{"id":57,"date":"2009-10-15T15:08:20","date_gmt":"2009-10-15T13:08:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/?p=57"},"modified":"2009-10-30T22:20:00","modified_gmt":"2009-10-30T20:20:00","slug":"%e2%80%9etsuhallyu%e2%80%9c-medienpolitik-der-sudkoreanischen-regierung-schlagt-wellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/2009\/10\/15\/%e2%80%9etsuhallyu%e2%80%9c-medienpolitik-der-sudkoreanischen-regierung-schlagt-wellen\/","title":{"rendered":"\u201eTsuhallyu\u201c? Medienpolitik der s\u00fcdkoreanischen Regierung schl\u00e4gt Wellen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eHallyu\u201c ist ein Begriff aus dem Koreanischen, hei\u00dft so viel wie \u201ekoreanische Welle\u201c und meint damit den Erfolg s\u00fcdkoreanischer Popul\u00e4rkultur wie Musik, Film und Produkte wie Autos, Mobilfunktelefone\u00a0 und \u00e4hnliche Erzeugnisse in Asien und der Welt. Nicht nur koreanische Beobachter sehen eine Welle der Begeisterung \u00fcber s\u00fcdkoreanische Kulturprodukte \u00fcber den Globus schwappen.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste und beeindruckenste Schaumkrone der Welle ist der Ritterschlag f\u00fcr Schauspielerin <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Jeon_Do-yeon\" target=\"_blank\">Jeon Do-yeon<\/a>(\u201eSecret Sunshine\u201c, 2007; \u201eBeste Schauspielerleistung\u201c) von der franz\u00f6sischen Regierung. Immer h\u00e4ufiger stehen Schauspieler, S\u00e4nger und andere Entertainer des Landes im internationalen Rampenlicht. In S\u00fcdkorea ist man auf seine kulturellen Botschafter stolz. Das Image und die Tourismusbranche des Landes profitiert am meisten von der Welle.<\/p>\n<p>Umso gel\u00e4hmter reagiert die \u00d6ffentlichkeit auf die Welle von Entlassungen bekannter und beliebter Entertainer des s\u00fcdkoreanischen Rundfunks und Fernsehens seit dem Amtsantritt Pr\u00e4sident Lee Myung-Baks Anfang des vergangenen Jahres.<\/p>\n<p>Die Verantwortlichen dementieren zwar jegliche politische Motivation, doch in Presse und Internet wird bereits eine hei\u00dfe Debatte \u00fcber die tats\u00e4chlichen Hintergr\u00fcnde gef\u00fchrt. Auch bei den zur Zeit stattfindenden Untersuchungen der Administration durch das Parlament wurden die Personalien zum Politikum.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #333333\">Komiker Kim in der Hauptrolle einer Trag\u00f6die<\/span><\/strong><\/p>\n<p>J\u00fcngstes Opfer der Entlassungen im Medienbereich ist der Entertainer Kim Je Dong, der am vergangenen 12. Oktober die letzte Folge seiner Fernsehsendung \u201eStar \u2013 Golden Bell\u201c aufnahm. Einige Tage zuvor hatte Herr Kim erfahren, dass ihn sein Sender KBS nicht mehr\u00a0besch\u00e4ftigen wolle. Vermutungen legen nahe, dass Komiker Kim zum Verh\u00e4ngnis wurde, dass er sich in letzter Zeit in ein anderes Licht der \u00d6ffentlichkeit gestellt hatte. Er hatte bei den Trauerfeiern zum Tod des vorigen Pr\u00e4sidenten Roh Moo Hyun die Moderation \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hatte er sich \u201ekritisch\u201c (?) dazu ge\u00e4u\u00dfert,\u00a0dass\u00a0eine Zwangsr\u00e4umungsaktion in einem Seouler Bezirk schlie\u00dflich zu Toten gef\u00fchrt hatte. Im Mai hatten sich die Bewohner gestr\u00e4ubt, ihre Wohnungen zu verlassen, um teuren Neubauten Platz zu machen. Sie wurden in einer sehr fragw\u00fcrdigen Nacht-und-Nebelaktion eines Sonderkommandos der Polizei \u00fcberw\u00e4ltigt, bei dem es zu dem Ungl\u00fcck kam.