{"id":1126,"date":"2021-02-09T16:44:15","date_gmt":"2021-02-09T15:44:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/linguistics\/?p=1126"},"modified":"2021-02-09T16:44:15","modified_gmt":"2021-02-09T15:44:15","slug":"ruckblick-und-vorausschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/linguistics\/2021\/general\/1126\/","title":{"rendered":"R\u00fcckblick und Vorausschau"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Studierende,<\/p>\n<p>die Vorlesungszeit ist ja noch nicht vorbei und es soll deshalb noch nicht zu sehr nach einem Abschied in die vorlesungsfreie Zeit klingen, aber es ist klar, dass f\u00fcr die meisten von Ihnen die Leistungen f\u00fcr dieses Modul erbracht sind und es langsam an der Zeit ist, zur\u00fcck und voraus zu blicken. Ich habe von einigen von Ihnen E-Mails erhalten, in denen sie sich entweder f\u00fcr das Modul bedankt oder Fragen zu Ihren Noten gestellt haben (oder beides), und in denen Sie zum Teil auch von Ihrem Erleben dieses sehr merkw\u00fcrdigen ersten Semesters erz\u00e4hlt haben.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte das zum Anlass nehmen, um ein paar allgemeine Gedanken zu diesen E-Mails zu \u00e4u\u00dfern, die Ihnen vielleicht weiterhelfen.<\/p>\n<p>Erstens, die Noten. Machen Sie sich hier zun\u00e4chst keine gro\u00dfen Gedanken um eine Drittelnote mehr oder weniger. Bedenken Sie, dass die Note f\u00fcr dieses Modul nur 2,7 Prozent Ihrer Abschlussnote ausmachen wird \u2013 selbst der Unterschied zwischen einer 1 und einer 4 w\u00e4re in der Abschlussnote nur an der zweiten Stelle hinter dem Komma sichtbar \u2013 k\u00f6nnte also nicht einmal einen Unterschied zwischen einer 1,0 und einer 1,1 ausmachen. Nehmen Sie die Note also eher als Signal, wo Sie mit Ihrem Wissen und Verst\u00e4ndnis in etwa stehen, als sich um ein oder zwei verlorene Punkte Gedanken zu machen. Sie haben noch mindestens f\u00fcnf Semester vor sich, um zu entdecken, wo innerhalb des Faches Ihre St\u00e4rken liegen und Sie werden viele Gelegenheiten haben, mit diesen St\u00e4rken zu gl\u00e4nzen und die Schw\u00e4chen zu beheben!<\/p>\n<p>Zweitens, Ihre Dankesworte. Von mehreren Seiten habe ich geh\u00f6rt, dass Ihnen unser Modul und die Vorlesung zwar nicht mit jedem einzelnen Thema begeistern konnten (das w\u00e4re auch zu viel verlangt), ihnen aber insgesamt Spa\u00df gemacht und Ihr Interesse an der wissenschaftlichen Betrachtung von Sprache geweckt hat. Das war unsere Absicht, und es freut uns, dass uns das gelungen ist. Wenn Sie konstruktive Kritik f\u00fcr uns haben, lassen Sie es uns aber gerne wissen \u2013 es hilft uns sowohl, den n\u00e4chsten Jahrgang noch besser in das Fach einzuf\u00fchren, als auch, in den fortf\u00fchrenden Veranstaltungen gezielter auf Ihre Bed\u00fcrfnisse einzugehen. Es war unser zweites Semester unter Bedingungen der Online-Lehre, wir stehen da also selbst noch am Anfang und m\u00fcssen (und wollen) dazulernen.<\/p>\n<p>Drittens, das Studium unter den Bedingungen der Online-Lehre. Das wird f\u00fcr uns alle leider noch eine Weile lang Normalfall sein \u2013 das Sommersemester wird ja in jedem Fall online stattfinden. Ich pers\u00f6nlich gehe davon aus, dass auch das n\u00e4chste Wintersemester noch keine R\u00fcckkehr in den Pr\u00e4senzbetrieb sehen wird \u2013 da die Impfungen viel zu langsam vorangehen und das Virus in der Zwischenzeit munter mutiert, kann es tats\u00e4chlich auch noch viel l\u00e4nger dauern. Hoffen wir, dass es anders kommt und wir uns im Sommer 2022 endlich einmal physisch begegnen werden, aber rechnen wir lieber nicht damit, sondern stellen wir uns der aktuellen Situation.<\/p>\n<p>Und die betrifft nicht nur (und nicht vor allem) die Lehre \u2013 hier hat die Digitalisierung ja teilweise auch Vorteile, die wir zu nutzen versuchen k\u00f6nnen. Noch vor f\u00fcnf Jahren w\u00e4re es undenkbar gewesen, Seminare und Vorlesungen per Videokonferenz abzuhalten, und auch die digitalen Werkzeuge (Blogs, Videos, Dokumentenablage, gemeinsames Arbeiten an Dokumenten usw.) sind erst in den letzen zehn Jahren wirklich massentauglich geworden.