{"id":711,"date":"2013-03-28T17:18:22","date_gmt":"2013-03-28T15:18:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/?p=711"},"modified":"2013-03-28T22:54:27","modified_gmt":"2013-03-28T20:54:27","slug":"10-jahre-nach-beginn-der-operation-iraqi-freedom-eine-presseschau-zu-den-lehren-des-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2013\/03\/28\/10-jahre-nach-beginn-der-operation-iraqi-freedom-eine-presseschau-zu-den-lehren-des-krieges\/","title":{"rendered":"10 Jahre nach Beginn der Operation Iraqi Freedom: Eine Presseschau zu den Lehren des Krieges"},"content":{"rendered":"<h6 style=\"text-align: justify\">von Curd Kn\u00fcpfer<\/h6>\n<h5 style=\"text-align: justify\">19. M\u00e4rz 2003: Die Streitkr\u00e4fte der USA leiten mit einer \u201eShock and Awe\u201c Taktik die Invasion ein. Die ersten Bomben fallen auf Bagdad. Im Rahmen von Operation <em>Iraqi Freedom<\/em> (<a href=\"https:\/\/georgewbush-whitehouse.archives.gov\/news\/releases\/2003\/03\/20030324-4.html\">aka Iraqi Liberation<\/a>) ber\u00fchren einen Tag sp\u00e4ter die Stiefel von US Marines irakischen Boden. 10 Jahre sind seitdem vergangen. Viele Kollegen im akademischen Betrieb sowie in Presse und Politik nahmen dies in der vergangen Woche zum Anlass, die Ereignisse von damals noch einmal Revue passieren zu lassen, um Bilanz zu ziehen.\u00a0<span style=\"font-size: 13px\">Im Folgenden sollen einige der auff\u00e4lligsten und interessantesten Beitr\u00e4ge exemplarisch vorgestellt werden. Dabei sollen wiederkehrende Argumentationsmuster und Erkenntnisse innerhalb der Presse, der Politik und dem akademischen Betrieb zusammengefasst und kritisch analysiert werden.<\/span><span style=\"text-align: justify;font-size: 13px\">\u00a0<\/span><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Argumentationsmuster 1: \u201eEine Welt ohne Saddam\u2026\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zugegebenerma\u00dfen, das Lager der Bef\u00fcrworter ist inzwischen klein geworden. Zwar gibt es nat\u00fcrlich noch <a href=\"https:\/\/twitter.com\/RumsfeldOffice\/status\/314021125283790848\">die Donald Rumsfelds<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/online\/blogs\/borowitzreport\/2013\/03\/cheney-marks-tenth-anniversary-of-pretending-there-was-reason-to-invade-iraq.html\">Dick Cheneys<\/a>, die auch jetzt noch auf ihre einstigen Standpunkten beharren, doch d\u00fcrfte diese Haltung mehr politischer Natur sein als Ausdruck wahrer \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie ihre gelegentlichen Zwischenrufe dennoch auch heute noch richtig anmerken, wurde damals ein despotisches Regime gest\u00fcrzt. Und sicherlich <em>k\u00f6nnte<\/em> man (wenn man es denn wollte) eine Verbindung vom Ende der Baath Partei im Irak hin zum arabischen Fr\u00fchling ziehen, <a href=\"https:\/\/www.thedailybeast.com\/newsweek\/2012\/08\/19\/niall-ferguson-on-why-barack-obama-needs-to-go.print.html\">wie es beispielsweise der britische Popul\u00e4rhistoriker und Obama-Kritiker Niall Ferguson gelegentlich tut<\/a>.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wer sich auf derlei Argumente einl\u00e4sst und ihnen die enormen Kosten an Material, Imageschaden, vor allem anderen aber an Menschenleben und tragischen Schicksalen entgegenh\u00e4lt, muss sich wohl oder \u00fcbel einer Art Kosten-Nutzen Rechnung bedienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das soll nat\u00fcrlich nicht bedeuten, dass man sich nicht mit den Kosten und Folgen des Krieges auseinandersetzen sollte. <a href=\"https:\/\/costsofwar.org\/iraq-10-years-after-invasion\">Auf der Seite des <em>Costs of War