{"id":178,"date":"2017-02-16T15:07:38","date_gmt":"2017-02-16T14:07:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/?p=178"},"modified":"2017-06-03T22:43:59","modified_gmt":"2017-06-03T20:43:59","slug":"laura_schneberger1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/laura_schneberger1\/","title":{"rendered":"Die Gr\u00fcndung und Funktion der Sammelpunkte und Entwaffnungszonen f\u00fcr ehemalige FARC-K\u00e4mpfer"},"content":{"rendered":"<p><em>Von: Laura Schneberger (Masterstudiengang Interdisziplin\u00e4re Lateinamerikastudien, 4. Semester)<\/em><\/p>\n<p>Im Jahr 2012 initiierte der kolumbianische Pr\u00e4sident Santos die aktuellen Friedensverhandlungen mit der Farc. Als n\u00e4chster Schritt sollte die Ankunft der Guerillak\u00e4mpfer in den \u00dcbergangszonen, die Abgabe ihrer Waffen und Reintegrationsma\u00dfnahmen erfolgen. Jede \u00dcbergangszone wird von einer einen Kilometer breiten Sicherheitszone umgeben. In den <em>Puntos Transitorios de Normalizaci\u00f3n<\/em> und <em>Zonas Veredales Transitorias de Normalizaci\u00f3n<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/politica\/gobierno\/policias-y-militares-que-vigilaran-zonas-veredales-37079\">PTN und ZVTN<\/a>) halten sich die ehemaligen Farc Mitglieder auf und in den Sicherheitszonen kolumbianische Sicherheitskr\u00e4fte sowie Mitglieder der UN-Beobachtungskommission (MM&amp;V). Die ehemaligen Guerillak\u00e4mpfer d\u00fcrfen die ZVTN nur in zivil und ohne Waffen verlassen, w\u00e4hrend dessen die zivile Bev\u00f6lkerung keinen Zugang zu den ZVTN und PTN hat. Aufgrund der Tatsache, dass vorherige Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Farc immer wieder scheiterten, herrscht bis heute jedoch ein beidseitiges Misstrauen. Des Weiteren ist die geographische Lage der Sammelpunkte und Entwaffnungszonen der Farc ebenfalls entscheidend im Friedensprozess. Die meisten der genannten Zonen sind isoliert und aufgrund fehlender Infrastruktur schwer zug\u00e4nglich, welcher zu Verz\u00f6gerungen im Prozess f\u00fchrt und das Misstrauen der Farc gegen\u00fcber der Regierung verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Am 06. Dezember 2016 begann der offizielle Marsch der Farc Mitglieder in die <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/politica\/proceso-de-paz\/concentracion-de-las-farc-en-zonas-veredales-40575\">Entwaffnungszonen<\/a>. Aufgrund unzureichender Infrastruktur gestaltete sich die Anreise in einige \u00dcbergangszonen jedoch schwierig. Zudem waren viele Zonen noch nicht fertiggestellt, was zu Differenzen zwischen der Farc und der Regierung f\u00fchrte. Planm\u00e4\u00dfig sollten bis Ende Dezember alle Farc Mitglieder in den \u00dcbergangszonen angekommen sein, jedoch kam es aufgrund von <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/colombia\/otras-ciudades\/la-paz-en-el-meta-37328\">Missst\u00e4nden<\/a> in den Zonen zu Verz\u00f6gerungen. Die Farc <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/politica\/proceso-de-paz\/farc-denuncian-presencia-paramilitar-en-guaviare-31746\">beschwerte<\/a> sich au\u00dferdem dar\u00fcber, dass in der Region Guaviare, bereits Paramilit\u00e4rs eingetroffen seien. Dar\u00fcber hinaus versuchten auch andere illegale Gruppen einige der 118 Gebiete, die ehemals von der Farc kontrolliert und nun aber von ihnen verlassen wurden, einzunehmen. Am 19. Dezember gab es erneut <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/politica\/proceso-de-paz\/zonas-de-concentracion-de-farc-deben-tener-mas-seguridad-44748\">Meldungen<\/a> \u00fcber die Zunahme von Entf\u00fchrungen, Erpressungen und Ermordungen im ganzen Land. Vor allem die ELN und die neue, illegale Gruppe \u201eEl Nuevo Orden\u201c, sorgten in Tumaco f\u00fcr negative Schlagzeilen.