{"id":1215,"date":"2024-09-18T18:09:44","date_gmt":"2024-09-18T16:09:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/?p=1215"},"modified":"2024-09-19T09:48:35","modified_gmt":"2024-09-19T07:48:35","slug":"sharing-is-caring-lateinamerikanische-migrantinnen-netzwerke-am-beispiel-von-latinas-en-alemania%ef%bf%bc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/2024\/09\/18\/sharing-is-caring-lateinamerikanische-migrantinnen-netzwerke-am-beispiel-von-latinas-en-alemania%ef%bf%bc\/","title":{"rendered":"Sharing is Caring: Lateinamerikanische Migrantinnen-Netzwerke am Beispiel von Latinas en Alemania\ufffc"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-group is-content-justification-right is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-fd526d70 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p>Die lateinamerikanische Community Berlins ist f\u00fcr den deutschen Kontext in ihrer Gr\u00f6\u00dfe und Vielfalt einzigartig. Laut dem statistischen Bundesamt leben in Berlin rund 98.000 Menschen mit einem lateinamerikanischen Pass oder einer Einwanderungsgeschichte aus dieser Region (Statistisches Bundesamt 2023). Menschen aus Mexiko (23.035 Personen), Venezuela (15.105 Personen), Peru (13.340 Personen) und Chile (11.345 Personen) bilden 2023 im bundesweiten Vergleich die gr\u00f6\u00dften Einwanderungsgruppen (Statista 2023). In Berlin schlie\u00dfen sich vor allem Frauen in Organisationen wie Latinas en Alemania, Sorora e.V. oder Mamis en Movimiento e.V. zusammen und unterst\u00fctzen sich bei den unterschiedlichsten Herausforderungen. Dabei entsteht Zugeh\u00f6rigkeit zun\u00e4chst durch die spanische Sprache, denn die Teilnehmer*innen kommen aus allen Ecken Lateinamerikas von Mexiko \u00fcber die Karibik und Mittelamerika bis zur s\u00fcdlichsten Spitze Argentiniens. Die Themenvielfalt, welche die Frauen besch\u00e4ftigt, l\u00e4sst sich an den Organisationen ablesen. Zum einen geht es um bilinguale Spracherziehung wie bei Mamis en Movimiento e.V. oder Unterst\u00fctzung f\u00fcr freischaffende lateinamerikanische Kunst- und Kulturschaffende wie im Falle von Sorora e.V.<br>Latinas en Alemania ist laut eigenen Angaben die gr\u00f6\u00dfte lateinamerikanische Migrantinnen-Selbstorganisation (MSO) in Deutschland. An ihrem Beispiel wird die empowernde Care-Arbeit deutlich, welche MSO f\u00fcr ihre Mitglieder leisten.<a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-admin\/post.php?post=1215&amp;action=edit#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p><\/p>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Latinas en Alemania<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Latinas en Alemania ist eine Organisation, die 2014 von Liz Soto Rivas gegr\u00fcndet wurde und sich auf die Vernetzung und Unterst\u00fctzung von spanischsprachigen Migrantinnen in Deutschland konzentriert. Mit rund 16.000 Mitgliedern und regionalen Gruppen an neun Standorten \u2013 Berlin, Bremen, Frankfurt, Hannover, Hamburg, M\u00fcnchen, Baden-W\u00fcrttemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen \u2013 bietet die Organisation ein breites Netzwerk an Unterst\u00fctzung und Aktivit\u00e4ten. Die Hauptziele von Latinas en Alemania sind das Vernetzen und Empowern ihrer Mitglieder durch eine Vielzahl an Networking-Events, Workshops und Informationen w\u00e4hrend des Migrationsprozesses (Latinas en Alemania 2024), sodass sie nicht nur auf ein Online-Netzwerk reduziert werden kann. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-style-rounded\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/DALL\u00b7E-2024-09-18-16.58.38-A-vibrant-colorful-abstract-illustration-of-women-from-Latin-America-in-a-minimalist-flat-design.-The-women-are-diverse-with-different-hairstyles-sk-6.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"777\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/DALL\u00b7E-2024-09-18-16.58.38-A-vibrant-colorful-abstract-illustration-of-women-from-Latin-America-in-a-minimalist-flat-design.