{"id":11958,"date":"2026-05-21T12:00:00","date_gmt":"2026-05-21T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/?p=11958"},"modified":"2026-05-21T16:38:35","modified_gmt":"2026-05-21T14:38:35","slug":"warum-sichtbarkeit-zaehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/2026\/05\/21\/warum-sichtbarkeit-zaehlt\/","title":{"rendered":"Warum Sichtbarkeit z\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"400\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2026\/05\/Innovative-Frauen-im-Fokus_Format-3-2_-mit-Bildquelle.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12563 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2026\/05\/Innovative-Frauen-im-Fokus_Format-3-2_-mit-Bildquelle.jpg 600w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2026\/05\/Innovative-Frauen-im-Fokus_Format-3-2_-mit-Bildquelle-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Frauen in den Quantentechnologien und Prozesse ihrer Un\/Sichtbarmachung stehen im Mittelpunkt des Forschungsprojekts <a href=\"https:\/\/www.womeninquantumtech.de\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">WomenInQuantumTech<\/a> von Martina Erlemann, Professorin f\u00fcr Wissenschafts- und Geschlechtersoziologie der Physik an der Freien Universit\u00e4t. Gef\u00f6rdert vom Forschungsministerium (BMFTR), zielt das Projekt darauf ab, Strategien f\u00fcr eine bessere Sichtbarkeit und Teilhabe von Wissenschaftlerinnen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Quantentechnologien gelten derzeit als ein Bereich der gro\u00dfen Zukunftstechnologien. Sie versprechen grundlegende Innovationen \u2013 von neuartigen Sensoren \u00fcber sichere Kommunikation bis hin zu leistungsf\u00e4higen Quantencomputern. Entsprechend gro\u00df sind die politischen Erwartungen und die finanziellen Investitionen in diesem Forschungsfeld. Weltweit entstehen Forschungsverb\u00fcnde, Netzwerke und F\u00f6rderprogramme, die den Ausbau der Quantentechnologien vorantreiben. Doch w\u00e4hrend die technischen Fortschritte im Mittelpunkt stehen, wird eine zentrale Frage oft \u00fcbersehen: Wer gestaltet diese Zukunftstechnologie? Wer wird bei der Entwicklung sichtbar \u2013 und wer bleibt im Hintergrund? Frauen sind in vielen der Disziplinen, aus denen Quantentechnologien hervorgehen, nach wie vor deutlich unterrepr\u00e4sentiert. Besonders betroffen sind Physik, Informatik und Teile der Ingenieurwissenschaften. In diesen Disziplinen zeigen die Statistiken seit Jahren: Frauen sind auf dem Weg zur Professur und in den Leitungspositionen weiterhin eine Minderheit. Die Frauenanteile bei Studierenden und Promovierenden steigen zwar langsam, aber beim \u00dcbergang in akademische F\u00fchrungspositionen nimmt ihr Anteil deutlich ab. In der Physik etwa liegt der Anteil weiblicher Professorinnen deutschlandweit aktuell bei etwa 14&nbsp;%, in den Ingenieurwissenschaften sogar darunter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Ambivalent: Formen der Anerkennung \u2013 Formen von Sichtbarkeit<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Unterrepr\u00e4sentanz wird in der Regel \u00fcber Zahlen beschrieben. Doch sie hat weitere Dimensionen \u2013 etwa die Sichtbarkeit von Frauen in der Forschung. Sichtbarkeit entsteht durch Auszeichnungen und Preise, durch die \u00dcbernahme von Leitungsfunktionen und durch Medienpr\u00e4senz, kurz: durch Formen der Anerkennung innerhalb und au\u00dferhalb der wissenschaftlichen Community. All diese Formen von Sichtbarkeit werden nach wie vor \u00fcberwiegend M\u00e4nnern zuteil, auch wenn sich inzwischen viele Forschungsverb\u00fcnde aktiv darum bem\u00fchen, Frauen in den Quantentechnologien sichtbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Leistungen von Wissenschaftlerinnen werden im Durchschnitt