{"id":329,"date":"2011-05-02T14:02:40","date_gmt":"2011-05-02T12:02:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/?p=329"},"modified":"2011-05-05T10:05:25","modified_gmt":"2011-05-05T08:05:25","slug":"all-politics-is-not-local","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2011\/05\/02\/all-politics-is-not-local\/","title":{"rendered":"All Politics Is Not Local. Die Kongress-Wahlen 2010 in Macomb County, Michigan."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><em>Ein Artikel von Johannes Dudziak *\u00a0und Thomas Greven<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#8222;All Politics Is Local\u201c ist ein politischer Aphorismus, gepr\u00e4gt vom langj\u00e4hrigen Sprecher des Repr\u00e4sentantenhauses, Tip O\u2019Neill, einem Demokraten aus Massachusetts. Die Idee, dass selbst nationale Kongresswahlen und innerstaatliche Wahlen in der eigenen Nachbarschaft entschieden werden, gilt in Amerika unter Politikern, Journalisten und Politikexperten als akzeptierte Weisheit. Die Wahlergebnisse 2010 ergaben jedoch ein gegens\u00e4tzliches Bild, selbst bei Wahlen f\u00fcr lokale \u00c4mter. Einer der Autoren konnte den Wahlkampf in Macomb County, den nord\u00f6stlichen Suburbs von Detroit, Michigan, von Anfang September bis zur Wahl am 2. November 2010 miterleben. Die harte Arbeit als Wahlhelfer im B\u00fcro des demokratischen Strategen Ed Bruley, der ein gutes Dutzend Demokratischer Wahlk\u00e4mpfe f\u00fcr lokale \u00c4mter in Macomb County und in ganz Michigan leitete, zahlte sich nicht aus, weil die W\u00e4hler Lokalpolitik und den lokalen Walkampf in ihrer Entscheidung ignorierten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Pr\u00e4sident Barack Obama und seine Demokratische Partei erlitten eine verheerende Niederlage. Im Repr\u00e4sentantenhaus verloren 63 Demokratische Abgeordnete ihren Sitz an Republikaner; dies war der gr\u00f6\u00dfte Umschwung seit 1948. Nur vier Jahre hielt die Demokratische Mehrheit im Repr\u00e4sentantenhaus. Dazu sechs Demokratische Gouverneure und sechs Senatoren weniger \u2013 Obamas Partei verlor auf der ganzen Linie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie konnte dies geschehen, wo doch \u00a0George W. Bush die W\u00e4hler zutiefst desillusioniert und das Ansehen der Republikaner ruiniert hatte? Noch wenige Tage vor dem Wahltag, dem 2. November 2010, lagen die Zustimmungswerte f\u00fcr die Republikaner insgesamt kellertief.<a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn1\">[1]<\/a> Nach der Wahl versicherten die W\u00e4hler allen Umfrageinstituten, dass die Wahl so vieler konservativer Kandidaten weniger als Wahl f\u00fcr Republikaner, sondern als Wahl gegen die Demokraten und gegen die Kultur in Washington zu verstehen sei. Welche Analyse des Wahlkampfes man auch zu Rate zieht \u2013 das Bild des desillusionierten W\u00e4hlers, der nahezu alle Politiker in Washington f\u00fcr bodenlos korrupt h\u00e4lt, bleibt immer pr\u00e4sent, was sich am besten in den landesweiten Tea Parties ausdr\u00fcckte. Die Tea-Party-Bewegung entstand in der Wirtschaftskrise 2008 als Ausdruck der tiefen Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen und politischen Lage und richtete sich vor allem gegen die von der Regierung Obama eingef\u00fchrte Gesundheitsreform, den \u201ebailout\u201c der Finanzinstitute und die staatliche Subvention der maroden Autoindustrie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Neu sind das Misstrauen und die Entt\u00e4uschung der W\u00e4hler \u00fcber die Politik in Washington keineswegs. W\u00e4hrend von 1954 bis 1995 das Repr\u00e4sentantenhaus fest in den H\u00e4nden der Demokraten lag, wechselte in den letzten 16 Jahren die Mehrheit bereits zweimal. Auch die j\u00fcngsten Ergebnisse der Midterm-Wahlen leiten vermutlich keine neue \u00c4ra stabiler Republikanischer Dominanz ein. Ein Umfrage des Pew Research Center zeigt schon kurz nach der Wahl eine Verschiebung der Einstellung zu den beiden Parteien. W\u00e4hrend vor der Wahl die Republikanische Partei leicht in den Bewertungsumfragen f\u00fchrte, hatten jetzt die Demokraten wieder die Oberhand. 42% der Befragten bewerten die\u00a0 Republikanische Partei als positiv, w\u00e4hrend 51% der Befragten die Republikaner negativ sahen. Die Demokraten hingegen wurden zu 48% als positiv bewertet und mit 45% als negativ.<a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn2\">[2]<\/a> Diese wechselhafte Stimmung, der weit verbreitete Verdruss der W\u00e4hler und die Polarisierung der \u00d6ffentlichkeit lassen auf weiterhin turbulente Zeiten in der amerikanischen Politik schlie\u00dfen.<strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Wahlkampf in Macomb County zeigte sich die Desillusionierung der W\u00e4hler. Macomb County gilt in der Literatur zu US-Wahlen als \u201ebellweather district\u201c, also als Wahlkreis, der nationale Trends spiegelt (Greenberg 1996: 29). Neben der tiefen Desillusionierung der W\u00e4hler war dort die zweite entscheidende Beobachtung, dass Lokalpolitik eine untergeordnete Rolle spielte, selbst in lokalen Wahlk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>\u201eWir wollen unser Land zur\u00fcck!\u201c Tea Parties und die Nationalisierung der Kongress-Wahlen 2010 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zwar ist es seit den Kongresswahlen und insbesondere nach dem Anschlag auf die Abgeordnete Gabrielle Giffords in Arizona am 8. Januar 2011 merklich stiller geworden um die Tea Parties, die sich \u00fcberall im Land gebildet haben. Doch ist ihr lautstarker Anti-Obama-Populismus ohne Zweifel charakteristisch f\u00fcr den nationalen Trend gegen die Demokraten. Die Tea Parties haben \u2013 entgegen der mit der vers\u00f6hnlichen Rhetorik Obamas verbundenen Hoffnung auf ihre \u00dcberwindung \u2013 die gesellschaftliche Spaltung in den USA noch weiter verst\u00e4rkt. Zudem hat diese ein h\u00e4ssliches Gesicht bekommen, ganz unabh\u00e4ngig von den Motiven des Attent\u00e4ters von Arizona. Denn der Protest der Tea Parties hat irrationale Komponenten: Die Vorw\u00fcrfe an Obama, gar kein Amerikaner zu sein, oder Hitler und\/oder Stalin nacheifern zu wollen, haben etwas Hysterisches, ja Realit\u00e4tsverweigerndes, oft auch Rassistisches. Das \u201eparanoide\u201c Element der amerikanischen Politik, vom Historiker Richard Hofstadter bereits 1964 beschrieben, ist mit verschiedenen Auspr\u00e4gungen wohl als Konstante einer staatsskeptischen, libert\u00e4ren politischen Kultur zu betrachten, die sich \u00fcber Parteigrenzen hinweg als \u00e4u\u00dferst verschieden von der etatistischeren europ\u00e4ischen wahrnimmt und auf diese Verschiedenheit (\u201eAmerican Exceptionalism\u201c) auch stolz ist. In seiner Rede zur State of the Union betonte Obama, dass selbst der heftige, von manchen als \u201evergiftet\u201c bezeichnete politische Diskurs Grund f\u00fcr andere Nationen sei, die USA zu beneiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit den Tea Parties, als augenf\u00e4lligstes Zeichen f\u00fcr