{"id":1032,"date":"2013-09-23T17:18:36","date_gmt":"2013-09-23T15:18:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/?p=1032"},"modified":"2013-09-23T22:40:18","modified_gmt":"2013-09-23T20:40:18","slug":"washingtons-vierte-gewalt-die-professionelle-presse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2013\/09\/23\/washingtons-vierte-gewalt-die-professionelle-presse\/","title":{"rendered":"Washingtons vierte Gewalt:  Die professionelle Presse"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em><span style=\"font-size: 13px\">Curd Kn\u00fcpfer\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Touristen, Sch\u00fclergruppen und interessierte B\u00fcrger zieht es beim Besuch der amerikanischen Hauptstadt zun\u00e4chst meist zu den wei\u00dfen Prachtbauten der <em>National Mall<\/em>. Zu jenen Geb\u00e4uden im Stile griechischer Tempel, in denen entweder den mystifizierten Granden der amerikanischen Geschichte gehuldigt wird oder welche als zentrale Lokalit\u00e4ten der staatlichen Macht dienen. Zu letzteren geh\u00f6ren bekanntlich das Wei\u00dfe Haus (Exekutive), das Kapitol (Legislative), und das <em>Supreme Court Building<\/em> (Judikative).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist eine Vermengung aus Repr\u00e4sentanz und tats\u00e4chlicher Macht, wie sie auch aus anderen Hauptst\u00e4dten, nicht zuletzt Berlin, dem Flaneur wohl bekannt sein d\u00fcrfte. Doch diese Vermengung beschr\u00e4nkt sich nicht auf die nominellen drei Gewalten des amerikanischen Staats. Denkm\u00e4ler und Museen, aber auch Gesch\u00e4ftsgeb\u00e4ude wie etwa die amerikanische Handelskammer, die <em>Chamber of Commerce<\/em>, sollen durch ihre Platzierung im Herzen der amerikanischen Hauptstadt \u00f6ffentlich demonstrieren, wie zentral die jeweilige gesellschaftliche Rolle einzelner Personen, kultureller Traditionen oder privater Institutionen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine Gruppe von Akteuren, die in allen drei Kategorien vertreten sind, ist die der Presse: Professionelle Journalisten, die vermeintlich eine \u201evierte Gewalt\u201c vertreten.<span style=\"font-size: 13px\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Der Journalist als Denkmal, Institution und Museumsartefakt <\/strong><\/p>\n<div class=\"mceTemp\">\n<p class=\"wp-caption-dt\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2013\/09\/23\/washingtons-vierte-gewalt-die-professionelle-presse\/murrowpark\/\" rel=\"attachment wp-att-1034\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1034  \" style=\"border: 1px solid black;margin: 5px 2px\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2013\/09\/MurrowPark-300x247.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2013\/09\/MurrowPark-300x247.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2013\/09\/MurrowPark.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"wp-caption-dd\" style=\"text-align: left\"><em><span style=\"color: #808080\">Der Edward R. Murrow Park<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Unweit der Lobbymeile K-Street kann man beispielsweise die Mittagspause auf einer Bank im <em>Edward R. Murrow Park<\/em> verbringen, benannt nach jenem Fernsehjournalisten, der in den 1950er Jahren den ber\u00fcchtigten Senator Joseph McCarthy <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=anNEJJYLU8M\">\u00f6ffentlich dekonstruierte<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der direkten Nachbarschaft des Wei\u00dfen Haus befindet sich der Sitz des <em>National Press Club<\/em>, eines 105-j\u00e4hrigen Privatvereins f\u00fcr Journalisten und PR-Agenten. (Die Bundespressekonferenz am Schiffbauerdamm in Berlin bildet den modernen deutschen Counterpart.