{"id":114,"date":"2017-03-20T10:14:50","date_gmt":"2017-03-20T09:14:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/?p=114"},"modified":"2017-06-02T19:08:54","modified_gmt":"2017-06-02T17:08:54","slug":"rabea_kaas1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/rabea_kaas1\/","title":{"rendered":"Bek\u00e4mpfung der Drogenproblematik im Friedensabkommen"},"content":{"rendered":"<p><em>Von: Rabea Kaas (Masterstudiengang Interdisziplin\u00e4re Lateinamerikastudien, 4. Semester)<\/em><\/p>\n<p>Die Drogenproblematik ist eine der gro\u00dfen Herausforderungen f\u00fcr die internationale Gemeinschaft: Der Umsatz im weltweiten Drogengesch\u00e4ft wird auf <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/DE\/Aussenpolitik\/GlobaleFragen\/TerrorismusOK\/OK-Drogen\/Drogen_node.html\">320 Mrd. US-Dollar pro Jahr<\/a> gesch\u00e4tzt, illegaler Drogenhandel st\u00fctzt Strukturen der organisierten Kriminalit\u00e4t, wirkt auf besonders betroffene Staaten destabilisierend, gef\u00e4hrdet die \u00f6ffentliche Gesundheit und wird nicht zuletzt auch zur Finanzierung terroristischer Aktivit\u00e4ten genutzt. Nun soll das Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerrillaorganisation FARC-EP endg\u00fcltig eine L\u00f6sung f\u00fcr die Drogenproblematik finden. Dabei handelt es sich nicht nur um ein nationales Problem Kolumbiens, sondern um eine globale Herausforderung, die eine internationale Kooperation erfordert. Das Abkommen stellt eine gro\u00dfe Chance zur Beendigung der Drogenproblematik dar, jedoch kam es zu Entwicklungen die dessen Implementierung gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Im vierten Punkt des Friedensabkommen verpflichtet sich die Regierung, das manuelle Ausrei\u00dfen der Kokafelder voranzutreiben und das Bespr\u00fchen aus der Luft nur noch in Regionen durchzuf\u00fchren, die durch Verminung oder durch die Pr\u00e4senz bewaffneter Gruppen besonders gef\u00e4hrlich sind. Die FARC verpflichten sich, bei der <a href=\"https:\/\/www.elespectador.com\/noticias\/politica\/el-plan-piloto-del-desminado-articulo-548629\">Entminung<\/a> von Drogenanbaugebieten zu kooperieren und jegliche Verbindungen zum Drogengesch\u00e4ft aufzugeben. Der Schwerpunkt der neuen Drogenpolitik liegt auf dem freiwilligen Umstieg auf legale Anbauprodukte im Rahmen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/JuanManSantos\/status\/825042768548548610\">alternativer Entwicklungsprogramme<\/a>. Dadurch sollen vor allem die betroffenen Regionen profitieren. Bez\u00fcglich des Strafma\u00dfes ist eine Minderung f\u00fcr die schw\u00e4chsten Glieder der Produktionskette vorgesehen (etwa Kokabauern und Konsumenten). Das Abkommen sieht weiterhin einen Schutz der indigenen Traditionen vor, wodurch das Kauen von Kokabl\u00e4ttern straffrei bleiben soll. Weitere Schwerpunkte liegen auf Pr\u00e4vention, Konsum und \u00f6ffentlicher Gesundheit.<\/p>\n<p>Der Friedensprozess gilt als eine gro\u00dfe Chance, die Drogenproblematik Kolumbiens endlich zu beenden. Jedoch kam es in letzter Zeit zu Entwicklungen, die lange gef\u00fcrchtet waren und nun das Gelingen des Friedensprozesses gef\u00e4hrden: Besonders stark in den Drogenanbau und -handel involvierte Teile der FARC spalteten sich von der Guerillaorganisation ab, um das lukrative Gesch\u00e4ft weiterzuf\u00fchren. Im Dezember 2016 trennten sich f\u00fcnf Kommandos von der FARC in Guaviare, einem Gebiet das Teil einer wichtigen Handelsroute nach