<\/p>\n<p>Auch die gro\u00dfe Streikaktion der Fabrikarbeiter des Automobilherstellers Ssangyong im vergangenen Sommer hatte Herr Kim auf seinem pers\u00f6nlichen Blog erw\u00e4hnt. Die Teilnahme an der Gr\u00fcndungsfeier der Roh Moo Hyun-Stiftung am 9. Oktober hatte wahrscheinlich das Fass zum \u00dcberlaufen gebracht.<\/p>\n<p>Der neue Chefintendant von KBS, Lee Byeong Sun, bestritt zwar, dass politische Motive oder sogar \u201epolitische Vergeltung\u201c hinter der Entscheidung gestanden h\u00e4tten, die \u00d6ffentlichkeit jedoch scheint ihre Zweifel zu haben. Die GNP-Abgeordnete Na Gyeong Won hatte in einer Anh\u00f6rung Intendant Lee gefragt, ob Herr Kim gefeuert worden war, weil er auf der Trauerfeier f\u00fcr den ehemaligen Pr\u00e4sidenten Roh \u201elinke Aussagen gemacht hat\u201c.<\/p>\n<p>Daraufhin ging ein Sturm der Entr\u00fcstung durch die Editorials und Internetforen, warum man versuche, einen Entertainer in politische Auseinandersetzung hineinzuziehen, die sich eindimensional auf fragw\u00fcrdigen Bewertungen von \u201elinks\u201c oder \u201erechts\u201c bewegten.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung des Senders ist banal. Herr Kim habe die Sendung f\u00fcnf Jahre lang moderiert \u2013 das sei lang genug. \u00c4hnliche Begr\u00fcndungen hatte man vor einiger Zeit auch f\u00fcr den Rocks\u00e4nger Yun Do Hyeon vorgeschoben, der seine Fernsehsendung \u201eLoveletter\u201c (KBS 2 TV) und seine Radiosendung \u201eYun Do Hyeons Musikshow\u201c (KBS FM) abgeben musste. \u00dcber seinen Kollegen sagte Yun in einem j\u00fcngsten Interview, er h\u00e4tte ihn einmal davor gewarnt, dass ihn dasselbe Schicksal wie ihn ereilen k\u00f6nne, wenn er nicht vorsichtiger sei.<\/p>\n<p>Bereits im Oktober 2008 musste S\u00e4nger und Moderator Shin Hae Cheol seine Radiosendung \u201eShin Hae Cheol\u00b4s Gost Station\u201c beim Sender SBS aufgeben. Da Shin bereits 2004 auf Protestkundgebungen gegen den Versuch einer Amtsenthebung des damaligen Pr\u00e4sidenten Roh Moo Hyun durch rechtskonservative Kr\u00e4fte \u201enegativ aufgefallen\u201c war, waren vielen bereits im letzten Jahr klar, dass Shin nicht, wie er damals noch besch\u00f6nigte, der Sendung \u201em\u00fcde geworden\u201c war , sondern tats\u00e4chlich der Sender ihn entlassen hatte.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #333333\">Maulkorb f\u00fcr sozial engagierte Medienmenschen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Auch die allbekannte Schauspielerin Kim Min Seon (\u201e<a href=\"https:\/\/kpculture.wordpress.com\/2009\/04\/27\/ogamdo-an-introduction\/\" target=\"_blank\">Ogamdo<\/a>\u201c 2009) bekam den neuen Gegenwind der rechtskonservativen Regierungspartei GNP und rechtsradikalen B\u00fcrgergruppen deutlich zu sp\u00fcren. Grund war, dass sie sich vor Kurzem auf ihrer pers\u00f6nlichen Internetseite zum Rindfleischskandal vom vergangenen Jahr \u00e4u\u00dferte, der zu Massendemonstrationen gegen die Politik der Lee-Regierung gef\u00fchrt hatte.