{"id":91,"date":"2022-07-15T19:14:15","date_gmt":"2022-07-15T17:14:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/?p=91"},"modified":"2025-02-28T14:53:17","modified_gmt":"2025-02-28T13:53:17","slug":"forschung-der-kfs-zu-den-starkregenereignissen-in-nordrhein-westfalen-und-rheinland-pfalz-2021-1-jahr-danach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/archive\/91","title":{"rendered":"Forschung der KFS zu den Starkregenereignissen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz 2021 \u2013 1 Jahr danach"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Katastrophenforschungsstelle (KFS)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.17169\/refubium-45069\">http:\/\/dx.doi.org\/10.17169\/refubium-45069<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"461\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-1024x461.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-109\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-1024x461.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-300x135.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-768x346.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-1536x692.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-2048x922.jpg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-1200x540.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>\u00a9KFS<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u201eNicht alle sind im selben Jetzt da. Sie sind es nur \u00e4u\u00dferlich, dadurch, dass sie heute zu sehen sind. Damit aber leben sie noch nicht mit den anderen zugleich. Sie tragen vielmehr Fr\u00fcheres mit, das mischt sich ein\u201c (Bloch 1973: 104)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Direkt nach den verheerenden Starkregenereignissen im Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ver\u00f6ffentlichte die Katastrophenforschungsstelle (KFS) der Freien Universit\u00e4t Berlin ein kurzes <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/Katastrophe_NRW_RP_2021\/index.html\">Statement<\/a> dazu, welchen Beitrag die KFS bislang in Forschungsprojekten f\u00fcr die Analyse verschiedener Hochwasser- und Starkregenereignisse in der Vergangenheit geleistet hat und wie diese auch in aktuellen Forschungsprojekten im Rahmen der Aufarbeitung aufgegriffen werden k\u00f6nnten. Zum Jahrestag der Ereignisse wird im folgenden Blogbeitrag eine erste Bilanz aus seither durchgef\u00fchrten weiteren Arbeiten gezogen und vorl\u00e4ufige Ergebnisse pr\u00e4sentiert.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<!--more \u21d2 Continue Reading-->\n<!--noteaser-->\n\n\n\n<p><em>Katastrophenforschungsstelle (KFS)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.17169\/refubium-45069\">http:\/\/dx.doi.org\/10.17169\/refubium-45069<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"461\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-1024x461.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-109\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-1024x461.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-300x135.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-768x346.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-1536x692.jpg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-2048x922.jpg 2048w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/20220520_091111-1200x540.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>\u00a9KFS<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u201eNicht alle sind im selben Jetzt da. Sie sind es nur \u00e4u\u00dferlich, dadurch, dass sie heute zu sehen sind. Damit aber leben sie noch nicht mit den anderen zugleich. Sie tragen vielmehr Fr\u00fcheres mit, das mischt sich ein\u201c (Bloch 1973: 104)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Direkt nach den verheerenden Starkregenereignissen im Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ver\u00f6ffentlichte die Katastrophenforschungsstelle (KFS) der Freien Universit\u00e4t Berlin ein kurzes <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/Katastrophe_NRW_RP_2021\/index.html\">Statement<\/a> dazu, welchen Beitrag die KFS bislang in Forschungsprojekten f\u00fcr die Analyse verschiedener Hochwasser- und Starkregenereignisse in der Vergangenheit geleistet hat und wie diese auch in aktuellen Forschungsprojekten im Rahmen der Aufarbeitung aufgegriffen werden k\u00f6nnten. Zum Jahrestag der Ereignisse wird im folgenden Blogbeitrag eine erste Bilanz aus seither durchgef\u00fchrten weiteren Arbeiten gezogen und vorl\u00e4ufige Ergebnisse pr\u00e4sentiert.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">1. 1 Jahr danach \u2013 Kontext und Kritik<\/h1>\n\n\n\n<p><em>Cordula Dittmer<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir schlie\u00dfen uns mit diesem Blogbeitrag der Vielzahl an Evaluationen, Berichten, Befragungen, Empfehlungen und Lessons Learned-Papieren und Statements an, die in den letzten Wochen ver\u00f6ffentlicht wurden und noch werden. Wohl keine Katastrophe in Deutschland zuvor ist derart aus unterschiedlichen Perspektiven und Facetten analysiert, evaluiert und kritisiert worden. Dies nat\u00fcrlich auch und v.a. aufgrund der f\u00fcr Deutschland sehr hohen Anzahl an Todesopfern, den immensen Sachsch\u00e4den und dem prognostizierten jahrzehntelangen Wiederaufbau. Die Frage, wie vielen Menschen mit einer validen Fr\u00fchwarnung und einer zuverl\u00e4ssigen Warnkette das Leben h\u00e4tte gerettet werden k\u00f6nnen, steht dabei im Mittelpunkt der weiterhin auch emotional gef\u00fchrten Debatten. Und obwohl diese Katastrophe und der Wiederaufbau intensiv begleitet wurden (und z.T. auch in mehrj\u00e4hrigen Projekten weiterhin werden soll), f\u00e4llt die Bilanz nach einem Jahr bislang eher ern\u00fcchternd aus: Die zun\u00e4chst kommunizierten Ziele eines katastrophenresilienten Wiederaufbaus scheinen deutlich schwerer umzusetzen zu sein als geplant. Man beobachtet vielmehr, um es mit den Worten der Vulnerabilit\u00e4ts- und Resilienzforschung zu sagen, ein \u201ebouncing-back\u201c, also die R\u00fcckkehr zum vorherigen Status quo, der die betroffenen Regionen anf\u00e4llig hat werden lassen f\u00fcr die immensen Sch\u00e4den. Bislang l\u00e4\u00dft sich weder ein \u201ebouncing-back-better\u201c noch ein transformativer Prozess beobachten, wie es die Katastrophenforschung (z.B. Alexander 2013; Manyena 2006) und z.B. auch das <a href=\"https:\/\/www.preventionweb.net\/files\/43291_sendaiframeworkfordrren.pdf\">Sendai Framework for Disaster Risk Reduction<\/a> seit Jahren f\u00fcr Wiederaufbauprozesse und nachhaltiges Katastrophenrisikomanagement empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterhin gilt: Die Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verdeutlicht die Notwendigkeit sozialwissenschaftlicher, theoretisch fundierter Katastrophenforschung in Deutschland. Anders als weiterhin h\u00e4ufig in vielen Medien berichtet, handelt es sich bei den Starkregenereignissen nicht um eine \u201eNaturkatastrophe\u201c, sondern um eine Sozialkatastrophe, um das Scheitern allt\u00e4glicher Risiko- und Gefahrenkulturen oder auch der Katastrophenkultur und damit einhergehender Alltagsroutinen. Um dem potenziellen Scheitern von Alltagsroutinen etwas entgegenzusetzen, hat sich historisch das Feld des Zivil- und Katastrophenschutzes als institutionalisierte Praxis herausgebildet. Dieser bildet Sonderroutinen aus, die im Optimalfall das Scheitern der Alltagsroutinen vorwegnehmen, abmildern oder gar verhindern k\u00f6nnen. Im besten Fall sind diese eingebettet in eine positive Katastrophenkultur, in der eine angemessene Risiko- wie Krisenkommunikation etabliert ist, Warnkonzepte der Bev\u00f6lkerung vorliegen, Vulnerabilit\u00e4ten\/vulnerable Gruppen in der Bev\u00f6lkerung bekannt, Einsatzeinheiten gut vorbereitet sind und der Aufbau eines \u201eneuen\u201c Alltags und entsprechender Routinen resilient gestaltet wird (siehe dazu Voss et al. 2022).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund der Notwendigkeit, schnelle und gut umsetzbare Empfehlungen zu generieren, bleiben viele der Analysen jedoch bislang auf einer deskriptiven Ebene mit bereits bekannten Forderungen auch nach mehr\/besserer\/anderer Ausstattung, Kommunikationsmitteln oder Zust\u00e4ndigkeiten, die auch vor Juli \u201821 vielfach schon bestanden (siehe dazu z.B. die Evaluationen der Elbehochwasser DKKV 2003, 2013). Zugleich existierte \u00fcber viele Jahre nicht nur eine mittlerweile vielzitierte \u201eHochwasserdemenz\u201c, sondern auch ein gesamtgesellschaftliches und politisch forciertes Narrativ, das extreme Ereignisse singularisiert. Im Rahmen dieses Narrativs scheint es ausreichend, wenn der Katastrophenschutz reaktiv aufgestellt ist: Entweder, man hat bereits Erfahrungen gesammelt mit einem Ereignis und kann diesem mit den etablierten Instrumenten und Verfahren begegnen oder die Zukunft ist derart ungewiss, dass man sich nur unzureichend auf diese vorbereiten kann \u2013 also bleibt \u2013 \u00fcberspitzt formuliert &#8211; alles wie es ist. