlichen Kontakten oder auch \u00fcber Medien oder soziale Nachbarschaftsnetzwerke). Es gab jedoch keine gesonderte Informationsbereitstellung seitens des Bezirks oder Senats, bzw. seitens der BOS gegen\u00fcber den Hilfsstellen. Alle Hilfsstellen hatten sich eigenst\u00e4ndig \u00fcber die Mail f\u00fcr Katastrophenschutzangelegenheiten des Bezirks Steglitz-Zehlendorf angemeldet und in den meisten F\u00e4llen eine Best\u00e4tigung dieser Anmeldung erhalten. Der Bezirk verwies teilweise in seinen Informationskan\u00e4len auf diese zivilgesellschaftlichen Hilfsstellen, was von einigen Hilfsstellen als Best\u00e4tigung ihrer Meldung bei der entsprechenden Adresse gewertet wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Die kirchlich organisierte Hilfsstelle hatte zwar regelm\u00e4\u00dfig Kontakt zu BOS, z. B. zu einem Kontaktbereichsbeamten der Polizei oder zu vorbeifahrenden Einheiten von Katastrophenschutzorganisationen, erhielten jedoch proaktiv keine Lageinformationen. Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der durch die Hilfsorganisation betriebenen Notunterkunft erhielten Lageinformationen haupts\u00e4chlich \u00fcber die offiziellen Hierarchiestrukturen der operativen Einsatzleitung, die jedoch nach eigener Aussage im Informationsgehalt und Aktualit\u00e4t nicht wesentlich von den \u00f6ffentlich abrufbaren\/gesendeten Informationen an die \u00d6ffentlichkeit abwichen. Einige Interviewte \u00e4u\u00dferten, dass sie sich eine gr\u00f6\u00dfere Klarheit dar\u00fcber gew\u00fcnscht h\u00e4tten, auf wie viele zu versorgende Menschen sie sich einstellen sollten (zur eigenen Ressourcenplanung und Abstimmung zwischen verschiedenen zivilgesellschaftlichen Hilfsstellen) und eine stetere und aktivere Kommunikation seitens des Bezirks vorteilhaft gewesen w\u00e4re. So w\u00e4re es nach Aussage eines Interviewten sch\u00f6n gewesen, wenn der Bezirk systematisch m\u00f6gliche Bedarfe oder die Situation in der Hilfsstelle abgefragt h\u00e4tte. Eine Hilfsstelle berichtete, sie h\u00e4tte beheizte R\u00e4umlichkeiten gehabt, die als Not\u00fcbernachtungsst\u00e4tte geeignet gewesen w\u00e4ren und eine Anfrage nach Liegen\/Betten an den Bezirk gestellt, die allerdings negativ beschieden wurde, da die offiziellen Notunterk\u00fcnfte priorisiert wurden. H\u00e4tten Betroffene eine \u00dcbernachtung bei der Einrichtung aktiv nachgefragt, w\u00e4re die Einrichtung durch die eigenst\u00e4ndige Organisation von Matratzen jedoch auch begrenzt selbstst\u00e4ndig in der Lage gewesen, Not\u00fcbernachtungspl\u00e4tze zu schaffen. Vielfach koordinierten Hilfsstellen auch Not\u00fcbernachtungsangebote eigener Mitglieder und organisationsfremder Personen mit gemeldeten Bedarfen von Privatpersonen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es bestand bei einigen Akteuren die Vermutung, dass Anfragen und Hinweise an vorbeiziehende Katastrophenschutzeinheiten nicht an den Krisenstab bzw. koordinierende Stellen weitergeleitet w\u00fcrden bzw. gab es keinerlei R\u00fcckmeldung seitens offizieller Stellen. Einige Akteure (mit \u00f6ffentlichem Auftrag und bestehenden Alltagskontakten zur \u00f6ffentlichen Verwaltung) \u00e4u\u00dferten jedoch auch Lob bez\u00fcglich der von ihnen als relativ kurz wahrgenommenen Reaktionszeiten des Bezirks insbesondere im E-Mailverkehr. Zudem erw\u00e4hnte eine Gespr\u00e4chspartnerin, dass sie auf Grund bestehender guter Kontakte in die Sozialverwaltung des Bezirkes aus ihrer allt\u00e4glichen Arbeit zuversichtlich ist, dass sie im Bedarfsfall schnell und unkompliziert Unterst\u00fctzung erhalten w\u00fcrde. Konkrete Negativauswirkungen oder Nachteile durch von einigen Akteuren bem\u00e4ngelten Informationsdefizite nannten die Befragten insgesamt nicht. Alle Befragten versorgten sich in der laufenden Lage selbst mit Informationen, z. B. \u00fcber das Internet, und waren hierzu auch durchgehend in der Lage.<\/p>\n\n\n\n<p>Herausfordernd war f\u00fcr einige zivilgesellschaftliche Hilfsstellen die Koordination von Wohnraumangeboten, Sachspenden und insbesondere Lebensmitteln. Die meisten Hilfsstellen hatten Erfahrung in der Verarbeitung von Lebensmitteln und auch die n\u00f6tigen K\u00fcchen und Materialien hierf\u00fcr. Die Antizipation m\u00f6glicher Nachfrage seitens der zu versorgenden Bev\u00f6lkerung war jedoch vielfach nicht m\u00f6glich. Seitens der Bev\u00f6lkerung erreichten die Hilfsstellen Lebensmittelspenden, sodass teils ein Annahmestopp verh\u00e4ngt werden mussten, da der Abfluss der Lebensmittel nicht mehr im Verh\u00e4ltnis zum Spendenaufkommen lag. Die Hilfsstellen sch\u00e4tzten f\u00fcr das Ende der Krise die Weiterverteilung von Lebensmittelspenden als eine ihrer Folgeaufgaben ein.