Project<\/em> finden sich, \u00fcbersichtlich zusammengetragen, eindr\u00fcckliche Forschungsergebnisse, Statistiken und Zahlen zu den Folgen des Krieges<\/a>. Nur handelt es sich bei diesen Folgen nun mal in der Regel um Fakten, w\u00e4hrend der \u201eNutzen\u201c reine Ansichtssache ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist der Dynamik politisierter Themen geschuldet, dass man, wenn die Frage gestellt wird, ob es das alles wert war, letztendlich in eine Grundsatzdebatte verfallen wird, in der die Lager und Argumente festgefahren sind. Wer heute noch den Krieg verteidigt, wird diese Meinung wom\u00f6glich niemals \u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Argumentationsmuster 2: \u201eDer Krieg war ein Fehler\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Erkenntnis scheint mittlerweile \u00fcberw\u00e4ltigender Konsens zu sein. Einige lesenswerte Highlights hierzu finden sich in der <em>New Republic,<\/em> <a href=\"https:\/\/www.newrepublic.com\/article\/112701\/iraq-war-10th-anniversary-symposium\">in der einstige Bef\u00fcrworter sowie Gegner des Krieges Bilanz ziehen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In einer sehr lesenswerten Reihe in der <em>New York Times<\/em> <a href=\"https:\/\/opinionator.blogs.nytimes.com\/2013\/03\/16\/a-war-before-and-after\/\">schreiben (gr\u00f6\u00dftenteils desillusionierte) Veteranen \u00fcber ihre Erfahrungen im Krieg<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Selbst im neokonservativen Lager gibt man sich dieser Tage kleinlaut. Der <em>Weekly Standard<\/em>, der w\u00f6chentliche Standartentr\u00e4ger f\u00fcr neokonservative Ambitionen, ver\u00f6ffentlicht zum Thema Irak in den vergangenen Tagen<a href=\"https:\/\/www.weeklystandard.com\/issue\/706645\"> \u2026 nichts<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im <em>Washington Examiner<\/em> wird der Krieg gar <a href=\"https:\/\/washingtonexaminer.com\/philip-klein-iraq-war-made-obamacare-possible\/article\/2524926\">als Wegbereiter f\u00fcr die verhasste Gesundheitsreform der Obama Regierung gescholten<\/a>. Vernichtender k\u00f6nnte das Urteil aus dieser Ecke wohl kaum ausfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im<em> European<\/em> <a href=\"https:\/\/www.theeuropean-magazine.com\/stephen-walt--3\/6617-ten-years-after-the-iraq-invasion\">gibt derweil der angesehene Harvard Professor Stephen Walt seine Analyse ab<\/a>. Der Realismus-orientierte Walt bezeichnet den Krieg darin mehrfach als \u201efoolish\u201c. Eine Wortwahl, die der von Barack Obama \u00e4hnelt, als der damalige Senator <a href=\"https:\/\/www.npr.org\/templates\/story\/story.php?storyId=99591469\">einst sein Nein zum Krieg begr\u00fcndete (\u201ea dumb war\u201c)<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/www.pollingreport.com\/iraq.htm\">Laut dem aktuellsten CNN\/OCR Poll sehen das auch 59% der Amerikaner so<\/a>, die auf die Frage <em>&#8222;Would you say that the initial decision to send U.S. troops to Iraq in 2003 was a smart thing to do or a dumb thing to do?&#8220; <\/em>mit \u201edumb\u201c antworteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Hinblick auf das vorangegangene Argumentationsmuster scheint diese Entwicklung zun\u00e4chst begr\u00fc\u00dfenswert. Ein solcher Grundkonsens erm\u00f6glicht \u2013zumindest theoretisch\u2013 den direkten Einstieg in konstruktivere Debatten um die Ursachen, Folgen und Lehren, die aus dem Krieg zu ziehen sind, statt mit den eingangs erw\u00e4hnten Polemikern in immer gleiche Streitgespr\u00e4che und Grundsatzdebatten zu verfallen. Im Fall des Vietnamkrieges etwa hat es