
Gülay Çağlar, Professorin für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Gender and Diversity an der Freien Universität, erhält umfangreiche Drittmittel, um mit ihrer rechtswissenschaftlichen Kollegin Kirstin Drenkhahn und weiteren Projektpartner*innen die Auswirkungen misogyner Gewalt im Netz zu erforschen. Das Projekt „Caught in the Crossfire“ finanziert die VolkswagenStiftung im Rahmen ihres Profilbereichs gesellschaftliche Transformationen.
Frauenfeindliche Angriffe im Internet sind längst mehr als ein individuelles Problem. Sie zielen besonders auf Frauen, die sich politisch oder gesellschaftlich engagieren. Beleidigungen, Bedrohungen und Einschüchterungen führen dazu, dass sich Betroffene aus öffentlichen Diskussionen zurückziehen oder ganz darauf verzichten, ihre Meinung zu äußern. Das verändert nicht nur den gesellschaftlichen Austausch, sondern kann auch demokratische Prozesse beeinträchtigen. Digitale Gewalt kann nicht nur Menschen aus politischen Debatten verdrängen, sondern auch das Vertrauen in demokratische Institutionen schwächen.
Digitale Gewalt gefährdet Frauen und Demokratie
An dieser Stelle setzt das Forschungsprojekt „Caught in the Crossfire: Political Cyberviolence and Institutional Responses to Safeguard Democracy“ am Arbeitsbereich Gender and Diversity der Freien Universität an. Es verfolgt einen transdisziplinären Ansatz, der Perspektiven aus der Politikwissenschaft, den Gender Studies, der Rechtswissenschaft sowie der Praxis verbindet. Beteiligt sind neben der Politikwissenschaft der Arbeitsbereich Strafrecht und Kriminologie der Freien Universität von Prof. Dr. Kirstin Drenkhahn, das Institute for Strategic Dialogue sowie das Bundeskriminalamt. Die Konrad-Adenauer-Stiftung begleitet das Vorhaben als Kooperationspartnerin.
„Digitale Gewalt verändert politische Kommunikation und demokratische Teilhabe. Mit dem Forschungsprojekt ‚Caught in the Crossfire: Political Cyberviolence and Institutional Responses to Safeguard Democracy‘ möchten wir noch besser verstehen, wie Institutionen mit diesen Spannungen umgehen und wie demokratische Resilienz gestärkt werden kann“, sagt Prof. Dr. Gülay Çağlar, Leiterin des Projekts, Professorin mit dem Schwerpunkt Gender and Diversity am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft und wissenschaftliche Leitung des Margherita-von-Brentano-Zentrums für Geschlechterforschung der FU.
Betroffene wirksam schützen – Freiheitsrechte wahren
In den kommenden vier Jahren wollen die Wissenschaftler*innen und Expert*innen untersuchen, wie misogyn motivierte digitale Gewalt politische Teilhabe, gesellschaftliches Vertrauen und demokratische Institutionen beeinflusst. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie staatliche Institutionen auf digitale Gewalt reagieren können. Gesucht werden Antworten darauf, wie Betroffene wirksam geschützt werden können, ohne grundlegende Freiheitsrechte wie die Meinungsfreiheit einzuschränken. Damit greift das Projekt ein Thema auf, das angesichts zunehmender digitaler Polarisierung immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Das neue Projekt baut auf der Studie „Mapping the Germanosphere“ auf. Diese untersuchte erstmals systematisch frauenfeindliche Netzwerke und antifeministische Strukturen im deutschsprachigen digitalen Raum. Das neue Forschungsvorhaben geht einen Schritt weiter: Es analysiert nicht nur die Entstehung digitaler Gewalt, sondern auch ihre Auswirkungen auf politische Beteiligung und demokratische Entscheidungsprozesse.
Geschlechterforschung stärkt Demokratien im Wandel
Die Fördergeberin, die gemeinnützige VolkswagenStiftung, ermöglicht Forschungsvorhaben in zukunftsträchtigen Gebieten. Mit ihrem Förderangebot „Transformationswissen über Demokratien im Wandel“ möchte die Stiftung Wissenschaftler*innen und deren außerwissenschaftliche Partner*innen ermutigen, gemeinsam Transformationsprozesse von Demokratien zu erforschen und Handlungsoptionen zu erarbeiten. Perspektiven der Geschlechterforschung – das unterstreicht die Förderzusage – leisten dazu einen wesentlichen Beitrag.
Quelle: FU-Pressemitteilung vom 09.07.2026: Forschung zu Auswirkungen frauenfeindlich motivierter Online-Gewalt auf die Demokratie