\u00a0<\/p>\n<p>Die f\u00fcr ihre st\u00fcrmischen Kommentare bekannte rechtskonservative \u201eeiserne Lady\u201c, die GNP-Politikern Jeon Yeo Ok, hatte den Angriff auf die Schauspielerin eingeleitet, als sie die pers\u00f6nlichen Eintr\u00e4ge der Schauspielerin zum Politikum machte.<\/p>\n<p>Bereits im April hatte die Radiomoderatorin und Komikerin Kim Mi Hwa des Senders MBC (\u201eDie Welt und wir\u201c) die neuen Tendenzen zu sp\u00fcren bekommen, als rechtskonservative, regierungsparteinahe Gruppen Druck aus\u00fcbten, um sie absetzen zu lassen. Als Hintergrund der Anfeindungen vermutete man die Tatsache, dass Frau Kim aktiv an den Kerzendemonstrationen des vergangenen Jahres teilgenommen hatte.<\/p>\n<p>Im Juli 2008, als t\u00e4glich Kerzendemonstrationen in der Seouler Innenstadt und vielen anderen St\u00e4dten des Landes stattfanden, hatte der damals gerade frische Kulturminister Yu In Chon, seines Zeichens ehemaliger Volksschauspieler, seine Kollegen aufgerufen, nun endlich ihre Teilnahme an den Kerzendemonstrationen einzustellen und an ihre Arbeitspl\u00e4tze zur\u00fcck zu kehren. Viele Celebrities hatten als \u201eB\u00fcrger\u201c an den Protestkundgebungen teilgenommen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #333333\">Kritische Politprogramme werden ab-, Redakteure versetzt<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Opfer der Entlassungwelle in der Medienlandschaft beschr\u00e4nken sich jedoch nicht auf den Berufsstand der klassischen Entertainer. Kurz nachdem die neue Regierung f\u00fcr eine neue Leitung beim Nachrichtensender YTN gesorgt hatte, wurde Redakteur Im Jang Hyeok zwangsversetzt.\u00a0 Seit Jahren war Herr Im f\u00fcr die Rubrik \u201e<a href=\"https:\/\/www.ytn.co.kr\/movnews\/dolbal.html\" target=\"_blank\">Dolbalyeongsang<\/a>\u201c beim Sender zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Hier wird Videomaterial zusammengeschnitten, das es nicht in die Nachrichten geschafft hat, aber \u00fcber Politik und Gesellschaft umso mehr aussagt. Auf unterhaltsame Weise werden dem Zuschauer Tatsachen pr\u00e4sentiert, mit denen er sich seine eigene Meinung bilden kann. Nachdem Herr Im diese Zwangspause eingelegt hatte, nahm er seine Arbeit wieder auf, nur um kurze Zeit sp\u00e4ter f\u00fcr zwei Monate erneut suspendiert zu werden. Begr\u00fcndung: er habe die Regierung einseitig kritisiert.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr das Politmagazin \u201eSisa 360\u201c verantwortliche Produzent vom Fernsehsender KBS, Hong Seong Hyeob, musste ebenfalls f\u00fcr seinen Investigativ-Journalimus b\u00fc\u00dfen. Er wurde zur KBS-Abteilung auf der Insel Jeju versetzt \u2013 weiter weg von Seoul und der Zentrale des Senders geht es nicht.