{"id":319,"date":"2021-11-15T08:00:00","date_gmt":"2021-11-15T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/?p=319"},"modified":"2023-07-19T15:11:23","modified_gmt":"2023-07-19T13:11:23","slug":"es-darf-keine-weiteren-opfer-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/2021\/11\/15\/es-darf-keine-weiteren-opfer-geben\/","title":{"rendered":"Es darf keine weiteren Opfer geben"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-336 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser-1024x683.png 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser-300x200.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser-768x512.png 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><em>Datenbank-Projekt zu T\u00f6tungsdelikten an Frauen und M\u00e4dchen erh\u00e4lt den Margherita-von-Brentano-Preis der Freien Universit\u00e4t<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ni Una Menos, Ni Una M\u00e1s! Nicht eine weniger, nicht eine mehr! Mit diesen Forderungen gehen Frauen in Lateinamerika immer wieder auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Was sie antreibt, ist die Angst davor, aufgrund ihres Geschlechts get\u00f6tet zu werden, und die Wut dar\u00fcber, dass die T\u00e4ter selten ermittelt und bestraft werden. In einigen lateinamerikanischen L\u00e4ndern sind die Zahlen get\u00f6teter Frauen besonders hoch \u2013 in Mexiko etwa werden pro Tag zehn Frauen get\u00f6tet. Doch dass Frauen und M\u00e4dchen umgebracht werden, weil sie Frauen und M\u00e4dchen sind, ist weltweit ein Missstand. \u201eAusgangspunkt dieser Verbrechen, sogenannte Femizide oder Feminizide, sind hierarchische Machtverh\u00e4ltnisse. Den Opfern wird eine untergeordnete Position zugeschrieben\u201c, erkl\u00e4rt Hannah Beeck. Sie hat an der Freien Universit\u00e4t Interdisziplin\u00e4re Lateinamerikastudien studiert und ist Mitglied von \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/feminizidmap.org\/de\/\" target=\"_blank\">Feminizidmap<\/a>\u201c. Die Initiative dokumentiert seit 2019 T\u00f6tungsdelikte an Frauen und M\u00e4dchen in Deutschland. Der Projektgruppe ist der diesj\u00e4hrige<a href=\"https:\/\/www.mvbz.fu-berlin.de\/ueber-uns\/ueber-margherita-von-brentano\/margherita-von-brentano-preis\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Margherita-von-Brentano-Preis<\/a> der Freien Universit\u00e4t zuerkannt worden, der am 16. November feierlich \u00fcberreicht wird. Die 13 Mitarbeiterinnen der Initiative sammeln Informationen aus Medienberichten, um die Verbrechen zu systematisieren. Sie wollen so viele Datenwie m\u00f6glich erfassen, um zu zeigen, wie unterschiedlich Femizide oder Feminizide stattfinden k\u00f6nnen. \u201eIn Deutschland werden die Taten zumeist gleichgesetzt mit T\u00f6tungen, die in einer Partnerschaft geschehen. Dass das Opfer eines Feminizids und der T\u00e4ter eine intime Beziehung f\u00fchren, ist aber nicht immer das Fall\u201c, sagt Aleida Luj\u00e1n Pinelo, die Mitgr\u00fcnderin des Datenbankprojekts. Auch die Motive f\u00fcr die Verbrechen sind sehr unterschiedlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche T\u00e4ter f\u00fchlen sich von einer Frau gedem\u00fctigt, bei anderen Taten spielen rassistische Motive eine Rolle. In Deutschland seien die Begriffe Femizid und Feminizid noch nicht etabliert, sagt Aleida Luj\u00e1n Pinelo. Ein Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte darin liegen, dass es bislang keine einheitliche Definition gibt. Politikerinnen und Politiker sowie Juristinnen und Juristen vermeiden die Bezeichnungen daher oft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Nur wenn staatliche Stellen sich dem Problem stellen, kann sich etwas \u00e4ndern<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die T\u00f6tung von Frauen und M\u00e4dchen bezeichnet wird, h\u00e4ngt auch von der Sprache ab. Im Deutschen und Englischen wird meist von Femizid gesprochen, in romanischen Sprachen wie Spanisch und Italienisch ist auch von Feminizid die Rede. \u201eDie mexikanische Wissenschaftlerin Marcela Lagarde hat die Bezeichnung \u201afeminicidio\u2018, also Feminizid, eingef\u00fchrt\u201c, sagt Aleida Luj\u00e1n Pinelo. Sie selbst verwendet ebenfalls diesen Ausdruck. \u201eEr betont die Verantwortung staatlicher und gesellschaftlicher Akteure, Frauen und M\u00e4dchen vor geschlechterspezifischen T\u00f6tungen zu sch\u00fctzen\u201c, erkl\u00e4rt die Doktorandin f\u00fcr Rechtswissenschaft an der Universit\u00e4t Turku.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange sei die geschlechtsspezifische T\u00f6tung von Frauen und M\u00e4dchen in Deutschland als ein Ph\u00e4nomen gesehen worden, das es hier nicht gebe. Hannah Beeck glaubt, dass das mit dem Selbstbild der deutschen Gesellschaft zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eViele Menschen meinen, dass Deutschland in Sachen Gleichberechtigung besonders weit ist \u2013 schlie\u00dflich haben wir jahrelang eine Frau als Bundeskanzlerin gehabt \u2013 und dass es Verbrechen wie Feminizide deshalb hier nicht geben kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Team von \u201eFeminizidmap\u201c stellt aber fest, dass die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung mit Femiziden oder Feminiziden zugenommen hat. Seit 2015 erstellt das Bundeskriminalamt Statistiken zu Gewalt in Partnerschaften und macht damit auch auf geschlechtsspezifische Unterschiede aufmerksam. In dem Bericht von 2019 hei\u00dft es, 80 Prozent der Opfer seien weiblich gewesen. \u201eDiese Zahlen sprechen f\u00fcr strukturelle Probleme in der Gesellschaft\u201c, sagt Aleida Luj\u00e1n Pinelo. Es fehle an mehr Zufluchtsorten wie Frauenh\u00e4usern und an Bildungsangeboten zu Rollenbildern, vor allem f\u00fcr Jungen und M\u00e4nner, sowie zu den Anliegen Inter-, Trans- und nichtbin\u00e4rer Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aleida Luj\u00e1n Pinelo und Hannah Beeck sehen hier vor allem Politikerinnen und Politiker in der Verantwortung. \u201eDer Staat muss die T\u00f6tung von Frauen und M\u00e4dchen als ein Problem in Deutschland anerkennen. Wir k\u00f6nnen nur das bek\u00e4mpfen, was wir auch benennen k\u00f6nnen\u201c, betonen sie. Die Projektbeteiligten hoffen, dass sich staatliche Einrichtungen in Zukunft der Analyse geschlechtsspezifischer Gewalt annehmen. Die Daten sollen helfen, Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen zu erarbeiten, damit keine Frau und kein M\u00e4dchen mehr Opfer eines Femizids oder eines Feminizids wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Anne Stiller<\/p>\n\n\n\n<p><em>Artikel zuerst in der Tagesspiegel-Beilage der Freien Universit\u00e4t am 2. Oktober 2021 erschienen<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Datenbank-Projekt zu T\u00f6tungsdelikten an Frauen und M\u00e4dchen erh\u00e4lt den Margherita-von-Brentano-Preis der Freien Universit\u00e4t Ni Una Menos, Ni Una M\u00e1s! Nicht eine weniger, nicht eine mehr! 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