{"id":346,"date":"2017-11-16T11:27:56","date_gmt":"2017-11-16T10:27:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/?p=346"},"modified":"2018-09-24T16:15:19","modified_gmt":"2018-09-24T14:15:19","slug":"manuel_gongora1-deutsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/manuel_gongora1-deutsch\/","title":{"rendered":"Territorialer Frieden ein Jahr nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit der FARC-Guerilla: Der Fall von Nari\u00f1o"},"content":{"rendered":"<p>Autor: <a href=\"https:\/\/www.lai.fu-berlin.de\/homepages\/Gongora-Mera\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Manuel G\u00f3ngora-Mera<\/a> \u00a0\u00a0 <em>Post-doctoral Lecturer LAI\/FU Berlin<br \/>\n<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_302\" aria-describedby=\"caption-attachment-302\" style=\"width: 840px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-302 size-large\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/files\/2017\/06\/P3060224-e1496519893266-1024x689.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"565\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/files\/2017\/06\/P3060224-e1496519893266-1024x689.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/files\/2017\/06\/P3060224-e1496519893266-300x202.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/files\/2017\/06\/P3060224-e1496519893266-768x517.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/files\/2017\/06\/P3060224-e1496519893266-1200x808.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-302\" class=\"wp-caption-text\">Image: Centro de Memoria, Paz y Reconciliaci\u00f3n (Bogot\u00e1) \u00ae Manuel G\u00f3ngora-Mera<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Jahr nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit der FARC ist der Stand der Umsetzung des Friedensvertrags prek\u00e4r. Fortschritte wurden bis jetzt bei den Punkten, die vor allem die FARC (wie der Prozess der Demobilisierung und die Abgabe von Waffen) oder die Vereinten Nationen (\u00dcberpr\u00fcfung der Waffenlieferung und Zerst\u00f6rung von Kriegsmaterial) betreffen. Der Staat hat grunds\u00e4tzlich bis jetzt die Verfassungsreform, die die Vereinbarungen des Friedensabkommens bewahrt, erf\u00fcllt und die politische Reintegration der FARC eingeleitet (mit der formalen Transformation der FARC in die politische Partei \u201e<em>Fuerza Alternativa Revolucionaria del Com\u00fan<\/em>\u201c). Nichtsdestotrotz hat der Gesetzgebungsplan, der die normativen Pfade f\u00fcr die Implementierung der Friedensabkommen erm\u00f6glicht, einen bedeutenden R\u00fcckschlag erlitten, der nicht nur der widerstandsf\u00e4higen Opposition der Uribe Partei (Centro Democr\u00e1tico) und dem Zusammenbruch von Cambio Radical mit der Regierungskoalition (Unidad Nacional) zugeschrieben werden kann. Laut dem <a href=\"https:\/\/es-la.facebook.com\/notes\/observatorio-de-seguimiento-a-la-implementaci%C3%B3n-del-acuerdo-oiap\/es-posible-una-paz-estable-y-duradera-sin-cumplir-el-acuerdo-final\/290241051380294\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IV.