<\/p>\n<p>Auch die Politsendung \u201eSisa Tonight\u201c (KBS 2TV), die aktuelle Entwicklungen aus Politik und Gesellschaft kritisch unter die Lupe nahm, wurde bereits im November letzten Jahres aus dem Programm gestrichen. Das Magazin \u201eMediafocus\u201c (KBS), ehemals bekannt f\u00fcr kritische Analysen \u00fcber Medienberichterstattung, wurde Ende vergangenen Jahres stark ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Hintergrund ist der Wechsel am Ruder der Sendeanstalt. Auf Treiben dem neuen Pr\u00e4sidenten Nahestehender wurde Jeong Yeon Ju, der ehemalige Chefintendant von KBS, kurzerhand ab- und der regierungsfreundliche Lee Byeong Sun eingesetzt. Die f\u00fcr solche Personalentscheidung verantwortlichen Gremien wurden mit zwielichtigen Methoden gef\u00fcgig gemacht.<\/p>\n<p>Eingeleitet jedoch wurde der Sturz des \u201elinken\u201c Chefs, der den neuen Machthabern im Blauen Haus offensichtlich ein Dorn im Auge war, von rechtskonservativen Gruppen, die Jeong wegen angeblicher Dienstvergehen angezeigt haben. Nach Monaten Prozedieren wurde Jeong jedoch Ende August schlie\u00dflich von allen Anklagepunkte freigesprochen. F\u00fcr die Regierungskritiker ein klarer Beweis daf\u00fcr, dass es bei der Personalie lediglich um die Machtergreifung im wichtigsten Rundfunkhaus des Landes ging.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #333333\">Kritische Meinungsmacher bekommen Gegenwind deutlich zu sp\u00fcren<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Auch Professor Son Seok Heui, der seit Langem die erfolgreiche Diskussionssendung \u201e100-Minuten-Debatte\u201c (MBC) moderiert, wird allen Anzeichen nach schon bald seinen Hut nehmen m\u00fcssen. Offiziell geht die geplante Personalie auf die Programmumgestaltung, die zweimal im Jahr vorgenommen wird, zur\u00fcck. Inoffiziell wird jedoch vermutet, dass seinen Vorgesetzten die Zunge ihres smarten Moderators zu spitz sei.<\/p>\n<p>Der ehemalige Vorsitzende der GNP, Hong Jun Pyo, sch\u00fcrte die Atmosph\u00e4re weiter, als er in einem Liveinterview \u00c4u\u00dferungen machte, die darauf anspielten, dass die geplante Entlassung Sons wegen \u00fcberh\u00f6hter Gagenforderungen seinerseits zu Stande gekommen sei. Sons Talk-Sendung beim Radiosender von MBC, \u201eIm Blick\u201c, wird er fortf\u00fchren k\u00f6nnen \u2013 bis auf Weiteres.<\/p>\n<p>Professor Kim Yong Min, der f\u00fcr den Radiosender von CBS das Politmagazin \u201eSisa Jockey\u201c moderiert, ist bisher noch mit relativ leichten Einschr\u00e4nkungen davongekommen. Er hatte eine seiner Sendungen wie folgt eingeleitet:<\/p>\n<p>\u201ePr\u00e4sident Lee ist \u00b4Kirchen\u00e4ltester\u00b4 und repr\u00e4sentativster Pro-Amerikaner. Er wird au\u00dferdem daf\u00fcr kritisiert, dass er sich zudem mit projapanischen Kollaborateuren zusammengetan und seine politischen Feinde politisch ermordet zu haben. Des Weiteren pervertierte sich die Politik von Tag zu Tag, weil er die Opposition nicht anerkennen wollte; er ist von Speichelleckern umgeben. Demonstrationen gegen die Regierung hat er mit Polizeigewalt\u00a0 brutal unterdr\u00fcckt. Geendet hat dies schlie\u00dflich, als er aus dem Amt getrieben wurde.\u201c<\/p>\n<p>Nach einer kleinen Kunstpause beendete der Moderator seine Einleitung mit den Worten: \u201eMit Pr\u00e4sident Lee ist hier Pr\u00e4sident Rhee Syng Man gemeint.\u201c Daraufhin musste Professor Kim f\u00fcr die Zukunft g\u00e4nzlich auf seine Einleitung verzichten.