{"id":786,"date":"2013-05-05T15:34:11","date_gmt":"2013-05-05T13:34:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/?p=786"},"modified":"2013-05-05T15:35:11","modified_gmt":"2013-05-05T13:35:11","slug":"besprechung-von-koschut-simon-kutz-magnus-sebastian-hrsg-die-ausenpolitik-der-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/jfkpol\/2013\/05\/05\/besprechung-von-koschut-simon-kutz-magnus-sebastian-hrsg-die-ausenpolitik-der-usa\/","title":{"rendered":"Besprechung von Koschut &amp; Kutz (Hrsg.): Die Au\u00dfenpolitik der USA"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: justify\"><strong>Koschut, Simon \/ Kutz, Magnus-Sebastian (Hrsg.): Die Au\u00dfenpolitik der USA. Theorie \u2013 Prozess \u2013 Politikfelder \u2013 Regionen. Verlag Barbara Budrich UTB, Opladen &amp; Toronto 2012, 297 S.<\/strong><\/h5>\n<p style=\"text-align: justify\">Herausgeber von Anthologien haben die Aufgabe, die Autorenschar inhaltlich, formal und stilistisch beieinander zu halten. Bei dem explizit als \u201eLehr- und Handbuch\u201c und \u201eNachschlagewerk\u201c zur US-Au\u00dfenpolitik (S. 11) konzipierten Band von Koschut (Akademischer Rat an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg) und Kutz (Referent der Senatorin f\u00fcr Stadtentwicklung in Hamburg) ist es den Herausgebern nur zum Teil gelungen, die Qualit\u00e4tsschwankungen einzuhegen. Trotz der Verwendung einer \u201estringente[n] didaktische[n] Schablone\u201c (S. 12) entsteht der Eindruck, dass es wenig redaktionelle Eingriffe gegeben hat. Ein Lektorat hat offensichtlich auch nicht stattgefunden, wie heute leider oft \u00fcblich, ansonsten ist nicht zu erkl\u00e4ren, wie die st\u00f6rende Verwendung von reichlich F\u00fcll- und Spreizw\u00f6rtern (\u201eungeheuer komplex\u201c, \u201eBedeutung und Wesentlichkeit von Theorie\u201c, S. 17; immer wieder \u201enat\u00fcrlich\u201c etc.) durchgegangen ist. Die interne Verweispraxis ist ebenso uneinheitlich wie die Anlage der Literaturverweise und \u00dcbungsfragen; dagegen ist der Index hilfreich und gelungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Leider beschr\u00e4nken sich die Unsauberkeiten nicht auf die formalen Aspekte, auch bei den Inhalten sehe ich einige Probleme. Anhand von vier Spannungsfeldern soll der Leser in den vier im Untertitel genannten Bl\u00f6cken an die US-Au\u00dfenpolitik herangef\u00fchrt werden: \u201eKontinuit\u00e4t und Wandel\u201c, \u201eKonflikt und Konsens\u201c, \u201eMacht und Moral\u201c sowie \u201eInnen und Au\u00dfen\u201c (S. 10-11). Diese Zuspitzung und Ordnung ist gut begr\u00fcndet und grunds\u00e4tzlich geeignet, die \u201eblack box\u201c des einheitlichen Staatsakteurs aufzuschlie\u00dfen und die f\u00fcr die Entstehung von Au\u00dfenpolitik relevanten politischen, \u00f6konomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Institutionen und Vorg\u00e4nge zu verstehen. Es ist auch unproblematisch, dass nicht alle Autoren ihr folgen k\u00f6nnen oder m\u00f6gen. In einzelnen Bereichen sind andere Zuspitzungen erforderlich. Doch wenn schon heterodoxe Theorieans\u00e4tze \u2013 von distanzierenden Fu\u00dfnoten abgesehen \u2013 nicht ber\u00fccksichtigt werden, muss der Leser zumindest erwarten k\u00f6nnen, dass kritische Aspekte und Fragen nicht ausgeblendet werden. Die Zentralit\u00e4t wirtschaftlicher Interessen und insbesondere der gro\u00dfe Einfluss international ausgerichteter Unternehmen, mit dem Ziel erst der Durchsetzung und dann der Aufrechterhaltung einer liberalen Weltwirtschaftsordnung, werden auch in der Mainstream-Forschung durchaus konstatiert, wie auch der Befund, dass die amerikanische Bev\u00f6lkerung dieser Politik kontinuierlich skeptisch