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"604\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260105_133645-1-604x1024.jpg\" alt=\"Pinnwand mit Hilfsangeboten einzelner Privatpersonen im Rathaus Steglitz\" class=\"wp-image-606\" style=\"width:213px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260105_133645-1-604x1024.jpg 604w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260105_133645-1-177x300.jpg 177w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260105_133645-1-768x1301.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260105_133645-1-907x1536.jpg 907w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260105_133645-1-1209x2048.jpg 1209w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260105_133645-1-1200x2033.jpg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260105_133645-1-scaled.jpg 1511w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 3: Pinnwand mit Hilfsangeboten von Privatpersonen im Rathaus Steglitz (eigene Aufnahme)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><u>Betroffene und Betroffenheit<\/u><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Interviewte Betreuungspersonen der Hilfsstellen, welche intensiv mit hilfesuchenden Betroffenen in Kontakt waren, berichteten von einer Vielzahl von Menschen, welche in Hotels oder zu Bekannten und Verwandten in nicht betroffenen Gebieten auswichen. Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr die im Gebiet verbliebenen Personen waren neben der K\u00e4lte waren teils spezifische, teils unspezifische \u00c4ngste. Hatten einige Angst um ihren Besitz, verunsicherte Andere die Dunkelheit selbst oder auch Situationen mit Nachbarn, die mit Taschenlampen unterwegs waren. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier zeigte sich jedoch, dass Krisen und Katastrophen immer auch (wenigstens tempor\u00e4r) sozialen Zusammenhalt f\u00f6rdern: So seien viele Nachbarn, welche im Alltag keinen oder wenig Kontakt h\u00e4tten, w\u00e4hrend der Krise im Rahmen der Nachbarschafts- und Selbsthilfe in Kontakt gekommen. Auch die besuchten Hilfsstellen dienten als soziale R\u00e4ume f\u00fcr das nachbarschaftliche Zusammenkommen, Kennenlernen und die Bekanntschaftspflege. So seien auch neue Freundschaften entstanden. In den Hilfsstellen wurde \u00fcbergreifend von gro\u00dfer Dankbarkeit der Betroffenen und Besuchenden berichtet, was einen gro\u00dfen Teil der Selbstwirksamkeitserfahrung der Betreuenden ausmachte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260107_115207-768x1024.jpg\" alt=\"Angebot eines Reformhauses U-Bahnhof Onkel Toms H\u00fctte\" class=\"wp-image-600\" style=\"width:218px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260107_115207-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260107_115207-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260107_115207-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260107_115207-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260107_115207-1200x1600.jpg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/20260107_115207-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 4: Angebot eines Reformhauses U-Bahnhof Onkel Toms H\u00fctte (eigene Aufnahme)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Katastrophensoziologische Einordnung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die hier dargestellten Ergebnisse aus der Quick-Response Forschung dazu, wie sich verschiedene Akteure in dieser Lage organisiert und Hilfe zur Verf\u00fcgung gestellt haben, lassen sich nach der in der katastrophensoziologischen Forschung seit Jahrzehnten verwendeten und weiterentwickelten DRC-Typologie einordnen. Dieses vom <a href=\"https:\/\/www.drc.udel.edu\/\">Disaster Research Centre (DRC)<\/a> in den 1970er Jahren entwickelte Modell ordnet die verschiedenen sich im Katastrophenfall engagierenden Typen von Akteuren und\/oder Organisationen auf einem Spektrum danach, ob die Situation mit den vorhandenen Ressourcen bew\u00e4ltigt werden kann oder ob g\u00e4nzlich neue Akteure und Aufgaben hinzukommen (emergent groups). Ist