einen nationalen Trend gegen die Demokraten, ist Bewegung in das Zweiparteiensystem der USA gekommen. M\u00f6glicherweise werden die Republikaner sich noch st\u00e4rker als bisher jeglicher Kooperation verweigern, aus Angst davor, bei den n\u00e4chsten Vorwahlen von radikalen Aktivisten herausgefordert zu werden. Sie wissen: Immer wieder sind Au\u00dfenseiter in Wahlk\u00e4mpfen erfolgreich, denn die Amerikaner sind seit langem davon \u00fcberzeugt, dass die Macht im Allgemeinen und Washington im Besonderen ihre gew\u00e4hlten Politiker schnell korrumpiert. Vermutlich zu Recht, jedenfalls werden die Au\u00dfenseiter von den Realit\u00e4ten \u201einside the beltway\u201c st\u00e4rker ver\u00e4ndert als sie diese ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Das politische System der USA ist institutionell auf Verhinderung von Wandel angelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Allerdings wirken auch die Selbstreinigungskr\u00e4fte des amerikanischen politischen Systems und sorgen meist daf\u00fcr, dass v\u00f6llig unqualifizierte, \u00fcberforderte Amtstr\u00e4ger schnell wieder ausscheiden. Gerade der zweij\u00e4hrige Wahlrhythmus im Repr\u00e4sentantenhaus ist darauf angelegt, dass sich der Unmut des Wahlvolks schnell ausdr\u00fccken kann. Und die beiden gro\u00dfen amerikanischen Parteien werden mit gutem Grund \u201ebig tents\u201c genannt, gro\u00dfe Zelte. Sie haben wirkm\u00e4chtige Minderheitenstr\u00f6mungen immer wieder aufsaugen und integrieren k\u00f6nnen. Es ist durchaus m\u00f6glich, dass dies der \u201eGrand Old Party\u201c (GOP) sehr schnell gelingt. Wesentliche Teile der Agenda der Tea Parties sind ohnehin Kernbestandteil Republikanischer Politik, nur war die fiskalische Verantwortung in den Bush-Jahren v\u00f6llig vernachl\u00e4ssigt worden (\u201eDefizite spielen keine Rolle\u201c). Insofern kann die Tea Party-Bewegung auch als innerrepublikanisches Korrektiv verstanden werden, ausgel\u00f6st allerdings durch einen Demokratischen Pr\u00e4sidenten, der durch die Krise ins Amt gekommen war, diese folgerichtig mit aktiver Regierungspolitik zu bek\u00e4mpfen versuchte und dabei zwangsl\u00e4ufig die ohnehin schon massiven Schulden der USA vergr\u00f6\u00dfern musste. Die fiskalkonservative Position der Republikaner und der Tea Parties ist angesichts der Vorgeschichten (Steuersenkungen und Krise) zwar heuchlerisch, genauso wie der Versuch, ausgerechnet gegen Obama mit traditionellen christlichen Werten zu punkten, dies verhindert ihren Erfolg aber bisher nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Midterm-Wahlen 2010: Erfahrungen in Macomb County<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Macomb County gilt als klassischer Bellweather-Distrikt in den Vereinigten Staaten. Ein Bellweather ist eine Region, durch deren Analyse nationale Trends vorhergesagt werden k\u00f6nnen. Als traditioneller \u201ewhite-working-class\u201c Vorort, in den seit etwa 2000 von Jahr zu Jahr immer mehr Schwarze und Hispanics zuwandern, spiegelte Macomb County entscheidende politischen Entwicklungen in den USA. In der Pr\u00e4sidentschaftswahl 1960 war Macomb das demokratischste Vorstadtgebiet Amerikas: John F. Kennedy erhielt 63 % der Stimmen. Vier Jahre sp\u00e4ter stimmten die B\u00fcrger von Macomb sogar mit 74 Prozent f\u00fcr den neuen Demokratischen Pr\u00e4sidenten, Lyndon Baines Johnson. Doch schon kurz danach ging es bergab mit den Demokraten in Macomb: Aus der Demokratischen Festung wurde die Wiege der sogenannten <em>Reagan Democrats<\/em>. Ein Teil der wei\u00dfen Mittelschicht f\u00fchlte sich verlassen von der Partei und warf ihr vor, \u00fcber all den K\u00e4mpfen zugunsten von Minderheiten die entscheidenden Themen der Mittelschicht, wie bezahlbare Hypotheken, Bildung oder den Kampf gegen Kriminalit\u00e4t zu vernachl\u00e4ssigen. W\u00e4hrend sie zun\u00e4chst noch ihre vertrauten Demokratischen Abgeordneten, Senatoren, Sheriffs etc. w\u00e4hlten, begannen sie ab den 1980er Jahren in gro\u00dfer Zahl f\u00fcr die Republikanischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten zu stimmen (Greenberg 1996: 29). Die Zeit der Demokratischen Vorherrschaft in Macomb war damit beendet. Nach den beiden Reagan-Pr\u00e4sidentschaften w\u00e4hlten Macombs B\u00fcrger abwechselnd, mal f\u00fcr Republikaner, mal f\u00fcr Demokraten: erst zweimal f\u00fcr George H. W. Bush, 1988, aber auch 1992, dann f\u00fcr Bill Clinton 1996, 2000 allerdings f\u00fcr Al Gore, danach 2004 f\u00fcr George W. Bush und 2008 f\u00fcr Obama. Die W\u00e4hler von Macomb County haben damit fast immer auf den Sieger gesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Wahlkampf 2010 war die Organisation von Ed Bruley, dem Vorsitzenden der Democratic Party von Macomb County, deutlich st\u00e4rker als die gegnerische Republikanische.<a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn3\">[3]<\/a> Das B\u00fcro hatte acht Angestellte, die den Wahlkampf von zw\u00f6lf Kandidaten handhabten.<a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn4\">[4]<\/a> Zus\u00e4tzlich unterst\u00fctzten auch die Kandidaten selbst die Wahlk\u00e4mpfe ihrer Kollegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Wahlkampfarbeit bestand aus drei Haupts\u00e4ulen. Zun\u00e4chst ging es um die Planung und Durchf\u00fchrung von Veranstaltungen zur Spendenbeschaffung. Die zweite S\u00e4ule bildete die Kontaktaufnahme mit den W\u00e4hlern. Diese wurde erreicht, indem Kandidaten in ihrem Wahlbezirk an den Haust\u00fcren klopften oder durch das Verteilen von Wahlkampfbriefen, Einladungen zu Wahlkampfveranstaltungen, Flaggen oder kleinen Tannenb\u00e4umen.<a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn5\">[5]<\/a> In der letzten S\u00e4ule ging es darum, Wahlkampfliteratur und mediale Werbung zu erstellen und zu realisieren. Dabei wurde sehr viel Zeit auf Wahlkampfbriefe verwendet, die von rund 60 freiwilligen Wahlhelfern frankiert und dann von Mitarbeitern aus dem B\u00fcro an die jeweiligen Poststellen gebracht wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Ergebnis f\u00fcr die Demokraten in Macomb war d\u00fcster. Von den zw\u00f6lf im B\u00fcro gemanagten Wahlk\u00e4mpfen konnten nur die vier Kandidaten gewinnen, deren Wahlkreise dank demographischer Begebenheiten in sicherer Demokratischer Hand lagen. Die anderen acht Wahlen wurden klar verloren. Ed Bruley selbst versuchte einen Posten im Vorstand einer der drei gro\u00dfen staatlichen Universit\u00e4ten in Michigan, Wayne State University, zu gewinnen. Dar\u00fcber wurde im ganzen Bundesstaat abgestimmt. Bruley konnte jedoch nicht mal im heimatlichen Macomb County \u00fcber den dritten Patz hinauskommen. Die zwei anderen vom B\u00fcro gef\u00fchrten Wahlk\u00e4mpfe f\u00fcr \u00c4mter im ganzen Bundesstaat verliefen \u00e4hnlich schlecht: Paul Gieleghem kandidierte als State Senator und Sarah Roberts stellte sich zur Wiederwahl im Michigan House of Representatives. Beide verloren deutlich. Die zwei Kandidaten f\u00fcr Richter\u00e4mter im Circuit Court, die von der demokratischen Partei offiziell empfohlen und von Ed Bruleys B\u00fcro unterst\u00fctzt wurden, verloren kl\u00e4glich: ein Kandidat verlor mit 18 Prozent Abstand, die andere Kandidatin mit 13 Prozent. Lediglich in Macombs Legislative, der County Commission, konnten drei Sitze verteidigt und einer hinzugewonnen werden. Diese vier Rennen wurden aufgrund der vielen Demokratischen Anh\u00e4nger im jeweiligen Wahlkreis als sicher betrachtet. Dennoch gingen zwei davon knapp aus.