<\/p>\n<p>Professor Jin Jung Gwon ist ein weiterer Fall, der vielerseits mit in diese j\u00fcngste Personalpolitik gestellt wird. Professor Jin war am Fachbereich f\u00fcr Germanistik\u00a0 der ChungAng Universit\u00e4t angestellt, vor Kurzem wurde ihm jedoch der Arbeitsvertrag mit der Begr\u00fcndung nicht verl\u00e4ngert, er h\u00e4tte formelle Voraussetzungen nicht erf\u00fcllt. Die Mehrheit jedoch vermutet politische Absichten der Universit\u00e4tsleitung dahinter. Der umstrittene Pr\u00e4sident der Hochschule, Park Beom Hun, ist ein enger Vertrauter aus dem Umfeld des Wahlkampf-Teams von Pr\u00e4sident Lee Myung Bak.<\/p>\n<p>Professor Jin hingegen ist einer der bekanntesten und sch\u00e4rfsten Kritiker in der s\u00fcdkoreanischen Gesellschaft. Mit der neuen Regierung und besonders mit dem Rindfleischskandal letzten Jahres war Jin wieder auf die \u00f6ffentliche B\u00fchne zur\u00fcckgekehrt, nachdem er sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zur\u00fcckgezogen und auf seine akademische Arbeit beschr\u00e4nkt hatte. Auch seine Lehrauftr\u00e4ge an anderen Universit\u00e4ten wurden ihm in der Folge gestrichen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #333333\">Werden die Medien \u201eerobert\u201c und \u201egleichgeschaltet\u201c?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Alle diese Beispiele sind Teil einer zweiten Welle von Personalien in der Medienlandschaft. Anfang letzten Jahres, kurz nach dem Amtsantritt Lee Myung Baks, wurden zun\u00e4chst (in einer ersten Welle) die Intendanten der wichtigsten Fernsehanstalten ausgewechselt. Weitere Personalreformen sorgten daf\u00fcr, dass die Gremien, die f\u00fcr Personal und Inhalte zust\u00e4ndig sind, so zusammengesetzt sind, dass regierungsnahe Mitglieder die Mehrheit haben.<\/p>\n<p>Die rechtskonservative Regierungspartei GNP, die eine deutliche Mehrheit im Parlament hat, hat Gesetze erlassen, die eine strenge Internetzensur zulassen. J\u00fcngst wurde das sogenannte Mediengesetz \u201edurchgepeitscht\u201c, wonach Gro\u00dfunternehmen und gro\u00dfen (fast ausschlie\u00dflich rechtskonservativen) Zeitungsh\u00e4usern der Zugang zum Fernsehmarkt zug\u00e4nglich gemacht wird.<\/p>\n<p>Austausch der Intendanten, Absetzen von kritischen Sendungen, Entlassung von Journalisten, Erlassung von die Meinungsfreiheit gef\u00e4hrdenden Gesetzen \u2013 viele sehen in diesen Entwicklungen eine gezielte Medienpolitik der \u201eGleichschaltung\u201c seitens der Regierung, die unter dem \u201eSchock\u201c der Kerzendemonstrationen des vergangenen Jahres leide.<\/p>\n<p>Ein j\u00fcngster <a href=\"https:\/\/www.hani.co.kr\/arti\/opinion\/column\/381738.html\" target=\"_blank\">Kommentar<\/a>fast diese Ansicht wie folgt zusammen:<\/p>\n<p>\u201eDie Abteilung f\u00fcr Staatssicherheit wird wiederbelebt, die Bespitzelung von Zivilisten durch den milit\u00e4rischen Geheimdienst wird wieder aufgenommen und sogar die Mithaftungsregelung soll wieder eingef\u00fchrt werden. Nicht nur hat man das Mediengesetz durchgepeitscht, um die Rundfunkanstalten unter Kontrolle zu bekommen, sondern selbst kritische Medienmenschen aus dem Entertainmentbereich verjagt. Yun Do Hyeon und Shin Hae Cheol sind schon abgefertigt worden und nun war Kim Je Dong dran. Wenn das so weiter geht, werden wir die Auferstehung der \u201eDdaengjeon News\u201c der 80er Jahre wiedererleben.