bekannterma\u00dfen bis zu einer vergleichbaren gesellschaftlichen \u00dcbereinkunft weitaus l\u00e4nger gedauert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Indes bedeutet dies nat\u00fcrlich keineswegs, dass sich alle einig w\u00e4ren: Der Irakkrieg war ein Fehler. Aber einer der im besten Fall die Ziele der US-Regierung verfehlt hat und im schlimmsten Fall <a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2013\/03\/19\/opinion\/iraq-war-bush-blair\/index.html?hpt=hp_c2\">einen Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht darstellt<\/a>. Auf dieser ungemein breiten Skala l\u00e4sst sich noch ausgiebig debattieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ferner bleibt anzumerken, dass ein Fehler etwas anderes als ein politischer Skandal oder gar ein Verbrechen ist. Fehler macht man, um aus ihnen zu lernen. <em>Warum<\/em> sie passierten und <em>was<\/em> man daraus lernt, kann die unterschiedlichsten Antworten hervorrufen. Skandale haben (in der Regel) Konsequenzen. Verbrechen werden geahndet. \u201eFoolishness\u201c &#8211; Dummheit &#8211; dagegen ist nicht strafbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Argumentationsmuster 2.2: \u201eMea Culpa\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Haltung ist das \u00f6ffentliche Eingest\u00e4ndnis einstiger Bef\u00fcrworter des Krieges, die nun ihre damalige Haltung bereuen, erkl\u00e4ren oder entschuldigt wissen wollen. Prominente Beispiele sind die <em>New York Times<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2011\/09\/06\/us\/sept-11-reckoning\/keller.html\">samt ihrem damaligen Chefredakteurs Bill Keller<\/a> oder auch <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/opinions\/david-ignatius-ten-years-later-recalling-iraqs-hard-lessons\/2013\/03\/20\/5a05890c-90d7-11e2-bdea-e32ad90da239_story.html\">David Ignatius von der <em>Washington Post<\/em><\/a>. Beide schreiben heute: \u201emea culpa\u201c; man sei damals zu unkritisch gewesen. Geblendet vom Horror des 11. Septembers habe man sich allzu leicht hinters Licht f\u00fchren lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Einerseits steht es einem jeden gut zu Gesicht, Fehler einzugestehen und die eigene Rolle zu hinterfragen. Andererseits k\u00f6nnte man denken, dass dies das Mindeste ist, was von seri\u00f6sen Journalisten zu erwarten w\u00e4re. Wie Ignatius und Keller, die beide noch Leitartikel f\u00fcr ihre Zeitungen verfassen, scheint auch anderen prominenten Bef\u00fcrwortern des Krieges in den Medien weder ihre einstige Fehleinsch\u00e4tzung, noch ihr sp\u00e4terer Sinneswandel ernsthaft geschadet zu haben. Die Webseite <em>MediaMatters.org<\/em> <a href=\"https:\/\/mediamatters.org\/research\/2013\/03\/19\/where-are-the-medias-iraq-war-boosters-10-years\/193117\">hat einige Beispiele zusammengetragen und zeigt, in welchen Positionen die jeweiligen Personen sich heute befinden<\/a> [SPOILER: die meisten sind noch immer genau dort, wo sie sich damals befanden].<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ebenso lohnt sich ein Besuch auf der Homepage von Bill Moyers, einem der wenigen amerikanischen Journalisten, die sich bereits vor Beginn der Invasion deutlich gegen den Krieg aussprachen. <a href=\"https:\/\/billmoyers.com\/2013\/03\/20\/an-anniversary-many-would-like-to-ignore\/\">Hier findet sich eine anschauliche Zusammenfassung und Gegen\u00fcberstellung einstiger und heutiger Stimmen zum Krieg<\/a>. [Unbedingt empfehlenswert ist dabei <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/33033186\">die Verlinkung zu einer Reportage von Moyers aus dem Jahr 2007, in der die Rolle der Medien vor Beginn des Krieges genauer untersucht wird<\/a>.]