dies der Fall, l\u00e4sst sich daraus schlie\u00dfen, dass die bisher vorhandenen Strukturen offensichtlich nicht ausreichend waren, die notwendigen Bed\u00fcrfnisse zu adressieren und die Lage angemessen zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DRC-Typologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><td><\/td><td><strong>Bestehende Strukturen<\/strong><\/td><td><strong>Neue Strukturen<\/strong><\/td><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Routinet\u00e4tigkeiten<\/td><td><strong>Established<\/strong> (Typ I) \u2013 Akteure, die f\u00fcr den Brandschutz, Rettungsdienst, Katastrophenschutz zust\u00e4ndig sind, z.B. Feuerwehr l\u00f6scht in der Katastrophe Br\u00e4nde<\/td><td><strong>Expanding<\/strong> (Typ II) \u2013 Akteure wie Hilfsorganisationen, die ihre Routinet\u00e4tigkeiten auch in der Katastrophe weiterf\u00fchren, dies aber nur mit zus\u00e4tzlichen ehrenamtlichen Strukturen bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen (z.B. Deutsches Rotes Kreuz (DRK))<\/td><\/tr><tr><td>Nicht\u2011routinem\u00e4\u00dfige T\u00e4tigkeiten<\/td><td><strong>Extending<\/strong> (Typ III) \u2013 bestehende Organisationen \u00fcbernehmen neue Funktionen (z.B. Kirchen betreiben Notunterk\u00fcnfte)<\/td><td><strong>Emergent<\/strong> (Typ IV) \u2013 neue Akteure, Einzelpersonen oder Organisationen, die L\u00fccken im formalen System schlie\u00dfen (z.B. Initiativen wie der Helfershuttle im Ahrtal)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class=\"wp-element-caption\">&nbsp;(<a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S2212420924001560\">Dittmer\/Lorenz 2024<\/a>, S.2, Eigene \u00dcbersetzung)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ordnet man die Akteure, die in den f\u00fcnf Tagen des Stromausfalls aktiv waren, unterschiedlichen Typen zu, zeigt sich folgendes Bild:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Typ 1: Established groups<\/strong>: Hierbei handelt es sich um Akteure, die genuin f\u00fcr den Brandschutz, Rettungsdienst oder den Katastrophenschutz zust\u00e4ndig sind. Die Freiwilligen Feuerwehren und v.a. die Polizeien \u00fcbernahmen ihre allt\u00e4glichen Routineaufgaben in existierenden Strukturen. So l\u00f6schte die Feuerwehr weiterhin Br\u00e4nde und die Polizei fuhr Streife in den betroffenen Gebieten oder regelte den Verkehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Typ 2: Expanding groups<\/strong>: Sp\u00e4testens mit dem Feststellen der Gro\u00dfschadenslage konnten die Organisationen des Katastrophenschutzes ihre eigentlichen Routineaufgaben wie die Versorgung Pflegebed\u00fcrftiger oder auch den Aufbau von Notunterk\u00fcnften mit zus\u00e4tzlichen ehrenamtlichen Ressourcen sicherstellen. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Typ 3: Extending groups<\/strong>: Die Sportvereine, die hellenische Gemeinschaft, Kirchengemeinden oder Superm\u00e4rkte nutzten ihre existierenden Strukturen, Mitglieder und Ressourcen f\u00fcr die \u00dcbernahme neuer Aufgaben im Bereich der akuten Versorgung einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl an Personen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"743\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/IMG_20260107_1503061-743x1024.jpg\" alt=\"Hilfsangebot des Alliiertenmuseums als Beispiel f\u00fcr Typ 3\" class=\"wp-image-608\" style=\"width:237px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/IMG_20260107_1503061-743x1024.jpg 743w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/IMG_20260107_1503061-218x300.jpg 218w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/IMG_20260107_1503061-768x1058.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/IMG_20260107_1503061-1114x1536.jpg 1114w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/IMG_20260107_1503061-1486x2048.jpg 1486w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/IMG_20260107_1503061-1200x1654.jpg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2026\/01\/IMG_20260107_1503061-scaled.jpg 1857w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 5: Hilfsangebot des Alliiertenmuseums als Beispiel f\u00fcr Typ 3 (eigene Aufnahme)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Typ 4: Emergent groups<\/strong>: im Gegensatz zu vielen anderen gr\u00f6\u00dferen Krisen und Katastrophen wie z.B. die Fl\u00fcchtlingssituation 2015\/16 oder die Hochwasser- und