-The-women-are-diverse-with-different-hairstyles-sk-6.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1225\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/DALL\u00b7E-2024-09-18-16.58.38-A-vibrant-colorful-abstract-illustration-of-women-from-Latin-America-in-a-minimalist-flat-design.-The-women-are-diverse-with-different-hairstyles-sk-6.jpeg 777w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/DALL\u00b7E-2024-09-18-16.58.38-A-vibrant-colorful-abstract-illustration-of-women-from-Latin-America-in-a-minimalist-flat-design.-The-women-are-diverse-with-different-hairstyles-sk-6-228x300.jpeg 228w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/DALL\u00b7E-2024-09-18-16.58.38-A-vibrant-colorful-abstract-illustration-of-women-from-Latin-America-in-a-minimalist-flat-design.-The-women-are-diverse-with-different-hairstyles-sk-6-768x1012.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 777px) 100vw, 777px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Die Organisation nutzt viele Kommunikationskan\u00e4le und teilt Informationen in unterschiedlichen Formaten, die sie \u00fcberwiegend auf Spanisch und teilweise Deutsch bespielt. Auf der Webseite ver\u00f6ffentlicht die Organisation den Podcast \u201eEl lado obscuro de la migraci\u00f3n\u201c (Latinas en Alemania Podcast 2024) und einen Blog (Latinas en Alemania Blog 2024), in denen Erfahrungen \u00fcber das Leben in Deutschland geteilt werden. Dort schreiben die Frauen \u00fcber allt\u00e4gliche Erfahrungen, wie binationale Partnerschaften, Winterdepressionen oder berichten von den b\u00fcrokratischen Ma\u00dfnahmen, wie man ein Haustier nach Deutschland einf\u00fchrt. Vor allem hier wird deutlich, wie vielf\u00e4ltig die Themen sind, welche die Frauen besch\u00e4ftigen: Unternehmertum, Migration, Mutterschaft, B\u00fcrokratie, Bildung, (mentale) Gesundheit sowie Essen und Kultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Alleinstellungsmerkmal ist au\u00dferdem das Verzeichnis von lateinamerikanischen Betrieben aus der Community (Latinas en Alemania Directorio 2024). Darunter finden sich Sch\u00f6nheits-, Ern\u00e4hrungs- oder Marketingcoachings jedoch auch Shops, Restaurants und Caterings. Auf Instagram (Instagram @latinasalemania 2024) und Facebook werden diese Betriebe, ihre Dienstleistungen und Veranstaltungen beworben. Au\u00dferdem wird grafisches Material wie Reels beispielsweise zu europ\u00e4ischen St\u00e4dten als Reiseziele, Informationen zum Bundesfreiwilligendienst oder deutschen Formulierungen f\u00fcr Konfliktsituationen geteilt. Gemeinsame wiederkehrende Aktivit\u00e4ten und die Sichtbarkeit der eigenen Migrationsgeschichten im \u00f6ffentlichen Raum wie der <em>C\u00edrculo de Mujeres<\/em> oder die Jubil\u00e4umsparty zum 10-j\u00e4hrigen Bestehen der Organisation tragen wie bei Turcatti (2021) sowie Ha\u00df und Sch\u00fctze (2019) diskutiert zum Gemeinschaftsgef\u00fchl bei \u2013 f\u00fcr die Frauen, die sich die Teilnahme leisten k\u00f6nnen und wollen. Vergleicht man die Veranstaltungshinweise und auch die Preise f\u00fcr Betriebe auf der Webseite f\u00e4llt der kommerzielle Charakter auf \u2013 die Teilnahme an Veranstaltungen und die Werbung auf den Kan\u00e4len kostet mindestens einen Spendenbeitrag und h\u00e4ufig einen Eintritt. Diese Kosten schlie\u00dfen Frauen aus, die in einer prek\u00e4ren Situation leben oder eine Selbstst\u00e4ndigkeit vor kurzem begonnen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Latinas en Alemania betreibt au\u00dferdem einen WhatsApp-Kanal mit ca. 900 aktiven Mitgliedern<a href=\"#_ftn1\">[2]<\/a>. Neben den Treffen in den Regionalgruppen erfahren die Frauen hier am meisten ein Gef\u00fchl der Gemeinschaft. Im Kanal werden Fragen zu Bewerbungsprozessen, dem Schul- oder Versicherungssystem oder Arbeitgebern gestellt. Erg\u00e4nzt durch Hinweise auf