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf der Homepage des <em>National Press Club<\/em> findet sich <a href=\"https:\/\/press.org\/about\">die folgende Beschreibung<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cThrough its doors have come presidents, premiers, kings and queens, Cabinet secretaries, senators and House members, movie stars and sports heroes, titans of business and finance \u2013 just a who\u2019s who of the 20th and the 21st centuries. Here they have found a willing audience of reporters waiting to grill them with questions, interpret what they say and send the news around the world.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Nochmal auf deutsch: Im <em>National Press Club\u00a0<\/em>dienen Journalisten als ein \u201awilliges Publikum\u2019 und als Interpretationsfilter zwischen den Reichen\/Sch\u00f6nen\/M\u00e4chtigen und dem Rest der Welt. Auch wenn das im Original doch etwas blumiger klingen mag, so ist es vielleicht eine eher ungl\u00fccklich formulierte Beschreibung der journalistischen und gesellschaftlichen Funktion des traditions- und selbstbewussten Clubs.<\/p>\n<div class=\"mceTemp\" style=\"text-align: justify\">\n<dl>\n<dt><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2013\/09\/23\/washingtons-vierte-gewalt-die-professionelle-presse\/img_0165\/\" rel=\"attachment wp-att-1036\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1036 \" style=\"margin-top: 4px;margin-bottom: 4px;border: 1px solid black\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2013\/09\/IMG_0165-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/dt>\n<\/dl>\n<p class=\"wp-caption-dd\" style=\"text-align: left\"><span style=\"color: #808080\"><em>Das National Press Building<\/em><\/span><\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Wer also noch tiefer eintauchen will in die Rolle der Medien im demokratischen System der USA, dem bietet in unmittelbarer N\u00e4he zum Kongress seit 2008 das <em>Newseum <\/em>dazu\u00a0Gelegenheit. Ein Museum, <a href=\"https:\/\/www.newseum.org\/about\/overview\/index.html\">das die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den Wert einer freien Presse in einer freien Gesellschaft aufkl\u00e4ren soll<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Getreu Robert Bellahs Konzept der <em>Civil Religion<\/em> gr\u00fc\u00dft die Fassade des Neubaus mit einer 74 Fu\u00df hohen Mamorgravur des ersten Verfassungszusatzes.<\/p>\n<blockquote><p>(\u201eCongress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; or abridging the freedom of speech, or of the press; or the right of the people peaceably to assemble, and to petition the Government for a redress of grievances.\u201d)<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Inneren findet sich neben Archivalien allerlei Schnickschnack. Zum Beispiel das Kleid einer prominenten Journalistin, die T\u00fcr des <em>Watergate\u00a0<\/em>Apartments oder das B\u00fcro des 2008 verstorbenen TV Reporters und Washington-Insiders Tim Russert, der als die Inkarnation des modernen Mainstreamjournalisten eng mit f\u00fchrenden Politikern befreundet war.<\/p>\n<div class=\"mceTemp\">\n<p class=\"wp-caption alignright\" style=\"width: 310px;text-align: right\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2013\/09\/23\/washingtons-vierte-gewalt-die-professionelle-presse\/img_0279\/\" rel=\"attachment wp-att-1035\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1035  \" style=\"border: 1px solid black;margin: 5px 2px\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2013\/09\/IMG_0279-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><em><span style=\"color: #808080\">Vor dem Newseum: Die aktuellsten Printnachrichten.