Girls’Day 2026: Engagement und Erfahrung

Am 23. April feierte der bundesweite Girls’Day seinen 25. Geburtstag. Die Freie Universität lädt seit 24 Jahren dazu ein. In diesem Jahr kamen rund 350 Schülerinnen nach Dahlem, Lankwitz und Steglitz, um zu experimentieren, zu forschen und um Wissenschaftler*innen zu begegnen. Dieser Beitrag würdigt vor allem die FU-Mitarbeiter*innen, deren Engagement diesen Tag erst möglich macht. Drei davon geben persönliche Einblicke zu ihrem Einsatz beim Girls’Day.

In diesem Jahr öffnete die Freie Universität am 23. April um 8:00 Uhr wieder Hörsäle und Labore, um über 350 Schülerinnen der Klassen 5 bis 10 für Wissenschaft, Forschung und Informationstechnologie zu begeistern. „Wir brauchen Sie alle!“ Mit diesen Worten begrüßte FU-Vizepräsidentin für Forschung Prof. Dr. Petra Knaus die Schülerinnen per Videobotschaft. Denn, so führt Knaus – selbst Molekularbiologin und Biochemikerin – aus, „Frauen haben nochmal eine ganz andere Herangehensweise und eine ganz andere Vision, Wissenschaft zu betreiben“. Ein Anfang dafür kann die Teilnahme am Girls’Day sein. Auf dem diesjährigen Programm der FU standen über 30 spannende Workshops. Das vielfältige Angebot hatten die Fachbereiche Geowissenschaften, Physik, Mathematik und Informatik gemeinsam mit dem Zuse-Institut Berlin (ZIB) sowie die Zentraleinrichtung FUB-IT auf die Beine gestellt.

Bildquelle: kompetenzz.de

Die Durchführung des jährlichen Girls’Day lebt vom Engagement vieler FU-Kolleg*innen aus Wissenschaft und Verwaltung. Ohne sie, ihre Motivation und Unterstützung, wäre dieser Aktionstag für eine klischeefreie Studien- und Berufsorientierung an der Universität nicht möglich. Wer also plant und organisiert den Girls’Day? Wer führt durch das Programm und bietet Workshops an? Vor welchen Herausforderungen stehen die Organisator*innen? Was sind ihre Motivation und ihr beruflicher Hintergrund? Einblicke hinter die Kulissen und in die Workshops gewähren in diesem Beitrag Sera Renée Zentiks, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Fachbereichs Mathematik und Informatik und Referentin für Studium und Lehre, Dr. Nadja Danilenko, Leitung der Stabsstelle Demand Management der FUB-IT, und Daniela Schoster, Mitarbeiterin am Institut für Meteorologie.


14 Workshops boten der Fachbereich Mathematik und Informatik und das Zuse-Institut Berlin in diesem Jahr im Girls’Day Radar an, und die waren alle rasch ausgebucht. 171 interessierte Schülerinnen kamen zu den Veranstaltungen nach Dahlem. Beliebt bei den 7.- und 8.-Klässlerinnen sind alle Jahre wieder der Workshop „Hey ChatGPT, wie koche ich eigentlich mein Lieblingsgericht?“ und der ZIB-Workshop „Vom Prompt zum Lernbuddy: Chatbots und KI entdecken“ für jüngere Schülerinnen.

„Das Schönste am Girls’Day sind die freudigen Gesichter der Schülerinnen am Ende des Tages“

Was Sera Renée Zentiks und ihre Kolleg*innen dazu motiviert, sich für den Girls’Day zu engagieren ist, „vielen Schülerinnen zu zeigen, dass Mathematik und Informatik spannende Fächer sind, und damit hoffentlich ihre Neugier gefördert zu haben“. Dadurch, davon ist Zentiks überzeugt, bliebe die Universität für die 10- bis 16-jährigen Teilnehmerinnen „kein Abstraktum, sondern ist ein konkreter Ort, der betreten werden kann“; und einer der schönsten Momente des Girls’Day sei, „die freudigen Gesichter der Schülerinnen am Ende des Tages“ zu sehen. Die Vorbereitungen für diesen Tag liefen in enger Zusammenarbeit mit der Frauenvertreterin des ZIB Stephanie Riedmüller.