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Erst langsam setzt sich vor dem Hintergrund von aktuellen Hitzewellen, D\u00fcrren, der Sars-CoV-2-Pandemie, Erdgasknappheit und Zivilschutzszenarien auch politisch die Erkenntnis durch, dass die gegenw\u00e4rtigen Verfahren und Prozesse der Bew\u00e4ltigung solcher grundlegenden gesellschaftlichen Ersch\u00fctterungen und Vulnerabilit\u00e4ten nicht mehr ausreichen, um die gegenw\u00e4rtigen und zuk\u00fcnftigen Herausforderungen zu managen, im besten Fall zu verhindern. Die j\u00fcngst verabschiedete <a href=\"https:\/\/www.bbk.bund.de\/DE\/Themen\/Nationale-Kontaktstelle-Sendai-Rahmenwerk\/Resilienzstrategie\/resilienz-strategie_node.html\">Resilienzsstrategie <\/a>der Bundesregierung ist hier ein erster Schritt, der sich jedoch in der konkreten Umsetzung noch beweisen muss. <\/p>\n\n\n\n<p>Die schwer betroffenen Regionen insbesondere das Ahrtal, aber auch die St\u00e4dte Stolberg oder Eschweiler, sind historisch gesehen immer auch mit Hochwassern oder Starkregenereignissen konfrontiert gewesen. In den engen Flusst\u00e4lern gibt es an sich kaum Wasserr\u00fcckhaltem\u00f6glichkeiten, anthropogene Einfl\u00fcsse wie die Versiegelung von Oberfl\u00e4chen, intensive Landwirtschaft insbesondere durch Weinbau, Stra\u00dfen- und Eisenbahnbr\u00fccken, Dammbau, Tourismus oder der Braunkohletagebau haben die Region extrem vulnerabel gemacht f\u00fcr Ereignisse dieser Art (Sz\u00f6nyi et. al. 2022). <\/p>\n\n\n\n<p>Vorherige \u00e4hnliche Starkregenereignisse in der Region wie z.B. 2016 im Ahrtal oder 2018 in der Westeifel, die in einigen Landkreisen deutlich h\u00f6here \u00f6konomische Sch\u00e4den hervorriefen (siehe dazu auch den Abschnitt zur <a href=\"#_Governance-Strukturen_des_Zivil-\">Governance<\/a>), waren bereits als \u201edie Ausnahmeereignisse\u201c bezeichnet worden, so dass eine weitere Steigerung kaum vorstellbar schien, sich daher auch nicht weiter darauf vorbereitet werden brauche. Diejenigen Landkreise, die diesem Narrativ jedoch nicht folgten und daraus Schlussfolgerungen f\u00fcr ihr Starkregenrisikomanagement zogen, wie z.B. mit der Verstetigung von Katastrophenschutzzentren wie im Landkreis Eifelkreis\/Bitburg\/Pr\u00fcm sind deutlich besser mit den 21-er Ereignissen umgegangen. In den \u00f6ffentlichen und akademischen Debatten dient das Ahrtal oft als \u201ediskursiver Nukleus\u201c, um den herum sich alle weiteren betroffenen Regionen und Argumente gruppieren (m\u00fcssen) \u2013 und damit auch aus dem Blick zu geraten drohen<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Auch dies gilt es in der sozialwissenschaftlichen Bewertung von Bew\u00e4ltigung und Wiederaufbau zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Verschiedene Projekte an der KFS<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> haben sich in den letzten 12 Monaten den Fragen gewidmet, welche Fehler vor, w\u00e4hrend und nach den Starkregenereignissen 21 gemacht wurden, welche Schwachstellen zu erkennen waren, welche Best Practices sich zeigten und welche Lehren daraus gezogen werden sollten. Die betroffenen Regionen sind sowohl topographisch als auch sozio\u00f6konomisch sehr heterogen, so dass \u00fcber das gesamte betroffene Gebiet verallgemeinernde Aussagen oder Empfehlungen grunds\u00e4tzlich mit Unsicherheit behaftet sind, wenn auch diese von Politik und Praxis erw\u00fcnscht sind. Sowohl die Formen von Betroffenheit, Prozesse und Verfahren der Bew\u00e4ltigung (sozial, \u00f6konomisch, kulturell\/symbolisch, technisch) als auch die zeitliche und r\u00e4umliche Ausdehnung waren und sind sehr unterschiedlich; verschiedene Akteure k\u00f6nnen sich \u2013 obwohl r\u00e4umlich nah \u2013 in unterschiedlichen Phasen der Bew\u00e4ltigung befinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der differenzierte Blick auf die sehr unterschiedlichen sozialen, physischen, \u00f6konomischen und kulturellen Vulnerabilit\u00e4ten ist unabdingbar, um die verschiedenen Dimensionen dieser Katastrophe und daraus zu ziehende Empfehlungen ad\u00e4quat abzubilden. Viele der Betroffenen insbesondere in der Eifel <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2022-07\/ahrtal-flut-wiederaufbau-nachrichtenpodcast\">berichten<\/a> davon, dass sie zwar in der Katastrophe alles verloren h\u00e4tten, dass die Verbundenheit mit der Region bzw. ihrem Heimatort durch die Erlebnisse nur st\u00e4rker geworden ist und sie, wenn auch der Wiederaufbau m\u00fchsam und zehrend ist, wieder dorthin zur\u00fcckkehren wollen oder eigene Rituale entwickelt haben, wie sie die Verbindung zu ihrer Heimat aufrechterhalten k\u00f6nnen. Diese sozialen Aspekte m\u00fcssen ebenso in Lessons Learned einflie\u00dfen wie hochwasserresiliente Br\u00fcckenbauten oder die Notwendigkeit von Retentionsfl\u00e4chen. Der Fokus auf die Heterogenit\u00e4t der Ereignisse und ihrer institutionellen, politischen und sozialen Bew\u00e4ltigung erm\u00f6glicht auch, den Blick daf\u00fcr zu weiten, wo die Bew\u00e4ltigung gut geklappt hat, wo Lehren aus vergangenen Lagen gezogen wurden oder wo der Katastrophenschutz an sich gut aufgestellt ist. Hier k\u00f6nnten die betroffenen Landkreise auch noch st\u00e4rker voneinander lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der Perspektive der sozialwissenschaftlichen Katastrophenforschung muss der Bev\u00f6lkerungsschutz viel st\u00e4rker als bisher als komplexes Netzwerk, welches sehr unterschiedliche Akteure, Praktiken und Ressourcen beinhaltet, die verschiedene Interessen verfolgen, gedacht werden. Es braucht eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz, dass der Bev\u00f6lkerungsschutz auf allen Ebenen wichtig ist, aber entsprechende Erwartungen an ihn auch zu managen sind sowie Grenzen der Leistbarkeit erkennbar gemacht werden m\u00fcssen. Dies gilt insbesondere unter den gegenw\u00e4rtigen zunehmend komplexer werdenden Rahmenbedingungen im Sinne auch kaskadierender Krisen und Katastrophen (z.B. Fl\u00fcchtlingslage, Schweinepest, Pandemie, Waldbr\u00e4nde). Inwieweit hier administrative vertikal organisierte Zust\u00e4ndigkeiten insbesondere auch was die Warnketten angeht, funktional sind, sollte diskutiert werden. Es w\u00e4re zu \u00fcberlegen, st\u00e4rker auch horizontale Modelle wie z.B. das in den Niederlanden erfolgreich etablierte Organisationsprinzip der <a href=\"https:\/\/www.dachist.org\/de\/niederlande\/coronavirus\/notverordnungen.html\">Sicherheitsregionen <\/a>aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bev\u00f6lkerung in ihrer Heterogenit\u00e4t und mit ihren sozialen Vulnerabilit\u00e4ten sollte viel st\u00e4rker als bisher in die Analysen und Aufarbeitungen einbezogen und in ihren Selbsthilfekapazit\u00e4ten ausgebildet werden. Hier sind die Erste-Hilfe-Kurse mit Selbstschutzinhalten oder die Brosch\u00fcren des BBK ein erster Schritt, vielleicht lohnt sich aber auch der Blick in andere L\u00e4nder, wie diese ihre Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Katastrophen sensibilisieren. Zugleich muss der Staat weiterhin seinem genuinen Schutzversprechen nachkommen und v.a. denen helfen, die sich selbst nicht helfen k\u00f6nnen. Um komplexe Gefahren und Herausforderungen der Zukunft sowie gesellschaftliche Resilienz systemischer erforschen zu k\u00f6nnen, bedarf es breit aufgestellter Kompetenzen, die einen wirklichen Schutz der Bev\u00f6lkerung erm\u00f6glichen wie es das <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/publikationen\/Konzept-Kompetenzhubs-Resilienz-und-Schutz-der-Bevoelkerung-V3_022022.pdf\">Konzept f\u00fcr&nbsp;Kompetenzhubs Resilienz und Schutz der Bev\u00f6lkerung<\/a> anbietet. Zu grunds\u00e4tzlichen Schwachstellen und Notwendigkeiten der Reform des Bev\u00f6lkerungsschutzes sind von Seiten der KFS vielf\u00e4ltige <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/KFS-Medienspiegel\/index.html\">weitere Vorschl\u00e4ge und Analysen<\/a> erfolgt sowie Lessons to Learn (Voss 2022) definiert worden.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">2.&nbsp;&nbsp;Einige Erkenntnisse zur Warnung<\/h1>\n\n\n\n<p><em>Cordula Dittmer<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0215-1-1-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-105\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0215-1-1-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0215-1-1-300x200.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0215-1-1-768x512.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0215-1-1-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0215-1-1-1200x800.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0215-1-1.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>\u00a9KFS<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bereits die fr\u00fchen Evaluationen und Lessons Learned-Papiere (z.B. Beinlich 2021) deuteten sehr deutlich darauf hin, dass Warnungen nicht erfolgten bzw. nicht weitergegeben wurden, dass das potenzielle Ausma\u00df der m\u00f6glichen Sch\u00e4den nicht deutlich genug kommuniziert wurde und dass viele Menschenleben h\u00e4tten gerettet werden k\u00f6nnen, wenn die Warnketten und -botschaften verl\u00e4sslich gewesen w\u00e4ren. Aus meteorologischer Sicht waren die Anzeichen f\u00fcr ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Ereignis sehr deutlich, viele der stark betroffenen Ortschaften h\u00e4tten mit einigem Zeitvorlauf evakuiert werden k\u00f6nnen (Landtag Nordrhein-Westfalen 2022). &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Differenzierter betrachtet zeigt sich in Fallstudien im Kontext des Projekts <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/forschung\/forschungsprojekte\/HoWas2021\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">HoWas21<\/a>, dass es durchaus eine Vielzahl an Warnungen \u00fcber unterschiedliche Warnmittel gab, die nur sehr unterschiedlich wahrgenommen und mit Handlungen versehen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem war &#8211; soweit der gegenw\u00e4rtige Aufarbeitungsstand &nbsp;&#8211; zum Einen, dass man vor den Starkregenereignissen (und z.T. auch daraus resultierenden m\u00f6glichen Hochwasserereignissen) warnte, nicht jedoch in der H\u00f6he bzw. der St\u00e4rke, in der notwendigen Dringlichkeit und v.a. nicht in Form von Flutwellen, die sich nach einem ersten Abschwellen der Pegel<a id=\"_ftnref4\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> und damit einhergehender erster Entspannung, sehr \u00fcberraschend und schnell \u00fcber die engen T\u00e4ler ergossen oder kleine Nebenarme zum \u00dcberlaufen brachten. Die Frage, ob und wie konkret man die Auswirkungen, also den Impact, des Regens h\u00e4tte vorhersagen k\u00f6nnen, ist bis heute Teil intensiver Diskussionen der verschiedenen Warn-Akteure Deutscher Wetterdienst (DWD), der Landesumwelt\u00e4mter bis hin zu den Landkreisen. Ein weiteres gro\u00dfes Problem war, dass die Warnungen z.T., wenn sie die potenziell Betroffenen \u00fcberhaupt erreichte, sowohl von der Bev\u00f6lkerung als auch Verantwortlichen des Katastrophenschutzes nicht ernst genug genommen wurden, dass es zuvor schon mehrere \u00e4hnliche Warnungen gab oder auch, dass die Bev\u00f6lkerung die Warnungen zwar wahrnahm, aber nicht wusste, welche Handlungen daraus folgen sollten (Thieken et. al 2022; Sz\u00f6nyi et. al. 2022). Koh\u00e4rente, zwischen Landkreis und Kommune abgestimmte Warn- und Informationskonzepte lagen \u2013 obwohl in den jeweiligen Landeskatastrophenschutzgesetzen als genuine Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung definiert \u2013 nur selten vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich der Fr\u00fchwarnung wurde \u2013 je nach Ausstattung und Praxis der Region \u2013 meist auf ein Warnmix aus Warn-Apps, sozialen Medien<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a>, Sirenen, Lautsprecherfahrzeuge, pers\u00f6nliche Ansprache durch die lokale Gefahrenabwehr und pers\u00f6nliche Warnung \u00fcber soziale Netzwerke zur\u00fcckgegriffen. Die unterschiedlichen Medien erreichen jeweils unterschiedliche Zielgruppen, die unterschiedlich mit sozialem, \u00f6konomischem oder kulturellem Kapital ausgestattet sind und entsprechend unterschiedlich darauf reagieren (k\u00f6nnen). Dass Warnungen vor welcher Art von Ereignissen auch immer, eigentlich zielgruppenspezifisch verfasst sein m\u00fcssten, erforschen die Projekte WEXICOM I-III zusammen mit dem DWD seit einigen Jahren (z.B. Schulze\/Voss 2020, 2022). Welche Warnmittel in den in HoWas21 untersuchten Regionen eingesetzt wurden und welche Fragen sich aus der sozialwissenschaftlichen Perspektive daran richten, kann hier nur angedeutet werden. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warnapps KatWarn und NINA: <\/strong>Auf Bundes- und Landesebene wurden Warnungen von Seiten des Katastrophenschutzes \u00fcber die beiden Warn-Apps \u201eKatWarn\u201c (vornehmlich in Rheinland-Pfalz genutzt) und \u201eNINA\u201c (vornehmlich in Nordrhein-Westfalen verbreitet) abgesetzt, von Seiten des Hochwasserschutzes \u00fcber die Apps des DWD, Meine Pegel, u.\u00e4., sowie z.T., wenn auch nicht strukturiert, \u00fcber analoge und\/oder soziale Medien. Leider liegen bislang zu den Warnapps NINA und KatWarn keine validen Nutzer*innenzahlen<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a> vor. Vorsichtige Sch\u00e4tzungen auf Grundlage von bislang nicht validierten Daten legen jedoch nahe, dass die Nutzer*innenzahlen bislang noch eher klein sind und insbesondere MOWAS als Bundessystem auch w\u00e4hrend der Lage wenig aktiv genutzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1006\" height=\"308\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Tabelle.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-101\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Tabelle.png 1006w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Tabelle-300x92.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Tabelle-768x235.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Quelle: Eigene Berechnung nach Landtag Rheinland-Pfalz (2022)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dies hat u.a. auch damit zu tun, dass einige Akteure der lokalen Gefahrenabwehr insbesondere die Feuerwehren, die gro\u00dffl\u00e4chige Warnung der Bev\u00f6lkerung nicht als ihre Aufgabe definierten, da diese zwischen Kommune und Landkreis angesiedelt oft erst im Falle gr\u00f6\u00dferer Lagen (Alarmstufe 4 in Rheinland-Pfalz oder Katastrophenfall\/Gro\u00dfschadenslage in Nordrhein-Westfalen) relevant wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sich bereits hier andeutet und auch f\u00fcr die Analyse der weiteren Bew\u00e4ltigung fortsetzt: Eine Vielzahl der kommunalen Einsatzleitungen ist von einer falschen Lagebeurteilung ausgegangen, es wurde zu lange mitdem Lagebild gearbeitet, es handele sich um lokal begrenzte Einsatzstellen, die mit \u201eBordmitteln\u201c kommunal oder wenigstens auf Landkreisebene bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen, eine entsprechende Warnung der Bev\u00f6lkerung oder gar Evakuierung deshalb nicht notwendig sei. Als die Erkenntnis durchdrang, dass es sich hier um ein Schadensereignis deutlich gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes handelte, konnten vielerorts die daf\u00fcr vorgesehenen Strukturen wie \u00fcbergeordnete Krisenst\u00e4be, \u00fcber\u00f6rtliche Hilfe, Feststellen des Katastrophenfalls, etc. nicht oder nur noch schwer abgerufen werden, da die Kommunikationsstrukturen zusammengebrochen waren und alle eigentlich verf\u00fcgbaren lokalen Einsatzkr\u00e4fte bereits selbst im Einsatz oder privat betroffen waren. Dies f\u00fchrte auch zu den z.T. verzweifelten Anrufen von Landr\u00e4ten bei ihnen pers\u00f6nlich bekannten Akteuren des Katastrophenschutzes au\u00dferhalb des betroffenen Gebietes mit der Bitte, alles zu schicken, was man habe. Diese Einheiten agierten nach ihrem Eintreffen am Einsatzort entweder autark ohne Kenntnis jeglicher lokaler F\u00fchrungsstrukturen oder irrten auf der Suche nach Auftr\u00e4gen z.T. umher oder warteten in provisorischen Bereitstellungsr\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sirenen:<\/strong>&nbsp; In einigen Landkreisen wurden die Sirenen nach dem Ende des Kalten Krieges nicht abgebaut, sondern durchaus weiterbetrieben. Dies zumeist jedoch f\u00fcr die Alarmierung der Feuerwehren und entsprechend der veralteten technischen Ausstattung auch nur mit einem Signal, welches die Bev\u00f6lkerung nur als Feuerwehralarmierung wahrgenommen hat. Zwar wurden Sirenenwarnungen in einigen D\u00f6rfern ausprobiert, diese scheiterten jedoch aus den genannten Gr\u00fcnden. Der auch mit Bundesmitteln geplante Ausbau der Sirenen muss daher auch mit einer Sensibilisierungs- und Informationskampagne einhergehen, welche Signale welche Bedeutung haben und welche Handlungen daraus f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung resultieren.<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lautsprecherfahrzeuge<\/strong>: Lautsprecherfahrzeuge waren in vielen Regionen ein relativ weit verbreitetes Warnmittel, allerdings sind diese mit einigen Problemen behaftet. Zun\u00e4chst einmal ist oft unklar, welche Feuerwehr welche Ressourcen besitzt, die daf\u00fcr verwendet werden k\u00f6nnten. Die entsprechenden Fahrzeuge m\u00fcssen zur Verf\u00fcgung stehen und nicht bereits anderweitig in die Gefahrenabwehr eingebunden sein. Die Besatzung muss darin geschult sein, wie man Warnrouten f\u00e4hrt und Routen m\u00fcssen je nach Szenario neu und spezifisch festgelegt werden. Es muss damit gerechnet werden, dass die Besatzung von Lautsprecherfahrzeugen auch als Anlaufstelle und Informationsportal genutzt werden k\u00f6nnte, auch daf\u00fcr gilt es einen Plan zu haben. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pers\u00f6nliche Ansprache durch die lokale Gefahrenabwehr<\/strong>: Hier braucht es Vertrauen in die jeweiligen Institutionen und Personen, sowie die Kompetenz der Warnenden, die Leute davon zu \u00fcberzeugen, ihre H\u00e4user zu verlassen. Dieses Warnmittel kann sehr effektiv sein, v.a. in kleinen Ortschaften, in denen auch eine Vielzahl an Personen selbst in den Feuerwehren engagiert sind, aber die Ressourcen sind begrenzt. Problematisch ist hier auch, wenn sich die Interpretationen des Gesagten sehr unterscheiden. Dies ist besonders deutlich und dramatisch im Fall des Lebenshilfehauses in Sinzig gewesen, wo die unterschiedliche Wahrnehmung der Ernsthaftigkeit der Warnung vermutlich haupturs\u00e4chlich daf\u00fcr war, dass viele Menschen ihr Leben verloren: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:14px\">\u201eGlaubt man der Aussage, st\u00f6\u00dft seine Warnung auf taube Ohren. Der LHH-Betreuer soll sich demnach geweigert haben, die unteren Geb\u00e4udeteile zu r\u00e4umen, da Unruhen unter den Heiminsassen die Folge w\u00e4ren. Zweifelnd soll er nachgefragt haben, ob das Wasser denn wirklich so hoch steigen k\u00f6nne. Die Antwort der Feuerwehr lautet, man wisse es nicht, aber besser sei es, den unteren Trakt zu r\u00e4umen. Dazu \u2026 befragt, schildert der Heimmitarbeiter den Sachverhalt v\u00f6llig anders. Zwar sei die Feuerwehr zu jener Zeit bei ihm gewesen. Allerdings h\u00e4tte man ihm nur berichtet, dass die Ahr \u00fcber die Ufer treten k\u00f6nne. Offenbar keine Warnung, die Anlass zur Panik gibt. Immerhin liegt das LHH oberhalb der Ahrwiesen etwa 200 Meter vom Fluss entfernt. Der Betreuer berichtet, dass er fortan mehrfach die Lage kontrolliert, aber kein Hochwasser bemerkt habe. Nachts um halb drei informiert die Feuerwehr ihn, dass nun die Flut im Kommen sei. Der Mann versucht zu retten, was zu retten ist\u201c (Spilcker 2021).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pers\u00f6nliche Warnungen \u00fcber soziale Netzwerke:<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:14px\">\u201eAm sp\u00e4ten Nachmittag da hat der Verbandsb\u00fcrgermeister von Speicher, das ist bei der Verbandsgemeinde bei Bitburg oben also ziemlich am oberen Teil der Kyll, der hat, ich wei\u00df nicht genau wann, den B\u00fcrgermeister von Kordel oder von Trier angerufen und hat halt gesagt, hier ist eine Br\u00fccke weggeschwemmt worden, da kommt Hochwasser zu euch bei uns sind es knapp drei oder vier Meter. Dadurch konnten die ziemlich fr\u00fch reagieren, das Krankenhaus wurde dann auch evakuiert in Ehrang. Und es ist Gottseidank, kein Mensch zu Schaden gekommen\u201c (Zitat Expert*inneninterview HoWas21).<\/p>\n\n\n\n<p>Warnketten sind formal nach Zust\u00e4ndigkeiten und Hierarchien festgelegt, nicht nach Flussl\u00e4ufen oder T\u00e4lern. So wurden Warnungen zwar \u00fcber verschiedene Warnmittel ausgegeben, jedoch aufgrund der formal-administrativen Festlegungen vielfach nicht an die Stellen, die unmittelbar betroffen waren. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Regionen, die an andere Bundesl\u00e4nder grenzten, aus denen das Wasser kam. Hier waren pers\u00f6nliche Netzwerke \u201eflu\u00dfaufw\u00e4rts-flu\u00dfabw\u00e4rts\u201c wie in dem obigen Interviewzitat von gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp;&nbsp; Governance-Strukturen des Zivil- und Katastrophenschutzes<\/h1>\n\n\n\n<p><em>Cordula Dittmer<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0298-1-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-103\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0298-1-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0298-1-300x200.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0298-1-768x512.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0298-1-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0298-1-1200x800.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0298-1.