interessante Veranstaltungen und Ausstellungen oder Werbung der selbstst\u00e4ndigen Unternehmerinnen. Durch die spanische Sprache und die Echtzeit-Kommunikation in dem Kanal bietet die Organisationen einen sicheren Raum, um Fragen zu stellen und verst\u00e4ndliche Antworten zu bekommen. Bei 900 Mitgliedern findet sich immer eine Antwort oder ein Verweis auf einen Kontakt oder eine Organisation, die weiterhelfen kann. Das sind m\u00f6gliche Arten der F\u00fcrsorge-Arbeit, die in migrantischen Gruppen geleistet wird und als <strong>caring community<\/strong> bezeichnet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Domiziana Turcatti (2021) versteht unter <strong><em>caring communties<\/em><\/strong> die F\u00fcrsorge in kollektiven Praktiken als \u201eorientation and act of feeling compassion for, and caring about, the unmet needs and rights of people\u201d (2021: 4). Gemeinschaften wie Migrant*innen-Selbstorganisationen basieren folglich auf gegenseitigen f\u00fcrsorglichen Beziehungen der Mitglieder und bieten einen Raum, in dem Menschen nicht nur F\u00fcrsorge empfangen, sondern auch selbst aktiv in den F\u00fcrsorgeprozess eingebunden werden (Turcatti 2021: 13f). Diese F\u00fcrsorge dr\u00fcckt sich zum Beispiel im Podcast \u201eEl lado obscuro de la migraci\u00f3n\u201c von Liz Soto Rivas aus \u2013 Gr\u00fcnderin von <em>Latinas en Alemania<\/em>. Dort spricht sie mit Frauen aus der lateinamerikanischen Community in Deutschland zu ihren Geschichten. Damit leistet sie nicht nur eine wichtige Aufkl\u00e4rungsarbeit f\u00fcr alle Frauen, die gerade ihre Migration planen, sondern empowert die Migrant*innen in Deutschland indem sie einen Raum f\u00fcr lateinamerikanische Migrationserfahrungen im \u00f6ffentlichen Diskurs beansprucht. Das Teilen von Informationen und Erfahrungen sowie die Sensibilisierung f\u00fcr die Schwierigkeiten der Migration innerhalb der deutschen Gesellschaft l\u00e4sst sich entsprechend als Care-Arbeit verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Frauen berichten von ihrem Streben nach besseren Lebensbedingungen, der Flucht vor Gewalt oder Krieg, dem gemeinsamen Lebensprojekt mit dem (deutschen) Partner \/ der Partnerin oder der Familie sowie der M\u00f6glichkeit einer neuen Arbeit oder eines Studiums im Ausland (Latinas en Alemania Podcast, Trailer 3:54 \u2013 4:00). Jedoch auch von Herausforderungen, die ein Leben in einem anderen Land mit sich f\u00fchrt: das Lernen einer neuen Sprache, unbekannte Verwaltungsstrukturen, Diskriminierung, schlechtere Arbeitsbedingungen bzw. T\u00e4tigkeiten unterhalb ihrer Qualifikation (Latinas en Alemania Podcast 2024).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">El lado obscuro de la migraci\u00f3n<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Mit diesen Herausforderungen beginnt auch die Geschichte von Viry Garc\u00eda (Latinas en Alemania Podcast, Folge 10 <a href=\"https:\/\/www.latinasenalemania.com\/podcast\/episode\/1bcef6d8\/la-que-persevera-alcanza\">&#8222;La que persevera, alcanza&#8220;<\/a>) und Montse Peniche (Latinas en Alemania Podcast, Staffel 2, Folge 5 <a href=\"https:\/\/www.latinasenalemania.com\/podcast\/episode\/209d5726\/fortaleza-y-triunfo-una-enfermera-mexicana-en-alemania\">Fortaleza y Triunfo: Una enfermera Mexicana en Alemania<\/a>).<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\"><div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/pngwing.com_-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/pngwing.com_-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1233\" width=\"91\" height=\"91\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/pngwing.com_-1.png 512w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/pngwing.com_-1-300x300.png 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/files\/2024\/09\/pngwing.com_-1-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 91px) 100vw, 