Zukünftige Mathematikerinnen? Foto: Zuse-Institut Berlin

Während des Girls’Day wurde Sera Renée Zentiks von der Informatikstudentin Antonia Hellmann Ratti unterstützt, die zusammen mit Justus Purat, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Informatik, den Workshop „Der erste Einstieg ins Programmieren“ veranstaltete, für den es auch auf Social Media großes Lob gab: „Dein Workshop war cool, die Mädchen waren total motiviert, Dinge auszuprobieren. Ich habe mich mit einer von ihnen über Mathe unterhalten und darüber, dass Lernen ein Prozess ist und dass es nicht heißt, dass man Mathe nicht lernen kann, nur weil man in der Schule eine schlechte Note hatte und die Mutter deshalb sauer geworden ist.“ Dass auch mal was „schieflaufen“ kann – wie zum Beispiel Technikprobleme bei der Begrüßungs- und Einführungsveranstaltung – schmälert Sera Renée Zentiks’ Freude und Begeisterung für den Girls’Day nicht. Für sie gilt: „Nach dem Girls’Day ist vor dem Girls’Day.“


An der Zentraleinrichtung FUB-IT konzipierte Dr. Nadja Danilenko das zusammenhängende Tagesprogramm „Ein Tag als Tüftlerin“. Spielerisch probierten sich hier zehn Schülerinnen im Alter von 10 bis 12 Jahren an täglichen Aufgaben der FUB-IT aus: Sie schraubten Computer zusammen, bauten Netzwerke und lösten Probleme im Scientific Computing. Als Highlight druckten die Teilnehmerinnen eigene Girls’Day-Studierendenausweise und setzen sie direkt in der Campusbibliothek ein.

„Für die FUB-IT ist der Girls’Day eine Investition in die Zukunft“

Highlight für die Tüftlerinnen: frisch gedruckte Studierendenausweise, Foto: Sylwia Tomaszuk

Aus Nadja Danilenkos Sicht „wirkt der Girls’Day auf den Handlungsspielraum der Teilnehmerinnen. Die Mädchen nutzen zwar Computer und das Internet ganz selbstverständlich im Alltag, aber was dahintersteckt und wie es funktioniert, das erschließen sie sich an konkreten Beispielen bei unserem Girls’Day“. Für die FUB-IT sei dieser Aktionstag eine Investition in die Zukunft. „Als zentrale IT sind unsere Aufgaben so vielfältig wie die FU selbst, und wir werden in allen Bereichen Nachwuchs brauchen. Deswegen spielen bei unserem Girls’Day nicht nur Computer eine große Rolle, sondern auch die verschiedenen Wege in die IT und die vielen Kolleg*innen, die die FUB-IT ausmachen.“
Sie selbst beschreibt ihren Weg zur FUB-IT „wie einen verlängerten Girls’Day“. Nach ihrer Arbeit als Kulturhistorikerin führte ihr Berufsweg sie zunächst ins Wissenschaftsmanagement bei der Helmholtz-Gemeinschaft. Dort betreute sie Organisationseinheiten, die übergreifende IT-Themen mit allen Forschungszentren bearbeiteten, entdeckte ihr Interesse an IT-Infrastruktur und -Services, die in eine Organisation hineinwirken, und entschied, stärker in diese Richtung zu gehen. Zeitgleich wurde die FUB-IT gegründet und die Stabsstelle Demand Management geschaffen, die genau ihre Interessen und Kompetenzen verband. „Somit kann ich beim Girls’Day veranschaulichen, dass viele Wege in die IT führen und dort auch die Fähigkeit zu Kontext- und Perspektivwechseln zählt.“

Computer zusammen zusammenbauen, Foto: Sylwia Tomaszuk

Begeistert und „regelrecht beflügelt“ war und ist Nadja Danilenko davon, die Girls’Day Teilnehmerinnen „in ihrer Vielfalt erleben zu dürfen, wie die Gruppe ihren Rhythmus findet, wie die Mädchen gemeinsam tüfteln, wie unterschiedlich sie Probleme lösen“. Ein Grund zum Jubeln sei für sie auch das interessierte und beharrliche Nachfragen der Mädchen, denn das zeige, „dass sie den Kern komplexer Themen verstanden haben“. Darin sieht sie auch die größte Herausforderung, die der Girls’Day an sie und ihre IT-Kolleg*innen stellt, nämlich in der Vereinfachung komplexer Themen – umso mehr als das „Tüftlerinnen“-Tagesprogramm für die jüngste Altersgruppe, die 10- bis 12-Jährigen, konzipiert ist und kein Vorwissen voraussetzt. Dass die FUB-IT-Kolleg*innen diese Herausforderung offensichtlich mit Bravour gemeistert haben, zeigen die Reaktionen der Schülerinnen. Das Fazit und der Ausblick der Organisatorin und Stabsstellenleiterin: „Die Mädchen waren mit Feuer und Flamme dabei und ihr positives Feedback spornt uns direkt fürs kommende Jahr an!“