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>\u00a9KFS<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Sozialwissenschaftlich gesehen ist der Bev\u00f6lkerungsschutz bzw. der Zivil- und Katastrophenschutz als ein funktional differenziertes System mit h\u00f6chst formalisierten Strukturen im Alltag\/in der Ausbildung\/Vorbereitung und h\u00f6chst informalisierten Strukturen im Einsatz sowie einer sehr hohen Erwartungshaltung von Seiten der Gesellschaft zu betrachten. Bev\u00f6lkerungsschutz ist eine soziale Praxis, die sich im Einsatzfall lagespezifisch bildet, auf einge\u00fcbten Regeln, Verfahren und Prozessen beruht und in Katastrophen(schutz)kulturen eingebettet ist. Er ist damit in einem Dreieck von \u201eFormalit\u00e4t \u2013 Informalit\u00e4t \u2013 Erwartung\u201c aufgespannt, innerhalb dessen sich die Vorbereitung und Bew\u00e4ltigung von Extremereignissen abspielt. Dieses Spannungsverh\u00e4ltnis ist bei der Evaluation und Analyse des Zivil- und Katastrophenschutzes mitzubedenken, zugleich erkl\u00e4rt es auch viele der Kritiken und Schwachstellen, die sich in der Katastrophenbew\u00e4ltigung gezeigt haben. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den 2021 betroffenen Gebieten gab es in den Jahren zuvor \u00e4hnliche Starkregenereignisse mit z.T. schlimmeren Sch\u00e4den als 2021 (z.B. LK Eifelkreis\/Bitburg\/Pr\u00fcm) (Gerlach 2018):<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>27.05.-08.06. 2016: Mehrere Starkregenereignisse im Kreis Ahrweiler, die im Mittel h\u00f6chstens einmal in 100 Jahren auftreten.<\/li><li>27.05.-11.06.2018: Mehrere Starkregenereignisse in der Westeifel\/Vulkaneifel\/Hunsr\u00fcck mit Wiederkehrzeit von weit \u00fcber 100 Jahren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Im Unterschied zu 2021 waren diese jedoch lokal stark begrenzt und es waren keine Menschenleben betroffen. Als Folge dieser Ereignisse wurde auf Landesebene Rheinland-Pfalz eine Arbeitsgruppe Starkregenereignisse (AK Katastrophenschutz im Innenministerium RLP (ADD Trier 2020)) eingerichtet, die in Zusammenarbeit mit operativen Akteuren aus dem Zivil- und Katastrophenschutz den Rahmen-Alarm- und Einsatzplan Hochwasser (RAEP) um einen neuen \u201eAnhang 18: Einsatzhinweise zur Bew\u00e4ltigung von Starkregenereignissen\u201c (Ministerium des Innern und f\u00fcr Sport Rheinland-Pfalz 2020) erg\u00e4nzte. Dieser sollte die Grundlage f\u00fcr die Erstellung eigener Gefahrenabwehrpl\u00e4ne f\u00fcr die kommunale Aufgabentr\u00e4ger (Landkreise\/kreisfreie St\u00e4dte, Gemeinden) darstellen. Ein weiterer Auftrag des Landes an die Landkreise und Kommunen war es, ein Warn- und Informationskonzept der Bev\u00f6lkerung \u201ebei Gefahren gr\u00f6\u00dferen Umfangs\u201c in Abstimmung mit Kommunen und dem Landkreis zu erstellen. Dieses sollte alle 5 Jahre aktualisiert werden und insbesondere vulnerable Gruppen (Kinder, Menschen mit k\u00f6rperlichen, seelischen, geistigen Beeintr\u00e4chtigungen) ber\u00fccksichtigen (LBKG 12.02.2022).<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Landkreisen sind diese Vorgaben nicht umgesetzt worden, andere, v.a. Flussanrainer, haben zwar einen RAEP Hochwasser, aber keine Erg\u00e4nzung um ein Starkregenkonzept. Auch ein koh\u00e4rentes Warn- und Informationskonzept der Bev\u00f6lkerung liegt nur selten vor. Im Projekt HoWas21 wurden von Seiten der KFS die Gr\u00fcnde analysiert, die eine Umsetzung verhinderten, und die hier kurz angerissen werden sollen: &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>1) Starkregenereignisse als Normalit\u00e4t; 2) Vorhersagbarkeit des Impacts; 3) Tendenz zum \u201eBlame-Game\u201c; 4) fehlende Sanktionsm\u00f6glichkeiten und Kontrollen; 5) Verz\u00f6gerung durch Pandemie; 6) Fokus auf Feuerwehren. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1) Starkregenereignisse als Normalit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Starkregenereignisse kommen relativ h\u00e4ufig vor und sind f\u00fcr die Akteure der lokalen Gefahrenabwehr Teil des allt\u00e4glichen Einsatzgeschehens. Fast immer k\u00f6nnen diese mit den Ressourcen der vor Ort vorhandenen Freiwilligen oder Berufsfeuerwehren bew\u00e4ltigt werden, wenn auch, da es sich oft um eine Vielzahl an Einsatzstellen handelt, vielfach \u00fcber\u00f6rtliche Hilfe erforderlich ist. Die Feuerwehren verf\u00fcgen daher \u00fcber vielf\u00e4ltige Erfahrungen mit diesen oft technisch nicht sehr anspruchsvollen Einsatzstellen, die jedoch meist zeit- und ressourcenintensiv sind (Kutschker 2019). Besonderheiten oder Abgrenzungen zu einer Hochwasserschadenslage werden selten gesehen, auch der RAEP Hochwasser f\u00fcr Rheinland-Pfalz sieht diese nicht vor. Eine Starkregenlage mit den entsprechenden Vorwarnungen stellte daher f\u00fcr die lokale Gefahrenabwehr erstmal an sich keine beunruhigende Lage dar, zumal die angegebenen Wassermengen und Abflussberechnungen z.T. auch kaum interpretiert bzw. auf lokale Kontexte \u00fcbertragen werden konnten. &nbsp;<strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2) Vorhersage des Impacts<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Interpretation von technischen Daten im Rahmen von Wetterwarnungen ist voraussetzungsvoll. Es bedarf im Vorfeld der Erstellung eines entsprechenden vorsorgenden Starkregenkonzepts mit einer Gefahren- und Risikoanalyse. Dies bedingt Expertise und finanzielle&nbsp;wie personelle Ressourcen auf Seiten der Katastrophenschutzakteure. Diese liegen weder auf kommunaler noch Landkreisebene\/Ebene der kreisfreien St\u00e4dte fl\u00e4chendeckend vor. Hier basiert das Engagement im Katastrophenschutz in der Mehrzahl auf Ehrenamtlichkeit (siehe dazu den Abschnitt zum <a href=\"#_Ehrenamt,_Spontanhelfende_und\">Ehrenamt<\/a>), bzw. sind die Wochenstunden, die bei den entsprechenden Ordnungsverwaltungen daf\u00fcr vorgesehen sind, minimal. Dennoch fordern beispielsweise der RAEP Hochwasser sowie das Landeskatastrophenschutzgesetz in Rheinland-Pfalz, dass derartige Risiko- und Gefahrenanalysen auf kommunaler Ebene erstellt werden sollen. Nur hier liege auch das entsprechende lokale Wissen vor, um die Lage ad\u00e4quat zu bew\u00e4ltigen. Fragt man auf der entsprechenden lokalen Ebene (Landkreis\/kreisfreie Stadt\/Kommune) nach, wird jedoch teilweise die Zust\u00e4ndigkeit oder auch die M\u00f6glichkeit f\u00fcr diese Art impactbasierter Vorhersage negiert:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:14px\">\u201eAlso wenn Sie sich ansehen, wie ist gerade die Vegetationsphase, ein Jahr hab ich ein Feld mit Mais und im anderen Jahr habe ich ein Feld mit Weizen oder Roggen. Und je nachdem, wie stark ist das schon angewachsen, ist das frisch gepflanzt, wann kommen diese Gewitter, von daher Sie k\u00f6nnen nicht alles von vornherein auch so in der Absch\u00e4tzung dann auch abw\u00e4gen, wie es nachher sich dann in der Auswirkung dann niederschl\u00e4gt\u201c (Zitat Expert*inneninterview HoWas21). <strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>3) Tendenz zum \u201eBlame-Game\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie im obigen Abschnitt ersichtlich, gibt es unter den jeweiligen Ebenen des Katastrophenschutzes eine Tendenz zum \u201eBlame-Game\u201c, also der gegenseitigen Schuld- oder Zust\u00e4ndigkeitszuweisung. Zwar werden fehlende\/unklare Zust\u00e4ndigkeiten regelm\u00e4\u00dfig und auch in der Aufarbeitung kritisiert, zugleich kann die z.T. gesetzlich festgelegte Aufgabenteilung verschiedener Akteure strategisch genutzt werden, um sich von unliebsamen oder aus Ressourcengr\u00fcnden nicht zu bew\u00e4ltigenden Aufgaben loszusprechen. Dies zeigt sich sehr deutlich an den schon erw\u00e4hnten Diskussionen um die Erstellung eines koh\u00e4renten Warnkonzepts, welches in Rheinland-Pfalz an der Schnittstelle Kommune-Landkreis angesiedelt sein soll (\u201ein Abstimmung mit \u2026\u201c) und damit Gegenstand von Verhandlungen wird: <\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:14px\">\u201eNach Ansicht der \u00f6rtlichen Wehrf\u00fchrer kann die Vorwarnung der Bev\u00f6lkerung nicht die Aufgabe der Feuerwehr sein\u201c (VG Bitburg 2020: 86).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere schwierige Situation ergibt sich f\u00fcr Regionen an der Grenze zu anderen Bundesl\u00e4ndern, wenn die Wassermassen unmittelbar aus dem angrenzenden Bundesland kommen, die Warnung als Teil des Katastrophenschutzes aber ebenso wie dieser f\u00f6deral organisiert ist und es daher kaum strukturierte bundesl\u00e4nder\u00fcbergreifende Warnkonzepte gibt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:14px\">\u201eJa hier direkt an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen. Das Hauptwasser haben wir von Nordrhein-Westfalen bekommen, da oben auf den H\u00f6hen sind 220 Liter pro Quadratmeter gefallen, hier unten bei uns blo\u00df 170 innerhalb der 24 Stunden. Da kann man sich das vorstellen, was hier ankommt. Aber durch die Landesgrenze Rheinland-Pfalz-Nordrhein-Westfalen gibt es keinerlei Austausch von irgendwelchen Meldungen oder Hinweisen oder sonst irgendetwas\u201c (Zitat Expert*inneninterview HoWas21). <strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>4) Fehlende Sanktionsm\u00f6glichkeiten und Kontrollen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Problem ist, dass das Land keine Fachaufsicht \u00fcber den Katastrophenschutz besitzt, es ist die gesetzliche Pflichtaufgabe der kommunalen Selbstverwaltung sich um den Katastrophenschutz und die lokale Gefahrenabwehr zu k\u00fcmmern. Wenn keine Kontroll- und Sanktionsm\u00f6glichkeiten vorgesehen sind, werden in Regionen, in denen die lokalen Verwaltungen ohnehin schon knapp ausgestattet sind, der Katastrophenschutz bzw. die lokale Gefahrenabwehr, die relativ kostenintensive Posten sind, nicht hoch priorisiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5) In Bearbeitung\/verz\u00f6gert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In einigen Gemeinden wurden in Folge der Initiative der Landesregierungen Rheinland-Pfalz Starkregenkonzepte erarbeitet. Dieser Erarbeitungsprozess ist ein komplexes Verfahren, so dass die Erstellung mit entsprechenden Gutachten und auch Einbindung der betroffenen Bev\u00f6lkerung einige Jahre in Anspruch nehmen kann:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"font-size:14px\">\u201eEs gab hier ein Starkregenkonzept, das im Zuge der 2016er Ereignisse erstellt wurde, das jetzt komplett \u00fcber den Haufen geworfen ist. Weil wir haben gesehen, dass das Wasser stellenweise ganz anders gelaufen ist. Das war eigentlich in der Vorstellung, aber durch erst Corona hat es sich verschoben diese offizielle Vorstellung. Dann kam die Flut, dann war es eh hinf\u00e4llig, jetzt m\u00fcssen wir ein Neues machen\u201c (Zitat Expert*inneninterview HoWas21).