<a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn6\">[6]<\/a> Im Wahlkampfb\u00fcro wurde kaum f\u00fcr diese vier Rennen gearbeitet. Das B\u00fcro besch\u00e4ftigte sich haupts\u00e4chlich mit den Wahlk\u00e4mpfen von State Senate Kandidat Paul Gieleghem, State Representative Sarah Roberts, den Kandidaten f\u00fcr den Circuit Judge und zwei Wahlen f\u00fcr die County Commissioner Brian Brdak und Jeffrey Sprys. In diesen zwei lokalen Wahlk\u00e4mpfen ging es um Stimmen im Norden von Macomb County, der Republikanischer als Macombs S\u00fcden ist. <a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn7\">[7]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Demokraten gaben in Macomb die Themen vor und hatten als Mehrheit in der Kommission viele Erfolge vorzuweisen: Die Kommission \u00a0(mit County Commissioner Brdak als Vorsitzendem des Finanzausschusses) hatte den Haushalt ausgeglichen, die Anzahl der Kommissionssitze von 26 auf 13 halbiert, eine Exekutive in Macomb County geschaffen und ihre eigenen Geh\u00e4lter zweimal gek\u00fcrzt. Dazu suchten ihre Kandidaten deutlich mehr Kontakt mit den W\u00e4hlern als die Republikaner. Dennoch zeigte der lokale Wahlkampf keine Wirkung. H\u00e4tte der lokale Wahlkampf nicht stattgefunden, es h\u00e4tte keinen Unterschied gemacht. Der nationale Missmut \u00fcber die staatlichen Rettungsaktionen der Finanzindustrie, die Gesundheitsreform und die Ohnmacht der Politik, das Land aus der wirtschaftlichen Krise und insbesondere aus der Arbeitslosigkeit zu f\u00fchren \u2013 all das \u00fcberwog bei weitem die lokalen Themen.<a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn8\">[8]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die unten stehenden Grafiken von Andrew Gelman verdeutlichen, dass die Beobachtungen in Macomb dem nationalen Trend entsprechen. <a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn9\">[9]<\/a> Gelmans Grafiken zeigen anhand von Quartilsabst\u00e4nden, wie die W\u00e4hler in allen 50 Bundesstaaten (Grafik I.) und\u00a0 3.000 Counties (Grafik II.) immer mehr f\u00fcr Kandidaten einer Partei stimmen. <a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn10\">[10]<\/a> Wenn W\u00e4hler sich f\u00fcr einen Republikanischen oder Demokratischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten entscheiden, ist es zunehmend wahrscheinlich, dass die W\u00e4hler f\u00fcr Kandidaten der gleichen Partei in Kongress- und lokalen Wahlen stimmen. Stimmen f\u00fcr Kandidaten dritter Parteien sind von den Grafiken ausgenommen. <a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftn11\">[11]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><a rel=\"attachment wp-att-330\" href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2011\/05\/02\/all-politics-is-not-local\/grafikengreven\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-330\" title=\"GrafikenGreven\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2011\/05\/GrafikenGreven.jpg\" alt=\"\" width=\"412\" height=\"588\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2011\/05\/GrafikenGreven.jpg 