{"id":189,"date":"2017-04-01T18:44:30","date_gmt":"2017-04-01T16:44:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/?p=189"},"modified":"2017-11-23T17:31:43","modified_gmt":"2017-11-23T16:31:43","slug":"allgemein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/allgemein\/","title":{"rendered":"Allgemein"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Konflikt: Akteure (von Laura Schneberger)<\/strong><\/p>\n<p>Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien weist verschiedene Machtstrukturen und Akteure mit verschiedenen Interessen auf, welche im Folgenden kurz erl\u00e4utert werden. Die FARC ist eine marxistisch-leninistisch eingestellte Rebellengruppe, die einen bewaffneten Akteur im Konflikt darstellt. Sie ist die Friedensverhandlungen mit der kolumbianischen Regierung eingegangen und erhofft sich durch diese Vorteile wie zum Beispiel Strafmilderungen ihrer Mitglieder. Neben der \u00e4ltesten, linksgerichteten Rebellengruppe FARC beteiligten sich auch andere linksgerichtete, bewaffnete Akteure, wie zum Beispiel die zweitgr\u00f6\u00dfte Guerillaorganisation ELN (Ej\u00e9rcito de Liberaci\u00f3n Nacional), die EPL (Ej\u00e9rcito Popular de Liberaci\u00f3n) und die Gruppe M-19 (Movimiento del 19 de Abril) am Konflikt. Die ELN folgt dem Vorbild Guevaras und ist auch schon mehrmals Friedensverhandlungen mit der Regierung eingegangen, welche immer wieder scheiterten. Die Regierung hat auch versucht einen Friedensprozess mit der ELN einzuleiten, jedoch ver\u00fcbte diese weiterhin Attentate, entf\u00fchrte Personen und verz\u00f6gerte somit den offiziellen Beginn neuer Friedensverhandlungen. M\u00f6glicherweise tat die ELN dies, um wie andere illegale Organisationen in der Zwischenzeit zu versuchen die ehemals von der Farc besetzten Gebiete einzunehmen, welche wegen des Drogenhandels lukrativ sind. Im Februar 2017 willigte die ELN dem offiziellen Beginn der <a href=\"https:\/\/www.elmundo.es\/internacional\/2017\/01\/18\/587faf50468aebab558b45d4.html\">Friedensverhandlungen<\/a> mit der kolumbianischen Regierung jedoch ein. Als weiterer bewaffneter Akteur z\u00e4hlt das rechtsgerichtete Paramilit\u00e4r. Dieses schloss sich anfangs unter dem Namen AUC (<em>Autodefensas Unidas de Colombia<\/em>) zusammen, wurde im Jahr 2005 unter Uribe demobilisiert und ist bis heute gr\u00f6\u00dftenteils innerhalb der BACRIM (<em>bandas criminales<\/em>) aktiv. Auch die kolumbianische Regierung, die Armee und Polizei, die Opposition und die verschiedenen Drogenkartelle Kolumbiens m\u00fcssen als Konfliktparteien genannt werden.<\/p>\n<p><strong>Historischer R\u00fcckblick des sozio\u00f6konomischen Konflikts (von Friederike Winterstein)<\/strong><\/p>\n<p>Die FARC situiert den Ursprung des bewaffneten Kampfes in den Landkonflikten die sich in den drei\u00dfiger Jahren des letzten Jahrhunderts versch\u00e4rften, als einige Gro\u00dfgrundbesitzer nach der Finanzkrise von 1929 fruchtbares Land von Kleinb\u00e4uerinnen beanspruchten, um ihre auf den Weltmarkt ausgerichtete Produktion auszuweiten <a href=\"https:\/\/docplayer.org\/42851056-50-jahre-farc-geschichtsbild-und-selbstverstaendnis-der-aeltesten-guerilla-lateinamerikas.html\">(vgl. Schuster 2015: 67)<\/a>. Auch der Gr\u00fcndungsmythos der Farc ist eng mit dem l\u00e4ndlichen Raum und dem b\u00e4uerlichen Leben verstrickt.\u00a0In einem historischen Kontext gepr\u00e4gt von Kaltem Krieg, der erfolgreichen kubanischen Revolution nur einige Jahre zuvor und der Ausbreitung revolution\u00e4rer Bewegungen in ganz Lateinamerika, eines deren Ziele umgreifende Landreformen waren, f\u00fchrte das au\u00dferordentlich gewaltt\u00e4tige Vorgehen des kolumbianischen Staats gegen das Landwirtschaftskollektiv <em>Marquetalia<\/em> 1964 zum Entschluss der bereits organisierten Kleinb\u00e4uerinnen den bewaffneten Kampf gegen den Staat aufzunehmen <a href=\"https:\/\/docplayer.org\/42851056-50-jahre-farc-geschichtsbild-und-selbstverstaendnis-der-aeltesten-guerilla-lateinamerikas.html\">(vgl. Schuster 2015: 71\/ 77)<\/a>.