<\/p>\n\n\n\n<p>Hier zeigt sich deutlich, dass selbst das Vorhandensein eines Konzepts auch keine Garantie daf\u00fcr ist, dass Sch\u00e4den vermieden werden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>6) Fokus auf Feuerwehren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine grunds\u00e4tzliche Problematik im Bereich der lokalen Gefahrenabwehrplanung ist, dass diese in der alleinigen Zust\u00e4ndigkeit der Feuerwehren liegen. Diese haben aufgrund ihrer vielfach sehr klaren technischen Ausbildung und ihres klar umrissenen Auftrags oft wenig Kenntnis \u00fcber soziale Vulnerabilit\u00e4ten und die Leistungen, die die sog. \u201ewei\u00dfen\u201c Organisationen f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung einer Lage bringen k\u00f6nnten. Die Dominanz der Feuerwehren zeigt sich auch in den vorliegenden Berichten und Lessons Learned, die selten die Perspektive der anderen Hilfsorganisationen wie Deutsches Rotes Kreuz (DRK) oder Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) mit abbilden. Auch in der Bew\u00e4ltigung der Lage wurde viel Kritik an den Feuerwehren ge\u00fcbt, die zwar technisch und personell sehr gut ausgestattet seien, aber f\u00fcr die die Lage nach Beendigung ihrer Arbeit beendet war \u2013 wo die Hilfsorganisationen erst \u00fcberhaupt in den Einsatz kamen. <strong><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">4.&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ehrenamt, Spontanhelfende und zivilgesellschaftliches Engagement<\/h1>\n\n\n\n<p><em>Sara T. Merkes; Theresa Zimmermann<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0457-1-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-104\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0457-1-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0457-1-300x200.jpeg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0457-1-768x512.jpeg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0457-1-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0457-1-1200x800.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/IMG_0457-1.jpeg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>\u00a9KFS<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das vom Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gef\u00f6rderte Projekt <a href=\"http:\/\/www.fu-berlin.de\/atlas-engage\">ATLAS-ENGAGE<\/a> untersucht im Rahmen einer Meta-Analyse vor dem Hintergrund sich ver\u00e4ndernder gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und Trends die verschiedenen Gesichter des Engagements entlang von forschungs- und praxisbasierten Konzepten zur Einbindung unterschiedlicher Engagementtypen vom klassischen Ehrenamt bis zur akuten Spontanhilfe in den Bev\u00f6lkerungsschutz.<\/p>\n\n\n\n<p>Katastrophenschutz in Deutschland ist zum gro\u00dfen Teil auf Ehrenamtliche angewiesen: Die im Bev\u00f6lkerungsschutz zusammenarbeitenden Akteure st\u00fctzen sich grob \u00fcberschlagen auf etwa 2 Millionen Ehrenamtliche<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a> deutschlandweit, die sich im Technischen Hilfswerk (THW) und den Freiwilligen Feuerwehren sowie den im Zivil- und Katastrophenhilfegesetz (ZSKG 1997) erw\u00e4hnten mitwirkenden zivilgesellschaftlichen Hilfsorganisationen ASB, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), DRK, Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und Malteser-Hilfsdienst (MHD) engagieren. Im Kontext der Bew\u00e4ltigung der Starkregenereignisse 2021 waren in den ersten Wochen und Monaten mehr als 12.000 Einsatzkr\u00e4fte der obig erw\u00e4hnten Hilfsorganisationen beteiligt (BMI und BMF 2021). Des Weiteren war das THW als haupts\u00e4chlich ehrenamtlich gest\u00fctzte Bundesbeh\u00f6rde bis Juli 2022 mit 17.000 THWler*innen und etwa 2,6 Millionen Stunden im Einsatz (THW 2022). Hinzu kamen etliche Feuerwehrfrauen und -m\u00e4nner der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren, mehr als 7.800 Kr\u00e4fte der Bundespolizei und des Bundeskriminalamts sowie in Amtshilfe mehr als 2.300 Bundeswehrangeh\u00f6rige (BMI und BMF 2022). Sie alle geh\u00f6ren zum offiziellen Katastropheneinsatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den offiziellen Einsatzkr\u00e4ften waren nach Sch\u00e4tzungen des Bundesministeriums des Inneren und des Bundesministeriums der Finanzen bis zur Ver\u00f6ffentlichung ihres Berichts im M\u00e4rz 2022 etwa 100.000 private Helfende, teilweise organisiert in Initiativen, bestehenden oder neu gegr\u00fcndeten Netzwerken, Vereinen und sich spontan zusammenfindenden Hilfsgemeinschaften aktiv (BMI und BMF 2022). Dieses Engagement, wenn auch im direkten Nachgang an die Starkregenereignisse am st\u00e4rksten ausgepr\u00e4gt \u2013 an den Sommerwochenenden wurden zeitweise 2.500 Helfende pro Tag allein vom Helfershuttle registriert (SWR 2021) \u2013, geht weit \u00fcber die Akuthilfe hinaus und tr\u00e4gt bis heute tatkr\u00e4ftig zum Wiederaufbau bei: Allein der \u00f6rtlich auf das Ahrtal beschr\u00e4nkte Helfershuttle z\u00e4hlte bis Ende Mai 2022 mehr als 125.000 Helfende<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a> und fast eine Million Arbeitsstunden (S\u00fcddeutsche Zeitung 2022). Kurzum, das freiwillige Engagement im Kontext der Starkregenereignisse \u2013 sei es im beh\u00f6rdlich stabsorganisierten Einsatz oder in zivilgesellschaftlichen Netzwerken \u2013 war enorm und l\u00e4sst sich als essenzielle Komponente der gesellschaftlichen Resilienz gegen\u00fcber Krisen und Katastrophen verstehen (vgl. Kr\u00fcger und Albris 2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gro\u00dfe Herausforderung, die derzeit trotz einzelner Vorst\u00f6\u00dfe und der intensiven Besch\u00e4ftigung mit der Thematik durch Bev\u00f6lkerungsschutzakteure sp\u00e4testens seit den Hochwasserereignissen von 2013 weiterhin besteht, ist die Integration dieser zwei Str\u00e4nge der Katastrophenbew\u00e4ltigung, d.h. des offiziellen, organisationgebundenen Bev\u00f6lkerungsschutzeinsatzes und der privaten zivilgesellschaftlich, nachbarschaftlich und\/oder spontan organisierten Hilfsinitiativen (vgl. IM NRW 2022, 14). W\u00e4hrend bereits der offizielle Einsatz die Kooperation und Koordination einer Vielzahl unterschiedlicher Einsatzorganisationen erfordert, ist die informellere Hilfe noch viel st\u00e4rker zersplittert und divers, obgleich durchaus auch b\u00fcndelnde Akteure und vernetzende Angebote entstanden (vgl. bspw. <a href=\"https:\/\/helfer-stab.de\/\">Helfer-Stab<\/a> 2022): Allein das <a href=\"https:\/\/www.flut-wiki.de\/w\/Hilfsplattformen\">Flut-Wiki<\/a> (2022) umfasst mehr als 800 Gruppen und Seiten, die sicherlich auch der gro\u00dfen und orts\u00fcbergreifenden Lage geschuldet sind, denn neben den \u00fcberregionalen oder fachlich bzw. bereichsfokussierten Hilfsinitiativen wurden eine Vielzahl an lokal verankerten Hilfsgemeinschaften ins Leben gerufen (Stand M\u00e4rz 2022, eigene Z\u00e4hlung).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-106\" width=\"392\" height=\"325\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild2.png 352w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild2-300x249.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 392px) 85vw, 392px\" \/><figcaption>\u00a9Merkes 2021<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass der Gro\u00dfteil der zumindest erfassten Netzwerke privater Initiativen sich auf soziale Medien als Kommunikations- und Koordinationskan\u00e4le st\u00fctzt und somit einer breiteren, \u00fcber die lokale Gemeinde hinausgehenden \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich und kommunizierbar ist. Dies bedeutet, dass sich Ressourcenpoolingnetzwerke tief in das World Wide Web spinnen und Hilfsgemeinschaften ortsunabh\u00e4ngiger agieren k\u00f6nnen. Durch die Digitalisierung erweitern sich einerseits die M\u00f6glichkeiten und andererseits die Grenzen von Eins\u00e4tzen und Initiativen, wobei internetbasierte Aktivit\u00e4ten sich zu einem zweiten virtuellen Einsatzort mit eigenen Bedarfen entwickeln, den auch die Bev\u00f6lkerungsschutzorganisationen nicht mehr au\u00dfer Acht lassen k\u00f6nnen, so beispielsweise hinsichtlich der Lagebilderfassung, Krisenkommunikation und \u00d6ffentlichkeitsarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen weiteren Punkt stellt die Hybridit\u00e4t der privaten Akteure dar: So war es auch in der Bew\u00e4ltigung der Hochwasserlage 2021 durchaus nicht ungew\u00f6hnlich, dass sich an Bev\u00f6lkerungsschutzorganisationen gebundene Ehrenamtliche anstelle oder \u00fcber ihren offiziell angeforderten Einsatz hinaus, als Privatpersonen mit ihrem Wissen und ihren Netzwerken an der Lagebew\u00e4ltigung und Hilfe beteiligt haben bzw. beteiligen. Hilfsakteure nutzen dabei ihre Ressourcen und Rollen flexibel, greifen sowohl auf berufliche als auch private Netzwerke zur\u00fcck, u.a. indem sie in die gerade zutr\u00e4glichste Rolle schl\u00fcpfen. So wurde uns in einem Interview berichtet, wie der B\u00fcrgermeister eines kleinen Ortes haupts\u00e4chlich privat mit anpackt, aber bei Bedarf in seiner Funktion als B\u00fcrgermeister aber Spendenquittungen ausstellt. In einem anderen Fall hat sich ein Bundeswehrangeh\u00f6riger zur privaten Hilfe freistellen lassen, hat aber \u00fcber berufliche Kontakte Ressourcen akquiriert, seine Expertise gegen\u00fcber den offiziellen Einsatzorganisationen mithilfe seines Berufsausweises nachgewiesen und durch seinen Vorgesetzten wurde psychosoziale Unterst\u00fctzung durch Bundeswehrangeh\u00f6rige sowohl ihm als auch anderen Privathelfenden zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zivilgesellschaftliche Bew\u00e4ltigung der Starkregenereignisse st\u00fctzte sich sowohl auf bestehende berufliche und private Netzwerke und Vereinigungen \u2013 z.B. konnten dank ihrer Vernetzung Landwirt*innen mit ihren Traktoren und H\u00e4ngern innerhalb kurzer Zeit f\u00fcr Evakuierungen wie beispielweise des Eschweiler Krankenhauses bereitstehen \u2013 als auch aus der Lage heraus entwickelte Initiativen und Hilfsgemeinschaften wie beispielsweise die Gr\u00fcndung des <a href=\"https:\/\/www.helfer-shuttle.de\/\">Helfershuttles<\/a>, um dem Verkehrsproblem zu begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Basierend auf unseren Forschungen gehen wir davon aus, dass diese hybriden und spontanen Hilfsformen und -netzwerke einerseits weit verbreitet sind und andererseits in Anbetracht der tendenziell komplexer, hybrider und langanhaltender werdenden Einsatzlagen an Bedeutung gewinnen werden. Sofern Ressourcen, Kooperationsm\u00f6glichkeiten und Koordinationskan\u00e4le bestehen, ist die innovative und kreative Entwicklung und Kopplung zivilgesellschaftlicher, privater und auch unternehmensbasierter Hilfsinitiativen nicht verwunderlich und wenn auch nicht konkret, so dennoch in der Wahrscheinlichkeit ihres Agierens in einer Katastrophenlage planbar. Eine Befragung unter der Berliner Bev\u00f6lkerung ergab beispielsweise, dass 88% der Befragten bereit w\u00e4ren, im Katastrophenfall zu helfen, w\u00e4hrend 55% die Bereitschaft \u00e4u\u00dferten, im Katastrophenfall fremde Menschen zu Hause aufzunehmen und 94% angaben, dass sie bereit w\u00e4ren, Nahrung und Kleidung zur Verf\u00fcgung zu stellen (Lorenz et al. 2015).