seltener wahrgenommen, anerkannt oder ausgezeichnet. In der Wissenschaftssoziologie wird das Ph\u00e4nomen der strukturell geringeren Anerkennung der Leistungen von Frauen als <a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/285482?seq=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Matilda-Effekt<\/a> bezeichnet (Rossiter 1993). Dies zeigt sich unter anderem bei der Vergabe von Forschungspreisen: In der Physik liegt der Anteil von Preistr\u00e4gerinnen sogar unter ihrem ohnehin geringen Anteil in der Forschung, wie der Arbeitskreis Chancengleichheit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ermittelt hat (B\u00f6hm\/Irschara 2026; Sandner 2024). Gleichzeitig kann Sichtbarkeit f\u00fcr Forschende unterrepr\u00e4sentierter Geschlechter in m\u00e4nnlich dominierten Feldern eine ambivalente Erfahrung sein. Einerseits ist Sichtbarkeit f\u00fcr den beruflichen Erfolg unverzichtbar: Sie ist Voraussetzung daf\u00fcr, als Forscherin wahrgenommen und anerkannt zu werden. Andererseits kann Sichtbarkeit auch mit einer besonderen Form der Aufmerksamkeit einhergehen \u2013 sogenannter Hypersichtbarkeit: \u201eScrutinized, but not recognized\u201c, wie es Angela Settles f\u00fcr Akademiker*innen of Colour beschreibt (Settles et al. 2028). Frauen werden als Minderheit oft st\u00e4rker beobachtet, kritischer bewertet oder auf ihre Geschlechterrolle reduziert. Sie erfahren eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Aufmerksamkeit, die nicht zwingend auf fachliche Anerkennung abzielt, sondern die Geschlechterdifferenz betont \u2013 etwa, wenn eine Wissenschaftlerin als \u201edie einzige Frau\u201c in einem Panel oder auf einer Tagung besonders ins Rampenlicht gestellt, st\u00e4rker beobachtet und kritischer hinterfragt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Strategien der Sichtbarkeit erforschen und entwickeln<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Spannungsfeld bildet den Ausgangspunkt des Forschungsprojekts <a href=\"http:\/\/www.womeninquantumtech.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">WomenInQuantumTech \u2013 Un\/Sichtbarmachung von Frauen in den Quantentechnologien \u2013 Entwicklung wirksamer Strategien f\u00fcr mehr Teilhabe<\/a>, das wir in meiner Forschungsgruppe am Fachbereich Physik der Freien Universit\u00e4t durchf\u00fchren. Gef\u00f6rdert wird es vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung, Forschung und Technologie (BMFTR) im Rahmen der F\u00f6rderrichtlinie \u201eInnovative Frauen im Fokus\u201c. Ziel des Projekts ist es, besser zu verstehen, wie Prozesse der Sichtbarmachung und des Unsichtbarhaltens entstehen \u2013 und wie Wissenschaftlerinnen diese Prozesse erleben. Welche Strategien entwickeln sie, um in ihrem Feld sichtbar zu werden? Welche Formen der Sichtbarkeit bewerten sie als hilfreich, welche als m\u00f6glicherweise problematisch? Und wie k\u00f6nnen Forschungs- und Arbeitskulturen so gestaltet werden, dass exzellente Wissenschaftlerinnen st\u00e4rker anerkannt werden und h\u00e4ufiger in Entscheidungspositionen gelangen?<br><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"333\" height=\"80\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2026\/05\/Logo_WiQT-@2x.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12533\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2026\/05\/Logo_WiQT-@2x.png 333w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2026\/05\/Logo_WiQT-@2x-300x72.