Starkregenkatastrophe in Westdeutschland im Juli 2021 lassen sich keine neu aufkommenden Gruppen oder Akteure finden, die m\u00f6gliche Leerstellen der etablierten Akteure (Typ 1-3) schlie\u00dfen. Daraus l\u00e4sst sich zumindest operativ konzeptionell die Schlussfolgerung ableiten, dass mit den vorhandenen zivilgesellschaftlichen Strukturen die Lage im Sinne der Bed\u00fcrfnisbefriedigung der Bev\u00f6lkerung ausreichend abgearbeitet werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne in Abrede stellen zu wollen, dass die Situation f\u00fcr viele Betroffene schwierig und herausfordernd war \u2013 und es wie nach jedem Ereignis vielf\u00e4ltige Rufe nach Verbesserungen gibt, zeigt die Analyse anhand der DRC-Typologie jedoch auch, dass in komplexen Lagen typische Entwicklungen, die auf deutliche Leerst\u00e4nde hinweisen, in diesem Fall nicht auftraten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schlussfolgerungen<\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend und nach dem Stromausfall wurde und wird weiterhin vielf\u00e4ltige z.T. absolut berechtigte Kritik am Krisenmanagement von Bezirk und Senat, der Krisenkommunikation, der Ausstattung des Katastrophenschutzes oder dem Schutz Kritischer Infrastruktur ge\u00fcbt. Ohne die Notwendigkeit in Frage zu stellen, die Schwachstellen der Vorbereitung und Bew\u00e4ltigung dieser Lage objektiv und kritisch reflektierend aufzuarbeiten und daraus wirklich zu lernen, ist die Schwemme an medialen Einsch\u00e4tzungen von \u201eExpert*innen\u201c, die sich weder mit Katastrophenschutz in Berlin, noch Katastrophenbew\u00e4ltigung allgemein auskennen, sich vor Ort mit Betroffenen oder Verantwortlichen auseinandergesetzt haben oder sonstige Expertise besitzen weder konstruktiv noch f\u00fchrt sie zu differenzierten Bewertungen und demotiviert alle ehrenamtlichen und zivilgesellschaftlichen Kr\u00e4fte, die wie in jeder Katastrophe auch, die Lage bestm\u00f6glich bearbeitet haben. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hierbei spielen auch die \u00f6ffentlichen und soziale Medien eine zentrale Rolle. Bereits in der Lagebew\u00e4ltigung stellten zwar die Liveticker von tagesspiegel.de und rbb24.de wichtige Informationen bereit und begleiteten die Lageentwicklung auch auf Social Media intensiv. Allerdings zeigte sich auch in der Feldforschung, dass in den Hilfsstellen und Notunterk\u00fcnften zeitweise mehr Pressevertreter*innen anwesend waren als hilfesuchende Personen. Die Verantwortlichen in den Hilfsstellen berichteten von einer \u201everzweifelten\u201c Suche nach Betroffenen, die \u201eim besten Fall\u201c auch negative Erfahrungen mit dem Krisenmanagement gemacht hatten und m\u00f6glichst hohe Klickzahlen versprachen. So war der Einlass von Medienvertreter*innen in den besuchten Unterk\u00fcnften zun\u00e4chst unreguliert, ab Dienstag gab es dann nach vielf\u00e4ltigen negativen Erfahrungen mit dem St\u00f6ren von Privatsph\u00e4re durch Medienvertreter*innen Verbote, die Unterk\u00fcnfte ohne Voranmeldung zu besuchen. Als zunehmend problematisch zeigte sich auch der Umgang mit politisch extremen Medien, insbesondere unter dem Eindruck der sehr dominanten Debatte um die verschiedenen Bekennerbriefe und politischen Ausrichtungen. Zudem kam es in den sozialen Medien in Einzelf\u00e4llen auch zur Diffamierung von migrantisch gepr\u00e4gten Hilfsinitiativen oder Desinformationskampagnen bezogen auf die <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/faktencheck\/2026\/01\/13\/stromausfall-in-berlin-gefluechtete-wurden-nicht-in-luxushotels-untergebracht\/\">angebliche Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen in Luxushotels<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich konstatieren: Zivilgesellschaftliche Initiativen werden gesehen und ihr Angebot in Krisen von staatlicher Seite auch anerkannt. Gleichzeitig gibt es, wie in jeder Katastrophe, Optimierungspotentiale in der Koordination und Informationsbereitstellung f\u00fcr diese Initiativen. Hier w\u00e4re ggf. eine entsprechende Schnittstelle zwischen zivilgesellschaftlicher Initiative und Verwaltung\/Krisenstab denkbar, gerade dort, wo nicht schon viele informelle Kontakte zwischen den Akteuren bestehen (wie z. B. in kleineren Gemeinden, bspw. auf dem Land). Auch eine horizontale Vernetzung in Alltag und Krise zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen zur