<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">In den <a href=\"https:\/\/www.newseum.org\/exhibits-and-theaters\/permanent-exhibits\/9-11\/index.html\">Dauerausstellungen<\/a> wird die Rolle der Medien in Bezug zu diversen Ereignissen der amerikanischen Geschichte gesetzt. Gesponsert werden diese Ausstellungen von den Fernsehanstalten <em>NBC<\/em> und <em>ABC<\/em>, dem Medienunternehmen <em>Bloomberg<\/em> <em>L.P.<\/em>, der Ochs-Sulzberger Familie, denen die <em>New York Times<\/em> geh\u00f6rt, oder Rupert Murdochs <em>News Corporation<\/em>. Der Telekommunikationsgigant <em>Comcast<\/em> finanzierte die Dauerausstellung zum 11. September. Deren offizieller Titel lautet: \u201e9\/11 Gallery Sponsored by Comcast.\u201c<span style=\"font-size: 13px\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Teils wird die Rolle der Medien kritisch hinterfragt, letztendlich \u2013 und wenig \u00fcberraschend \u2013 aber doch immer wohlwollend bekr\u00e4ftigt, dass Journalisten eine gesellschaftliche Rolle spielen, die eines solchen Tempels w\u00fcrdig w\u00e4re. So <a href=\"https:\/\/www.slate.com\/articles\/news_and_politics\/press_box\/2009\/10\/the_newseums_tim_russert_shrine.html\">merkte ein Kritiker kurz nach der Er\u00f6ffnung treffend an<\/a>, das <em>Newseum<\/em> sei ein Ort, \u201c(&#8230;) where journalist celebrities begin to be worshipped as miracle-producing saints\u201d (<a href=\"https:\/\/www.slate.com\/articles\/news_and_politics\/press_box\/2009\/10\/the_newseums_tim_russert_shrine.html\">Shafer<\/a> 2009).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Tats\u00e4chlich stellt sich die Frage, wem wird hier eigentlich gehuldigt? Der Macht der \u00d6ffentlichkeit? Dem Journalismus an sich? Einzelnen Star-Journalisten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Wer ist ein Journalist? Was ist Journalismus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In erster Linie ist es die Idee der vierten Gewalt, die in Form von professionellen Journalisten und der \u00d6ffentlichkeit, die sie erreichen, einen weiteren Faktor im System der <em>Checks and Balances<\/em> bilden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der amerikanische Kongress, <a href=\"https:\/\/www.govtrack.us\/congress\/bills\/113\/s987\">der dieser Tage \u00fcber Gesetzesvorlagen debattiert<\/a>, die Journalisten und ihre Quellen vor dem Staat sch\u00fctzen sollen, scheint sich darauf festzulegen, dass ein Journalist jemand ist, der von einer journalistischen Institution angestellt und bezahlt wird.\u00a0<span style=\"font-size: 13px\">Hier ist die Definition also eng an die Idee von Professionalit\u00e4t im Sinne einer beruflichen Anstellung gekoppelt.<\/span><a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><span style=\"font-size: 13px\"> Eine weitere M\u00f6glichkeit w\u00e4re es jedoch, den Journalismus an sich zu bewerten; den Zweck und die Intention einer Ver\u00f6ffentlichung also.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Zeitalter von \u201eHacktivismus\u201c, digitaler Leaks und einer globalen \u00d6ffentlichkeit ist die Frage nach klaren Rollenbildern in Bezug auf Journalismus vielleicht so relevant wie nie zuvor. Es verwundert wenig, dass die politische Elite Amerikas gerne die Begriffe \u201eJournalismus\u201c und \u201ePresse\u201c, die an sich durch den ersten Verfassungszusatz sakrosankt sind, so belegen w\u00fcrde, dass diese in Bezug auf unberechenbare Netz-Organisationen oder einzelne, unabh\u00e4ngige Blogger m\u00f6glichst nicht anwendbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So \u00e4u\u00dferte beispielsweise die (demokratische) Senatorin Dianne Feinstein die Sorge, dass der Gesetzesentwurf auch Individuen sch\u00fctzen k\u00f6nnte, die gar keine \u201aechten\u2019 Journalisten (\u201ereal reporters\u201c) seien. Charles Schumer (ebenfalls Demokrat), der Senator, der den Gesetzestext im Mai eingebracht hatte, <a href=\"https:\/\/www.mcclatchydc.com\/2013\/08\/01\/198338\/senators-spar-over-definition.html#.UjsWjGTF2i3\">beschwichtigte daraufhin \u00f6ffentlich<\/a>: \u201eThe world has changed. We\u2019re very careful in this bill to distinguish journalists from those who shouldn\u2019t be protected, WikiLeaks and all those, and we\u2019ve ensured that\u201c (Irby 2013).