Zeit, den Staffelstab weiterzugeben

Kirsten Schmiester, hauptberuflich in der Abteilung Internationales tätig, ist seit 2022 nebenberufliche Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Zentralen Universitätsverwaltung. Das bevorstehende Ende ihrer Amtszeit nimmt sie zum Anlass, um auf die letzten vier Jahre zurückzublicken und Kolleginnen zu ermutigen, sich zur Wahl zu stellen und sich damit für Gleichstellung an der Freien Universität stark zu machen.

Am 31. August endet meine Amtszeit als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Zentralen Universitätsverwaltung (ZUV). 2022 wurde ich als Stellvertreterin gewählt, seit 2024 übernehme ich das Hauptamt mit einer Kollegin als Stellvertreterin an meiner Seite. Nach vier Jahren intensiver Arbeit, Austausch und vielen neuen Einblicken in die Universitätsverwaltung ist nun der Zeitpunkt gekommen, den Staffelstab weiterzugeben und anderen Kolleginnen die Möglichkeit zu geben, sich für Gleichstellung an der Freien Universität stark zu machen.

Das Amt bietet großen Gestaltungsspielraum

Als zuständige Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte wurde ich regelhaft an allen Personalvorgängen der ZUV beteiligt – dieses Recht ist im Berliner Hochschulgesetz und im Landesgleichstellungsgesetz verankert. Beteiligung fängt an mit Stellenausschreibungen: Ich habe Formulierungen hinterfragt und Anforderungen kritisch geprüft, um Bewerber*innenkreise zu erweitern und unbeabsichtigte Ausschlüsse zu vermeiden. Diese Arbeit an der Basis zeigt oft große Wirkung: Kleine sprachliche oder inhaltliche Anpassungen führen langfristig zu einem breiteren und vielfältigeren Spektrum an Kandidat*innen. Im nächsten Schritt habe ich an Auswahlgesprächen teilgenommen und darauf geachtet, dass die Auswahlprozesse nachvollziehbar und an objektiven Kriterien orientiert waren. Auch die Begleitung von Probezeitkündigungen gehört (glücklicherweise selten) zum Tätigkeitsfeld; das ist fachlich und emotional anspruchsvoll, aber gerade in diesen Fällen kann man durch Gespräche mit beiden Parteien oftmals viel bewirken. Außerdem wurde ich an der Erstellung des Frauenförderplans der ZUV beteiligt. Das habe ich als sehr bereichernd empfunden: Durch das Formulieren von konkreten, zielgerichteten Maßnahmen konnte ich direkt beeinflussen, wie Gleichstellung an der FU gelebt wird.

Das Amt der dezentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten bietet auch darüber hinaus großen Gestaltungsspielraum. Da die Ausübung des Amtes nicht weisungsgebunden ist, ermöglicht es, eigene Schwerpunkte zu setzen und Projekte zu initiieren – zum Beispiel Sensibilisierungsformate oder Mentoring‑Angebote. Diese Option macht das Amt attraktiv für diejenigen, die eigene Ideen einbringen und in der ZUV etwas bewegen möchten. Gleichzeitig ist es völlig legitim, die Rolle überwiegend in der Beteiligung an Verfahren und in einer beratenden Funktion auszufüllen. Während meiner Amtszeit habe ich das universitätsweite Netzwerk der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und die Unterstützung des Teams geschlechter*gerecht besonders wertgeschätzt. Das monatliche Plenum war ein verlässlicher Ort für fachlichen Austausch, kollegiale Beratung und das Teilen guter Praxis. Das Weiterbildungsprogramm FUTURA, das ich zu Beginn meiner ersten Amtszeit absolvieren durfte, hat mir das nötige Fachwissen für die tägliche Arbeit vermittelt. Die Jahrestagungen der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, an denen wir einen ganzen Tag lang intensiv an aktuellen Themen gearbeitet haben, lieferten regelmäßig neue Perspektiven und Energie und waren für mich immer wieder ein Highlight.