gemeinsamen Bedarfs- und Angebotsabstimmung (\u201cin der Krise K\u00f6pfe Kennen\u201d), ggf. moderiert und koordiniert durch die Kommune, w\u00e4re als strukturierendes und unterst\u00fctzendes Element des kommunalen Krisenmanagements denkbar, ohne, dass die Initiativen in ihrer Autonomie oder ihrer Rolle als Krisenakteur reglementiert oder nivelliert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zivilgesellschaftliche Organisationen sind in hohem Ma\u00dfe zur Selbstorganisation und zur koordinierten Hilfeleistung in der Lage. Dies speist sich aus intrinsischer Motivation der Helfenden, humanit\u00e4ren, karitativen und sozialen Organisationshintergr\u00fcnden- und Selbstverst\u00e4ndnissen sowie einem hohen Grad an Selbstwirksamkeitserfahrung und der Wiedererlangung von Autonomie durch die geleistete Nachbarschaftshilfe. Wichtig ist hierbei die Bildung starker zivilgesellschaftlicher Strukturen bereits im Alltag. Ausreichende \u00f6ffentliche Mittel und F\u00f6rderung, die Vernetzung zwischen den Initiativen und den Kommunen mit dem Hintergrund der Resilienzsteigerung und die Aufrechterhaltung einer steten, wertsch\u00e4tzenden und l\u00f6sungsorientierten Kommunikation zwischen den zivilgesellschaftlichen Initiativen und dem Staat sind Grundvoraussetzungen f\u00fcr die Durchf\u00fchrbarkeit effektiver zivilgesellschaftlicher Selbsthilfe und der Integration der Zivilgesellschaft im Hilfeleistungssystem in Krisen und Katastrophen. Zivilgesellschaftliche Selbsthilfe ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, sondern muss gepflegt und aufgebaut werden. Die Rolle der Zivilgesellschaft und insbesondere zivilgesellschaftlicher Organisationen und Tr\u00e4gern f\u00fcr die Entlastung des Bev\u00f6lkerungsschutzes und der gesamtgesellschaftlichen Krisenbew\u00e4ltigung sollte seitens des Staates und BOS keinesfalls untersch\u00e4tzt werden. Jede Person, welche durch zivilgesellschaftliche Selbsthilfe nicht in eine akute Notlage ger\u00e4t und auf die Hilfe der Strukturen des Bev\u00f6lkerungsschutzes angewiesen ist, erm\u00f6glicht diesen die gezielte Fokussierung auf die vulnerabelsten Angeh\u00f6rigen der Gesellschaft und die Bew\u00e4ltigung der jeweiligen Lage. Zivilgesellschaftliche Selbstorganisation und die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung und Wertsch\u00e4tzung sozialer Infrastruktur und des Vereinswesens, gleich ob soziale Tr\u00e4ger, Gemeindezentren, Nachbarschaftsvereine, Sportvereine oder anderer Akteure aus der Zivilgesellschaft, kann also auch als Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Resilienz und zur gesamtstaatlichen- und gesellschaftlichen Bev\u00f6lkerungsschutzaufgabe gesehen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag, den 3. Januar 2026, kam es im S\u00fcdwesten Berlins zu einem massiven Stromausfall: Die Ortsteile Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde im Bezirk Steglitz-Zehlendorf waren bei winterlichen Wetterverh\u00e4ltnissen \u00fcber 4,5 Tage weitestgehend ohne Strom. Der folgende Blogbeitrag stellt Ergebnisse einer Quick-Response Forschung vor, die w\u00e4hrend des Stromausfalls in den betroffenen Gebieten durchgef\u00fchrt wurde. Fokus lag auf dem Handeln der Zivilgesellschaft. Mit Hilfe der DRC-Typologie wird dieses eingeordnet und eine Einsch\u00e4tzung der Lagebew\u00e4ltigung aus katastrophensoziologischer Perspektive vorgenommen. <\/p>\n","protected":false},"author":6977,"featured_media":583,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[452968,2131,462439,462441,462454,462453],"class_list":["post-581","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-cordula-dittmer","tag-deutsch","tag-nicolas-bock","tag-peter-windsheimer","tag-quick-response","tag-stromausfall"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/581","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6977"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=581"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/581\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":651,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/581\/revisions\/651"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/583"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=581"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=581"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=581"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}