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 333px) 85vw, 333px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><br>Methodisch arbeiten wir mit qualitativen Interviews mit Wissenschaftlerinnen aus den Quantentechnologien und ethnografischen Beobachtungen bei unseren Kooperationspartnern \u2013Exzellenzclustern der Quantum Alliance, einem deutschlandweiten Verbund von Exzellenzclustern im Bereich der Quantentechnologien. Unsere Forschung ist partizipativ angelegt: Die Befunde aus den Interviews und den Feldbeobachtungen werden in Fokusgruppen gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen diskutiert, um daraus konkrete Strategien f\u00fcr eine bessere Sichtbarkeit und Teilhabe zu entwickeln. Zwischenergebnisse des Projektes stellen wir am 23. Juni im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.innovative-frauen-im-fokus.de\/ifif-impulse\/#c1688\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IFiF-Impulse vor<\/a>, einer Online-Vortragsserie (<a href=\"https:\/\/civi.kompetenzz.net\/public\/metaifif\/online-series\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Anmeldung<\/a>), die vom Metavorhaben \u201eInnovative Frauen im Fokus\u201c der BMFTR-F\u00f6rderlinie organisiert wird. Gerade in einem Zukunftsfeld wie den Quantentechnologien ist es entscheidend, wissenschaftliche Exzellenz und gesellschaftliche Teilhabe gemeinsam zu denken. Sichtbarkeit aller Forschenden, unabh\u00e4ngig vom Geschlecht, ist grundlegender Bestandteil von Gerechtigkeit, Innovation und Zukunftsf\u00e4higkeit \u2013 besonders in einem Bereich, der von Teamarbeit, Diversit\u00e4t und kreativen Ideen lebt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>Prof. Dr. Martina\u202fErlemann, Professur f\u00fcr Wissenschafts- und Geschlechtersoziologie der Physik, AG Wissenschaftsforschung, und Projektleiterin\u202fWomenInQuantumTech, Fachbereich Physik, Freie Universit\u00e4t Berlin<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">\u00dcbersicht<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Projektwebseite: <a href=\"https:\/\/www.womeninquantumtech.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">WomenInQuantumTech<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Online-Vortrag: Dienstag, 23.06.2026 |12:00 Uhr |<a href=\"https:\/\/www.innovative-frauen-im-fokus.de\/ifif-impulse\/#c1688\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Doing (In-)visibility in Schl\u00fcsseltechnologien: Erste Einblicke in fachkulturelle Anerkennungsprozesse in den Quantentechnologien<\/a> | Andrea Bo\u00dfmann, Prof. Dr. Martina Erlemann, Tamar Grosz<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/civi.kompetenzz.net\/public\/metaifif\/online-series\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Anmeldung<\/a> zur Vortragsreihe IFiF-Impulse&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a id=\"_msocom_1\"><\/a>Quellen<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00f6hm, U.; Irschara, K. (2026): Why Diversity Makes Better Physics. Pr\u00e4sentation auf dem DPG Spring Meeting, Mainz.<\/p>\n\n\n\n<p>Rossiter, M. W. (1993): The <s>Matthew<\/s> Matilda Effect in Science. In:<em> Social Studies of Science<\/em> 23 (2): p. 325-341.<\/p>\n\n\n\n<p>Sandner, A. (2024), Zusammenstellung der Preise der DPG nach Frauen- und M\u00e4nneranteilen, Arbeitskreis Chancengleichheit der DPG, pers. Komm.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Settles, I.H., Buchanan, N.T. &amp; Dotson, K. (2018): Scrutinized but not recognized: (In)visibility and hypervisibility experiences of faculty of color, J. Voc. Behavior. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.jvb.2018.06.003\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.jvb.2018.06.003 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frauen in den Quantentechnologien und Prozesse ihrer Un\/Sichtbarmachung stehen im Mittelpunkt des Forschungsprojekts WomenInQuantumTech von Martina Erlemann, Professorin f\u00fcr Wissenschafts- und Geschlechtersoziologie der Physik an der Freien Universit\u00e4t. 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