91px\" \/><\/a><\/figure><\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Trotz oder gerade wegen eines Bachelors im Ingenieurwesen kommt Viry kurz vor dem ersten Corona-Lockdown als Au-pair in Deutschland an. Sie erz\u00e4hlt wie belastend es ist, auf Kinder aufzupassen ohne die deutsche Sprache zu kennen und die kleinsten Fragen ihrer Gastfamilie nicht zu verstehen. Schon in dieser ersten Phase vergleicht sie immer wieder das Leben in Deutschland mit ihren M\u00f6glichkeiten als Ingenieurin in Mexiko. W\u00e4hrend sie als Geringbesch\u00e4ftigte auf die Kinder von Berliner*innen aufpasst, k\u00f6nnte sie mit ihrem Abschluss und der vorhandenen Arbeitserfahrung eine anspruchsvolle T\u00e4tigkeit in Mexiko aus\u00fcben. Die ihr au\u00dferdem einen hohen Lebensstandard mit einer \u201eeigenen Wohnung und einem Auto\u201c erm\u00f6glichen w\u00fcrde (Latinas en Alemania Podcast, Folge 10 &#8222;La que persevera, alcanza&#8220;). In den ersten zwei Jahren in Deutschland fragt sie sich deshalb immer wieder: \u201eLohnt es sich? Mein Leben in Deutschland anzuhalten?\u201c Als h\u00e4tte jemand die Stopp-Taste gedr\u00fcckt. Diese Erfahrung teilen viele Migrant*innen aus Lateinamerika. Laut der Studie von Bernarda Espinoza-Castro (Espinoza-Castro et al. 2018) arbeiten zwei von drei Personen unter ihrem Qualifikationsniveau (ebd.: 1014). Diese Nicht-Anerkennung und resultierende \u00dcberqualifizierung zeigen einen starken Zusammenhang mit psychischen Belastungen, wobei 45 % der befragten Personen angaben, unter Stress zu stehen (ebd.: 1014). <br>Nachdem ihr Au-pair Visum ausl\u00e4uft, sp\u00fcrt sie immer deutlicher, dass die Sprache existenziell ist, um nicht mehr in Deutschland \u201estillzustehen\u201c. Sie bewirbt sich auf ein Visum f\u00fcr Sprachkurse und lernt sehr diszipliniert Deutsch. Im Podcast best\u00e4tigt auch die Moderatorin, die gleichzeitig eine gute Freundin von Viry ist, dass sie ihre Tage minuzi\u00f6s strukturiert hat und auf viel Freizeit verzichten musste. Ihr n\u00e4chstes Ziel, eine Anstellung als Ingenieurin, immer vor Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Montserrat Peniche ist \u00fcber Umwege von Mexiko \u00fcber Spanien und Amsterdam f\u00fcr einen deutschen Partner nach Berlin gekommen. Nach ihrem Masterstudium arbeitet sie seit knapp 15 Jahren als Krankenschwester in der Charit\u00e9 Berlin. Nebenbei moderiert sie die Facebook-Gruppe von Latinas en Alemania. Die Arbeit als Krankenschwester ist prek\u00e4r, denn laut ihren Angaben fehlen mindestens 500 Krankenpfleger*innen in der Charit\u00e9. Ein Notstand, der vom vorhandenen Personal aufgefangen wird. Auch sie best\u00e4tigt, dass geringe Sprachkenntnisse zu Isolation und die \u00dcberqualifizierung zu Frustration f\u00fchren k\u00f6nnen. Montserrat empfiehlt mit mindestens einem B1-Niveau nach Deutschland zu migrieren und sich gut zu \u00fcberlegen, ob man die Trennung von der Familie aush\u00e4lt. Ein Aspekt, den viele Frauen in der Community stark untersch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Viry erz\u00e4hlt, wie sie viele wichtige Feste und famili\u00e4re Anl\u00e4sse verpasst. Denn der Lohn vom Kellnern reicht f\u00fcr das Notwendigste. Viry berichtet, dass sie in dieser Zeit zum ersten Mal eine Krise erlebt. Denn nach all der harten Arbeit \u2013 trotz ihres Abschlusses und ihren Deutschkenntnissen auf C1-Niveau \u2013 akzeptieren die deutschen Unternehmen die Arbeitserfahrung in Mexiko nicht. Oder wollen den Aufwand ein Arbeitsvisum f\u00fcr Viry zu beantragen, vermeiden. Es ist ein Teufelskreis, denn um Arbeitserfahrung in Deutschland zu sammeln, w\u00fcrden Migrant*innen gerne auch ein Praktikum absolvieren. Das ist durch die Visa-Bestimmungen wie im Fall von Viry jedoch meistens nicht m\u00f6glich. Ohne Arbeitserfahrung in Deutschland akzeptieren die Unternehmen dich wiederum nicht, so Viry. Sie hat Angst in der Gastronomie h\u00e4ngen zu bleiben. Am Ende erreicht sie beide ihrer Ziele: Sie findet sowohl eine Anstellung bei Apple, als auch einen Studienplatz f\u00fcr ein Masterstudium. Viry lacht \u00fcber sich, denn das Erste, das sie in Deutschland studiert hat, sind die unterschiedlichen Visa-Arten. Sie sagt, verliert nie den Glauben an euch selbst und bleibt ehrgeizig.