-Bericht des Beobachtungszentrums f\u00fcr die Umsetzung des Friedensabkommens\u00a0<\/a>sind bis jetzt nur 18% der Richtlinien f\u00fcr die Umsetzung der Friedensvertr\u00e4ge erzielt worden. Zwei entscheidende Punkte des Abkommens, die gerade in l\u00e4ndlichen Gebieten wirksam durchgearbeitet werden sollen, wo der bewaffnete Konflikt sich ausdauernd und intensiv gezeigt hat, weisen wenige Fortschritte auf: Zu nennen sind insbesondere Punkt 1 des Abkommens \u00fcber Ma\u00dfnahmen einer integralen landwirtschaftlichen Entwicklung und Punkt 2 zur L\u00f6sung des illegalen Drogenkonflikts. Zwei wesentliche Punkte, die den Kernteil der organisierten Gewalt in vielen Regionen ausmachen, in denen es schwierig bleibt, \u00fcber eine \u201ePost-Konflikt-Situation\u201c zu reden (wie es gew\u00f6hnlich die Regierung bezeichnet). Deswegen bevorzugen viele lokale Akteure den Begriff <em>Post-acuerdo<\/em> (Post-Abkommen) zu verwenden, um auf den anhaltenden Konflikt zu verweisen und darauf, dass bei diesem Konflikt die l\u00e4ndlichen Gemeinden vom Friedensprozess nicht profitieren.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus kann zwischen den zwei folgenden Situationen unterschieden werden: 1) In einigen Regionen, in denen die FARC \u00fcber eine unbestreitbare Kontrolle verf\u00fcgten, hat sich ein auff\u00e4lliger R\u00fcckgang der Gewaltlage nach der Entwaffnung der Guerilla gezeigt. Dies ist beispielsweise in einigen Gebieten von <a href=\"https:\/\/colombia2020.elespectador.com\/territorio\/los-silencios-del-cese-al-fuego-en-arauca-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Arauca<\/a> und <a href=\"https:\/\/colombia2020.elespectador.com\/territorio\/cronica-de-un-viaje-cano-cristales-en-tiempos-de-paz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meta<\/a> auff\u00e4llig; 2) Regionen, in denen die FARC um die territoriale Kontrolle mit anderen, illegalen bewaffneten Akteuren (wie die ELN, Drogenkartellen, Paramilit\u00e4rs usw.) konkurrierten, erfahren einen andauernden Kampf um die milit\u00e4rische Kontrolle in diesen Zonen (<a href=\"https:\/\/cdn.ideaspaz.org\/media\/website\/document\/59f7efb8b273a.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Splittergruppen\/Dissidenten der FARC Guerilla<\/a> sollen hierbei ebenfalls ber\u00fccksichtig werden). Dies ist der Fall in mehreren Gebieten von <a href=\"https:\/\/colombia2020.elespectador.com\/territorio\/rio-san-juan-no-cesa-el-fuego\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Choc\u00f3<\/a>, Nari\u00f1o (Sogar in der N\u00e4he von Demobilisierungszonen, wie <a href=\"https:\/\/www.verdadabierta.com\/procesos-de-paz\/farc\/6787-la-implementacion-del-acuerdo-de-final-hace-agua-en-policarpa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Policarpa<\/a> und <a href=\"https:\/\/colombia2020.elespectador.com\/territorio\/tumaco-contra-los-males-de-la-droga\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tumaco<\/a>) und <a href=\"https:\/\/www.verdadabierta.com\/procesos-de-paz\/farc\/6804-el-rio-inirida-en-guaviare-un-caldo-de-cultivos\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Caquet\u00e1<\/a>.\u00a0Dies l\u00e4sst sich erkl\u00e4ren durch die Tatsache, dass der kolumbianische bewaffnete Konflikt durch einen sehr partikul\u00e4ren und differenzierten Einfluss in Bezug auf Intensit\u00e4t und r\u00e4umliche Betroffenheit gekennzeichnet ist (<a href=\"https:\/\/www.revistas.unal.edu.co\/index.php\/rcg\/article\/view\/47777\/50480\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Salas Salazar 2015<\/a>) und weil der bewaffnete Konflikt besonders in den <a href=\"https:\/\/www.pcr.uu.se\/digitalAssets\/667\/c_667494-l_1-k_map2015.