<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere These ist, dass gesamtgesellschaftliche Katastrophenbew\u00e4ltigung so komplex und vielf\u00e4ltig ist wie die Gesellschaft selbst. Sie kann weder losgel\u00f6st von offiziellen, institutionalisierten Strukturen noch informellen, sozialen Netzwerken oder beruflichen Kontexten verstanden werden. Dabei unterliegt die Gesellschaft in den letzten Jahren massiver Ver\u00e4nderungen in ihren Funktions- und Wirkmechanismen, die auch das Engagement mitpr\u00e4gen und mitunter neue L\u00f6sungen bzw. Anpassung von beh\u00f6rdlichen Strukturen und Katastrophenschutzinstitutionen erfordern. So zeichnen sich Ver\u00e4nderungen hinsichtlich bevorzugter Engagementformen, transnationale Abh\u00e4ngigkeiten und folglich volatile, vulnerable Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Auseinandersetzungen und Politisierung humanit\u00e4rer Belange und Hilfsbereiche, neue und alte Vulnerabilit\u00e4tsmuster sowie Ver\u00e4nderungen in der Wahrnehmung von Gefahren und eigener Engagementm\u00f6glichkeiten ab, die m\u00f6glicherweise sich auf l\u00e4ngere Sicht auf die Katastrophenkultur auswirken k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Entwicklungen der Engagementformen und -netzwerke und die daraus entstehenden Kooperationsm\u00f6glichkeiten und -notwendigkeiten verstehen und antizipieren zu k\u00f6nnen, bedarf es also auch einer Besch\u00e4ftigung mit gesellschaftlichen Entwicklungen, darunter: die Alterung, aber auch Heterogenisierung der Gesellschaft, r\u00e4umliche Unterschiede und zunehmende (Alltags- und Lebens-)Mobilit\u00e4t, gestresste \u00d6kosysteme und klima-, aber auch gesellschaftsstrukturbedingte Gefahrenver\u00e4nderungen, neue Leitlinien und Schutzvorschriften, Technisierung und digitale Vernetzung auch Kritischer Infrastrukturen weit \u00fcber den nationalen Kontext hinaus, flexibilisierte Arbeitswelten und Wissenstransformationen, individualisierte Lebenswelten einerseits aber auch neue Formen kollektiven Handelns andererseits.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">5.&nbsp;&nbsp;Fallstudie: Krankenhausevakuierung in Eschweiler<\/h1>\n\n\n\n<p><em>Nicolas Bock; Sidonie H\u00e4nsch; Anja R\u00fcger<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"549\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild3-1024x549.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-107\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild3-1024x549.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild3-300x161.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild3-768x412.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild3-1200x643.jpg 1200w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild3.jpg 1386w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>Bildquelle: Janssens: https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/125716\/Das-Hochwasser-stand-zwei-Meter-im-Untergeschoss#group276-1<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Infolge von \u00fcbertretenden Gew\u00e4ssern mussten in den betroffenen Bundesl\u00e4ndern mehrere von Wasser bedrohte Krankenh\u00e4user evakuiert werden, so unter anderem in Leverkusen, Trier und Eschweiler. F\u00fcr das Forschungsprojekt <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/forschung\/forschungsprojekte\/RESIK\/index.html\">RESIK<\/a>, welches Gefahrensituationen und Evakuierungsabl\u00e4ufe in der kritischen sozialen Infrastruktur \u201eKrankenhaus\u201c erforscht und die Resilienz von Gesundheitseinrichtungen gegen\u00fcber Hochwasserszenarien erh\u00f6hen m\u00f6chte, war die Hochwasserkatastrophe 2021 daher von besonderem Untersuchungsinteresse. Die Forschung bez\u00fcglich Vollevakuierungen von Krankenh\u00e4usern konnte bis dato vor allem entlang der (Elbe-) Flutkatastrophe von 2002 in Dresden beforscht werden. Die Ereignisse im letzten Jahr erlaubten es dem Projekt, umfassende, neue Erkenntnisse zum Forschungsthema zu erarbeiten. Im Fokus lag dabei das St. Antonius-Hospital im nordrhein-westf\u00e4lischen Eschweiler, welches infolge der Isolation des Hauses durch Wassermassen und einer parallelen \u00dcberflutung der unteren Geschosse sowie der Versorgungs- und Technikr\u00e4ume am 15.07.2021 vollst\u00e4ndig evakuiert werden musste.<a id=\"_ftnref10\" href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> Gleichwohl das Krankenhaus \u00fcber weitaus bessere bauliche Hochwasserschutzanlagen verf\u00fcgte als dies die g\u00fcltigen Hochwasserkarten vorgaben, wurde die Anlage durch das extreme Hochwasser \u00fcberflutet, was von keinem der von der KFS Befragten zuvor als vorstellbar angenommen wurde.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"480\" height=\"356\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-108\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild4.png 480w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/disasterresearchblog\/files\/2022\/07\/Bild4-300x223.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 480px) 85vw, 480px\" \/><figcaption>Hochwassergefahrenkarte f\u00fcr ein HQ500 am Krankenhaus Eschweiler (gelbe Umrandung = Krankenhausgel\u00e4nde). Anmerkung: An der Karte ersichtlich ist bereits die Gefahr einer Isolation sowie die partielle Gefahr der \u00dcberflutung des Krankenhausgel\u00e4ndes. W\u00e4hrend des Hochwassers 2021 standen weit mehr Fl\u00e4chen des Krankenhausgel\u00e4ndes unter Wasser, als in der Karte ausgezeichnet, so unter anderem das am n\u00f6rdlichen Klinikrand gelegene MVZ (medizinische Versorgungszentrum) und die zentral gelegenen Parkfl\u00e4chen.&nbsp; Quelle: St\u00e4dteregion Aachen; INKAS-Portal; Stand 30.06.2022; <a href=\"https:\/\/www.staedteregion-aachen.de\/de\/navigation\/staedteregion\/geoportal\">https:\/\/www.staedteregion-aachen.de\/de\/navigation\/staedteregion\/geoportal<\/a><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die KFS f\u00fchrte im Nachgang der Ereignisse Interviews mit Mitarbeitenden des Krankenhauses, den Eschweiler BOS sowie mit Vertretern der \u00f6rtlichen Bev\u00f6lkerung und konnte darauf aufbauend die Ereignisse rund um das Krankenhaus modellbasiert aufbereiten und Schlussfolgerungen in Bezug auf Krankenhausnotfallmanagement, Schnittstellen und Kommunikation zwischen den beteiligten Akteur*innen und Evakuierungsprozessen allgemein ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Je nach pers\u00f6nlichem Erfahrungsschatz mit Hochwassersituationen, des T\u00e4tigkeitsorts und des jeweiligen T\u00e4tigkeitsfokus war die Einsch\u00e4tzung \u00fcber die Gef\u00e4hrdungslage, die ben\u00f6tigten Mittel und die zu treffenden Ma\u00dfnahmen durchaus unterschiedlich. So wurden Ma\u00dfnahmen zur Wasserwehr und der Evakuierung von Intensivpatient*innen von der Krankenhauseinsatzleitung zun\u00e4chst f\u00fcr dringlicher befunden, als von der Eschweilerer Feuerwehr, welche jedoch im Gegensatz zum Krankenhaus die Einsatzlage im gesamten Stadtgebiet in der Einsatzmittelverteilung beachten musste. Auch die sp\u00e4t erfolgende Disposition von Hubschraubern zur Evakuierung der Intensivpatient*innen durch den Krisenstab der St\u00e4dteregion Aachen sorgte klinikseitig f\u00fcr Unverst\u00e4ndnis in der Situation, wenngleich auch hier die ausgedehnte Fl\u00e4chenlage sowie wetterbedingte Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr eine Verknappung der Einsatzmittel- und optionen sorgten. Die Befragten \u00e4u\u00dferten diesbez\u00fcglich die Vermutung, dass in den r\u00e4umlich getrennt und situativ und operativ unterschiedlich geforderten beteiligten Gremien die jeweiligen Lagebilder voneinander abwichen \u2013 aufgrund von technischen Kommunikationsschwierigkeiten, unterschiedlichen professionellen Foki- und Idiomen sowie r\u00e4umlicher Entfernung zwischen den Entscheidungsgremien konnte sich ein gemeinsames Lagebild \u00fcber die Situation am Krankenhaus sowie die zu treffenden Ma\u00dfnahmen nur langsam durchsetzen. Als extrem wertvoll in dieser Lage erwiesen sich Mitarbeitende, welche sowohl Kenntnisse \u00fcber Arbeitsweise und Struktur im Krankenhaus als auch in den Organisationen des Katastrophenschutzes aufwiesen \u2013 z.B. Not\u00e4rzte und Leitende Not\u00e4rzt*innen \u2013 und so eine Art \u201eDolmetscherfunktion\u201c zwischen beiden Akteursgruppen \u00fcbernehmen konnten. Die Interviewten \u00e4u\u00dferten, dass die Organisation des Rettungsdienstes auf kommunaler Ebene in der Situation zu Nachteilen f\u00fchrte, da durch die r\u00e4umlich-organisationale Eingrenzung \u00fcbergeordnete Schnittstellen und Strukturen sowie Kommunikationsm\u00f6glichkeiten nur wenig bekannt waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere koordinatorische Herausforderung war die Transportorganisation: So w\u00e4re die Evakuierung von intensivpflichtigen Patient*innen bereits vor der von ortskundigen Mitarbeitenden antizipierten Isolation des Krankenhauses angezeigt gewesen. Diesbez\u00fcgliche Bem\u00fchungen scheiterten jedoch an mangelnder Verf\u00fcgbarkeit boden- und luftgebundener Transportmittel. Die Suche nach Zielkrankenh\u00e4usern f\u00fcr evakuierte Patient*innen wurde haupts\u00e4chlich auf telefonischem Wege durch das Krankenhaus durchgef\u00fchrt \u2013 in Anbetracht der Fl\u00e4chenlage und in Unkenntnis \u00fcber die Lage jenseits des eigenen Wirkungsbereichs am Krankenhaus w\u00e4re diese Aufgabe in den Augen der Verantwortlichen jedoch vielmehr dem Krisenstab der St\u00e4dteregion zuzuordnen gewesen, welcher einen besseren \u00dcberblick \u00fcber die Gesamtlage- und Kapazit\u00e4ten h\u00e4tte. Auch die Kommunikation zwischen Krankenhaus und Rettungsdienst w\u00e4re optimierungsbed\u00fcrftig, da