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00dcbrig blieben also die professionellen Massenmedien, jene, deren Namen die Ausstellungen im <em>Newseum<\/em> tragen und jene Journalisten, deren Schreibtische und B\u00fcrost\u00fchle dort zu besichtigen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Medien und Politprominenz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Glaubt man den Erz\u00e4hlungen im neuen Buch des Journalisten Mark Leibovich, der f\u00fcr das <em>New York Times Magazine<\/em> aus Washington berichtet, so hat sich in der amerikanischen Hauptstadt mittlerweile eine Parallelkultur gebildet. Hier reichen sich Journalisten, Politiker (beider Parteien), Lobbyisten und Prominente gegenseitig die Hand, prosten sich auf Cocktailpartys zu und gratulieren einander zum andauernden Erfolg, w\u00e4hrend der Rest des Landes sich nach wie vor in einer tiefen Krise befindet. Leibovich, der im Stile eines Tom Wolfes ein bitterb\u00f6ses anthropologisches Profil der Washingtoner Elite und ihrer Eitelkeiten zeichnet, hebt dabei in erster Linie hervor, wie geschlossen und selbsterhaltend diese Welt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Verantwortlich macht er den zunehmenden Einfluss von Geld und Lobbyisten, interessanterweise aber auch die neuen Medien, die seit den 1990er Jahren eine Klasse von Polit- und Medienprominenz gedeihen lie\u00dfen, wie sie zuvor nicht existierte (Leibovich 2013: 101). Als eindrucksvollstes Beispiel f\u00fcr die Tendenz zur geschlossenen Eitelkeit und Dekadenz nennt Leibovich das allj\u00e4hrliche \u201eWhite House Correspondents\u2019 Association dinner\u201c; eine Art Presseball, an dem, neben den geladenen Journalisten, der Pr\u00e4sident samt anderer f\u00fchrender Politiker teilnimmt. Hinzu kommt zunehmend Prominenz aus Film und Fernsehen:\u00a0<span style=\"font-size: 13px\">\u201e(&#8230;) the dinner and its collateral goings-on present an image of Washington as one big game and costume party, everyone bathed in the same frothy mix of fame and fun and flattery and (most of all) <\/span><em>belonging<\/em><span style=\"font-size: 13px\">\u201c (138).<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00a0<strong>Experten, Lobbyisten, Journalisten?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Neben dem Aufstieg der Promi-Journalisten war ein weiterer Effekt des 24\/7 Nachrichten Zyklus der Zuwachs an <em>Talking Heads<\/em>, die vor allem im Kabelfernsehen regelm\u00e4\u00dfig als Experten zu diversen Themenfeldern zu Wort kommen und sich teilweise in festen Vertr\u00e4gen mit den Sendern befinden.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> <em>Fox News<\/em> beispielsweise besch\u00e4ftigt auf diese Art in erster Linie fr\u00fchere Politiker wie Sarah Palin oder Scott Brown, gerne aber auch Pseudo-Intellektuelle aus dem konservativen Lager wie Charles Krauthammer oder William Kristol. Die gleiche Tendenz findet sich bei der Konkurrenz von <em>MSNBC<\/em> und <em>CNN<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In einem <a href=\"https:\/\/fair.org\/home\/dont-quit-your-day-job\/\">lesenswerten Artikel<\/a> zum Thema problematisieren die Medienkritiker Rebecca Hellmich und Peter Hart die Tatsache, dass derartige \u201eExperten\u201c oftmals als Lobbyisten oder Pressesprecher f\u00fcr Interessengruppen