{"id":311,"date":"2017-03-12T22:24:08","date_gmt":"2017-03-12T21:24:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/?p=311"},"modified":"2017-06-10T16:01:09","modified_gmt":"2017-06-10T14:01:09","slug":"rabea_kaas2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/rabea_kaas2\/","title":{"rendered":"Drogenhandel und -bek\u00e4mpfung in Kolumbien"},"content":{"rendered":"<p><em>Von: Rabea Kaas (Masterstudiengang Interdisziplin\u00e4re Lateinamerikastudien, 4. Semester)<\/em><\/p>\n<p>Kolumbien z\u00e4hlt zu den L\u00e4ndern mit der gr\u00f6\u00dften Kokainproduktion weltweit. Seit den 1970er Jahren f\u00f6rdert der Handel mit illegalen Substanzen Gewalt und Korruption im ganzen Land. Der Zeitraum von Ende der 1970er bis Anfang der 1990er Jahre wird als erste Generation des Drogenhandels bezeichnet, als die gro\u00dfen Kartelle Kolumbiens den globalen Kokain-Markt dominierten. Der Tod Pablo Escobars im Jahr 1993 und das damit einhergehende Ende des Medell\u00edn-Kartells wirkte sich jedoch keineswegs negativ auf den Kokainhandel aus. Denn das bis dahin wichtigste Kartell operierte in kleineren Strukturen weiter oder wurde vom Cali-Kartell und sp\u00e4ter vom Kartell des Norte del Valle abgel\u00f6st. Bei diesen drei gr\u00f6\u00dften Kartellen der Geschichte Kolumbiens kam es nach deren Zerschlagung stets zu einer Fragmentierung in kleinere Organisationen, die schwieriger zu verfolgen waren. Aktuell \u00fcbernahmen vor allem mexikanische Kartelle den US-amerikanischen Markt, w\u00e4hrend sich kolumbianische H\u00e4ndler vermehrt auf das eigene Land konzentrieren. Die FARC-EP werden seit Mitte der 1980er Jahre mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht. Zun\u00e4chst erhoben sie eine Art Tribut auf jedes Kilo Kokain, das die von ihnen kontrollierten Gebiete verlie\u00df, und boten daf\u00fcr Schutz. Nach und nach betrieben die FARC selbst die Produktion und kontrollierten den Handel, so dass sie zu einem der wichtigsten Akteure des kolumbianischen Drogengesch\u00e4fts wurden (<a href=\"https:\/\/www.centrodememoriahistorica.gov.co\/descargas\/informes2013\/bastaYa\/resumen-ejecutivo-basta-ya.pdf\">Centro Nacional de Memoria Hist\u00f3rica 2015:52<\/a>).<\/p>\n<p>Ein jahrzehntelanger Kampf gegen die Drogenproblematik seitens der kolumbianischen Regierung und der USA gilt als gescheitert. 1999 wurde der <em>Plan Colombia<\/em> ins Leben gerufen, der mit Hilfe finanzieller und politischer Unterst\u00fctzung der USA den Drogenhandel eind\u00e4mmen sollte. Die Regierungen setzten dabei auf eine repressive Drogenbek\u00e4mpfung und <em>law enforcement<\/em>. W\u00e4hrend der Laufzeit dieses Plans unterschied der kolumbianische Staat nicht mehr zwischen Guerilla und Drogenhandel und missachtete damit den politischen Charakter der FARC-EP. Somit war eine Auslieferung von Guerillaf\u00fchrern an die USA m\u00f6glich, obwohl die kolumbianische Verfassung das Richten \u00fcber politische Verbrechen durch andere Nationen verbietet (<a href=\"https:\/\/www.centrodememoriahistorica.gov.co\/descargas\/informes2013\/bastaYa\/resumen-ejecutivo-basta-ya.pdf\">Centro Nacional de Memoria Hist\u00f3rica 2015:54<\/a>). Der <em>Plan Colombia<\/em> verdeutlicht den starken Einfluss der USA auf Kolumbien, sowie eine \u00dcberschneidung von Anti-Drogenkrieg und <em>Counterinsurgency<\/em> im Land. Seit 2012 engagiert sich die kolumbianische Regierung auf internationaler Ebene f\u00fcr eine Neuausrichtung der Drogenpolitik. Kolumbiens Hauptanliegen ist es, von der bisherigen, repressiv ausgerichteten Drogenbek\u00e4mpfungspolitik abzur\u00fccken und die \u00f6ffentliche Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen. Die gegenw\u00e4rtige Regierung versucht Unterst\u00fctzung f\u00fcr diese Position auf internationaler Ebene zu finden und greift folgende Punkte verst\u00e4rkt auf: a) Zugang zu kontrollierten Substanzen zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken, b) Entkriminalisierung des Drogenbesitzes sowie Investition in pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen, c) St\u00e4rkung alternativer Entwicklung, d) Unterst\u00fctzung des ethnischen und kulturellen Koka-Konsums indigener Bev\u00f6lkerungen und d) Abschaffung der Todesstrafe f\u00fcr Drogendelikte.