nicht alle Patient*innen in geeignete Zielkrankenh\u00e4user verlegt werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Zusammenarbeit von Spontanhelfenden, dem Katastrophenschutz und dem Krankenhaus konnte die Evakuierung des Krankenhauses z\u00fcgig vorgenommen werden. So wurde die Evakuierung der nicht intensiv behandelten Patient*innen zum gro\u00dfen Teil mit improvisierten Transportmitteln der \u00f6rtlichen Landwirte (Traktoren\/H\u00e4nger) vorgenommen, welche im Gegensatz zu herk\u00f6mmlichen Kranken- und Rettungstransportfahrzeugen eine gewisse Watf\u00e4higkeit aufwiesen. Die Transportorganisation als auch die Koordination der Helfenden aus der Landwirtschaft erfolgte dabei hauts\u00e4chlich \u00fcber etablierte, lokale soziale Kontaktnetzwerke und durch improvisierte vor-Ort-Koordination. Aus Sicht der ungebundenen Helfenden fehlte hier allerdings eine klare Struktur hinsichtlich Verantwortlichkeiten, Hierarchie und Ansprechpartner*innen der Stadt\/der BOS (siehe dazu auch Abschnitt zum <a href=\"#_Ehrenamt,_Spontanhelfende_und\">Ehrenamt<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Problem bestand in der Zuf\u00fchrung ausgeruhten Personals zur Abl\u00f6sung der Kr\u00e4fte von Krankenhaus und im Katastrophenschutz. So waren manche entscheidungstragenden Personen bis zu 70 Stunden vor Ort. Die Alarmierung frischer Einsatzkr\u00e4fte und Stabsmitglieder erwies sich insbesondere in Bezug auf \u00fcber\u00f6rtliche Kr\u00e4fte als systembedingt langwierig und teils ineffektiv, insbesondere F\u00fchrungsunterst\u00fctzungseinheiten waren kaum verf\u00fcgbar. Die Einweisung neuer Kr\u00e4fte erwies sich als extrem komplex, ebenso wie die Erreichbarkeit der Einsatzstelle Krankenhaus aufgrund der ausgedehnten Fl\u00e4chenlage erschwert war \u2013 ein Zustand, der sich teilweise \u00fcber Wochen hielt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Da Krankenhausbetriebe mittlerweile marktwirtschaftlichen Prinzipien unterliegen, steht die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung unter besonderem Druck, das Krankenhaus m\u00f6glichst lange zu halten, oder schnellstm\u00f6glich wieder zu \u00f6ffnen. Zwar sind Investitionen in Krankenh\u00e4user als kritische Infrastrukturbetriebe L\u00e4ndersache, bei einer Zahlungsunf\u00e4higkeit sind jedoch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer*innen in alleiniger Haftung. Die Wiederaufnahme des Betriebs des Krankenhauses schnellstm\u00f6glich nach den Aufr\u00e4umarbeiten unter Verwendung von Notstromaggregaten war bspw. insolvenzrechtlich in h\u00f6chstem Ma\u00dfe heikel und mit einem enormen pers\u00f6nlichen Risiko f\u00fcr den\/die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende*n verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Herausforderungen ergaben sich aus allgemeinen baulichen und strukturellen Aspekten. So ist die bauliche Anordnung von kritischen Betriebseinrichtungen wie Notstrom, Serveranlagen und anderen \u00fcberlebenswichtigen Anlagen in Keller- oder Erdgeschossen bei hochwasser-\/starkregengef\u00e4hrdeten Kliniken wenig praktikabel f\u00fcr Notf\u00e4lle. Auch die Digitalisierung von Patient*innenakten, Arztbriefen, Medikamentenlisten etc. ohne M\u00f6glichkeit, diese Daten nach einem Stromausfall aus dem System extrahieren zu k\u00f6nnen oder \u00fcber eine analoge R\u00fcckfallebene zu verf\u00fcgen, kann sich als extrem nachteilig in der Situation herausstellen. Gleiches gilt f\u00fcr die Kommunikationsmittelausstattung der Krankenhauseinsatzleitung \u2013 es bedarf einer gesicherten, einheitlich erreichbaren Kommunikationsverbindung nach \u201eau\u00dfen\u201c, also bspw. zum Krisenstab oder zur Feuerwehreinsatzleitung, um ein gemeinsames Vorgehen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum abstimmen zu k\u00f6nnen \u2013 auch bei Stromausf\u00e4llen. In der Situation der Isolation des Krankenhauses Eschweiler haben nur die Verwendung privater Mobilfunktelefone und Powerbanks sowie pers\u00f6nliche Kontakte zwischen den Akteuren und Organisationen die Kommunikationskan\u00e4le offenhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend kann gesagt werden: Die Wassermassen durch Starkregen und daraus resultierendem Hochwasser zeigten kaskadierende Effekte der Schnittstellenm\u00e4ngel zwischen den unterschiedlichen Organisationen auf und steigerten somit die k\u00f6rperlichen und psychischen Belastungen auf die beteiligten Akteure.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Literatur\/weiterf\u00fchrende Ver\u00f6ffentlichungen zum Thema &nbsp;<\/h1>\n\n\n\n<p>ADD Trier (2020): AG Starkregen. Einsatzhinweise Starkregen Sachstand. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/bks-portal.rlp.de\/sites\/default\/files\/og-group\/35719\/dokumente\/2019_03_14_Hochwasser%20als%20Einsatzszenario%20in%20RLP.pdf\">https:\/\/bks-portal.rlp.de\/sites\/default\/files\/og-group\/35719\/dokumente\/2019_03_14_Hochwasser%20als%20Einsatzszenario%20in%20RLP.pdf<\/a>, zuletzt gepr\u00fcft am 15.07.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Beinlich, Wilko (2021): Konzeptionsanalyse BayZBE: Lesson Learnt des Ahrtal Hochwassers Juli 2021. Bayerisches Zentrum f\u00fcr besondere Einsatzlagen gGmbH.<\/p>\n\n\n\n<p>Bloch, Ernst (1973): Erbschaft dieser Zeit. Suhrkamp.<\/p>\n\n\n\n<p>BMI; BMF (2021): Zwischenbericht zur Flutkatastrophe 2021: Katastrophenhilfe, Soforthilfen und Wiederaufbau. Bundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat; Bundesministerium der Finanzen.<\/p>\n\n\n\n<p>BMI; BMF (2022): Bericht zur Hochwasserkatastrophe 2021. Katastrophenhilfe, Wiederaufbau und Evaluierungsprozesse. Bundesministerium des Inneren und f\u00fcr Heimat; Bundesministerium der Finanzen.<\/p>\n\n\n\n<p>DKKV (2013): Das Hochwasser im Juni 2013. Bew\u00e4hrungsprobe f\u00fcr das Hochwasserrisikomanagement in Deutschland. DKKV.<\/p>\n\n\n\n<p>DKKV (Hg.) (2003): Hochwasservorsorge in Deutschland. Lernen aus der Katastrophe 2002 im Elbegebiet. Deutsches Komitee f\u00fcr Katastrophenvorsorge. Deutsches Komitee f\u00fcr Katastrophenvorsorge e.V (Lessons learned, 29).<\/p>\n\n\n\n<p>Flut-Wiki (2022): Hilfsplattformen. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/www.flut-wiki.de\/w\/Hilfsplattformen\">https:\/\/www.flut-wiki.de\/w\/Hilfsplattformen<\/a>, zuletzt aktualisiert am 22.03.2022, zuletzt gepr\u00fcft am 30.03.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerlach, Nicole (2018): Starkregenereignisse im Mai\/Juni 2016 und 2018. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/lfu.rlp.de\/de\/infos-zum-herunterladen\/fachveranstaltung-starkregen-und-hochwasserschutz\/\">https:\/\/lfu.rlp.de\/de\/infos-zum-herunterladen\/fachveranstaltung-starkregen-und-hochwasserschutz\/<\/a>, zuletzt gepr\u00fcft am 15.07.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Helfer-Stab (2022): Helfer-Stab Hochwasser Ahr. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/helfer-stab.de\">https:\/\/helfer-stab.de<\/a>\/, zuletzt gepr\u00fcft am 08.07.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>IM NRW (2022): Katastrophenschutz der Zukunft. Abschlussbericht des vom Minister des Innern berufenen Kompetenzteams Katastrophenschutz. Ministerium des Innern Nordrhein-Westfalen. D\u00fcsseldorf.<\/p>\n\n\n\n<p>VG Bitburger Land (2020): Entwurf &#8211; Starkregen- und Hochwasservorsorgekonzept f\u00fcr die Ortsgemeinde Dudeldorf. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/dudeldorf.de\/fileadmin\/user_upload\/Entwurf_Hochwasservorsorgekonzept_Dudeldorf.pdf\">https:\/\/dudeldorf.de\/fileadmin\/user_upload\/Entwurf_Hochwasservorsorgekonzept_Dudeldorf.pdf<\/a>, zuletzt gepr\u00fcft am 15.07.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Kr\u00fcger, Marco; Albris, Kristoffer (2021): Resilience unwanted: Between control and cooperation in disaster response. In: <em>Security Dialogue<\/em> 52 (4), S. 343\u2013360.<\/p>\n\n\n\n<p>Kutschker, Thomas (2019): Fl\u00e4chenlagen nach Starkregenereignissen \u2013 Die Feuerwehr an der Belastungsgrenze. In: <em>BBK Bev\u00f6lkerungsschutz <\/em>2, S. 6\u201311.<\/p>\n\n\n\n<p>Landtag Nordrhein-Westfalen (2022): Zwischenbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses V (&#8220;Hochwasserkatastrophe&#8221;). Drucksache 17\/14944. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/opal.landtag.nrw.de\/portal\/WWW\/dokumentenarchiv\/Dokument\/MMD17-16930.pdf\">https:\/\/opal.landtag.nrw.de\/portal\/WWW\/dokumentenarchiv\/Dokument\/MMD17-16930.pdf<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Landtag Rheinland-Pfalz (2021): Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz &#8211; Kommunikation, Warnung und Pr\u00e4vention. Antwort des Ministeriums des Inneren und f\u00fcr Sport auf die Gro\u00dfe Anfrage der Fraktion der AfD &#8211; Drucksache 18\/774.<\/p>\n\n\n\n<p>LBKG (12.02.2022): Landesgesetz \u00fcber den Brandschutz, die allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz (LBKG). Fundstelle:&nbsp;GVBl. 1981,&nbsp;247. Online verf\u00fcgbar unter https:\/\/landesrecht.rlp.de\/bsrp\/document\/jlr-Brand_KatSchGRPrahmen, zuletzt gepr\u00fcft am 17.02.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Lorenz, Daniel F.; Dittmer, Cordula. (2021): Disasters in the \u2018Abode of Gods\u2019\u2014Vulnerabilities and Tourism in the Indian Himalaya. In: <em>International Journal of Disaster Risk Reduction<\/em> 55. DOI: http:\/\/doi.org\/10.1016\/j.ijdrr.2021.102054 <\/p>\n\n\n\n<p>Lorenz, Daniel F.; Schulze, Katja; Wenzel, Bettina; Voss, Martin (2015): Hilfsbereitschaft im Katastrophenfall. In: <em>Notfallvorsorge<\/em> 46 (3), S. 12-19.<\/p>\n\n\n\n<p>Manyena, Siambabala (2006): The concept of resilience revisited. In: <em>Disasters<\/em> 30 (4), S. 434-450.<\/p>\n\n\n\n<p>Ministerium des Innern und f\u00fcr Sport Rheinland-Pfalz (2020): Rahmen- Alarm und Einsatzplan Hochwasser. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/bks-portal.rlp.de\/sites\/default\/files\/og-group\/57\/dokumente\/RAEP%20Hochwasser%20Stand%2018.08.2020_0.pdf\">https:\/\/bks-portal.rlp.de\/sites\/default\/files\/og-group\/57\/dokumente\/RAEP%20Hochwasser%20Stand%2018.08.2020_0.pdf<\/a>, zuletzt gepr\u00fcft am 15.07.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fcger, Anja; Bock, Nicolas; Dittmer, Cordula; Merkes, Sara T.; Voss, Martin (2022): Die Evakuierung des St.