Sensibilität, Geduld und Durchhaltevermögen

Institutionell ist die Amtstätigkeit abgesichert: Nebenberufliche Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte werden zur Ausübung ihres Amtes von sonstigen Dienstaufgaben freigestellt bzw. entsprechend aufgestockt, sodass bis zu 50 Prozent der Regelarbeitszeit für die Tätigkeit zur Verfügung stehen. Für das Amt der Stellvertreterin ist eine Freistellung bzw. Arbeitszeiterhöhung von 25 Prozent Regelarbeitszeit vorgesehen. Diese Freistellung ist wichtig und sollte auf jeden Fall in Anspruch genommen werden, um die Aufgaben verantwortungsvoll und nachhaltig wahrnehmen zu können, ohne dass die übrigen dienstlichen Verpflichtungen dauerhaft leiden.

Die Arbeit ist nicht immer einfach – sie verlangt Sensibilität, Geduld und Durchhaltevermögen. Manche Fälle sind belastend. Dennoch habe ich das Amt als sehr wirkungsvoll und sinnstiftend empfunden: Kontinuierliche Begleitung, präventive Hinweise in Auswahlverfahren und gelegentliche Impulse können auf lange Sicht Strukturen und das Arbeitsklima verbessern. Genau das macht die Aufgabe lohnend.

Neuwahl: Wer übernimmt den Staffelstab?

Mit Blick auf das Ende meiner Amtszeit möchte ich auf die anstehende Wahl aufmerksam machen. Erstmalig werden für die ZUV drei Ämter zu besetzen sein: die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte sowie – aufgrund der Größe der ZUV – nunmehr zwei Stellvertreterinnen. Wenn sich genügend Kandidatinnen finden, wird meine Nachfolgerin also in einem Dreierteam arbeiten. Für die Ämter können alle weiblichen Beschäftigten der ZUV kandidieren. Wichtig für alle Interessierten sind folgende Termine: Sowohl meine Amtszeit als auch die Amtszeit meiner Stellvertreterin enden am 31. August 2026. Die Neuwahl für beide Ämter findet am 30. Juni 2026 statt. Interessierte Kolleginnen können ihre Kandidatur (Formular Wahlvorschlag) für das Amt der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der ZUV wie auch für das Amt der Stellvertreterin bis 22. Mai 2026 beim Zentralen Wahlvorstand einreichen (Wahlbekanntmachung hier veröffentlicht).

Wenn Sie sich für das Amt interessieren oder Fragen zur konkreten Arbeit und zum Ablauf der Wahl haben, sprechen Sie mich gern an. Ich unterstütze bei Bedarf mit praktischen Hinweisen, teile Erfahrungen und helfe natürlich beim Übergang, damit die Gleichstellungsarbeit in der ZUV nahtlos weitergeführt werden kann. Wenn Sie neugierig sind oder einfach mal unverbindlich sprechen möchten — melden Sie sich gern. Auch das Team geschlechter*gerecht ist für Ihre Fragen zum Amt ansprechbar.

Noch ein persönliches Wort zum Schluss: Die letzten vier Jahre waren für mich unglaublich bereichernd. Ich habe viele neue Kolleg*innen über die ganze Universität hinweg kennengelernt, neue Perspektiven gewonnen und mein berufliches Netzwerk deutlich erweitert. Das hat mir nicht nur fachlich weitergeholfen, sondern auch viel Freude gemacht. Ein großes Dankeschön an meine Mitstreiter*innen, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an den Fachbereichen, Zentralinstituten, Zentraleinrichtungen und Serviceeinheiten sowie an das Team geschlechter*gerecht für eure Unterstützung.

Kirsten Schmiester, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Zentralen Universitätsverwaltung und Projektleiterin am Center for International Cooperation, Freie Universität Berlin

Kontakt: 030 / 838 62157, frauenbeauftragte@zuv.fu-berlin.de


Übersicht


Mehr Informationen zum Amt: Kandidieren für Geschlechtergerechtigkeit – BLOG GESCHLECHTER*GERECHT


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