angestellt sind, dies dem Publikum aber mit zunehmender H\u00e4ufigkeit verschwiegen wird. Die Begriffe <em>Pundit<\/em> oder <em>Contributor,<\/em> mit denen diese Rollen oftmals beschrieben werden, sind in dieser Hinsicht vollkommen aussagelos. Korrekter w\u00e4re in den meisten F\u00e4llen wohl \u201e<em>Public Relations Official for [&#8230;]<\/em>\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(In diesem Kontext \u00fcbrigens ebenfalls lesenswert: <a href=\"https:\/\/billmoyers.com\/2013\/06\/26\/david-gregory-glenn-greenwald-and-the-first-amendment\/\">dieser Artikel<\/a>, der die Auseinandersetzung zwischen dem Guardian Journalisten und Blogger Glenn Greenwald und dem MSNBC Moderator David Gregory erl\u00e4utert.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Grenze, wer ein Journalist ist und wer nicht, verschwimmt also auch abseits der von der Offenheit des Internets angezettelten Debatten zum Wandel gesellschaftlicher Rollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Professionell <em>und<\/em> unabh\u00e4ngig?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie man unter anderem in einem eben erschienen Werk zum Themenfeld Professionalismus und Journalismus von Silvio Waisbord, nachlesen kann (2013: 98-106), ist der Begriff \u201cprofessionell\u201d keineswegs ausschlie\u00dflich positiv konnotiert. Im Gegenteil: was die Medienkritik von <em>Communitarians<\/em> wie John Dewey, von diversen marxistischen Ans\u00e4tzen, und von Anh\u00e4ngern Michel Foucaults oder Pierre Bourdieus eint, ist, dass diese aus jeweils unterschiedlicher Perspektive die Idee einer gleichzeitig \u201eprofessionellen\u201c, aber dabei auch \u201eneutralen\u201c Presse als durchweg lebensfremd verwerfen. Man w\u00e4re geneigt auch J\u00fcrgen Habermas anzuf\u00fchren, der das Ideal der \u00d6ffentlichkeit gerade durch repr\u00e4sentative Prunkbauten wie dem <em>Newseum<\/em>, elit\u00e4re B\u00fchnen wie dem National Press Club oder der Extravaganz eines <em>Correspondents\u2019 Dinner<\/em> wohl eher bedroht denn gest\u00e4rkt erachten w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So ist auch die Idee der vierten Gewalt in diesem Sinne durchaus als ein Schm\u00e4hbegriff zu verstehen, der auf eine allzu nahe Beziehung zwischen Staat und Presse hinweisen soll. Im amerikanischen Kontext wird in diesem Kontext daher statt des Begriffs <em>Fourth Estate<\/em> oftmals der Begriff <em>Fourth Branch <\/em>(&#8230; of Government) angef\u00fchrt.<span style=\"font-size: 13px\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Bedeutung und Dynamik von Rollenbildern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn einmal in Stein gemei\u00dfelt wurde, was \u201eprofessionell\u201c ist und was nicht, wie die Presse typischerweise aussieht und sich zu verhalten hat, mag dies in der Konsequenz bedeuten, dass es zuk\u00fcnftigen Journalisten erschwert wird, sich von bereits bestehenden Rollenbildern und den damit einhergehenden Erwartungshaltungen abzugrenzen. Die Unabh\u00e4ngigkeit einer \u201efreien Presse\u201c, wie der erste Verfassungszusatz sie fordert, w\u00e4re somit m\u00f6glicherweise gef\u00e4hrdet. Dabei waren es eben die Freiheiten, die sich die Journalisten vergangener Tage nahmen, die Momente, in denen sie sich nicht an professionelle Normen und vermeintliche Regeln hielten, die heute als Sternstunden des amerikanischen Journalismus gefeiert werden.