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Kommentar spiegelt eine Seite der Debatte wieder. Obgleich selbst die <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/cms\/s\/0\/924aedb2-a900-11dc-ad9e-0000779fd2ac.html?nclick_check=1\" target=\"_blank\">Financial Times<\/a> fr\u00fch davor warnte, das mit der Regierungspolitik Pr\u00e4sident Lees die \u201epolitische Uhr zur\u00fcckgedreht\u201c w\u00fcrde. Auf der anderen Seite der Debatte spricht man von \u201e\u00fcbertriebenen Anschuldigungen\u201c, \u201eVerschw\u00f6rungen gegen die Regierung\u201c und \u201eunn\u00f6tigem \u00dcberpolitisieren\u201c.\u00a0<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #333333\">Die Trag\u00f6die der s\u00fcdkoreanischen Politik: nur mit liebsamen Kom\u00f6dianten<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Dass hier eine eindeutige \u00dcberpolitisierung stattfindet, wird kein Beobachter von der Hand weisen k\u00f6nnen. Nur wer was mit welchen Absichten \u00fcberpolitisiert, dar\u00fcber l\u00e4sst sich streiten. In diesem Zusammenhang ist interessant, zur Kenntnis zu nehmen, dass es in F\u00e4llen anderer Medienmenschen, wie dem Komiker Shim Hyeon Seob, dem S\u00e4nger Kim Heung Guk oder dem Schauspieler Lee Cham zu keiner merklichen Politisierung gekommen\u00a0 war.<\/p>\n<p>Komiker Shim hatte bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2002 den rechtskonservativen Kandidaten Lee Hoi Chang \u00f6ffentlich und aktiv unterst\u00fctzt, hat aber keine merklichen Nachteile im Nachhinein erfahren, obgleich Lees scharfer Kontrahent Roh Moo Hyun Pr\u00e4sident geworden war.<\/p>\n<p>S\u00e4nger Kim, der den Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Jeong Mong Jun unterst\u00fctzt hatte, der sich kurz vor der Wahl mit Roh Moo Hyun auf eine gemeinsame Kandidatur geeinigt hatte, um dann noch kurzfristiger wieder seine Kooperation aufzuk\u00fcndigen, sorgte 2005 f\u00fcr einen Skandal. In seinem Buch stellte er die Behauptung auf, dass die Meinungsumfrage, nach der schlie\u00dflich Roh zum gemeinsamen Kandidaten f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaft gew\u00e4hlt wurde, manipuliert worden sei. Dennoch erhielt Kim w\u00e4hrend der gesamten Zeit der Roh-Regierung Engagements beim Radiosender SBS und selbst bei Sitcoms der Fernsehanstalt MBC. Sp\u00e4ter wurde ihm sogar mit dem Ehrenamt des \u201eB\u00fcrgerbotschafters\u201c des Justizministeriums anvertraut.<\/p>\n<p>Lee Cham, ein eingeb\u00fcrgerter Deutscher, der seit Jahrzehnten in S\u00fcdkorea lebt und u.a. als Schauspieler erfolgreich ist, war w\u00e4hrend des Pr\u00e4sidentschaftswahlkampfes 2007 der Verantwortliche f\u00fcr das Kanalprojekt von Pr\u00e4sidentschaftskandidat Lee Myung Bak. Vor Kurzem wurde er als erster S\u00fcdkoreaner mit Migrationshintergrund zum Chef der staatlichen Tourismusagentur ernannt.