{"id":215,"date":"2018-01-23T15:13:48","date_gmt":"2018-01-23T14:13:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/?p=215"},"modified":"2018-01-29T13:26:41","modified_gmt":"2018-01-29T12:26:41","slug":"foucault-gegen-uns-wir-gegen-foucault-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/2018\/01\/23\/foucault-gegen-uns-wir-gegen-foucault-2\/","title":{"rendered":"Foucault gegen uns &#8211; wir gegen Foucault"},"content":{"rendered":"<p>Letzten Freitag haben wir uns mit Foucault und seinem Text \u201eSubjekt und Macht\u201c besch\u00e4ftigt. Er stellt hier Thesen auf, die eine v\u00f6llig andere Sicht auf Menschen und die Gesellschaft bis hin zum Staat haben als die klassischen alten Denker. Er stellt das Individuum in den Mittelpunkt seiner <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-216 size-medium alignright\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/01\/foucault-12-220x300.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/01\/foucault-12-220x300.jpg 220w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/01\/foucault-12.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 85vw, 220px\" \/>Analyse und versucht Machtanalysen anzuleiten. Dies ist ein zentrales Thema seines Textes: Die Macht und ihre Strukturen, in denen jede*r einzelne lebt.<\/p>\n<p>In unserem Ausschnitt f\u00fchrt er den Zusammenhang zwischen Subjekt und Macht auf, w\u00e4hrend das Subjekt der Schwerpunkt der Arbeit ist (laut eigener Aussage), die Beschreibung von Macht aber ausf\u00fchrlicher ist.<\/p>\n<p>Der Zusammenhang zwischen Macht und Subjekt ist bei Foucault nicht linear, sondern steht im st\u00e4ndigen Wechselspiel. Durch Interaktion von Menschen untereinander entsteht Macht erstmals, diese formt durch Objektivierung ein Individuum und daraus entstehen in der Auseinandersetzung Subjekte. Diese wiederum lassen wieder Macht in der Interaktion untereinander entstehen.<\/p>\n<p>So entsteht ein zirkul\u00e4rer Zusammenhang auf verschiedenen Ebenen. Wie eine Spirale zieht es sich selbst immer weiter, Macht l\u00e4sst Subjekt entstehen, und Subjekte formen Macht.<\/p>\n<p>Die Menschen streben selber danach, Individuum zu werden, und Freiheit im Handeln zu erlangen. Ich unterstelle hier, dass Menschen, die Subjekte sind, und nicht mit ihrer Kategorisierung \u00fcbereinstimmen, nicht ganz frei sind, weil sie sich von diesen Kategorien eingeschr\u00e4nkt f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Diese Theorie l\u00e4sst sich beispielhaft sehr gut an der Einf\u00fchrung eines dritten Geschlechts in den Registern, beziehungsweise der Klage vor dem Bundesverfassungsgericht im letzten Jahr vergleichen. Die klagende Person war zuvor durch alle Instanzen gegangen, um vor dem Bundesverfassungsgericht schlie\u00dflich Recht zu bekommen. Nun soll es m\u00f6glich werden, bei der Geburt von Kindern neben Junge\/M\u00e4dchen und den dritten \u201eNichts\u201c eine positive nicht dichotom eindeutige Geschlechtsidentit\u00e4t eintragen zu lassen. Die klagende Person hatte selber nur ein X-Chromosom, war also nicht als m\u00e4nnlich oder weiblich einzustufen, sondern eben intersexuell.<\/p>\n<p>Das System der zwei Geschlechter im Geburtenregister ist also nun offiziell als unzureichend markiert worden.<\/p>\n<p>In Foucaults Denken ist das ein klarer Fall: Die durch die Macht reproduzierten Kategorien Mann\/Frau sind nicht ausreichend und wurden hier in Rebellion gegen und im Diskurs mit den Machtstrukturen des Subjektes hinterfragt und schlie\u00dflich ge\u00e4ndert. In der breiten Gesellschaft ist es jedoch immer noch sehr schwierig, sich keinem Geschlecht zuordnen lassen zu k\u00f6nnen. Dann bleibt den Personen nach Foucault der R\u00fcckzug in die eigene Identit\u00e4t, da sie aus den Kategorien herausfallen und von anderen nicht \u201eindividualisiert\u201c werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Warum wollen nicht alle Menschen rebellieren und aus ihren Kategorien ausbrechen? Die sogenannte \u201efreiwillige Knechtschaft\u201c (S.257) ist laut Foucault die Antwort drauf, warum sich nicht jede*r Einzelne gegen die Kategorien auflehnt. Die Relativit\u00e4t des Wollen und die Intransitivit\u00e4t (Nicht-\u00dcbertragbarkeit) der Freiheit bilden den Kern der Machtbeziehungen, weil die Freiheit (Anzahl m\u00f6glicher Handlungsoptionen) eines Individuums davon abh\u00e4ngt, in welche Kategorie es durch Objektivierung eingeteilt wurde. Freiheit ist somit von au\u00dfen (durch die Gesellschaft, in die man hineingeboren wird) zugeschrieben.<\/p>\n<blockquote><p><strong>\u201eDas Hauptziel besteht heute zweifellos nicht darin, herauszufinden, sondern abzulehnen, was wir sind.\u201c<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Wir empfehlen euch noch eine Artedoku, \u201eFoucault gegen Foucault\u201c die wir selber sehr spannend fanden und euch gerne in der Sitzung einen Ausschnitt zeigen wollten:<\/p>\n<div class=\"lyte-wrapper\" style=\"width:640px;max-width:100%;margin:5px;\"><div class=\"lyMe\" id=\"WYL_b5ABDBcHQEc\"><div id=\"lyte_b5ABDBcHQEc\" data-src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2Fb5ABDBcHQEc%2Fhqdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC\"><div class=\"tT\"><\/div><\/div><div class=\"play\"><\/div><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/b5ABDBcHQEc\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2Fb5ABDBcHQEc%2F0.jpg\" alt=\"YouTube-Video-Thumbnail\" width=\"640\" height=\"340\" \/><br \/>Dieses Video auf YouTube ansehen<\/a><\/noscript><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:640px;margin:5px;\"><br\/><span class=\"lyte_disclaimer\">ACHTUNG: Daten nach YouTube werden erst beim Abspielen des Videos \u00fcbertragen.<\/span><\/div><\/p>\n<p>Eribon, Didier: Michel Foucault, eine Biographie (OV) 1992, Frankfurt, Suhrkamp Verlag<\/p>\n<p>Keller, Schneider, Vieh\u00f6ver: Diskurs &#8211; Macht &#8211; Subjekt 2011, Wiesbaden, VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften<\/p>\n<div class=\"_eit\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzten Freitag haben wir uns mit Foucault und seinem Text \u201eSubjekt und Macht\u201c besch\u00e4ftigt. 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