<\/p>\n<p>Nein, es betrifft vor allem die Lebenssituation, in der Sie studieren und wir lehren m\u00fcssen. Viele Studierende berichten uns von Schwierigkeiten, eine Struktur in ihren Studienalltag zu bekommen \u2013 das ist einer der Gr\u00fcnde, warum wir sehr stark auf gemeinsame Videokonferenzen setzen, die wenigstens Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr eine Struktur sein k\u00f6nnen. Gehen Sie aber das Problem auch von sich aus aktiv an und schaffen Sie sich selbst solche Ankn\u00fcpfungspunkte \u2013 z.B. durch selbst organisierte Online-Arbeitsgruppen, und vor allem durch einen Tagesplan, bei dem Sie zwischen Arbeit und Freizeit klar trennen. Das ist schwer, wenn beides haupts\u00e4chlich online stattfindet, aber es ist umso wichtiger. Ich selbst versuche, mir f\u00fcr jeden Tag einen Stundenplan zu machen und klar festzulegen, wann ich welche Arbeiten ausf\u00fchre und wann der Arbeitstag vorbei ist. Den Feierabend markiere ich dann bewusst durch ein Ritual (einen Spaziergang, ein Glas Wein oder eine Tasse Tee auf dem Balkon (derzeit im Wintermantel), o.\u00e4.).<\/p>\n<p>Das \u00e4ndert nichts an der Enge und Gleichf\u00f6rmigkeit der Lebenssituation. Selbst ich kann meine Wohnung langsam nicht mehr ertragen, und mir ist klar, dass f\u00fcr die meisten von Ihnen die Wohnsituation wesentlich beengter und anstrengender sein d\u00fcrfte als f\u00fcr mich. Hier hilft zum einen nur die Flucht in virtuelle Welten (ich gucke Netflix inzwischen haupts\u00e4chlich, um Menschen ohne Maske zu sehen, die ein normales Leben f\u00fchren \u2013 die Handlung ist mir weitgehend egal), oder eben nach drau\u00dfen, wo das m\u00f6glich ist. Das hat aber nat\u00fcrlich seine Grenzen, und mir ist (auch durch Ihre E-Mails) bewusst, dass diese Situation, die \u00fcberhaupt nicht dem Leben entspricht, dass Sie sich f\u00fcr Ihre Studienzeit vorgestellt haben, und dass das dazu f\u00fchrt, dass sie immer wieder mit dem Gedanken spielen, das Studium gleich wieder aufzugeben und auf sp\u00e4ter zu verschieben. Nun kann es nat\u00fcrlich sein, dass Sie das f\u00fcr Sie falsche Studium gew\u00e4hlt haben oder dass das Studium insgesamt nicht das Richtige f\u00fcr Sie ist. Wenn das der Fall ist, sollten Sie andere F\u00e4cher oder Ausbildungswege ausprobieren. Wenn es aber nur der Lockdown-Blues ist, der diese Gedanken verursacht, machen Sie sich klar: Selbst, wenn der Lockdown noch ein Jahr dauert, k\u00f6nnen Sie danach Ihr Leben und Ihren Studienalltag immer noch so gestalten, wie Sie es sich vorgestellt hatten \u2013 nur, dass Sie dann bereits an das universit\u00e4re Arbeiten gew\u00f6hnt sind und das ganze noch mehr genie\u00dfen k\u00f6nnen. Also verdr\u00e4ngen Sie nicht das Schlechte, Bedr\u00fcckende, Frustrierende an der derzeitigen Situation \u2013 reden Sie dar\u00fcber, miteinander und, wenn Sie m\u00f6chten, mit uns. Aber sehen Sie daneben auch das Positive \u2013 irgendwann ist es vorbei und dann haben Sie es wenigstens genutzt, um mit dem Studium voranzukommen.<\/p>\n<p>Wir hoffen also, dass Sie sich von Ihrem coronageplagten Studienstart nicht entmutigen lassen, sondern die Herausforderung darin sehen \u2013 wer wei\u00df, vielleicht macht sie das am Ende zu einem besonders starken Jahrgang. Wir freuen uns darauf, Sie im n\u00e4chsten Semester in unseren Veranstaltungen wiederzusehen \u2013 zwar online, aber trotzdem pers\u00f6nlich!<\/p>\n<p>Bis n\u00e4chsten Montag,<\/p>\n<p>Anatol Stefanowitsch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Studierende, die Vorlesungszeit ist ja noch nicht vorbei und es soll deshalb noch nicht zu sehr nach einem Abschied in die vorlesungsfreie Zeit klingen, aber es ist klar, dass f\u00fcr die meisten von Ihnen die Leistungen f\u00fcr dieses Modul erbracht sind und es langsam an der Zeit ist, zur\u00fcck und voraus zu blicken. 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