Auf dem Programm des Fachbereichs Geowissenschaften standen am Girls’Day sechs Workshops. Über 60 Schülerinnen beschäftigten sich hier mit Klimaveränderungen, nahmen Einblick in die Planetologie, erforschten das Erdinnere und entdeckten die Welt der Fossilien: Kurz, sie erfuhren, wie vielseitig die Forschungs- und Arbeitsfelder von Geowissenschaftler*innen sind. Verantwortlich für die Organisation waren die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten des Fachbereichs Dr. Stine Gutjahr und Anna Giribaldi. Neun Teilnehmerinnen bot der Workshop „Wolkenexperimente und Sandstürme“ Raum und Zeit zum Experimentieren. Workshopleiterin Daniela Schoster ist am Institut für Meteorologie für Wetterbeobachtung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Für ihren Bereich organisiert sie unter anderem die Lange Nacht der Wissenschaften und vertritt das Citizen Science Projekt auf verschiedenen Konferenzen

„Mich hat das Wetter schon als Kind fasziniert“

Beim diesjährigen Girls’Day führte Daniela Schoster die Teilnehmerinnen – zusammen mit ihren Institutskolleg*innen Maren Böltes und Levin Rug – in die Bereiche Wolkenphysik und Aerosolforschung ein. Es ging um Federwolken, Schäfchenwolken, Stratuswolken und darum, welche Wolken einen Hinweis auf das kommende Wetter geben können. Die Schülerinnen forschten und experimentierten zu den Fragen: Wie gelangt Sand in die Luft? Welche Funktion hat der Wind? Und: Wie wirken Boden und Wind zusammen, um einen Sandsturm zu produzieren?

Haus auf Sand, Foto: Daniela Schoster

 „Wetter und Meteorologie im Allgemeinen ist ein unglaublich spannendes und vielfältiges Gebiet“, sagt Schoster. „Wetter ist nicht nur da, sondern bringt auch Wasser und Leben in unsere Welt.“ Um dieses Wissen weiterzugeben und für ihr Fach zu begeistern, engagiere sie sich gerne beim Girls’Day. „Mich hat das Wetter schon als Kind fasziniert.“ Deshalb habe sie sich für das Meteorologiestudium an der FU entschieden. Das Studium sei super spannend und für sie die richtige Wahl gewesen, „auch wenn es durch den hohen Mathe- und Physikanteil nicht so einfach ist“. Nach einem beruflichen Intermezzo als Webdeveloperin ist sie zurück zur Meteorologie gekommen – und kombiniert beide Schwerpunkte am Institut für Meteorologie bei verschiedenen Webauftritten.


Im Vorfeld und Hintergrund des Girls’Day an der Freien Universität wirkt seit den Anfängen 2002 die zentrale Frauenbeauftragte, heute das Team geschlechter*gerecht. Von 2021 bis 2024 leistete das Projektteam des Schülerinnenprogramms MINToring die zentrale Koordination. „Inzwischen“, so formuliert es Angela Streckenbach, zuständig für Veranstaltungsmanagement im Team geschlechter*gerecht, „seien viele Organisator*innen ‘alte Häs*innen‘ bezüglich Organisation und Ablauf, so dass Verantwortlichkeiten dezentral übernommen werden konnten.“ Weiterhin stellt das Team geschlechter*gerecht den Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und Organisator*innen der am Girls’Day beteiligten Bereiche Materialien wie Giveaways zur Verfügung, unterstützt bei Organisation und Öffentlichkeitsarbeit und betreut am Veranstaltungstag das Notfalltelefon. Eingerichtet ist das Notfalltelefon etwa für Eltern, die ihr erkranktes Kind kurzfristig abmelden, für Schülerinnen, die sich verlaufen haben, oder Kolleg*innen, die bei spontanen organisatorischen Herausforderungen Rat suchen. „Ein offenes Ohr am anderen Ende der Leitung ist dann oft schon die halbe Lösung des Problems, Lösungskompetenz die andere Hälfte“, resümiert Angela Streckenbach, die alle Anrufer*innen am Telefon beruhigen und unterstützen konnte. Auch den nächsten Girls’Day am 22. April 2027 wird das Team geschlechter*gerecht wieder zentral unterstützen.


Weitere Berichte zum Girls’Day 2026 finden sich auf den Seiten von campus.leben, der Fachbereiche Geowissenschaften und Physik  sowie der Zentraleinrichtung FUB-IT und des Zuse-Instituts Berlin.


Michaela Volkmann, Referentin im Team geschlechter*gerecht

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