Venezuela und Brasilien bildet. Die abgespaltenen Guerilleros organisieren sich dort in einer neuen bewaffneten Gruppe mit \u00e4hnlichen Strukturen wie die BACRIM, um das Drogengesch\u00e4ft fortzuf\u00fchren. Damit unterliegen sie nicht mehr der zwischen Regierung und FARC ausgehandelten Waffenruhe. In anderen Gebieten, die von der FARC freigegeben und nicht von Dissidenten besetzt wurden, entstand dagegen ein Machtvakuum, das vom Staat h\u00e4tte gef\u00fcllt werden m\u00fcssen. Jedoch waren andere illegale bewaffnete Gruppen, wie etwa die ELN oder der Clan del Golfo, schneller. Ein besonders tragisches Beispiel stell die Gro\u00dfgemeinde <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/opinion\/articulo\/ariel-avila-la-tragedia-de-tumaco\/513763\">Tumaco<\/a> in Nari\u00f1o dar. Diese beherbergt die gr\u00f6\u00dfte Menge Kokabl\u00e4tter des Landes und die meisten Laboratorien. Mit seinem Hafen am Pazifik ist Tumaco zudem wichtiger Handelspunkt f\u00fcr Exporte nach Mittelamerika. Die Arbeitslosenquote ist sehr hoch. Jugendliche haben kaum Perspektive auf eine legale Anstellung. Aufgrund der mangelhaften Infrastruktur sind Bauern auf dem legalen Markt nicht wettbewerbsf\u00e4hig. Beiden Gruppen bleibt nur der Eintritt in das Kokaingesch\u00e4ft. Aufgrund der f\u00fcr das Drogengesch\u00e4ft vorteilhaften Bedingungen haben schon zahlreiche kriminelle Gruppierungen um das Gebiet gek\u00e4mpft. Die dortigen K\u00e4mpfe nahmen ein Ende, als die FARC zwischen 2012 und 2013 \u00fcber ihre Rivalen siegte. Dies f\u00fchrte schlie\u00dflich zu einem enormen R\u00fcckgang der Mordrate in Tumaco. Seit die Guerilla sich jedoch Anfang dieses Jahres in die Sammelzonen begeben hat, wird das Gebiet wieder umk\u00e4mpft und die Mordrate steigt. Neben dem Clan del Golfo und Dissidenten der FARC rivalisieren auch paramilit\u00e4rische Gruppen um Tumaco. Die dortige Gewalt, Bedrohung und Vertreibung brachten einige Anwohner der Gemeinde sogar dazu, die FARC um ihre R\u00fcckkehr zu bitten, damit sie das Gebiet erneut kontrollierten. Tumaco kennt alle bewaffneten Gruppen, die das Land je gesehen hat, nur der Staat zeigte dort nie Pr\u00e4senz.<\/p>\n<p>Seit November 2016 herrscht jedoch Ungewissheit \u00fcber den k\u00fcnftigen Umgang mit der kolumbianischen und internationalen Drogenproblematik. Der Grund hierf\u00fcr liegt im Wahlergebnis der US-Pr\u00e4sidentschaftswahl. Die USA sind nach wie vor ein wichtiger Akteur bei der Gestaltung der internationalen Drogenpolitik und haben damit enormen Einfluss auf Kolumbien. Der neue Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten Donald Trump ist fest entschlossen, den Drogenhandel in den Griff zu bekommen. Diesbez\u00fcglich k\u00fcndigte er ein hartes Vorgehen gegen die <a href=\"https:\/\/www.elcolombiano.com\/internacional\/eeuu\/decretos-de-donald-trump-para-luchar-contra-el-narcotrafico-YJ5902717\">mexikanischen Kartelle in den USA<\/a> an. Der Fokus der nordamerikanischen Anti-Drogen-Agenda liegt auf Mexiko und um diese durchzusetzen baut Trump auf die Unterst\u00fctzung Kolumbiens. Die USA und Kolumbien blicken auf viele Jahre der milit\u00e4rischen Kooperation w\u00e4hrend des Anti-Drogen-Krieges zur\u00fcck. Kolumbien nimmt mit seiner N\u00e4he zur nordamerikanischen Gro\u00dfmacht eine Sonderstellung inmitten des ansonsten distanzierten Lateinamerikas ein. Es scheint, als versuche Donald Trump durch eine Allianz mit Kolumbien seine geostrategischen Interessen im Kampf gegen den illegalen Drogenhandel durchzusetzen.