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">War der Vorlauf zum Irakkrieg also sozusagen das \u201eOops-Moment\u201c der amerikanischen Presse? Handelt es sich dabei um einen einmaligen, historisch bedingten Fehler, der sich auf den Zeitabschnitt kurz vor und nach der Invasion beschr\u00e4nken lie\u00dfe? Oder w\u00e4re es nun die Aufgabe der Presse, die L\u00fcgner und Kriegstreiber, die sie damals vermeintlich hinters Licht f\u00fchren konnten, daf\u00fcr st\u00e4rker zu belangen?\u00a0<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">F\u00fcr einige Kommentatoren, <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/indepth\/opinion\/2013\/03\/201332485324209150.html\">wie der Anthropologin Sarah Kendzior, ist eben dies die Lektion aus dem \u201eFehler\u201c Irakkrieg, in dem die Realit\u00e4t neu definiert wurde und Fakten keine Rolle mehr spielten<\/a>: \u201eThe worst thing about the Iraq war was not that people got away with lying. It was that they did not &#8211; and it did not matter.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Argumentationsmuster 2.3: \u201e[&#8230;] ist nicht Irak!\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine alte milit\u00e4rische Binsenweisheit besagt im Wesentlichen, dass kein Krieg dem n\u00e4chsten gleicht, d<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Weinberger_Doctrine\">a man die Lektionen des vorangegangenen anwenden wird<\/a>. Es stimmt nat\u00fcrlich, dass jeder neue Konflikt in vielerlei Hinsicht einzigartig sein wird. Nur scheint diese Lektion eigentlich allzu offensichtlich, als dass sie fortlaufend wiederholt werden m\u00fcsste. Es ist daher bemerkenswert, wie schnell viele der R\u00fcckblicke, die in den vergangenen Tagen ver\u00f6ffentlicht wurden (im deutschen wie im englischen Sprachraum), auf diese Lektion pochen: \u201eIrak war ein Fehler, ABER&#8230;\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eine rhetorische Strategie, die auszusagen scheint, dass man nun zwar den Irakkrieg verurteilt, dass dies einen jedoch nicht zum naiven Pazifisten wandelt. Somit h\u00e4lt man sich die M\u00f6glichkeit offen, auch in k\u00fcnftigen Konflikten die milit\u00e4rische Option bef\u00fcrworten zu k\u00f6nnen. Krieg muss, nach dieser Vorstellung und frei nach Clausewitz, stets eine Option im Handlungsspielraum der Politik bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So ist aus vielen derartigen Kommentaren ebenfalls die Sorge herauszulesen, dass eine Neuauflage des \u201eVietnam-Syndroms\u201c, ein Irak\/Afghanistan-Syndrom, den Vereinigten Staaten eine neo-isolationistische Phase bescheren k\u00f6nnte. <a href=\"https:\/\/m.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/naher-osten\/irakkrieg-mission-erfuellt-12121008.html\">In der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em> kann man etwa lesen<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cWeil der Ertrag im Vergleich zu den Kosten so viel geringer ausgefallen ist als erhofft und vorhergesagt, werden die Vereinigten Staaten k\u00fcnftig eine gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung \u00fcben. Die Rolle, die sie im Libyen-Krieg spielten, und das Z\u00f6gern im Syrien-Konflikt zeigen das schon. \u201eNur\u201c um der Demokratie willen wird Amerika vermutlich nicht noch einmal in einen Krieg im ohnehin aufgew\u00fchlten Arabien ziehen. Diesen Idealismus &#8211; oder neokonservativen Furor &#8211; wird es so bald nicht wieder aufbringen. Fragt sich nur, ob die Weltmacht da nicht von einem Extrem ins andere f\u00e4llt.