{"id":7680,"date":"2023-12-22T15:00:07","date_gmt":"2023-12-22T14:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/?p=7680"},"modified":"2025-01-03T11:07:23","modified_gmt":"2025-01-03T10:07:23","slug":"wir-duerfen-betroffene-nicht-allein-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/2023\/12\/22\/wir-duerfen-betroffene-nicht-allein-lassen\/","title":{"rendered":"\u201eWir d\u00fcrfen Betroffene nicht allein lassen\u201c"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-336 size-full\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser-1024x683.png 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser-300x200.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser-768x512.png 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2021\/10\/SDGB_Blog_Teaser.png 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Die diesj\u00e4hrigen Aktionstage gegen Gewalt gegen Frauen vom 21. bis 29. November an der Freien Universit\u00e4t standen unter dem Motto \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/2023\/11\/10\/aufstehen-gegen-sexualisierte-gewalt\/\">Aufstehen gegen sexualisierte Gewalt!<\/a>\u201c. Ein Gespr\u00e4ch mit Wendy Stollberg, zentrale Ansprechperson bei sexualisierter Bel\u00e4stigung, Diskriminierung und Gewalt, \u00fcber die spezifischen Herausforderungen an Hochschulen und den notwendigen Mentalit\u00e4tswandel in der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Wendy Stollberg ist im Team Zentrale Frauenbeauftragte Ansprechperson f\u00fcr die Erstberatung bei sexualisierter Bel\u00e4stigung, Diskriminierung und Gewalt (SBDG), bei Mobbing und Stalking. Mit ihr sprach Dennis Y\u00fccel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frau Stollberg, welchen Hintergrund haben die Aktionstage gegen Gewalt gegen Frauen an der Freien Universit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gewalt gegen Frauen ist weltweit stark verbreitet. Auch in Deutschland haben Frauen ein hohes Risiko, Gewalt zu erleben. Um sich dem entgegenzustellen, wird jedes Jahr am 25. November der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begangen.<br>An der Freien Universit\u00e4t bieten wir anl\u00e4sslich dieses Solidarit\u00e4ts- und Gedenktages seit 2019 ein eigenes Programm an, das \u00fcber die Jahre best\u00e4ndig gewachsen ist. Im Rahmen der diesj\u00e4hrigen Aktionstage haben wir ein vielf\u00e4ltiges Programm mit etlichen Workshops veranstaltet, insbesondere f\u00fcr Studierende. Dabei wurde sexualisierte Gewalt in ihren vielf\u00e4ltigen Auspr\u00e4gungen thematisiert \u2013 angefangen von Herabw\u00fcrdigungen und verbalen Beleidigungen, \u00fcber visuelle und k\u00f6rperliche Bel\u00e4stigungen bis hin zu Vergewaltigungen und Feminiziden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"228\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2023\/12\/Banner_FINAL_klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7688\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2023\/12\/Banner_FINAL_klein.png 500w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/frauenbeauftragte\/files\/2023\/12\/Banner_FINAL_klein-300x137.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 85vw, 500px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Was konnten Studierende in den Workshops lernen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unser Ziel war es, dass Studierende durch das Programm ihre bisherigen Erfahrungen reflektieren und neue Perspektiven gewinnen k\u00f6nnen. Angeboten wurden zum Beispiel Workshops zu geschlechtsspezifischer Gewalt im Internet, zu \u201emackerfreiem\u201c Flirtverhalten und zu kritischer M\u00e4nnlichkeit. Es wurden insbesondere auch M\u00e4nner eingeladen, sich mit ihren Vorstellungen von M\u00e4nnlichkeit auseinanderzusetzen.<br>Au\u00dferdem haben wir Selbstverteidigungs-Workshops f\u00fcr Frauen angeboten. Dabei ging es sowohl um verbale als auch um tats\u00e4chlich physische Selbstverteidigung. Die Studierenden haben die Kurse positiv angenommen, die allermeisten Veranstaltungen waren sehr gut besucht. Besonders gefreut hat mich, dass sich auch Lehrende gemeldet haben. Auch dort besteht Bedarf und der Wunsch nach Weiterbildung in dem Bereich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Worin bestehen die Herausforderungen geschlechtsspezifischer Gewalt an Hochschulen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst einmal muss man mit dem Vorurteil aufr\u00e4umen, dass es an Hochschulen keine Diskriminierung und Gewalt gebe, weil es Orte der Wissenschaft, des kritischen Diskurses sind. Sexualisierte Bel\u00e4stigung und andere Formen der Gewalt passen da f\u00fcr viele nicht ins Bild.