{"id":263,"date":"2014-12-12T19:06:13","date_gmt":"2014-12-12T18:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/inequalitics\/?p=263"},"modified":"2014-12-12T19:08:44","modified_gmt":"2014-12-12T18:08:44","slug":"aufholen-bei-der-bildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/inequalitics\/2014\/12\/12\/aufholen-bei-der-bildung\/","title":{"rendered":"Aufholen bei der Bildung"},"content":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify\">\n<h3>Die Integration von Migranten macht Fortschritte: Die Nachkommen der italienischen Gastarbeiter holen bei der Schulbildung auf.*<\/h3>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p>Wenn es in der \u00f6ffentlichen Diskussion um die Integration von Ausl\u00e4ndern geht, ist oft von Missst\u00e4nden die Rede \u2013 von Parallelgesellschaften, in denen Schulabbrecher mit mangelhaften Deutschkenntnissen und ohne Aussichten auf einen vern\u00fcnftigen Job ihr Dasein fristen. Repr\u00e4sentativ sind solche Zust\u00e4nde nicht: Was den schulischen Erfolg angeht, n\u00e4hern sich Migranten in Deutschland zunehmend den Einheimischen an. Das zeigen Timm B\u00f6nke und Guido Neidh\u00f6fer von der Freien Universit\u00e4t Berlin am Beispiel der Italiener in einer von der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung gef\u00f6rderten Studie.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/inequalitics\/files\/2014\/12\/impuls_grafik_2014_19_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-264 alignleft\" alt=\"\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/inequalitics\/files\/2014\/12\/impuls_grafik_2014_19_2-264x300.jpg\" width=\"264\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/inequalitics\/files\/2014\/12\/impuls_grafik_2014_19_2-264x300.jpg 264w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/inequalitics\/files\/2014\/12\/impuls_grafik_2014_19_2-904x1024.jpg 904w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/inequalitics\/files\/2014\/12\/impuls_grafik_2014_19_2.jpg 1020w\" sizes=\"auto, (max-width: 264px) 100vw, 264px\" \/><\/a>In der Regel, so die \u00d6konomen, w\u00fcrden Querschnittsdaten herangezogen, um den Stand der Integration zu beurteilen \u2013 was zu ern\u00fcchternden Ergebnissen f\u00fchre. Entsprechenden Studien zufolge sind insbesondere Gastarbeiter und ihre Nachfahren deutlich schlechter qualifiziert als der Rest der Bev\u00f6lkerung. Zu den Gruppen mit den gr\u00f6\u00dften Problemen geh\u00f6ren demnach die Italiener. B\u00f6nke und Neidh\u00f6fer halten solche statistischen Momentaufnahmen allerdings f\u00fcr nur begrenzt aussagekr\u00e4ftig. F\u00fcr ein fundiertes Urteil w\u00e4re es nach ihrer Einsch\u00e4tzung n\u00f6tig, die langfristige Entwicklung zu betrachten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zu diesem Zweck haben die Forscher Daten des Sozio-oekonomischen Panels zur Schulbildung von italienischen Immigranten ausgewertet. Zus\u00e4tzlich hatten sie \u00fcber die italienische Botschaft Zugang zum amtlichen Verzeichnis aller Italiener mit Wohnsitz in Deutschland. Betrachtet man lediglich die aktuelle Situation, ergibt sich das bekannte Bild: Menschen mit italienischen Wurzeln hinken bei den Schulabschl\u00fcssen im Vergleich zu denen ohne Migrationshintergrund hinterher. Im Zeitablauf ist allerdings ein Aufholprozess erkennbar: Die zweite Generation der Einwanderer schneidet schulisch besser ab als ihre Eltern, die Kluft zu den Einheimischen wird kleiner. Dazu passt ein zweiter Befund der Untersuchung: Die Mobilit\u00e4t zwischen den Generationen ist bei den Italienern gr\u00f6\u00dfer als bei den Deutschen. Der Einfluss der Bildung der Eltern auf den Schulerfolg sei zwar generell gro\u00df, bei den Gastarbeitern allerdings weniger ausgepr\u00e4gt als bei Einheimischen, schreiben B\u00f6nke und Neidh\u00f6fer. Wenn man den Einfluss der Eltern herausrechne, h\u00e4tten Migranten der zweiten Generation die gleichen Chancen wie Deutsche, mindestens einen Realschulabschluss zu erreichen.