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Da die Frage ja nun im Raume steht, ob die USA in ein Extrem des Isolationismus oder einer zaghaften Au\u00dfenpolitik verf\u00e4llt, mag hierauf eine Antwort gegeben werden: nein, das tut sie nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es lie\u00dfe sich <a href=\"https:\/\/www.pbs.org\/newshour\/rundown\/2013\/02\/debt-deficits-and-the-defense-budget.html\">der Haushalt des Verteidigungsministeriums erw\u00e4hnen<\/a>, der allen Sparforderungen und K\u00fcrzungen zum Trotz enorm bleibt. Man k\u00f6nnte auf <a href=\"https:\/\/drones.pitchinteractive.com\/\">die aggressive Dronenpolitik der Obama Regierung verweisen<\/a>. Man k\u00f6nnte anmerken, wie marginalisiert isolationistische Ansichten von Links wie von Rechts, sowohl im Kongress, als auch im Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf sind. Man kann erkl\u00e4ren, dass mit Chuck Hagel nun zwar kein Neocon \u00e0 la Bush II das Pentagon leiten soll, <a href=\"https:\/\/www.newrepublic.com\/blog\/plank\/111777\/dont-believe-what-republicans-say-about-the-foreign-policy-mainstream\">sehr wohl aber ein Republikaner der alten Realistenschule \u00e0 la Bush I<\/a>, und dass diese zwar f\u00fcr einen besonneneren Umgang mit der milit\u00e4rischen Macht der USA stehen; man ihnen Pazifismus oder anti-imperialistische Tendenzen deswegen allerdings noch lange nicht vorwerfen k\u00f6nnte. Kurzum: wer von den Vereinigten Staaten Isolationismus erwartet oder bef\u00fcrchtet, hat nicht richtig aufgepasst.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Derartige Einsch\u00e4tzungen, die sich um die Zukunft milit\u00e4rische Mittel als legitimes Instrumentarium der Politik sorgen, beschr\u00e4nken sich allerdings nicht nur auf die USA. <a href=\"https:\/\/magazin.spiegel.de\/reader\/index_SP.html#j=2013&amp;h=13&amp;a=91675468\">Wie man als deutscher SPIEGEL-Leser dieser Tage \u00fcber sich erfahren kann<\/a>, ist man m\u00f6glicherweise gar von einem \u201eTrauma\u201c befallen, dass einen den Krieg auf ewig unappetitlich gemacht haben k\u00f6nnte (<em>Nr. 23\/ 25.3.13<\/em>; S. 20-26). Nach diesem Narrativ ist man als deutscher Kriegsgegner nicht etwa rationaler Akteur, sondern ein allzu zaghaftes Opfer der eigenen Sozialisation. Im SPIEGEL fallen gewichtige Worte wie \u201eB\u00fcndnistreue\u201c und \u201einternationale Verantwortung\u201c, w\u00e4hrend Gegnern milit\u00e4rischer Eins\u00e4tze mal Populismus, mal Opportunismus, mal eine Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber der Bundeswehr und deutschen Soldaten oder anderer Zivilbev\u00f6lkerungen unterstellt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Fazit des Verfassers: Was l\u00e4sst sich lernen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Irak ist nicht Syrien, Syrien nicht Libyen und Iran nicht Irak. Das stimmt nat\u00fcrlich. Wer das betonen will, soll dies ruhig tun und bestenfalls gleich eine Reihe relevanter Unterschiede aufzeigen und erkl\u00e4ren. Als argumentativer Ausgangspunkt kann dies durchaus zu interessanten und wichtigen Erkenntnissen f\u00fchren.