<\/p>\n<p>Seit der Einsatz des umstrittenen Pestizids Glyphosat, mit welchem illegale Pflanzungen aus der Luft vernichtet wurden, im Oktober 2015 verboten wurde, kam es zu einer drastischen Ausweitung der Anbaufl\u00e4che von Kokapflanzen. W\u00e4hrend diese im Jahr 2015 nach offiziellen Angaben bei 69.000 Hektar lag, wird sie aktuell auf zwischen <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/cultivos-ilicitos-son-los-enemigos-de-la-paz\/513538\">150.000 und 200.000 <\/a><a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/cultivos-ilicitos-son-los-enemigos-de-la-paz\/513538\">Hektar<\/a> gesch\u00e4tzt. Hauptanbaugebiete sind die sieben Departamentos Nari\u00f1o, Putumayo, Norte de Santander, Guaviare, Meta, Caquet\u00e1 und Antioquia. In diesen befinden sich 75 Prozent der Koka-Anbaufl\u00e4che.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren lie\u00df sich auch hinsichtlich des Drogenkonsums eine alarmierende Entwicklung feststellen: Bis Anfang der 2000er Jahre galt Kolumbien als Drogenexporteur, in den letzten Jahren ist ein deutlicher Trend zum <a href=\"https:\/\/www.elpais.com.co\/colombia\/minjusticia-alerto-sobre-aumento-de-consumo-de-drogas-ilicitas-en.html\">eigenen Konsum<\/a> erkennbar.<\/p>\n<p>Trotz steigender nationaler Konsumzahlen wird der Gro\u00dfteil des produzierten Kokains nach wie vor exportiert. Die Hauptabnehmer sind die USA und Europa. In die USA wird vor allem \u00fcber Zentralamerika und die Karibik geschmuggelt. Nach Europa f\u00fchrt die wichtigste Schmuggelroute direkt nach Spanien. Der Transport erfolgt dabei sowohl in kleinen Mengen durch sog. Mulas (K\u00f6rper- und Kofferschmuggler in Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen), als auch in gro\u00dfen Mengen (Container, Schnellboote, U-Boote). Synthetische Drogen wie Amphetamine und Methamphetamine werden vor allem aus Europa importiert und weniger im Land selbst hergestellt.<\/p>\n<p>Der Handel mit illegalen Drogen hat direkten Einfluss auf das politische, wirtschaftliche und soziale Leben des Landes und ist ein wichtiger Bestandteil des bewaffneten Konflikts. Die Hauptakteure sind die nach der Demobilisierung der paramilit\u00e4rischen Organisation <em>Autodefensas Unidas de Colombia<\/em> (AUC) aufkommenden <em>Bandas Criminales<\/em> <em>Emergentes<\/em> (BACRIM), sowie die Guerrillaorganisationen FARC-EP und das <em>Ej\u00e9rcito de Liberaci\u00f3n Nacional<\/em> (ELN). Die derzeit gr\u00f6\u00dften BACRIM sind der <em>Clan del Golfo<\/em> (vorher: <em>Clan \u00dasuga<\/em>) und <em>Los Rastrojos<\/em>. FARC und ELN kontrollieren gro\u00dfe Teile des Anbaus von Koka, \u00fcber 60 Prozent der Anbaufl\u00e4chen werden ihnen zugerechnet. Jedoch ist vor allem der <a href=\"https:\/\/www.semana.com\/nacion\/articulo\/jibaros-los-nuevos-tentaculos-del-clan-del-golfo\/514375\">Clan del Golfo<\/a> auf dem Vormarsch, den Drogenhandel in weiten Gebieten zu kontrollieren. Das Drogengesch\u00e4ft bildet eine wichtige -wenn nicht die wichtigste- Einnahmequelle f\u00fcr Guerillaorganisationen, paramilit\u00e4rische Gruppen und die organisierte Kriminalit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von: Rabea Kaas (Masterstudiengang Interdisziplin\u00e4re Lateinamerikastudien, 4. Semester) Kolumbien z\u00e4hlt zu den L\u00e4ndern mit der gr\u00f6\u00dften Kokainproduktion weltweit. Seit den 1970er Jahren f\u00f6rdert der Handel mit illegalen Substanzen Gewalt und Korruption im ganzen Land. 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