<\/p>\n<p>Da einige \u00dcbergangszonen nicht p\u00fcnktlich fertig gestellt wurden, <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/justicia\/cortes\/visita-del-defensor-del-pueblo-a-zonas-de-desarme-31761\">verschob<\/a> sich das Datum bis zu welchem alle Guerillak\u00e4mpfer in den Entwaffnungszonen angekommen sein sollten vom 31. Dezember 2016 auf den 31. Januar 2017. Insgesamt nahm auch die Zahl der \u00dcbergangszonen ab, sodass es letztendlich nur 26, davon 20 Entwaffnungszonen und sechs Sammelpunkte, geben sollte. Die Opposition, unter dem ehemaligen Pr\u00e4sidenten Uribe, kritisierte das gemeinsame Feiern von Farc Mitgliedern mit dem UN-Personal in der Entwaffnungszone La Guajira in der Silvesternacht sowie die Besuche des ehemaligen deutschen <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/ministro-aleman-frank-walter-visitara-zona-de-concentracion-de-las-farc\/511862\">Au\u00dfenministers Steinmeier<\/a> und des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sident Hollande in zwei Entwaffnungszonen im Januar 2017. Auch der ehemalige Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AndresPastrana_\/status\/823551761747214336\">Pastrana kritisierte<\/a> den Besuch Hollands auf Twitter, da seiner Meinung nach der aktuelle Friedensvertrag das Land zerst\u00f6re anstatt den Frieden zu f\u00f6rdern und deshalb nicht unterst\u00fctzt werden sollte. In den darauffolgenden Wochen gab es immer <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/gobierno-asegura-que-tendra-listas-zonas-veredales-a-finales-de-enero\/513286\">wieder Meldungen<\/a> \u00fcber M\u00e4ngel in den \u00dcbergangszonen und neue Angriffe illegaler Organisationen auf die ehemals von der Farc besetzten Territorien. Bis sp\u00e4testens zum 31. M\u00e4rz sollten allerdings auch die letzten Farc K\u00e4mpfer in den ZVTN und PTN eintreffen. Anfang Februar wurde dar\u00fcber berichtet, dass das kolumbiansiche Kulturministerium zwanzig <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/cultura\/articulo\/bibliotecarios-en-zonas-veredales-de-las-farc\/514288\">mobile Bibliotheken<\/a> f\u00fcr die \u00dcbergangszonen ab dem 1. M\u00e4rz 2017 einrichten werde. Zudem sollten auch <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/hijos-de-las-farc-tendran-guarderias-en-zonas-veredales\/514500\">Kinderg\u00e4rten<\/a> in den ZVTN er\u00f6ffnet werden. Die positiven Nachrichten wurden jedoch schnell wieder davon \u00fcberschattet, dass die ELN und das Drogenkartell \u201eClan del Golfo\u201c in weitere <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/proceso-de-paz-bandas-criminales-ocupan-zonas-de-las-farc\/514019\">ehemalige Farc Gebiete<\/a> vorgedrungen seien und die Gewalt in diesen Bereichen stetig zunehme. Bis zum 4. Februar hatten circa <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/farc--se-concentraron-en-zonas-veredales\/514346\">6500 Farc Mitglieder<\/a> die \u00dcbergangszonen erreicht. Am 13. Februar begann die Initiierung von <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/vida\/educacion\/sena-formara-a-guerrilleros-de-las-farc-59795\">Ausbildungsprogrammen<\/a> in den Zonen f\u00fcr die ehemaligen Farc Mitglieder, welche die Wiedereingliederung in das zivile Leben unterst\u00fctzen sollen. Der Prozess in den Entwaffnungszonen wird erst im Juli beendet, sofern die komplette Waffenabgabe bis dahin innerhalb von 180 Tagen stattgefunden hat.<\/p>\n<p><strong>Schlussfolgerung<\/strong><\/p>\n<p>Viele illegale Organisationen im Land sind daran interessiert, die ehemaligen Territorien der Farc einzunehmen, da diese \u00fcber landwirtschaftliche Ressourcen wie zum Beispiel Koka verf\u00fcgen und somit strategisch wichtige Zonen f\u00fcr den Drogenhandel darstellen. Die Demobilisierung der Farc bedeutet zwar einerseits den Austritt aus dem Drogengesch\u00e4ft, andererseits m\u00f6chte die Organisation ihre Vormachtstellung in den Gebieten nicht verlieren, um in diesen politisch aktiv werden zu k\u00f6nnen. Um neue Konflikte und einen erneuten