<\/p>\n<p>Das Gelingen des Friedensprozesses und die damit einhergehende Beendigung der Drogenproblematik in Kolumbien liegt im Interesse der US-amerikanischen Regierung. Wenn es dem kolumbianischen Staat gelingt, die Gebiete, die von der FARC freigegeben werden, zu kontrollieren, bevor dies andere bewaffnete Gruppen tun, w\u00fcrden die mexikanischen Drogenkartelle geschw\u00e4cht und damit Trumps Vorhaben unterst\u00fctzt. Die mexikanischen Organisationen im Drogenhandel haben kriminelle Verbindungen nach Kolumbien, um von dort vor allem Kokain zu beziehen und dieses weiter in die USA zu schmuggeln. In den letzten Jahren waren die Hauptlieferanten der mexikanischen Kartelle die FARC, BACRIM und die ELN. Letztere befindet sich in Friedensverhandlungen mit der kolumbianischen Regierung und k\u00f6nnte sodann, genau wie die FARC, aus dem Drogengesch\u00e4ft scheiden. Eine gro\u00dfe Herausforderung des Postkonflikts bleibt zu verhindern, dass mexikanische Kartelle die lokalen BACRIM finanzieren und damit ihre Versorgung mit Kokain sichern. Sollte sich jedoch eine der kriminellen Gruppen gegen den kolumbianischen Staat durchsetzen k\u00f6nnen und vor diesem die Koka-Anbaugebiete besetzen, bleibt die Versorgung der mexikanischen Kartelle mit kolumbianischem Kokain bestehen. Genau dieser Trend zeichnet sich gerade in verschiedenen Teilen des Landes ab.<\/p>\n<p>Insgesamt ist anzumerken, dass es w\u00e4hrend des gesamten kolumbianischen Konflikts zwei kontinuierliche Probleme gibt: die Drogenproblematik und der Konflikt um Land. Bez\u00fcglich Letzterem wurde jahrzehntelang eine wirksame Agrarreform umgangen, w\u00e4hrend sich die Drogenh\u00e4ndler die fruchtbarsten Gebiete des Landes aneigneten. Dies f\u00fchrte zu einem Defizit in der landwirtschaftlichen Ausbeute des Landes, das durch unzureichende Modernisierung noch verst\u00e4rkt wird. Die derzeitige Landverteilung schw\u00e4cht den kolumbianischen Staat und Agrarsektor und st\u00e4rkt die bewaffneten Gruppen. Eine erfolgreiche Umsetzung des ersten Punktes des Friedensabkommens zur Landreform ist folglich als ein unabdingbarer Schritt zu sehen, von dessen Gelingen die Zukunft des kolumbianischen Drogengesch\u00e4fts abh\u00e4ngt. Ebenso deutlich ist die Kontinuit\u00e4t der Drogenproblematik seit den 1970er Jahren. \u00dcber Jahrzehnte hinweg verfestigten sich die illegalen Strukturen, so dass eine schnelle und anhaltende Beendigung der Problematik zu einer enormen Herausforderung wird. Es gilt nun, die Implementierung des Friedensabkommens so schnell wie m\u00f6glich umzusetzen. Die anstehenden Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2018 in Kolumbien k\u00f6nnten die Implementierung gef\u00e4hrden. Als gr\u00f6\u00dfter Gegner des Friedensabkommens k\u00fcndigte das <em>Centro Democr\u00e1tico <\/em>an, den Inhalt zu \u00e4ndern und die laufende Implementierung zu stoppen. Ziel der Regierung ist es, noch w\u00e4hrend der Amtszeit des aktuellen Staatspr\u00e4sidenten Santos die wichtigsten Gesetze zu verabschieden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von: Rabea Kaas (Masterstudiengang Interdisziplin\u00e4re Lateinamerikastudien, 4. Semester) Die Drogenproblematik ist eine der gro\u00dfen Herausforderungen f\u00fcr die internationale Gemeinschaft: Der Umsatz im weltweiten Drogengesch\u00e4ft wird auf 320 Mrd. 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