{"id":165,"date":"2021-09-10T11:19:48","date_gmt":"2021-09-10T09:19:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/?page_id=165"},"modified":"2022-05-18T07:31:35","modified_gmt":"2022-05-18T05:31:35","slug":"konzept","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/konzept\/","title":{"rendered":"Konzept"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der&nbsp;<em>Dual Use<\/em>-Begriff<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Als eine zentrale Problematik ambivalenter Wissenschaften bezeichnet&nbsp;<em>Dual Use<\/em>&nbsp;die doppelte oder mehrfache Verwendbarkeit von universit\u00e4rer Forschung f\u00fcr sowohl zivile als auch milit\u00e4rische bzw. gesellschaftlich sch\u00e4dliche Zwecke. Dies verweist darauf, dass das zentrale Ziel von Forschung, gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse menschenw\u00fcrdiger zu machen und zu friedlichen Transformationsprozessen anzuregen, in das Gegenteil verkehrt werden kann, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse politisch oder milit\u00e4risch instrumentalisiert werden. Forschungen k\u00f6nnen demnach nicht nur die wissenschaftlich intendierten Folgen und n\u00fctzlichen Wirkungen, sondern auch nicht-intendierte Nebenfolgen und gesellschaftliche Sch\u00e4den durch ihre missbr\u00e4uchliche Nutzung hervorbringen \u2013 ohne, dass dies immer kontrolliert und unterbunden werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die historische Bedeutung von&nbsp;<em>Dual Use<\/em>&nbsp;am Campus Dahlem<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Campus Dahlem selbst liefert au\u00dferordentlich bedeutsame wissenschaftsgeschichtliche Beispiele f\u00fcr die&nbsp;<em>Dual Use<\/em>-Problematik. So arbeiteten hier bis 1933 zahlreiche Nobelpreistr\u00e4ger*innen in den Naturwissenschaften, deren Forschungsergebnisse gleicherma\u00dfen Nutzen und Schaden hervorgerufen haben. Ein Beispiel ist die intensive Forschung an der Stickstoffchemie, personifiziert durch Fritz Haber im inzwischen gleichnamigen Institut der Max-Planck-Gesellschaft, die der Welt sowohl Kunstd\u00fcnger f\u00fcr die Landwirtschaft als auch chemische Waffen bescherte, die im Ersten Weltkrieg erstmalig systematisch zum Einsatz kamen. Ein anderes Beispiel ist die erste experimentelle Kernspaltung, durchgef\u00fchrt von Otto Hahn und Fritz Strassmann im heutigen \u201eHahn-Meitner-Bau\u201c. Dieses Experiment hat den Weg zu Nuklearwaffen und den Atombombenabw\u00fcrfen auf Hiroshima und Nagasaki im Zweiten Weltkrieg bereitet, aber auch die friedliche Nutzung der Kernenergie vorangetrieben, die allerdings wiederum aus heutiger Sicht selbst aufgrund von Sicherheitsrisiken und \u00f6kologischen Gefahren als ein Problemfall gilt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gegenw\u00e4rtige&nbsp;<em>Dual Use<\/em>-Herausforderungen an der FU Berlin<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Neben seinen historisch bedeutungsvollen Forschungen bringt der Campus Dahlem auch gegenw\u00e4rtig mit den Instituten der FU und MPG als ein breit aufgestellter und innovativer Wissenschaftsstandort unterschiedliche&nbsp;<em>Dual Use<\/em>-Herausforderungen hervor: unter anderem in der Biologie im Kontext von Gentechnologien oder in der Informationstechnik im Bereich K\u00fcnstlicher Intelligenz. Und die Bandbreite an natur- und technikwissenschaftlichen Forschungsgebieten, die sich mit der&nbsp;<em>Dual Use<\/em>-Thematik konfrontiert sehen, ist noch bedeutend l\u00e4nger: Big Data, Drohnen, Satellitentechnologien, Neurowissenschaften oder Experimente mit Viren \u2013 bei all diesen Beispielen k\u00f6nnen Fluch und Segen von Wissenschaften dicht beieinander liegen. Dar\u00fcber hinaus sind auch geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen nicht losgel\u00f6st von Ambivalenzen. \u201eFriedenskonzepte\u201c sind oftmals selbst gewaltverstrickt. So m\u00fcssen politikwissenschaftliche Studien dort kritisch hinterfragt werden, wo entlang simpler Dichotomien, kolonialer Kontinuit\u00e4ten und geopolitischer Wissensordnungen (u.a. \u201efriedliche Demokratien\u201c vs. \u201efailed states\u201c) eine politische Indienstnahme zur Legitimation von Kriegen droht, oder Forschung gar direkt im Auftrag sicherheitspolitischer Institutionen die Akzeptanz milit\u00e4rischer Eins\u00e4tze untersucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der missbr\u00e4uchliche und ethisch fragw\u00fcrdige Einsatz von Forschung kann somit in vielf\u00e4ltiger Weise sowohl Erkenntnisse und Know-how, entwickelte Produkte und Materialien als auch erfundene Technologien betreffen. Dadurch wird deutlich, dass die Besch\u00e4ftigung mit&nbsp;<em>Dual Use<\/em>&nbsp;untrennbar verbunden ist mit der Thematisierung der Ambivalenzen von Forschungen und der daraus resultierenden Verantwortung von Wissenschaften quer \u00fcber verschiedene Disziplinen hinweg. Mit anderen Worten: Die Kombination aus historischen Standorten und heutigen Forschungsaktivt\u00e4ten bietet eine einzigartige M\u00f6glichkeit und gleicherma\u00dfen Verpflichtung, sich mit dem Thema&nbsp;<em>Dual Use<\/em>&nbsp;am Campus Dahlem interdisziplin\u00e4r auseinander zu setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der&nbsp;Dual Use-Begriff Als eine zentrale Problematik ambivalenter Wissenschaften bezeichnet&nbsp;Dual Use&nbsp;die doppelte oder mehrfache Verwendbarkeit von universit\u00e4rer Forschung f\u00fcr sowohl zivile als auch milit\u00e4rische bzw. gesellschaftlich sch\u00e4dliche Zwecke. Dies verweist darauf, dass das zentrale Ziel von Forschung, gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse menschenw\u00fcrdiger zu machen und zu friedlichen Transformationsprozessen anzuregen, in das Gegenteil verkehrt werden kann, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/konzept\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKonzept\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6411,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-165","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/165","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6411"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=165"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/165\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":294,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/165\/revisions\/294"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/dual_use\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}