<\/p>\n<p>Das im Schnitt geringere Bildungsniveau von Italienern, so die Schlussfolgerung, sei kein Anzeichen f\u00fcr eine verfehlte Integration, sondern Ausdruck eines noch nicht abgeschlossenen \u00f6konomischen Assimilationsprozesses. Dass bislang noch keine vollst\u00e4ndige Konvergenz stattgefunden hat, sei auf das vergleichsweise geringe Ausgangsniveau bei den Gastarbeitern zur\u00fcckzuf\u00fchren. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler d\u00fcrften bereits die Enkel der ersten Einwanderergeneration mit den Deutschen gleichziehen.<\/p>\n<p><em>Quelle<\/em>: <strong>Timm B\u00f6nke, Guido Neidh\u00f6fer:<\/strong> <a href=\"https:\/\/edocs.fu-berlin.de\/docs\/receive\/FUDOCS_document_000000021023\" target=\"_blank\">Parental background matters: Intergenerational mobility and assimilation of Italian immigrants in Germany<\/a>, FU Berlin, School of Business &amp; Economics, Discussion Paper 2014\/21<\/p>\n<hr \/>\n<h3>Ein F\u00fcnftel Migranten<\/h3>\n<p>Laut Statistischem Bundesamt lebten 2013 rund 16,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Das entspricht einem Bev\u00f6lkerungsanteil von 20,5 Prozent. Von diesen Menschen haben 9,7 Millionen einen deutschen Pass. Etwa ein Drittel ist hierzulande geboren, zwei Drittel sind zugewandert. Fast 70 Prozent der Zuwanderer stammen aus einem europ\u00e4ischen Land, 36,6 Prozent aus einem der EU-Mitgliedstaaten. Aus Asien kommen 17,8, aus Afrika 3,2 Prozent. Die wichtigsten Herkunftsl\u00e4nder sind die T\u00fcrkei mit 12,8, Polen mit 11,4 und Russland mit 9 Prozent. Die Gastarbeiterl\u00e4nder Italien und Griechenland liegen mit 4 und 2,1 Prozent auf den Pl\u00e4tzen sechs und sieben. Nach wie vor gibt es deutliche Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesl\u00e4ndern: Von den Personen mit Migrationshintergrund leben 16 Millionen oder 96,6 Prozent im Westen. Der Bev\u00f6lkerungsanteil reicht von 4,1 Prozent in Th\u00fcringen bis 28,9 Prozent in Hamburg. Gegen\u00fcber 2012 stieg die Zahl der Menschen mit Migrationshintergund im engeren Sinn bundesweit um 3,8 Prozent an. Dabei nahm die Zahl der Zuwanderer um 3,6 Prozent, die der in Deutschland geborenen Menschen mit Migrationshintergund um 4,2 Prozent zu. <strong>Statistisches Bundesamt,<\/strong> Nov. 2014<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>*Dieser Artikel ist in der <strong>B\u00f6ckler Impuls<\/strong>, <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/52218.htm\" target=\"_blank\">Ausgabe 19\/2014<\/a>, erschienen und wurde nicht von dem Autor dieses Blogbeitrags verfasst. <\/em><\/p>\n<p><em>Hier die Originalfassung:<\/em> <a href=\"https:\/\/www.boeckler.de\/impuls_2014_19_2.pdf\" target=\"_blank\">https:\/\/www.boeckler.de\/impuls_2014_19_2.pdf<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Integration von Migranten macht Fortschritte: Die Nachkommen der italienischen Gastarbeiter holen bei der Schulbildung auf.* Wenn es in der \u00f6ffentlichen Diskussion um die Integration von Ausl\u00e4ndern geht, ist oft von Missst\u00e4nden die Rede \u2013 von Parallelgesellschaften, in denen Schulabbrecher mit mangelhaften Deutschkenntnissen und ohne Aussichten auf einen vern\u00fcnftigen Job ihr Dasein fristen. 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