Gewaltanstieg in diesen Gebieten zu verhindern, scheint es somit wichtig zu sein, dass der Staat das Vakuum in den betroffenen Gebieten f\u00fcllt. Neben milit\u00e4rischer Pr\u00e4senz sollte der Staat auch soziale Pr\u00e4senz durch beispielsweise Schulen und Krankenh\u00e4user in den betroffenen Gebieten gew\u00e4hrleisten. Dar\u00fcber hinaus ist es wichtig, die Reintegration der ehemaligen Farc K\u00e4mpfer zu unterst\u00fctzen, um zu verhindern, dass sich diese anderen illegalen Organisationen anschlie\u00dfen mit welchen sie den bewaffneten Konflikt im Land fortf\u00fchren k\u00f6nnten. Es m\u00fcssen gen\u00fcgend Bildungsprogramme sowie eine ausreichende finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die ehemaligen Farc K\u00e4mpfer aufgebracht werden, um ihre Wiedereingliederung sicherzustellen. Zwar hat der Staat bereits Reintegrationsprogramme eingef\u00fchrt und den Farc Mitgliedern verschiedene finanzielle Hilfen versichert, laut <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/ijtj\/article-abstract\/1\/1\/66\/2356776\/Transitional-Subjects-The-Disarmament?cited-by=yes&amp;legid=ijtj;1\/1\/66\">Theidon 2007<\/a> ist es allerdings insbesondere in Hinblick auf die Reintegration ehemaliger Krieger besonders wichtig, die ganze Gesellschaft in diesen Prozess zu involvieren. Lokale Initiativen, welche die Zusammenarbeit aller Mitglieder der Gesellschaft f\u00f6rdern, bauen \u00c4ngste zwischen der zivilen Bev\u00f6lkerung und den Farc Mitgliedern ab, verhindern somit Ausgrenzung und f\u00fchren zu Inklusion und einem friedlichen Zusammenleben. Dar\u00fcber hinaus ist laut <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/13510347.2016.1192606\">Ishiyama und Marshall 2016<\/a> ebenfalls zu beachten, ehemaligen Rebellenorganisationen auch die politische Partizipation zu erm\u00f6glichen. Um einen langfristigen Frieden im Land aufzubauen, darf es nicht zur Exklusion bestimmter Parteien kommen. Die kolumbianische Regierung befindet sich meines Erachtens mit den Friedensgespr\u00e4chen mit der Farc und seit Februar 2017 auch mit der ELN auf einem guten Weg, jedoch muss sie die genannten Ma\u00dfnahmen umgehend ergreifen, um die Sicherheit der Bev\u00f6lkerung w\u00e4hrend und nach den Verhandlungen zu gew\u00e4hrleisten und einen dauerhaften Frieden in Kolumbien herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von: Laura Schneberger (Masterstudiengang Interdisziplin\u00e4re Lateinamerikastudien, 4. Semester) Im Jahr 2012 initiierte der kolumbianische Pr\u00e4sident Santos die aktuellen Friedensverhandlungen mit der Farc. Als n\u00e4chster Schritt sollte die Ankunft der Guerillak\u00e4mpfer in den \u00dcbergangszonen, die Abgabe ihrer Waffen und Reintegrationsma\u00dfnahmen erfolgen. Jede \u00dcbergangszone wird von einer einen Kilometer breiten Sicherheitszone umgeben. In den Puntos Transitorios de &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/laura_schneberger1\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie Gr\u00fcndung und Funktion der Sammelpunkte und Entwaffnungszonen f\u00fcr ehemalige FARC-K\u00e4mpfer\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3044,"featured_media":295,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[189876],"tags":[190944,190927,190945],"class_list":["post-178","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-3-waffenstillstand-und-entwaffnung","tag-entwaffnungszonen","tag-mecanismo-de-monitoreo-y-verificacion","tag-territorien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3044"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=178"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/178\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":271,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/178\/revisions\/271"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/295"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}