{"id":234,"date":"2020-03-04T19:10:00","date_gmt":"2020-03-04T18:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/fkfkollektiv\/?p=234"},"modified":"2024-08-07T08:55:15","modified_gmt":"2024-08-07T06:55:15","slug":"kulturelle-identitaet-stuart-hall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/fkfkollektiv\/2020\/03\/04\/kulturelle-identitaet-stuart-hall\/","title":{"rendered":"Kulturelle Identit\u00e4t (Stuart Hall)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/fkfkollektiv\/files\/2019\/08\/Stuart-Hall_Cultural-Identity.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-235\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/fkfkollektiv\/files\/2019\/08\/Stuart-Hall_Cultural-Identity-300x233.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/fkfkollektiv\/files\/2019\/08\/Stuart-Hall_Cultural-Identity-300x233.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/fkfkollektiv\/files\/2019\/08\/Stuart-Hall_Cultural-Identity-250x194.png 250w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/fkfkollektiv\/files\/2019\/08\/Stuart-Hall_Cultural-Identity-231x180.png 231w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/fkfkollektiv\/files\/2019\/08\/Stuart-Hall_Cultural-Identity-386x300.png 386w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/fkfkollektiv\/files\/2019\/08\/Stuart-Hall_Cultural-Identity.png 526w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote><p><em>Kulturelle Identit\u00e4t besteht in einer prozesshaften und dynamischen Aushandlung von Bedeutungen und Positionierungen historischer, kultureller und politischer Art durch Repr\u00e4sentation und Artikulation (z.B. Film). Es handelt sich dabei nicht um Einheits-, sondern um Differenzerfahrungen, die kontinuierlich produziert werden und stets positioniert sind. Diese Konzeption soll dazu beitragen, essentialisierende Vorstellungen von kultureller Identit\u00e4t zu dekonstruieren und \u201eSchwarz-Sein\u201c innerhalb von Repr\u00e4sentationsregimen neu zu artikulieren, um bin\u00e4res Denken zu destabilisieren (Hall 1993)<\/em><em>. <\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In seinem Artikel \u201eCultural Identity and Diaspora\u201c n\u00e4hert sich der (Kultur-)Soziologe Stuart Hall (1993) einer Vorstellung von kultureller Identit\u00e4t aus einer postkolonialen Perspektive im Kontext von kollektiven Erfahrungen\/Erinnerungen der Diaspora sowie (an) koloniale Vergangenheiten\/Pr\u00e4senzen (siehe <em>N\u00e9gritude<\/em>).<\/p>\n<p>Hall unterscheidet zwischen zwei Wegen, kulturelle Identit\u00e4t zu begreifen. Der erste, traditionelle Weg begreift Identit\u00e4t als authentische, stabile, kollektive Referenz, die historisch entstanden ist und sich vor allem durch die gemeinsame Herkunft konstituiert (Hall 1993: 223-225). &nbsp;Der zweite, von Hall (1993: 225 f.) er\u00f6ffnete Weg, versteht Identit\u00e4t nicht als greifbare Einheit, sondern als Produktion durch (strategische) Repr\u00e4sentation, die Br\u00fcche und Diversit\u00e4t anerkennt. Dieses Verst\u00e4ndnis von Repr\u00e4sentation schlie\u00dft Wandel und Ver\u00e4nderung (insbesondere in Bezug auf Kolonialismus und Verschleppung) ein und verortet Identit\u00e4t als einen Aushandlungsprozess der Konstruktion durch Erinnerung, Erz\u00e4hlung und Imagination. W\u00e4hrend Hall (1993: 224f.) anerkennt, dass das erste Identit\u00e4tskonzepts f\u00fcr den oppositionellen Kampf gegen vorherrschende europ\u00e4ische Pr\u00e4senzen wichtig ist, liegt sein Hauptanliegen darin, die Konstruktion von Identit\u00e4ten zu verdeutlichen.<\/p>\n<p>Kulturelle Identit\u00e4t ist in dem Sinne nichts Gegebenes, Absolutes, oder Greifbares, sondern vielmehr eine Produktion, die sich in einem stetigen und unendlichen Prozess befindet (Winter 2013). Dieser Prozess findet innerhalb von \u2192<strong>Repr\u00e4sentation <\/strong>statt. Identit\u00e4t wird also mittels Repr\u00e4sentation (re)produziert. Oder anders gesagt: Repr\u00e4sentation fungiert als Mittel der (Re)Produktion von Identit\u00e4t. Nach Hall gibt es demnach keine authentische Identit\u00e4t, die repr\u00e4sentiert werden kann, da Identit\u00e4t erst in dem Moment der Repr\u00e4sentation geschaffen wird (Hall 1993: 222). Diese Repr\u00e4sentation wiederum besteht in und durch Artikulation (von Bedeutungen), welche immer positioniert ist (ebd.).<\/p>\n<p>Anlehnend an das Konzept der <em>Diff\u00e9rance <\/em>nach Derrida, betont Hall (1993: 229), dass Identit\u00e4t von Differenz gepr\u00e4gt ist, da Bedeutungen und Repr\u00e4sentationen weder fixiert noch vollendet sind, sondern abh\u00e4ngig von Kontexten und Perspektiven permanent Prozessen von Wandel und Verschiebung unterliegen. Ein Beispiel hierf\u00fcr sind die karibischen Inseln, welche aus westlicher Perspektive oftmals als \u201ekulturell gleich\u201c betrachtet werden, w\u00e4hrend sie von dort\/wo anders aus stattdessen als divers oder als franz\u00f6sisch wahrgenommen werden (Hall 1993: 227 f.).<\/p>\n<p>In der Konsequenz kann Identit\u00e4t also nicht nur als Repr\u00e4sentation und Produktion, sondern auch als Variation von etwas verstanden werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Hall, Stuart 1993: Cultural Identity and Diaspora, in: Framework, 36, 222-237.<\/p>\n<p>Winter, Paul: Wie viele sind wir? \u2013 Stuart Hall und kulturelle Identit\u00e4t, April 2013, in Shabka, https:\/\/shabka.org\/blog\/2013\/04\/23\/wie-viele-sind-wir-stuart-hall-und-der-begriff-der-kulturellen-identitat\/; letzter Zugriff: 15.07.2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Autor*innen: Johanna Gabert<\/em><\/p>\n<p><em>Zuletzt \u00fcberarbeitet: 23.08.2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulturelle Identit\u00e4t besteht in einer prozesshaften und dynamischen Aushandlung von Bedeutungen und Positionierungen historischer, kultureller und politischer Art durch Repr\u00e4sentation und Artikulation (z.B. 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