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">peripheren Gebieten<\/a>, anhaltend und gewaltt\u00e4tig zu erleben war. Infolgedessen wird der Konflikt als unscheinbar wahrgenommen und ist weniger bedeutsam f\u00fcr die politischen Eliten in Bogot\u00e1. Die Ursachen und Dynamiken des bewaffneten Konflikts haben sowohl nationale Muster (wie die extreme Konzentration des l\u00e4ndlichen Raums oder die politische Unterdr\u00fcckung von B\u00fcrgerbewegungen und Minderheiten) als auch internationale Muster verfolgt (wie etwa der Kalte Krieg, die endlose Drogenbek\u00e4mpfung oder der transnationale Extraktivismus). Doch zum gro\u00dfen Teil spiegeln diese Muster sich heterogen wieder, je nach derer pr\u00e4genden lokalen Geschichte und den jeweiligen Umst\u00e4nden. Beispiele hierf\u00fcr sind die Zyklen von Landenteignung, interner Vertreibung, der Einfluss von Drogenkartellen sowie die Auswirkungen von Anti-Drogen-Strategien und die Kriminalisierung von Kokabauern, der Kampf um nat\u00fcrliche Ressourcen, die unterschiedlichen Erscheinungsformen der verschiedenen bewaffneten Akteure, oder spezifische Formen von Exklusion von ethnischen Minderheiten und die Verfolgung von sozialen Aktivisten. Laut <a href=\"https:\/\/jpr.sagepub.com\/content\/49\/3\/473.abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Daly (2012)<\/a> sind Regionen, die unter st\u00e4ndigem Einfluss von organisierter Gewalt stehen, sechsmal anf\u00e4lliger, neue Gewaltzyklen zu entwickeln als diejenigen, wo organisierte Gewalt als solche nicht konsolidiert wird. Aus diesem Grund erfordert die Umsetzung des Abkommens, je nach Region, differenzierte Strategien.<\/p>\n<h5><strong>Die Situation im Departamento Nari\u00f1o<\/strong><\/h5>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Departamento_de_Nari%C3%B1o\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nari\u00f1o<\/a> geh\u00f6rt zum kolumbianischen Pazifikraum und grenzt an Ecuador. Diese geographische Lage macht Nari\u00f1o zu einem strategischen Raum f\u00fcr den Waffen- und Drogenschmuggel (Einfuhr von Material und Ausfuhr von Kokain aus Caquet\u00e1 und Putumayo durch Nutzung von unz\u00e4hligen Fl\u00fcssen als Transportkorridore, die in den Pazifischen Ozean m\u00fcnden; <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/justicia\/conflicto-y-narcotrafico\/guerra-por-tumaco-por-la-coca-80626\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">80% des hergestellten Kokas<\/a> im Land wird aus Tumaco exportiert), genauso wie f\u00fcr den Koka-Anbau. Zurzeit leben etwa <a href=\"https:\/\/pacifista.co\/asi-es-como-el-gobierno-esta-perdiendo-la-confianza-de-los-cocaleros\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">40 000 Familien<\/a> ausschlie\u00dflich von der Kokaproduktion ab, und im Jahr 2015 verf\u00fcgte Nari\u00f1o \u00fcber die h\u00f6chste Konzentration im Koka-Anbau, welche <a href=\"https:\/\/lasillavacia.com\/historia\/don-y-el-disidente-de-las-farc-que-azota-tumaco-58539\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">etwa 31%<\/a> der Produktion des gesamten Landes entspricht. Allein in Tumaco rechnet man mit etwa 17 000 Hektar f\u00fcr den Koka-Anbau, demzufolge gilt heute Tumaco als die\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/justicia\/conflicto-y-narcotrafico\/guerra-por-tumaco-por-la-coca-80626\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Koka-Hauptstadt<\/a> in Kolumbien.