gegen\u00fcber steht. Im vorliegenden Band wird diese Konstellation weder in den theoretischen Beitr\u00e4gen noch im Beitrag zu Interessengruppen (in dem der Autor ohnehin fast v\u00f6llig auf Think Tanks fokussiert) noch im Beitrag zur Au\u00dfenwirtschaftspolitik auch nur angesprochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Kapitel zu den zentralen Akteuren und Prozessen der US-Au\u00dfenpolitik enthalten reichhaltige Informationen. Einige Wiederholungen w\u00e4ren zu vermeiden gewesen, h\u00e4tte man die Beitr\u00e4ge z.T. integriert (insbesondere die zu Kongress und Pr\u00e4sident). Der Rolle des Supreme Court wird wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Insbesondere bei der Frage der \u201ewar powers\u201c gibt es einige Unsauberkeiten, z.B. wird auch f\u00fcr die Gegenwart von \u201eKriegserkl\u00e4rungen\u201c gesprochen, obschon diese mindestens seit Schaffung der Vereinten Nationen v\u00f6lkerrechtlich unzul\u00e4ssig sind. In manchen Beitr\u00e4gen dieses Blocks wird das Kopieren von Listen aus dem Internet \u00fcbertrieben; es hilft dem Leser kaum, die Vielzahl der Beh\u00f6rden kennenzulernen, aber wenig dar\u00fcber zu erfahren, welche Rolle sie in der Au\u00dfenpolitik spielen. Der Beitrag zum US-Milit\u00e4r stellt dieses in die Tradition demokratischer Grundwerte, ohne dies n\u00e4her auszuf\u00fchren oder zu begr\u00fcnden. Fragen von \u201eclass\u201c und \u201erace\u201c bei der Zusammensetzung der Armee kommen nicht vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch in den Bl\u00f6cken zu verschiedenen Politikfeldern und Regionen liefern einige Beitr\u00e4ge eine F\u00fclle von Informationen. Gleichwohl finden sich weitere Leerstellen. Im Beitrag zur F\u00f6rderung von Demokratie und Menschenrechten kommen weder die wirtschaftlichen Interessen der USA vor, d.h. die Schaffung offener M\u00e4rkte, noch entwicklungs- und demokratiepolitische Diskussionen z.B. zur Sinnhaftigkeit des amerikanischen Fokus auf freie Wahlen als wesentlichem Kriterium f\u00fcr Demokratie, oder zur Frage, ob die Unterst\u00fctzung des Selbstbestimmungsrechts der V\u00f6lker, von Woodrow Wilson ebenso prominent propagiert wie die Demokratie, nicht st\u00e4rker in den Vordergrund der US-Au\u00dfenpolitik geh\u00f6rt. Unsinnig scheint mir die Einsch\u00e4tzung im Kapitel zu Internationalen Organisationen, \u201eparty politics <em>starts<\/em> at the water\u2019s edge\u201c (S. 213, Betonung dort). Ganz sicher existiert der partei\u00fcbergreifende au\u00dfenpolitische Konsens, der die USA w\u00e4hrend des Kalten Krieges gepr\u00e4gt hat, nicht mehr (eine neue Erkenntnis ist dies wahrlich nicht), aber es ist deutlich, dass der Streit um die Au\u00dfenpolitik nicht hauptverantwortlich f\u00fcr die gesellschaftliche und politische Polarisierung ist, die die USA seit Jahren pr\u00e4gt. Im Beitrag zur Public Diplomacy wird die weltweite \u201eNeubetrachtung\u201c der USA seit der Wahl Obamas hervorgehoben (S. 226). Erstaunlich ist, dass weder hier noch an anderer Stelle im Band die Kontinuit\u00e4tslinien zur umstrittenen Politik von George W. Bush ausf\u00fchrlich diskutiert werden. Insbesondere fehlt eine Auseinandersetzung mit den auch v\u00f6lkerrechtlich problematischen Drohneneins\u00e4tzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Koschut, Simon \/ Kutz, Magnus-Sebastian (Hrsg.): Die Au\u00dfenpolitik der USA. Theorie \u2013 Prozess \u2013 Politikfelder \u2013 Regionen. Verlag Barbara Budrich UTB, Opladen &amp; Toronto 2012, 297 S. Herausgeber von Anthologien haben die Aufgabe, die Autorenschar inhaltlich, formal und stilistisch beieinander zu halten. 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