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre verkomplizierte sich der anfangs sozio-\u00f6konomische und seit den sechziger Jahren auch politische Konflikt zwischen Farc und Staat zusehends und kann sp\u00e4testens ab dem mit den achtziger Jahren einsetzenden <em>War on Drugs<\/em> als territorialer Konflikt gefasst werden. Den Anspruch der territorialen Kontrolle stellen dabei verschiedene Akteure, allen voran der kolumbianische Staat, Gro\u00dfgrundbesitzer*innen und Kleinb\u00e4uerinnen, weiterhin die Farc als auch andere Guerrillas, sowie andere bewaffnete Organisationen die mit den Interessen der Gro\u00dfgrundbesitzer*innen in Verbindung gebracht werden.<\/p>\n<p>Die Kontrolle \u00fcber das Land sei in diesem Zusammenhang nur ein Mittel zum Zweck der Kontrolle \u00fcber das Territorium (d.h. \u00fcber das Land und die damit verbundenen Ressourcen und Infrastruktur, vgl. <a href=\"https:\/\/www.centrodememoriahistorica.gov.co\/descargas\/informes2013\/agraria\/politica-agraria-tierras.pdf\">Reyes 2009 in Machado 2013: 122<\/a>). So sto\u00dfen verschiedene Wirtschaftsmodelle in Verbindung mit gegens\u00e4tzlichen Weltanschauungen aufeinander (vgl.<a href=\"https:\/\/www.centrodememoriahistorica.gov.co\/descargas\/informes2013\/agraria\/politica-agraria-tierras.pdf\"> Machado 2013: 122<\/a>). Einerseits auf die Weltmarktnachfrage ausgerichtete Monokultive, andererseits die kleinb\u00e4uerliche Produktion von Nahrungsmitteln. Verstrickt mit beiden der Anbau und Handel von Drogen. Die Komplexit\u00e4t des Konflikts spiegelt sich in dem L\u00f6sungsansatz des aktuellen Friedensvertrags wieder, der sowohl eine umfassende Reform des l\u00e4ndlichen Raums (<em>Reforma Rural Integral<\/em>) als auch eine vielschichtige Bek\u00e4mpfung der Produktion und des Handels und Konsums von Drogen vorsieht.<\/p>\n<p><strong>Politische Exklusion (von David Kuhn)<\/strong><\/p>\n<p>Die sogenannte <a href=\"https:\/\/www.quetzal-leipzig.de\/lexikon-lateinamerika\/frente-nacional-19093.html\">Frente Nacional<\/a> war ein von 1958 bis 1974 andauernder Pakt zwischen Liberalen und Konservativen, der die mit Worten und Waffen ausgetragene gegenseitige Bek\u00e4mpfung der Parteien befrieden sollte. Legislative, Exekutive und Judikative wurden gleichm\u00e4\u00dfig aufgeteilt und anderen Parteien keinen Zugang zu politischer Macht gew\u00e4hrt. Dies f\u00fchrte zur Bildung einer elit\u00e4ren politischen und wirtschaftlichen Klasse sowie zur Verdr\u00e4ngung alternativer Bewegungen und Diskurse. Mitte der 1980er entwickelte sich die politische Partei <em><a href=\"https:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/kolumbien-eine-lateinamerikanische-geschichte.976.de.html?dram:article_id=349111\">Uni\u00f3n Patri\u00f3tica<\/a><\/em> aus den FARC heraus und erfuhr auf kommunaler Ebene gro\u00dfe Zustimmung. Jedoch wurden innerhalb weniger Jahre etwa 3000 Mitglieder der Partei ermordet und sie verlor rapide an Relevanz. Die Ausl\u00f6schung oppositioneller und sozialer Bewegungen zieht sich bis heute durch die Geschichte Kolumbiens. Seitdem sich ein positives Ende der aktuelle Friedensverhandlungen abzeichnete, stiegen die <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2017\/01\/167719\/kolumbien-morde-aktivisten\">Morde an soziale Aktivist_innen<\/a> wieder stark an.