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/lasillavacia.com\/historia\/la-fuerza-militar-con-la-que-llegan-las-farc-la-mesa-37103\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FARC-Guerilla<\/a> begann ihre Pr\u00e4senz in den 70er Jahren, w\u00e4hrend die <a href=\"https:\/\/www.pares.com.co\/sin-categoria\/los-frentes-del-eln\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">s\u00fcdwestliche Front der ELN<\/a> erst in den 80er Jahren sichtbar wurde. In den 90er Jahren verringerte sich die Bedeutung der Karibik-Route des Medellin-Kartells f\u00fcr den Drogenschmuggel zur Ost-K\u00fcste der Vereinigten Staaten und best\u00e4rkte somit die Pazifik-Route des Cali- und der Norte-del-Valle-Kartelle zur Westk\u00fcste der Vereinigten Staaten. Folglich wandelte sich Nari\u00f1o zu einem Interessensgebiet f\u00fcr Drogenh\u00e4ndler, nicht nur f\u00fcr den Koka- und <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/archivo\/documento\/MAM-101811\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mohnanbau<\/a>, sondern auch f\u00fcr den Drogenexport derjenigen Drogen, die in den internen Laboren im Land hergestellt werden. Zur Ankunft von Drogenh\u00e4ndlern, kam ebenfalls die Pr\u00e4senz von <a href=\"https:\/\/www.verdadabierta.com\/imputaciones\/571-bloque-central-bolivar-bloque-libertadores-del-sur\/3385-la-caceria-del-frente-libertadores-del-sur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">paramilit\u00e4rischen Streitkr\u00e4ften<\/a> (seit 1999) hinzu, was zu einer deutlichen Eskalation der Gewalt f\u00fchrte, wobei sich die Nari\u00f1o-Region zu <a href=\"https:\/\/www.acnur.org\/t3\/uploads\/media\/COI_2181.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einem der st\u00e4rksten vom bewaffneten Konflikt betroffenen Gebiete<\/a> bis hin zur Demobilisierung der Paramilit\u00e4rs im Jahr 2005 in Taminango wandelte. Die Demobilisierung war jedoch nicht vollst\u00e4ndig und es griffen sogar viele paramilit\u00e4rische Gruppen wieder zu den Waffen, aber unter anderen Namen wie z.B.\u00a0 <em>Autodefensas Campesinas de Nari\u00f1o.<\/em> Dazu wurden sie auch noch von anderen bewaffneten Gruppen rekrutiert, wie z.B. die <em>\u00c1guilas Negras<\/em> und die <em>Rastrojos<\/em> (eine Gruppe, die urspr\u00fcnglich von dem Norte-del-Valle-Kartell stammte und die sich bis 2012 bem\u00fchten, <a href=\"https:\/\/www.verdadabierta.com\/procesos-de-paz\/farc\/6661-no-nos-dejen-morir-exmiliciano-de-tumaco\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den strategischen Hafen von Tumaco zu erobern<\/a>, was jedoch wegen der Vormacht der FARC-Milizen in dieser Region scheiterte).<\/p>\n<p>Im Zuge der Friedensverhandlungen mit der FARC seit 2012 haben sich mehrere Dissidentengruppen der Guerilla gebildet, u.a. zu nennen sind: 1) \u201eLa Gente del Orden\u201c, eine Gruppe von etwa 100 Dissidentensoldaten der FARC unter dem Kommando von \u201e<a href=\"https:\/\/lasillavacia.com\/historia\/don-y-el-disidente-de-las-farc-que-azota-tumaco-58539\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Don Y<\/a>\u201c (ein ehemaliges Mitglied der <em>Rastrojos<\/em>, verantwortlich seit Mitte 2016 f\u00fcr zahlreiche Morde in Tumaco und der anscheinend nach der Ausgangskontrolle von Drogen bei Gebieten in der N\u00e4he des Hafens aufrechtzuerhalten strebte, bis er im November 2016 <a href=\"https:\/\/lasillavacia.com\/historia\/las-farc-mataron-don-y-58754\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bei einer Konfrontation mit Mitgliedern der FARC-Guerilla starb<\/a>); 2) \u201eLas Nuevas Guerillas Unidas del Pac\u00edfico\u201c (gegr\u00fcndet nach dem Tod von \u201eDon Y\u201c von einigen Mitglieder von \u201eGente del Orden\u201c, die in Tumaco und an der Grenze zu Ecuador unter dem Kommando von Aliasnamen \u201eDavid\u201c operieren, offenbar in Zusammenarbeit mit dem <a href=\"https:\/\/lasillavacia.com\/historia\/las-disidencias-que-enfrentara-el-ejercito-del-posconflicto-61312\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sinaloa-Kartell<\/a>); und 