{"id":237,"date":"2018-02-06T23:59:19","date_gmt":"2018-02-06T22:59:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/?p=237"},"modified":"2018-02-12T16:58:47","modified_gmt":"2018-02-12T15:58:47","slug":"frantz-fanon-gewalt-als-ausweg-aus-der-kolonialen-abhaengigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/2018\/02\/06\/frantz-fanon-gewalt-als-ausweg-aus-der-kolonialen-abhaengigkeit\/","title":{"rendered":"Frantz Fanon &#8211; Gewalt als Ausweg aus der kolonialen Abh\u00e4ngigkeit?"},"content":{"rendered":"<p>Innerhalb der letzten Sitzung haben wir uns zum Abschluss des \u201aNeue Perspektiven\u2018-Blocks haben wir uns mit Frantz Fanon auseinandergesetzt. Im Fokus stand dabei Fanons Werk \u201aSchwarze Haut, wei\u00dfe Masken\u2018, welches im Jahr 1952 ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_240\" aria-describedby=\"caption-attachment-240\" style=\"width: 221px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-240\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/frantz-fanon_bild-221x300.jpg\" alt=\"\" width=\"221\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/frantz-fanon_bild-221x300.jpg 221w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/frantz-fanon_bild-768x1042.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/frantz-fanon_bild-755x1024.jpg 755w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/frantz-fanon_bild-1200x1628.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 221px) 85vw, 221px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-240\" class=\"wp-caption-text\">Frantz Fanon \u2013 Public Domain via Wikimedia Commons<\/figcaption><\/figure>\n<p>Fanon befasst sich innerhalb des behandelten Werkes mit den Folgen des Kolonialismus. Er tut dies, indem er, ausgehend von seinen eigenen Erfahrungen, die Folgen der franz\u00f6sischen Besetzung Martiniques (Fanons Heimat) auf die Schwarze Bev\u00f6lkerung diskutiert. Ganz konkret befasst er sich dabei mit der Entfremdung des Schwarzen Menschen und diskutiert dabei sowohl die Bedeutung der Zeitlichkeit, als auch vermeintliche L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge um dem Problem entgegenzutreten.<\/p>\n<p>Der Kern dessen, was Fanon als das \u201aschwarze Problem\u2018 bezeichnet, besteht darin, dass die schwarze Bev\u00f6lkerung kolonialisierter Regionen durch die Unterdr\u00fcckung und Herrschaft der wei\u00dfen Kolonialm\u00e4chte als minderwertig determiniert wird und sich als ebendies wahrzunehmen beginnt. Daraus resultiert laut Fanon, dass die Schwarzen sich nach Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung von Seiten ihrer Besetzer sehnen und deswegen versuchen, sich ihnen auf unterschiedlichsten Wegen anzugleichen.<\/p>\n<p>Wird heute \u00fcber Fanon gesprochen und diskutiert, spielt dabei auch die Gewalt und Fanons Einstellung zu eben dieser eine essentielle Rolle. Eine Thematik, welche auch in unserer Sitzung aufgekommen ist und deshalb hier noch einmal genauer betrachtet werden soll.<\/p>\n<p>Gewalt spielt in Fanons Vorschlag zum Ausweg aus der Unterdr\u00fcckung und Entfremdung der Schwarzen eine zentrale Rolle. Grundlegend daf\u00fcr ist Fanons Ansicht, dass ein Gros der Gewalt zwischen Kolonialisten und Kolonialisierten durch erstgenannte ausgeht. Als Gewalt definiert Fanon dabei zum einen strukturelle Gewalt (durch Gesetze und Regeln festgeschrieben), zum anderen aber auch explizit physisch ausge\u00fcbte Gewalt, welche von Seiten der Kolonialm\u00e4chte genutzt wird um ihre Macht zu erlangen und sp\u00e4ter zu erhalten. Fanon kritisiert diese Gewalt zwar einerseits, erkl\u00e4rt allerdings auch, dass sie aus Sicht der Kolonialisierten der einzige Weg ist, um sich zu befreien. So schreibt er in \u201aSchwarze Haut, wei\u00dfe Masken\u2018 unter anderem, dass blo\u00dfes Appellieren an Vernunft und Menschlichkeit nichts bewirken wird und der Kampf vor allem f\u00fcr die schwarzen Arbeiter auf Plantagen der einzige Ausweg ist. In seinem zweiten gro\u00dfen Werk, \u201aDie Verdammten dieser Erde\u2018, geht Fanon sogar noch weiter und erkl\u00e4rt Gewalt nicht nur zu einem Ausweg aus der kolonialen Unterdr\u00fcckung, sondern auch zu einem Mittel, um die gef\u00fchlte Minderwertigkeit der Kolonialisierten zu bew\u00e4ltigen. Er pr\u00e4sentiert den Aufstand und gewaltt\u00e4tigen Protest als Wege f\u00fcr die Subjekte der Kolonialverh\u00e4ltnisse um sich den Objekten wieder ebenb\u00fcrtig zu f\u00fchlen, ohne sich ihnen anzugleichen. Trotz allem Potenzial, welches Fanon Gewalt zuschreibt, ist er sich auch \u00fcber deren negative Effekte durchaus im Klaren. Sowohl die negativen physischen, als auch die psychischen Folgen von Gewalt sind ihm bewusst, weshalb er beispielsweise Gewaltanwendung ohne Ziel verurteilt.<\/p>\n<p>In unserer Sitzung haben wir folglich auch ausgearbeitet, dass Gewalt f\u00fcr Fanon keinesfalls ausreicht, um sich aus der physischen und psychischen Unterdr\u00fcckung des Kolonialismus und dem daraus entstandenen System zu befreien. So fordert Fanon die Menschen eindringlich zu einem Umdenken auf und fordert die Abschaffung von Hautfarben-bezogener Kategorisierung. Statt zwischen Wei\u00dfen und Schwarzen zu unterscheiden, fordert Fanon dazu auf einzelne Individuen schlichtweg als Mensch anzusehen.<\/p>\n<p>Fanons eindringlichster Appell an die Leser seiner Arbeit ist jedoch, dass sie hinterfragen sollen und nicht auf Grundlage von bereits Geschehenem und der Vergangenheit handeln sollen. Fanon fordert dazu auf dar\u00fcber nachzudenken wie die Zukunft gestaltet werden kann, anstelle sich mit Konzepten wie Rache oder Vergeltung zu besch\u00e4ftigen. Er h\u00e4lt es f\u00fcr essentiell, dass die Menschen sich selber und ihr Handeln kritisch und rational hinterfragen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_248\" aria-describedby=\"caption-attachment-248\" style=\"width: 539px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-248\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/gruppen_ergebnisse.jpg\" alt=\"\" width=\"539\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/gruppen_ergebnisse.jpg 2497w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/gruppen_ergebnisse-300x211.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/gruppen_ergebnisse-768x539.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/gruppen_ergebnisse-1024x719.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/menschenbilder\/files\/2018\/02\/gruppen_ergebnisse-1200x842.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 539px) 85vw, 539px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-248\" class=\"wp-caption-text\">Ergenisse der Gruppenarbeit aus der letzten Sitzung<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><br \/>\nFanon, Frantz (1981). Die Verdammten dieser Erde. Frankfurt. Suhrkamp Verlag.<br \/>\nFashina, O. (1989). Frantz Fanon and the Ethical Justification of Anti-Colonial Violence. <em>Social Theory and Practice<\/em>, 15(2), 179-212.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innerhalb der letzten Sitzung haben wir uns zum Abschluss des \u201aNeue Perspektiven\u2018-Blocks haben wir uns mit Frantz Fanon auseinandergesetzt. Im Fokus stand dabei Fanons Werk \u201aSchwarze Haut, wei\u00dfe Masken\u2018, welches im Jahr 1952 ver\u00f6ffentlicht wurde. Fanon befasst sich innerhalb des behandelten Werkes mit den Folgen des Kolonialismus. 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