412w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/files\/2011\/05\/GrafikenGreven-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 412px) 100vw, 412px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Grafiken zeigen zusammengenommen den stetigen R\u00fcckgang der Abweichungen zwischen Counties und Bundesstaaten:\u00a0 W\u00e4hler orientieren sich zunehmend an den nationalen Kandidaten und der nationalen Stimmung. \u201eAll Politics is local\u201c spiegelt die aktuelle politische Realit\u00e4t in den USA nicht l\u00e4nger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein Ausblick<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Tea Parties die Republikaner mit ihren radikal und kompromissunwillig vorgetragenen Forderungen in Geiselhaft nehmen k\u00f6nnen, die Republikaner werden sich sicherlich unter dem Eindruck dieser Herausforderung und der W\u00e4hlerdemographie ver\u00e4ndern. Angesichts eines schwarzen Pr\u00e4sidenten w\u00e4chst n\u00e4mlich die Angst vieler Wei\u00dfer davor, dass ihnen \u201edas Land weggenommen wird\u201c. Befeuert wird dies durch einen demographischen Trend, der die Wei\u00dfen tats\u00e4chlich zu einer von vielen Minderheiten im Land machen k\u00f6nnte \u2013 was an immer mehr Orten konkret sicht- und f\u00fchlbar wird. Diese \u201ewei\u00dfe Angst\u201c wird von den Tea Parties und von den Republikanern konsequent instrumentalisiert. Damit droht die GOP vollst\u00e4ndig zur \u201ePartei der Wei\u00dfen\u201c zu werden. Kurzfristig k\u00f6nnte eine zur Interessenvertretung der wei\u00dfen Amerikaner mutierte GOP st\u00e4rker als je zuvor von den spezifischen institutionellen Arrangements des Landes profitieren; schlie\u00dflich geben diese den bev\u00f6lkerungsarmen (und weiterhin von Wei\u00dfen dominierten) Staaten sowohl im Senat als auch bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl ein besonderes Gewicht<strong>.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Langfristig ist die absehbare, m\u00f6glicherweise exklusiv \u201ewei\u00dfe\u201c Radikalisierung der Republikaner eine Trag\u00f6die \u2013 und zwar nicht \u201enur\u201c f\u00fcr die Republikanische Partei, sondern f\u00fcr die Vereinigten Staaten insgesamt. Alles spricht daf\u00fcr, dass die n\u00e4here Zukunft der amerikanischen Politik vor allem zu einem Kampf um die wei\u00dfen W\u00e4hler wird. Diese sind f\u00fcr Populismus, Nativismus und Rassismus ansprechbar, aber eben durchaus auch f\u00fcr \u201eworking-class politics\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die zunehmende Nationalisierung der amerikanischen Politik, die sich in Wahlen ebenso zeigt wie im parlaments\u00e4hnlichen Verhalten der GOP im Kongress, l\u00e4uft auf eine Pr\u00e4sidentschaftswahl 2012 hinaus, die ein Referendum \u00fcber die Rolle des Staates in Gesellschaft und vor allem Wirtschaft der USA sein wird. Obama und noch mehr die GOP \u00fcben sich im \u201eBrinkmanship\u201c, d.h. die Probleml\u00f6sung tritt hinter die \u201epolitics\u201c der f\u00fcr die Wahlen vorteilhaften Position zur\u00fcck. Die Republikaner sind dabei von wirtschaftlichen (Steuersenkungs-)Interessen und von Ideologie getrieben, w\u00e4hrend die Demokraten keinerlei Vision jenseits des Wahlsiegs mehr eint; sie verteidigen weiterhin lediglich Restbest\u00e4nde des New Deal und der Great Society. Dennoch k\u00f6nnen sie darauf hoffen, dass die W\u00e4hler 2012 noch einmal die