<br>Aber Universit\u00e4ten sind gleichzeitig von Machtstrukturen und Ungleichheiten gepr\u00e4gte Orte. Zwischen Professorinnen und Professoren sowie ihren Mitarbeitenden und Studierenden besteht eine Hierarchie. Einkommen, Jobsicherheit und gesellschaftlicher Status sind ungleich verteilt. \u00dcberall dort, wo wir derartige Ungleichheiten finden, herrscht ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Gewalt. Und davor sind auch Hochschulen nicht gefeit.<br>Hinzu kommt, dass es an Universit\u00e4ten oft an klaren Strukturen und Umgangsformen mit F\u00e4llen von sexualisierter Gewalt fehlt. Betroffene, Zeug*innen, aber auch Vorgesetzte wissen oft nicht, wie sie handeln sollen und an wen sie sich wenden k\u00f6nnen. Solche Stellen werden nun zwar zunehmend geschaffen, sie m\u00fcssen aber noch bekannter werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie ist die Situation an der Freien Universit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben jeweils an den Fachbereichen und auf zentraler Ebene Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. Dazu sind wir nach dem Berliner Hochschulgesetz verpflichtet. Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten sind Ansprechpersonen f\u00fcr Hilfesuchende. Qua Amt sind sie zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ratsuchende k\u00f6nnen sich gern an mich als zentrale Ansprechperson wenden und sich zu m\u00f6glichen weiteren Schritten beraten lassen. Dar\u00fcber hinaus gibt es weitere Stellen, bei denen Betroffene eine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/sites\/nein-heisst-nein\/NEU_Anlaufstellen\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">vertrauliche Erstberatung<\/a>&nbsp;erhalten. Eine zentrales Konflikt- und Beschwerdemanagement bei Diskriminierung an der Freien Universit\u00e4t Berlin befindet sich im Aufbau. Dazu hat die an der Universit\u00e4t neugegr\u00fcndete&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/einrichtungen\/praesidium\/stabsstellen\/diversity-antidiskriminierung\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stabsstelle Diversity und Antidiskriminierung&nbsp;<\/a>die Arbeit aufgenommen. Hier ist gerade viel in Bewegung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo besteht aus Ihrer Sicht f\u00fcr die Zukunft besonderer Handlungsbedarf?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen vor allem weiter Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten, damit ein Mentalit\u00e4tswandel stattfindet. Es geht einerseits darum, ein Bewusstsein f\u00fcr die enormen Folgen zu schaffen, mit denen Betroffene von sexualisierter Gewalt zu k\u00e4mpfen haben. Es geht um Traumata, die Menschen \u00fcber Jahrzehnte begleiten k\u00f6nnen. Menschen, die an Hochschulen sexualisierte Gewalt erleben, k\u00f6nnen m\u00f6glicherweise ihr Studium oder ihre Arbeit nicht fortsetzen und leiden f\u00fcr den Rest ihres Lebens unter den Auswirkungen.<br>Au\u00dferdem m\u00fcssen wir daf\u00fcr sensibilisieren, welch starke Rolle das Umfeld spielt. Es geht nicht nur um T\u00e4ter*innen und Betroffene, sondern um das Klima in der Gesellschaft, um die Kultur des Umgangs in Studierendengruppen, Vorlesungen und Seminaren. Vorgesetzte stehen hier in der besonderen Verantwortung, aber es kommt auf jeden Einzelnen an. Alle sind gefragt, einzuschreiten und Hilfe anzubieten, wenn sie etwas beobachten. Wir d\u00fcrfen Betroffene nicht aus Unsicherheit oder Unwissenheit alleine lassen \u2013 es gilt getreu dem Motto der Aktionstage: Aufstehen gegen sexualisierte Gewalt!<\/p>\n\n\n\n<p>Das<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.fu-berlin.de\/campusleben\/campus\/2023\/231218-interview-wendy-stollberg\/index.html\" target=\"_blank\"> Interview<\/a> ist am 18. Dezember 2023 im Online-Magazin campus.leben erschienen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die diesj\u00e4hrigen Aktionstage gegen Gewalt gegen Frauen vom 21. bis 29. November an der Freien Universit\u00e4t standen unter dem Motto \u201eAufstehen gegen sexualisierte Gewalt!\u201c. 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