<\/p>\n<p>Schaut man in die USA, wo sich bei Pr\u00e4sidentschaftswahlen h\u00e4ufig Schauspieler und andere Bekanntheiten einschalten, zeigt sich, dass den Betreffenden fast nie Nachteile durch ihre politische Partizipation entstehen. Im Gegenteil: zum Beispiel wurde die bekannte Schauspielerin und politische Aktivistin Jane Fonda 2005 zu einem Gala-Dinner ins Weisse Haus eingeladen, obgleich sie nur ein Jahr zuvor die Bush-Regierung \u00f6ffentlich heftig f\u00fcr die Irak-Invasion kritisiert hatte.<\/p>\n<p>Wie auch immer schlie\u00dflich die Bewertung der aktuellen Entlassungswelle in S\u00fcdkoreas Medienlandschaft ausfallen wird, zeigt sich jetzt schon, dass es sich um eine \u201eTsuhallyu\u201c handelt \u2013 eine tsunamiartige Entwicklung, bei sich der zuerst das Wasser gespenstisch ins Meer zur\u00fcckzieht, um dann mit voller Wucht f\u00fcr gro\u00dfe Verw\u00fcstung zu sorgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHallyu\u201c ist ein Begriff aus dem Koreanischen, hei\u00dft so viel wie \u201ekoreanische Welle\u201c und meint damit den Erfolg s\u00fcdkoreanischer Popul\u00e4rkultur wie Musik, Film und Produkte wie Autos, Mobilfunktelefone  und \u00e4hnliche Erzeugnisse in Asien und der Welt. Nicht nur koreanische Beobachter sehen eine Welle der Begeisterung \u00fcber s\u00fcdkoreanische Kulturprodukte \u00fcber den Globus schwappen. <\/p>\n<p>Die j\u00fcngste und beeindruckenste Schaumkrone der Welle, um bei dem bildlichen Vergleich zu bleiben, ist der Ritterschlag f\u00fcr Schauspielerin Jeon Do-yeon (\u201eSecret Sunshine\u201c, 2007; \u201eBeste Schauspielerleistung\u201c) von der franz\u00f6sischen Regierung. <\/p>\n<p>Immer h\u00e4ufiger stehen Schauspieler, S\u00e4nger und andere Entertainer des Landes im internationalen Rampenlicht. In S\u00fcdkorea ist man auf seine kulturellen Botschafter stolz. Das Image und die Tourismusbranche des Landes profitiert am meisten von der Welle. <\/p>\n<p>Umso gel\u00e4hmter reagiert die \u00d6ffentlichkeit auf die Welle von Entlassungen bekannter und beliebter Entertainer des s\u00fcdkoreanischen Rundfunks und Fernsehens seit dem Amtsantritt Pr\u00e4sident Lee Myung-Baks Anfang des vergangenen Jahres. Die Verantwortlichen dementieren zwar jegliche politische Motivation, doch in Presse und Internet wird bereits eine hei\u00dfe Debatte \u00fcber die tats\u00e4chlichen Hintergr\u00fcnde gef\u00fchrt. Auch bei den zur Zeit stattfindenden Untersuchungen der Administration durch das Parlament wurden die Personalien zum Politikum. <\/p>\n","protected":false},"author":421,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[486],"tags":[1140,1142,1098,1068,1082,116,1141,1079,1144,1143,1097,1146,1093,1145,1147],"class_list":["post-57","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","tag-celebrities","tag-je-dong","tag-kerzendemonstration","tag-korea","tag-myung-bak","tag-politik","tag-regierung","tag-sudkorea","tag-1144","tag-1143","tag-1097","tag-1146","tag-1093","tag-1145","tag-1147"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/users\/421"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=57"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":80,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/57\/revisions\/80"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kobserver\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}