verbliebenen Gemeinwohlorientierungen (Social Security, Medicare) h\u00f6her bewerten als das Steuersenkungsversprechen der Republikaner. Dabei kommt es u.a. auf die Rentnerinnen und Rentner an, aber vielleicht entdecken die Amerikaner auch die Notwendigkeit von Gewerkschaften wieder, jetzt wo in einigen Staaten das unsinnige, weil krisenversch\u00e4rfende Sparenm\u00fcssen die Gouverneure zum Generalangriff auf die Tarifvertr\u00e4ge und Gewerkschaften des \u00f6ffentlichen Dienstes f\u00fchrt. Allerdings \u00fcbersehen die Medien bisher recht konsequent die wachsende Protestbewegung von links; die Tea Parties sind medial pr\u00e4senter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">M.a.W., je st\u00e4rker die Republikaner und insbesondere die Tea Parties ihr antistaatliches Spiel \u00fcberreizen, desto gr\u00f6\u00dfer sind die Chancen der Demokraten und insbesondere Obamas, die Wahlen zu gewinnen. Mangels eines \u00fcberzeugenden Programms f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Gestaltung der USA jenseits der Abfederung globalisierungsinduzierter sozialpolitischer Grausamkeiten bleiben sie dennoch in dem konzeptionellen Gef\u00e4ngnis eines von den Republikanern dominierten politischen Diskurses.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch die \u201elocal politics\u201c sind noch nicht pass\u00e9. Wie Gelman es formuliert: \u201e<strong>A<\/strong>ll politics are local \u2014 if you\u2019re Tip O\u2019Neill and represent an ironclad Democratic seat in Congress\u201d.\u00a0 Viele Kongresssitze bleiben dank demographischer Gegebenheiten in fester Hand einer der Parteien. Daran wird auch die zunehmende Nationalisierung der innerstaatlichen Wahlen nichts \u00e4ndern. Auch die Kandidaten, die in hart umworbenen Wahlkreisen antreten, sollten sich jedoch darauf einstellen, dass die Regierungspolitik eine bedeutende Rolle in ihrem Wahlkampf spielen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00a0<\/p>\n<hr size=\"1\" \/>\n<p style=\"text-align: justify\">*\u00a0<em>Johannes Dudziak ist B.A. Absolvent des JFK Instituts. W\u00e4hrend den Midterms 2010 \u00a0hat er in Macomb vor Ort gearbeitet. Im Bundestagswahlkampf 2009 war er f\u00fcr das Team Frank-Walter Steinmeier t\u00e4tig. Ab Herbst ist er Masterstudent an der LSE.<\/em><\/p>\n<hr size=\"1\" \/>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bibliographie:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">Gelman, Andrew: All Politics Is Local? The Debate and the Graphs, 03.01.2011, https:\/\/fivethirtyeight.blogs.nytimes.com\/2011\/01\/03\/all-politics-is-local-the-debate-and-the-graphs\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Greenberg, Stanley: Middle Class Dreams, The Politics and Power of the New American Majority. New Haven Connecticut, 1996.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Republicans Hampered by Low Approval Ratings, October 5, 2010, https:\/\/www.cbsnews.com\/8301-503544_162-20018651-503544.html<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">\n<hr size=\"1\" \/>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref1\">[1]<\/a> In einem National Journal Poll vom 5. Oktober 2010 hatten die Republikaner eine Zustimmungsrate von 24 Prozent, die Demokraten von 30 Prozent\u00a0 (CBS NEWS, 05.10.2010, Republicans Hampered by Low Approval Ratings).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref2\">[2]<\/a> Pew Research Umfrage, ver\u00f6ffentlicht am 23. M\u00e4rz 2011: Obama Tests Well at Start of Reelection Run.