3) in Policarpa und der Bajo Pat\u00eda sind kleine Gruppen wie \u201ela banda de Vaca\u201c entstanden, angef\u00fchrt von einem Milizsoldat, der den Decknamen \u201eVaca\u201c tr\u00e4gt (und offenbar im Juli 2017 <a href=\"https:\/\/lasillavacia.com\/historia\/las-cuatro-cosas-que-revela-el-nuevo-grupo-de-disidentes-en-narino-61772\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">von Mitgliedern seiner eigenen Gruppe get\u00f6tet wurde<\/a>) und der Zugang zu den FARC-Waffenbuchten hatte, bevor die UNO sie zerst\u00f6ren konnte. Neben dem Auftreten solcher neuen bewaffneten Akteure, die sich vornehmlich aus FARC-Dissidenten rekrutieren, bleibt noch die Kontinuit\u00e4t der Pr\u00e4senz der ELN-Guerilla, die Ankunft des Clan del Golfo und die Operation von Drogenbanden wie \u201eLos Cucarachos\u201c zu erw\u00e4hnen. Alle diese Gruppen streiten sich um die Kontrolle der gr\u00f6\u00dften Ausdehnung von Koka-Anbau im Land.<\/p>\n<p>Dies f\u00fchrt zu dem zweiten Faktor, der die gegenw\u00e4rtige Krise des Friedensprozesses in der Region bestimmt: die fehlende staatliche Umsetzung f\u00fcr die vereinbarten Richtlinien mit der FARC f\u00fcr die Substitution der illegalen Anbaukulturen. Die angewandten Strategien zur Beseitigung oder Reduzierung von illegalen Anbaukulturen in Kolumbien haben sich bisher wesentlich voneinander unterschieden: 1) Nationaler Rehabilitationsplan (1986-1990); 2) <em>Plan Nacional de Desarrollo Alternativo<\/em>, PLANTE (1994-2002), der sich auf die Generierung von legitimen, produktiven und profitablen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Bauern und f\u00fcr die indigene Bev\u00f6lkerung fokussierte, der jedoch aufgrund der territorialen Kontrolle der illegalen bewaffneten Gruppen in dem Anbaubereich und durch Mangel an einer mittel- und langfristigen Finanzierung des Programms scheiterte (vgl. <a href=\"https:\/\/www.scielo.org.co\/pdf\/luaz\/n27\/n27a04.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Giraldo\/Lozada 2008<\/a>); und 3) <em>Plan Colombia<\/em> (2000-2006). Der Plan konzentrierte sich auf die Beseitigung des Koka-Anbaus durch die Verwendung von Glyphosat und zusammen mit der Ausr\u00fcstung von Drogenbek\u00e4mpfungsbataillonen durch Finanzierung der Vereinigten Staaten. Obwohl es eine deutliche Zerst\u00f6rung des illegalen Drogenanbaus gab, scheiterte der Plan aufgrund des <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/889972\/The_Balloon_Effect_The_Failure_of_Supply_Side_Strategies_in_the_War_on_Drugs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>balloon Effect<\/em><\/a> (Die konstanten Angriffe auf einem Gebiet forderten die Kokabauern heraus, sich in eine andere Region zu begeben, wie in der vorliegenden Fallanalyse die Kokaplantagen von der Putumayo- in die Nari\u00f1o- Region, wodurch noch zus\u00e4tzlich die sozio\u00f6konomischen Auswirkungen des Drogenhandels verbreitet wurden). Dies alles, ohne die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt zu ber\u00fccksichtigen. In Havanna einigten sich die Regierung und die FARC vorrangig auf eine Zusammenarbeit mit den Koka-Kleinbauern und die Verhandlung von entsprechenden freiwilligen Ersetzungspl\u00e4nen zu setzen, um das Problem der illegalen Drogenkonflikte langfristig zu l\u00f6sen. Dies soll durch technische Hilfe, Investitionen in die Infrastruktur zur Verbesserung der Produktion von Ersatzprodukten und <a href=\"https:\/\/www.razonpublica.com\/index.php\/conflicto-drogas-y-paz-temas-30\/10657-coca,-violencia-y-sustituci%C3%B3n-de-cultivos.