<\/p>\n<p><strong>Gescheiterte Friedensverhandlungen mit der FARC 1982-2002 (von Laura Schneberger)<\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Friedensprozess unter dem damaligen Pr\u00e4sidenten Betancur, der von 1982 bis 1986 Kolumbien regierte, kam es zur Gr\u00fcndung der Uni\u00f3n Patri\u00f3tica (UP). Dieser Partei traten ehemalige FARC Mitglieder bei, um sich am politischen Prozess im Land beteiligen zu k\u00f6nnen. Ein kompletter Waffenstillstand wurde innerhalb dieses Friedensprozesses jedoch nicht erreicht und viele UP-Mitglieder wurden von den Paramilit\u00e4rs ermordet, woraufhin die Friedensverhandlungen eingestellt wurden. Unter dem Pr\u00e4sident Gaviria, welcher von 1990 bis 1994 im Amt war und Friedensverhandlungen mit allen Guerillaorganisationen im Land er\u00f6ffnete, kam es bereits am 10.12.1990 durch einen \u00dcberraschungsangriff des kolumbianischen Milit\u00e4rs auf das Hauptquartier Casa Verde der FARC zum Scheitern der Verhandlungen. Der dritte gescheiterte Friedensprozess ist Pastrana zuzuschreiben, welcher von 1998 bis 2002 das kolumbianische Pr\u00e4sidentenamt innehatte. W\u00e4hrend der Friedensverhandlungen in Cagu\u00e1n f\u00fchrte die Farc unter anderem weitere Entf\u00fchrungen wie beispielsweise die von Ingrid Betancourt f\u00fcr Erpressungen fort, wodurch es dieses Mal zum Ende der Friedensverhandlungen kam.<\/p>\n<p><strong>Kurze Chronologie der Ereignisse von 08.2016 bis 03.2017 (von Laura Schneberger)<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2012 initiierte der kolumbianische Pr\u00e4sident Santos die aktuellen Friedensverhandlungen mit der Farc in Havanna, Kuba. Am 29. August 2016 kam es zum offiziellen, beidseitigen Waffenstillstand, und Ende September wurde eine erste Version des Friedensvertrag unterzeichnet. Nach der gescheiterten Volksabstimmung zum Friedensvertrag am 02. Oktober 2016 wurde dieses noch einmal \u00fcberarbeitet bis Ende November. Eine endg\u00fcltige Version wurde von beiden Vertragsparteien annerkannt, sodass am 06. Dezember 2016 der offizielle Marsch der Farc Mitglieder in die Entwaffnungszonen begann. Am 10. Dezember 2016 erhielt Pr\u00e4sident Santos den <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/politica\/proceso-de-paz\/juan-manuel-santos-recibe-premio-nobel-de-paz-57172\">Friedensnobelpreis<\/a> f\u00fcr die Friedensverhandlungen mit der Farc.\u00a0In den darauffolgenden Wochen gab es immer <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/gobierno-asegura-que-tendra-listas-zonas-veredales-a-finales-de-enero\/513286\">wieder Meldungen<\/a> \u00fcber M\u00e4ngel in den \u00dcbergangszonen und neue Angriffe illegaler Organisationen auf die ehemals von der Farc besetzten Territorien. Der ehemalige deutsche <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/ministro-aleman-frank-walter-visitara-zona-de-concentracion-de-las-farc\/511862\">Au\u00dfenministers Steinmeier<\/a> und der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Hollande besuchten zwei Entwaffnungszonen im Januar 2017. <a href=\"https:\/\/caracol.com.co\/radio\/2017\/02\/18\/nacional\/1487449331_502367.html\">Mitte Februar<\/a> trafen die letzten Farc K\u00e4mpfer in den \u00dcbergangszonen ein, sodass sich ungef\u00e4hr 7000 Farc Mitglieder in den Zonen befanden. Am 1. M\u00e4rz wurde die Waffenabgabe der Farc an UN Mitarbeiter in <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/colombia\/otras-ciudades\/farc-estan-listas-para-entregar-armas-en-mesetas-62946\">drei Entwaffnungszonen<\/a> der Region Meta initiiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Konflikt: Akteure (von Laura Schneberger) Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien weist verschiedene Machtstrukturen und Akteure mit verschiedenen Interessen auf, welche im Folgenden kurz erl\u00e4utert werden. Die FARC ist eine marxistisch-leninistisch eingestellte Rebellengruppe, die einen bewaffneten Akteur im Konflikt darstellt. 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