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">No Frontrunner in Slow-Starting GOP Race. https:\/\/people-press.org\/2011\/03\/23\/obama-tests-well-at-start-of-reelection-run\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref3\">[3]<\/a> Ed Bruley ist der Vorsitzende der Democratic Party in Macomb. Er war von 1977 bis 2002 der B\u00fcroleiter von David Bonior, von 1977 bis 2001 Abgeordneter Michigans im US House of Representatives. Die gegnerische Republikanische Organisation hat kein eigenes B\u00fcro mit Festangestellten. Die lokalen Kandidaten machen ihren Wahlkampf alleine mit\u00a0 finanzieller Hilfe der Michigan Republican Party.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref4\">[4]<\/a> Das Wahlkampfb\u00fcro ging aus dem B\u00fcro des US-Kongressabgeordneten David Bonior hervor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref5\">[5]<\/a> Die Tannenbaumsetzlinge wurden im ersten Kongresswahlkampf David Boniors 1976 eingef\u00fchrt. Damals hatte ein Sturm viele B\u00e4ume entwurzelt und Bonior, einer der ersten umweltbewussten Kandidaten der Demokratischen Partei, wollte ein \u201egr\u00fcnes\u201c und nachbarschaftliches Zeichen setzen. Die \u201eBonior Trees\u201c wurden zum Markenzeichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref6\">[6]<\/a> County Commissioner David Flynn gewann mit 2,6 Prozent Vorsprung gegen\u00fcber seinem Gegner, Ron Albers. Der Kandidat Fred Miller gewann blo\u00df mit 6,8 Prozent in der demokratischen Hochburg Clinton Township und S\u00fcd-Mount Clemens gegen eine Kandidatin, von der das demokratische B\u00fcro \u00fcberhaupt keine Wahlkampfaktivit\u00e4t beobachten konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref7\">[7]<\/a> Der S\u00fcden grenzt an Detroit. Dort wohnen mehr Gewerkschaftsmitglieder und ethnische Minderheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref8\">[8]<\/a> Selbst der Bailout der Automobilindustrie, die in der Region wichtigste Branche, sorgte durchaus bei einigen B\u00fcrgern f\u00fcr Unmut, wie die Wahlkampfhelfer t\u00e4glich feststellen mussten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref9\">[9]<\/a> Andrew Gelman ist Professor f\u00fcr Statistik und Politikwissenschaften am Applied Statistics Center der Columbia University in New York.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref10\">[10]<\/a> Mithilfe von Quartilsabst\u00e4nden lassen sich Messreihen miteinander vergleichen. Ein Wert hei\u00dft oberes Quartil, wenn mindestens ein Viertel aller Werte gr\u00f6\u00dfer ist, als dieser Wert. Der Quartilsabstand ist die Differenz aus dem oberen und unteren Quartil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"\/Users\/Curd%20Kn%C3%BCpfer\/Downloads\/Aufsatz%20Dudziak%20Greven-4.doc#_ftnref11\">[11]<\/a> Gelman sagt Drittparteienw\u00e4hler sind vernachl\u00e4ssigbar, weil Sie von den W\u00e4hlern der beiden Parteien und den Nichtw\u00e4hlern kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Artikel von Johannes Dudziak *\u00a0und Thomas Greven &#8222;All Politics Is Local\u201c ist ein politischer Aphorismus, gepr\u00e4gt vom langj\u00e4hrigen Sprecher des Repr\u00e4sentantenhauses, Tip O\u2019Neill, einem Demokraten aus Massachusetts. Die Idee, dass selbst nationale Kongresswahlen und innerstaatliche Wahlen in der eigenen Nachbarschaft entschieden werden, gilt in Amerika unter Politikern, Journalisten und Politikexperten als akzeptierte Weisheit. 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