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">monatliche Finanzhilfen<\/a> f\u00fcr den \u00dcbergang zu anderen Kulturen\u00a0 erleichtert und unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcberhinaus ist seit Mai 2017 das \u201ePrograma Integral de Sustituci\u00f3n de Cultivos\u201c (PNIS) implementiert worden. Nach mehreren Treffen mit den lokalen Gemeinden wurden <a href=\"https:\/\/pacifista.co\/asi-es-como-el-gobierno-esta-perdiendo-la-confianza-de-los-cocaleros\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">23 kollektive Vereinbarungen <\/a>unterzeichnet, um die Substitution umzusetzen, doch die Auszahlungen seitens der Regierung haben nicht stattgefunden. Gleichzeitig auferlegte die Regierung das Ziel, 50 000 Hektar Kokafeldern zu ersetzen und weitere 50 000 Hektar durch Zwangsvernichtung in diesem Jahr zu beseitigen (von insgesamt 180 000 Hektar nach Sch\u00e4tzungen der US-Regierung oder 146 000 Hektar nach kolumbianischen Berechnungen). Unter gro\u00dfem Druck von Trumps Regierung, um einer Androhung <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/mundo\/eeuu-y-canada\/donald-trump-amenaza-a-colombia-por-aumento-de-cultivos-ilicitos-130398\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einer potenziellen Dezertifizierung<\/a> im Jahr 2018 zuvor zu kommen, setzte sich eine Reduzierung der illegalen Kulturen fort. Infolgedessen schickte die Regierung etwa 800 Soldaten nach Tumaco, die nach der Vizepr\u00e4sidentschaft, bis zu <a href=\"https:\/\/www.eltiempo.com\/justicia\/investigacion\/cerca-de-35-mil-hectareas-de-matas-de-coca-se-han-eliminado-en-el-2017-123622\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">8000 Hektar<\/a> illegale Kulturen im August 2017 zerst\u00f6rt haben. Als Antwort haben viele Streiks, Blockaden und Proteste seitens der Kokabauern (zum Teil unter Drohungen von Drogenh\u00e4ndlern) gegen die Beseitigung stattgefunden. Am vergangenen 5. Oktober sind <a href=\"https:\/\/lasillavacia.com\/estallo-la-bomba-de-la-coca-62887\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bei einem Protest von Kokabauern<\/a> neun Bauern im l\u00e4ndlichen Gebiet von Tumaco ermordet worden, anscheinend von der <a href=\"https:\/\/pacifista.co\/de-nuestros-enviados-asi-ataco-la-policia-a-la-comision-de-verificacion-en-tumaco\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anti-Drogen-Polizei<\/a>. Die gleichzeitige Anwendung von zwei v\u00f6llig entgegengesetzten Strategien in der Region wirkt kontraproduktiv: Es zerst\u00f6rt das Vertrauen in die Regierung (die f\u00fcr die Aushandlung einer freiwilligen Ersetzung wesentlich ist) und gibt den illegalen bewaffneten Gruppen Argumente an die Hand, sich als Verteidiger gegen die staatliche Repression, f\u00fcr die lokale Bev\u00f6lkerung einzusetzen. Die Regierung hat die sozialen Aktivisten, die f\u00fcr eine freiwillige Substitution sind, im Stich gelassen. Sie unterliegen der Bedrohungsgefahr seitens verschiedener Drogenh\u00e4ndler und FARC-Dissidentengruppen, die aus offensichtlichen Gr\u00fcnden nicht den Anbauersatz f\u00f6rdern wollen. Aus diesem Grund zeigt der letzte Bericht von <a href=\"https:\/\/www.indepaz.org.co\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/PANORAMA-DE-VIOLACIONES.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">INDEPAZ<\/a> eine logische Schlussfolgerung, wobei eine signifikante Korrelation zwischen den Morden an den sozialen Aktivisten und den Ver\u00e4nderungen in den Anbaugebieten zu erkennen ist.