-Antonius-Hospitals Eschweiler w\u00e4hrend der Flutereignisse im Juli 2021. <em>KFS Working Paper<\/em> Nr. 25. Berlin: Katastrophenforschungsstelle (in Vorbereitung).<\/p>\n\n\n\n<p>Schulze, Katja &amp; Voss, Martin (2022). Weather Forecast and Weather Warning Preferences in Germany. Results of a national representative study.<em> KFS Working Paper<\/em> Nr. 24. Berlin: Katastrophenforschungsstelle.<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/refubium.fu-berlin.de\/bitstream\/handle\/fub188\/34940\/Schulze_Voss_2022_Weather_Forecast_and_Weather_Warning_Preferences_in_Germany_digitalversion.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y\" target=\"_blank\"> Download<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Schulze, Katja; Voss, Martin (2020): Sturm \u201eSabine\u201c \u2013 Wahrnehmung der Warnungen und Reaktionen. Ergebnisse einer deutschlandweiten Bev\u00f6lkerungsbefragung. <em>KFS Working Paper<\/em> Nr. 18. Berlin: Katastrophenforschungsstelle. <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/publikationen\/Schulze_Voss_2020_Sturm_Sabine_Wahrnehmung_der_Warnung_und_Reaktion1.pdf\">Download<\/a><a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/publikationen\/Schulze_Voss_2020_Sturm_Sabine_Wahrnehmung_der_Warnung_und_Reaktion_8_.pdf\">.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Spilcker, Axel (2021): Flutkatastrophe: <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/panorama\/12-tote-in-behinderteinrichtung-das-erdgeschoss-wurde-zur-todesfalle-betreuer-verzichtete-dennoch-auf-evakuierung_id_24505439.html\">Als Ermittler ins Brackwasser steigen, finden sie erste Leiche<\/a>. In: <em>FOCUS Online<\/em>, 13.12.2021.<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00fcddeutsche Zeitung (2022): Online-Hilfe statt Helfershuttle im flutgesch\u00e4digten Ahrtal. Hochwasser &#8211; Grafschaft. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/hochwasser-grafschaft-online-hilfe-statt-helfershuttle-im-flutgeschaedigten-ahrtal-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-220505-99-166891\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/hochwasser-grafschaft-online-hilfe-statt-helfershuttle-im-flutgeschaedigten-ahrtal-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-220505-99-166891<\/a>, zuletzt aktualisiert am 05.05.2022, zuletzt gepr\u00fcft am 08.07.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>SWR (2021): Viele Tausend Helfer im Ahrtal &#8211; doch Zahlen sinken vor dem Winter. Drei Monate nach der Flut. S\u00fcdwestrundfunk. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/rheinland-pfalz\/koblenz\/helfer-flut-vor-dem-winter-100.html\">https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/rheinland-pfalz\/koblenz\/helfer-flut-vor-dem-winter-100.html<\/a>, zuletzt aktualisiert am 06.10.2021, zuletzt gepr\u00fcft am 08.07.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>THW (2022): Ein Jahr nach Starkregen \u201eBernd\u201c. Gr\u00f6\u00dfter Einsatz in THW-Geschichte. Technisches Hilfswerk. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"https:\/\/www.thw.de\/SharedDocs\/Meldungen\/DE\/Pressemitteilungen\/national\/2022\/07\/pressemitteilung_001_pm_starkregen_lang.html;jsessionid=6AE06CA6B652A3B85E7BF626EE9289BF.2_cid388?nn=7059670\">https:\/\/www.thw.de\/SharedDocs\/Meldungen\/DE\/Pressemitteilungen\/national\/2022\/07\/pressemitteilung_001_pm_starkregen_lang.html;jsessionid=6AE06CA6B652A3B85E7BF626EE9289BF.2_cid388?nn=7059670<\/a> , zuletzt aktualisiert am 01.07.2022, zuletzt gepr\u00fcft am 08.07.2022.<\/p>\n\n\n\n<p>Voss, Martin (2022): Zustand und Zukunft des Bev\u00f6lkerungsschutzes in Deutschland &#8211; Lessons to learn. <em>KFS Working Paper Nr. 20<\/em> (Version 4). Berlin: Katastrophenforschungsstelle. <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/publikationen\/Lessons_to_learn_2022.pdf\">Download<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Voss, Martin; Dittmer, Cordula; Schulze, Katja; R\u00fcger, Anja; Bock, Nicolas (2022): Katastrophenbew\u00e4ltigung als sozialer Prozess: Vom Ideal- zum Realverst\u00e4ndnis von Risiko-, Krisen- und Katastrophenmanagement. In: <em>Notfallvorsorge<\/em> (1), S. 22-32. <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/publikationen\/Dittmer_2_NV_01_22.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Download<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>ZSKG (1997): Gesetz \u00fcber den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes. Zuletzt ge\u00e4ndert durch Elfte Zust\u00e4ndigkeitsanpassungsverordnung vom 19.06.2020 (BGBl. I S. 1328).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Dieser Blogbeitrag ist ein kollektives Werk unterschiedlicher Autor*innen aus verschiedenen Projekten. Um die Zuordnung auch f\u00fcr die Leser*innen transparent zu gestalten, sind die einzelnen Abschnitte mit unterschiedlichen Autor*innen versehen. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> In der Bew\u00e4ltigung des \u201eHimalayan Tsunami\u201c, 2013 in Uttarakhand, Indien, waren interessanterweise sehr \u00e4hnliche Entwicklungen zu beobachten (Lorenz\/Dittmer 2021).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Warnprozesse und -kulturen, speziell die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/news\/20210717_Warnung.html\">Warnung von Extremwetterereignissen<\/a>, stehen aktuell im Projekt <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/forschung\/forschungsprojekte\/wexicomIII\/index.html\">WEXICOM III<\/a>&nbsp;sowie in <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/forschung\/forschungsprojekte\/HoWas2021\/index.html\">HoWas21<\/a> im Zentrum. Das Projekt&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/forschung\/forschungsprojekte\/Tsunami-Risk\/index.html\">TsunamiRisk<\/a> widmet sich der Untersuchung institutioneller Warnprozesse. In&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/forschung\/forschungsprojekte\/INCREASE\/index.html\">INCREASE<\/a>&nbsp;ist eine Analyse der Hochwasserereignisse Deutschland geplant. Ziel ist es, die Erkenntnisse aus den j\u00fcngsten Hochwassererfahrungen in Deutschland zu ziehen und Lessons Learned f\u00fcr ein integriertes Katastrophenrisikomanagement (IKRM) abzuleiten. Das Projekt <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/forschung\/forschungsprojekte\/ATLAS-ENGAGE\/index.html\">ATLAS-ENGAGE<\/a> widmet sich der Frage, wie Spontanhelfende, neue und alte Formen des ehrenamtlichen Engagements und gesamtgesellschaftliche Entwicklungen in Katastrophenlagen wie den Starkregenereignissen 21 zusammengedacht werden k\u00f6nnen und welche Konzepte es zur Einbindung und St\u00e4rkung verschiedener Formen von Engagement im Katastrophenschutz gibt. Den Einsatz der Organisationen des Zivil- und Katastrophenschutzes in der Vorbereitung und Bew\u00e4ltigung der Starkregenereignisse 21 untersucht das Projekt <a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/forschung\/forschungsprojekte\/HoWas2021\/index.html\">HoWas21<\/a>. Im Projekt&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/forschung\/arbeitsstellen\/katastrophenforschung\/forschung\/forschungsprojekte\/RESIK\/index.html\">RESIK<\/a>&nbsp;werden die Krankenhausevakuierungen und die Bedeutung des Themas kritische Infrastrukturen in Krankenh\u00e4usern in der Hochwasserlage fokussiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Dass die Hochwassermodelle und Pegelmessungen unzureichend waren f\u00fcr derartige Ereignisse und es auch bei der Prognose bzw. sp\u00e4testens bei der \u00dcbersetzung der rein technischen Daten in lokale Auswirkungen vielfach massive Probleme gab, wird im Folgenden nicht \u2013 daf\u00fcr aber im Projekt HoWas21 ausf\u00fchrlich betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Der Bereich der Sozialen Medien wird im Folgenden nicht betrachtet, da dieser sehr komplex und vielf\u00e4ltig ist und dazu bislang noch keine aussagekr\u00e4ftigen Ergebnisse vorliegen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Zur Warn-App &#8220;KatWarn&#8221; gibt es offiziell keine Downloadzahlen. Jedoch kann die Gesamtzahl der Nutzer*innen, wie auch die Aufschl\u00fcsselung derer in einzelne Landkreise, in einer gro\u00dfen Anfrage an den Landtag Rheinland-Pfalz genannt werden. Zur Warn-App &#8220;NINA&#8221; k\u00f6nnen ebenfalls keine Downloadzahlen genannt werden,&nbsp;jedoch k\u00f6nnen Nutzer*innen nach abonnierten Orten ausgewertet werden. Nicht beziffert werden k\u00f6nnen demgegen\u00fcber Nutzer*innen, die sich zu den Warnzeitpunkten tats\u00e4chlich vor Ort aufhielten (Landtag Rheinland-Pfalz 2022).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Die Akademie der Katastrophenforschungsstelle (AKFS), eine gemeinn\u00fctzige Ausgr\u00fcndung der KFS, f\u00fchrt gegenw\u00e4rtig ein entsprechendes Pilotprojekt in der <a href=\"https:\/\/www.staedteregion-aachen.de\/de\/navigation\/staedteregion\/katastrophenschutz\">St\u00e4dteRegion Aachen<\/a> durch, in dem der Aufbau von Sirenen kommunikationswissenschaftlich begleitet wird. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Die Zahl der de facto dem Bev\u00f6lkerungsschutz zur Verf\u00fcgung stehenden und einsatzbereiten Ehrenamtlichen ist schwierig zu beziffern, liegt aber insgesamt deutlich unter den sch\u00e4tzungsweise 2 Millionen Ehrenamtlichen, auch weil in den Hilfsorganisationen sich das Ehrenamt nicht auf den Bev\u00f6lkerungsschutz beschr\u00e4nkt und nicht alle als Ehrenamtliche Erfasste \u00fcber Einsatzbef\u00e4higung i.S.v. abgeschlossener Ausbildung, Gesundheitsschutz und g\u00fcltiger bspw. Erste-Hilfe-Nachweise verf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Mehrfachz\u00e4hlungen m\u00f6glich\/wahrscheinlich<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Eine ausf\u00fchrliche Darstellung dieser Fallstudie ist zu finden unter: R\u00fcger, Anja; Bock, Nicolas; Dittmer, Cordula; Merkes, Sara T.; Voss, Martin (2022): Die Evakuierung des St.-Antonius-Hospitals Eschweiler w\u00e4hrend der Flutereignisse im Juli 2021. Working Paper Nr. 25. Berlin: Katastrophenforschungsstelle (in Vorbereitung).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katastrophenforschungsstelle (KFS) http:\/\/dx.doi.org\/10.17169\/refubium-45069 \u201eNicht alle sind im selben Jetzt da. Sie sind es nur \u00e4u\u00dferlich, dadurch, dass sie heute zu sehen sind. Damit aber leben sie noch nicht mit den anderen zugleich. 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