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Genauso stimmt es im \u00dcbrigen, dass weder Hussein, noch Gaddafi, weder Kim Jong Il noch Un, weder Assad noch Ahmadinedschad Neuauflagen von Hitler sind, und dass diplomatische Beziehungen nicht automatisch Appeasement \u00e0 la Chamberlain darstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kein Krieg gleicht dem n\u00e4chsten. Es soll an dieser Stelle dennoch eine weitere Schlussfolgerung angeboten werden, die sich aus dem Irakkrieg ziehen l\u00e4sst. Denn allgemeine Lektionen sollten sich trotz aller Unterschiede lernen lassen, aus Kriegen, die vermeidbar waren, f\u00fcr Kriege, die vermeidbar sind:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Milit\u00e4rische Interventionen \u2013 Kriege \u2013 sind schnell begonnen, haben jedoch unvorhersehbare und oftmals unerw\u00fcnschte Konsequenzen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Aus dieser unverf\u00e4nglichen Einsch\u00e4tzung lie\u00dfe sich sodann die Schlussfolgerung ziehen, dass milit\u00e4rischen Interventionen mit <em>grunds\u00e4tzlicher<\/em> Skepsis zu begegnen ist. Es lassen sich hier kategorische Unterschiede feststellen. Daher ist das gesamte Spektrum nicht-milit\u00e4rischer Handlungsspielr\u00e4ume auf einer vollkommen anderen Skala zu platzieren als die M\u00f6glichkeiten, die milit\u00e4rische Intervention bieten. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vom_Kriege#Die_Achse_von_Zweck.2C_Ziel_und_Mittel\">Die gefl\u00fcgelten Worte preu\u00dfischer Gener\u00e4le<\/a>, m\u00fcssen keinesfalls von einem Jahrhundert ins n\u00e4chste geschleppt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ist es also wirklich sinnvoll, sich gemeinsam mit dem SPIEGEL zu sorgen, wann Deutschland denn endlich wieder Krieg f\u00fchren kann wie eine \u201anormale\u2019 Nation? Oder sich vor einem imaginierten Infekt, einem pazifistischen \u201eSyndrom\u201c zu f\u00fcrchten, das die USA befallen k\u00f6nnte?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Oder ist es nicht vielleicht doch sinnvoller, eine wachsame \u00d6ffentlichkeit zu pflegen, die in der Form von Journalisten, Akademikern, Politikern und Akteuren der Zivilgesellschaft\u00a0<em>grunds\u00e4tzlich<\/em> skeptisch bleibt, wenn Krieg notwendig erscheint? Pazifismus ist in diesem Sinne nichts, wof\u00fcr man sich sch\u00e4men sollte \u2013 im Gegenteil.<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<blockquote><p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Ferguson schreibt: \u201cBelieving it was his role to repudiate neoconservatism, Obama completely missed the revolutionary wave of Middle Eastern democracy\u2014precisely the wave the neocons had hoped to trigger with the overthrow of Saddam Hussein in Iraq.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<blockquote>\n<div style=\"text-align: justify\">\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Auch aus anderen Gr\u00fcnden ist das Wort \u201eExtrem\u201c hier problematisch. So hat beispielsweise der Pr\u00e4zedenzfall Irak, das Spektrum der amerikanischen Au\u00dfenpolitik erweitert, statt, wie hier impliziert, sich eines vorher theoretisch existierendes \u201eExtrems\u201c bedient. Journalistische Reduktion hin oder her, wer nun Obama im Vergleich zu Bush als \u201eweniger extrem\u201c beschreiben will, kann dies sicherlich tun, ihn als \u201edas andere Extrem\u201c auf einer imaginierten Skala au\u00dfenpolitischer Standpunkte zu platzieren, wird weder Bush noch Obama noch den au\u00dfenpolitischen Traditionen der Vereinigten Staaten gerecht.<\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<div>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Thomas Grevens <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2013\/02\/04\/mali-ist-nicht-afghanistan-warum-die-usa-frankreich-und-mali-starker-unterstutzen-sollten\/\">Erkl\u00e4rungen zu Mali und wichtigen Unterschieden zu Afghanistan<\/a> sind ein relevantes und gelungenes Beispiel hierf\u00fcr.<\/p>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Curd Kn\u00fcpfer 19. 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