<\/p>\n<p>Bei der Anwendung einer Substitutionsstrategie setzt die Regierung eine wesentliche Ver\u00e4nderung in der Ausrichtung in Bezug auf die Drogenproblematik voraus. Wenn es einen ehrlichen Zweck f\u00fcr die Umsetzung und Verwirklichung eines Friedensabkommens gibt, muss es ernsthafte Alternativen und Unterst\u00fctzung f\u00fcr Tausende von Bauern, die von dem Koka-Anbau abh\u00e4ngen, durch eine starke, nachhaltige und langfristige Finanzierung geben. Das aktuelle Programm f\u00fcr Nari\u00f1o besteht aus 300 Milliarden Pesos (85 Millionen Euro), ben\u00f6tigt aber mindestens <a href=\"https:\/\/pacifista.co\/es-triste-que-la-crimen-haya-entendido-el-valor-de-tumaco-y-el-estado-no\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine Billion Pesos<\/a> (280 Millionen Euro). Die Koka ist eine Pflanze, deren Bl\u00e4tter sich in einem viel k\u00fcrzeren Zeitraum anbauen lassen (zwischen zwei und sechs Monaten, je nach Wetterlage), im Gegensatz zu meisten alternativen Kulturen (vgl. die erste Kakaoernte dauert ca. drei Jahre). Zur Errichtung einer notwendigen Infrastruktur, die den Aufbau und die Organisierung der legalen Kulturen und Vermarktungsketten sicherstellt, werden sicherlich mehr als drei Jahre ben\u00f6tigt. W\u00e4hrenddessen ist es erforderlich, dass der Staat tempor\u00e4re und konsequente Mittel gegen solche Einschr\u00e4nkungen bereit stellt sowie die Intensit\u00e4t der Anti-Drogen-Operationen f\u00fcr die Zwangsbeseitigung gegen Kokabauern aussetzt oder einschr\u00e4nkt. Im Gegensatz soll der Einsatz \u00f6ffentlicher Kr\u00e4fte zur Bek\u00e4mpfung der Drogenbanden, zum Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung und zur Verst\u00e4rkung der Kontrollen in Grenzgebieten, um den Zutritt von Waffen und Material zur Herstellung von Kokain zu verhindern, erh\u00f6ht werden. Andererseits besteht die Gefahr, dass die Regierung des \u201epost-Konflikts\u201c die B\u00fchne f\u00fcr den n\u00e4chsten Gewaltzyklus in Nari\u00f1o (mit alten Konflikten aber mit neuen Akteuren) bereitet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Manuel G\u00f3ngora-Mera \u00a0\u00a0 Post-doctoral Lecturer LAI\/FU Berlin Ein Jahr nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit der FARC ist der Stand der Umsetzung des Friedensvertrags prek\u00e4r. Fortschritte wurden bis jetzt bei den Punkten, die vor allem die FARC (wie der Prozess der Demobilisierung und die Abgabe von Waffen) oder die Vereinten Nationen (\u00dcberpr\u00fcfung der Waffenlieferung &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/manuel_gongora1-deutsch\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eTerritorialer Frieden ein Jahr nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens mit der FARC-Guerilla: Der Fall von Nari\u00f1o\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2793,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[190233],"tags":[190931,190933,190954],"class_list":["post-346","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-4-drogenanbau-und-handel","tag-drogenpolitik","tag-koka","tag-narino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/346","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2793"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=346"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/346\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":553,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/346\/revisions\/553"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/kolblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}