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So war es nicht etwa Walter Cronkites starrer, allabendlicher Slogan \u201eAnd that\u2019s the way it is,\u201c der ihn zu einer wichtigen historischen Figur heranwachsen lie\u00df, sondern seine ungew\u00f6hnlich kritische Berichterstattung aus Vietnam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In den 1970ern wurde der <em>Whistleblower<\/em> Daniel Ellsberg, der die bis dato geheime Geschichte des Vietnamkriegs publik machte, von gro\u00dfen Teilen des politischen Establishments als Chaot und \u00f6ffentliche Bedrohung gesehen. Ebenso diejenigen Medien, die sich solidarisierten, expliziten Drohungen der Regierung widersetzten und die sogenannten <em>Pentagon Papers<\/em> publizierten. Damals auch dabei: die <em>Washington Post<\/em>, deren Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein die Watergate Aff\u00e4re aufdeckten. Ihnen sollte Hollywood mit dem Film <em>All the President\u2019s Men <\/em>ein Denkmal setzen und das zuk\u00fcnftige Rollenbild des charismatischen <em>Scoop-journalist<\/em> pr\u00e4gen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">(Der negative Effekt dieser Mythologisierung mag der heutige Hang zur \u00fcbertriebenen Skandalisierung sein, welcher sich im medialen Diskurs h\u00e4ufig durch das Suffix \u201e\u2013gate\u201c, wie in Water<em>gate,<\/em>\u00a0zeigt: zuletzt in <em>Climate-gate<\/em>, <em>Libya-gate<\/em> und <em>Weiner-gate<\/em>. Eine <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/List_of_scandals_with_%22-gate%22_suffix\">umfangreiche Liste<\/a> hierzu findet sich bei <em>Wikipedia<\/em>.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 13px\">Einerseits ist die \u201cvierte Gewalt\u201d im heutigen, oftmals durchaus positiv gemeinten Verst\u00e4ndnis also eng mit dieser Phase und dem vermeintlichen H\u00f6hepunkt des \u201eprofessionellen Journalismus\u201c verbunden. Andererseits sch\u00f6pft und sch\u00f6pfte die Presse, als gesellschaftlicher und politischer Akteur, ihre St\u00e4rke aus ihrer Unabh\u00e4ngigkeit, aus ihrem Potential zu \u201eunprofessionellem\u201c Verhalten und aus ihrer Unberechenbarkeit; nicht etwa aus repr\u00e4sentativen Geb\u00e4uden oder ihrer N\u00e4he zur staatlichen Macht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieser Tage l\u00e4uft in den USA <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ZT1wb8_tcYU\">ein Film \u00fcber <em>WikiLeaks<\/em><\/a> an, der den Titel <em>The Fifth Estate<\/em> tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-size: 13px\">Deutet sich vielleicht erneut ein Wandel im kollektiven Verst\u00e4ndnis \u00fcber die Rolle und Definition von \u201cprofessionellem Journalismus\u201d an?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist sicherlich zu fr\u00fch, hier\u00fcber ein Urteil zu f\u00e4llen. Eines ist aber bereits jetzt gewiss: Wer \u00a0wissen will, wie zuk\u00fcnftige Sternstunden des amerikanischen Journalismus wohl aussehen werden, sollte danach nicht in Washingtons <em>Newseum<\/em> suchen. Wer aber bei einem Besuch in der Hauptstadt <em>ganz<\/em> genau hinschaut, kann anderenorts auch heute schon m\u00f6gliche Indizien entdecken.<\/p>\n<div class=\"mceTemp mceIEcenter\">\n<dl>\n<dt><span style=\"color: #888888\"><em><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2013\/09\/23\/washingtons-vierte-gewalt-die-professionelle-presse\/img_1882\/\" rel=\"attachment wp-att-1033\"><span style=\"color: #888888\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1033    \" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2013\/09\/IMG_1882.jpg\" alt=\"\" width=\"493\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2013\/09\/IMG_1882.jpg 3264w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2013\/09\/IMG_1882-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 493px) 100vw, 493px\" \/><\/span><\/a><\/em><\/span><\/dt>\n<\/dl>\n<p class=\"wp-caption-dd\"><em><span style=\"color: #888888\">In der Metrostation Farragut North: Solidarit\u00e4t mit Chelsea Manning<\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Quellen<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Leibovich, Mark (2013): This Town. Two Parties and a Funeral &#8212; Plus, Plenty of Valet Parking! &#8212; In America&#8217;s Gilded Capital. New York, NY: Penguin Group.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Waisbord, Silvio R. (2013): Reinventing Professionalism. Journalism and News in Global Perspective. Cambridge; Malden MA: Polity.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Internetquellen<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hellmich, Rebecca, and Peter Hart. &#8222;Don&#8217;t Quit Your Day Job.&#8220;\u00a0<em>FAIR.org<\/em>. Fairness &amp; Accuracy In Reporting, 1 Sept. 2013. Web. 18 Sept. 2013. &lt;https:\/\/fair.org\/home\/dont-quit-your-day-job\/&gt;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Irby, Cate. &#8222;Senators Spar over Definition of \u2018journalist\u2019 in Seeking to Protect Them.&#8220;<em>McClatchyDC.com<\/em>. McClatchy Washington Bureau, 1 Aug. 2013. Web. 18 Sept. 2013. &lt;https:\/\/www.mcclatchydc.com\/2013\/08\/01\/198338\/senators-spar-over-definition.html&gt;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Light, John. &#8222;David Gregory, Glenn Greenwald and the First Amendment.&#8220;<em>BillMoyers.com<\/em>. N.p., 26 June 2013. Web. 18 Sept. 2013. &lt;https:\/\/billmoyers.com\/2013\/06\/26\/david-gregory-glenn-greenwald-and-the-first-amendment\/&gt;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Shafer, Jack. &#8222;Come, All Ye Faithful, and Worship the Fallen Newsman.&#8220;\u00a0<em>Slate.com<\/em>. Slate Magazine, 8 Oct. 2009. Web. 18 Sept. 2013. &lt;https:\/\/www.slate.com\/articles\/news_and_politics\/press_box\/2009\/10\/the_newseums_tim_russert_shrine.html&gt;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">S. 987&#8211;113th Congress: Free Flow of Information Act of 2013.\u201d www.GovTrack.us. 2013. September 19, 2013 &lt;https:\/\/www.govtrack.us\/congress\/bills\/113\/s987&gt;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Der entsprechende Gesetzesentwurf wurde dem Senat im Mai vorgelegt und am 12. September vom Justizausschuss abgenickt. Er wird nun zun\u00e4chst dem gesamten Senat, dann dem <em>House of Representatives<\/em> vorgelegt.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Hierzu Leibovich: \u201eSuddenly it appeared anyone without facial warts could call themselves a \u201astrategist\u2019 and get on TV\u201c (107).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify\"><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Eine Liste lie\u00dfe sich bei so schillernden wie unterschiedlichen Figuren wie Thomas Paine beginnen, der einst zur Revolution gegen Gro\u00dfbritannien aufrief. Elijah Lovejoy geh\u00f6rt aufgez\u00e4hlt, der Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die Sklaverei anschrieb und dabei ums Leben kam. Oder Mathew Brady, der Photograph, der den B\u00fcrgerkrieg dokumentierte. Man k\u00f6nnte ebenfalls Samuel Clemens (aka Mark Twain) anf\u00fchren, der den amerikanischen Imperialismus scharf kritisierte. Oder auch <em>Muckraker<\/em>, wie Upton Sinclair und Ida Tarbell, die der breiten \u00d6ffentlichkeit die \u00dcbel unregulierter M\u00e4rkte und Arbeitskonditionen aufzeigten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Curd Kn\u00fcpfer\u00a0 Touristen, Sch\u00fclergruppen und interessierte B\u00fcrger zieht es beim Besuch der amerikanischen Hauptstadt zun\u00e4chst meist zu den wei\u00dfen Prachtbauten der National Mall. Zu jenen Geb\u00e4uden im Stile griechischer Tempel, in denen entweder den mystifizierten Granden der amerikanischen Geschichte gehuldigt wird oder welche als zentrale Lokalit\u00e4ten der staatlichen Macht dienen. 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