<br>Beide Frauen teilen ihre Accounts in den Sozialen Medien und laden die Zuh\u00f6rer*innen dazu ein, sie f\u00fcr Antworten zur Arbeit und dem Studium in und der Migration nach Deutschland zu kontaktieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Migrant*innenselbstorganisationen wie Latinas en Alemania erf\u00fcllen f\u00fcr Migrant*innen vor allem in ihren ersten Jahren in Deutschland eine wichtige Funktion. Sie bieten nicht nur ein Netzwerk f\u00fcr soziale Unterst\u00fctzung w\u00e4hrend des oft herausfordernden Integrationsprozesses, sondern f\u00f6rdern auch das Empowerment durch das Teilen von Wissen. In diesem Raum entstehen Beziehungen und Freundschaften, die einen auch in Krizenzeiten tragen. Solche Organisationen spielen eine wesentliche Rolle bei der F\u00f6rderung von F\u00fcrsorge und gegenseitiger Unterst\u00fctzung, was essentiell ist, um den individuellen und kollektiven Herausforderungen der Migration entgegenzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das (mentale) Wohlbefinden von Migrantinnen wird durch Rassismus, prek\u00e4re Arbeitsbedingungen und die Nicht-Anerkennung ihrer Qualifikationen erheblich beeintr\u00e4chtigt, was die Bedeutung dieser Gemeinschaften weiter unterstreicht. Die Migrantinnenselbstorganisationen sind somit nicht nur R\u00fcckzugsorte, sondern Orte des Widerstands gegen strukturelle Barrieren wie Diskriminierung und die Schwierigkeiten der Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Dadurch wird deutlich, dass solche Organisationen nicht nur unterst\u00fctzende, sondern auch transformative Kr\u00e4fte f\u00fcr die Menschen aus Lateinamerika darstellen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Alle Informationen wurden der Webseite und Social-Media-Kan\u00e4len (Facebook und Instagram) der Organisation entnommen. Die Autorin \u00fcbernimmt keine Haftung f\u00fcr falsche Informationen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[2]<\/a> Interview mit einem Mitglied am 5.9.2024.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Referenzen<\/h2>\n\n\n\n<p>Statistisches Bundesamt (2023). Mikrozensus 2023, <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Migration-Integration\/Publikationen\/Downloads-Migration\/statistischer-bericht-einwanderungsgeschichte-erst-5122126237005.xlsx?__blob=publicationFile\">https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Gesellschaft-Umwelt\/Bevoelkerung\/Migration-Integration\/Publikationen\/Downloads-Migration\/statistischer-bericht-einwanderungsgeschichte-erst-5122126237005.xlsx?__blob=publicationFile<\/a> (Zugriff 30.08.2024).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Espinoza\u2010Castro, B., V\u00e1squez Rueda, L. E., Mendoza Lopez, R. V., &amp; Radon, K. (2019). Working below skill level as risk factor for distress among Latin American migrants living in Germany: A cross-sectional study. <em>Journal of Immigrant and Minority Health<\/em>, 21, 1012\u20131018. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s10903-018-0821-7\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s10903-018-0821-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ha\u00df, J., &amp; Sch\u00fctze, S. (2019). New spaces of belonging: Soccer teams of Bolivian migrants in S\u00e3o Paulo, Brazil. In: Feldmann, A., Bada, X., Sch\u00fctze, S. (Eds.), New migration patterns in the Americas. Palgrave Macmillan, Cham, 317\u2013336. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-319-89384-6_12\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-319-89384-6_12<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Instagram @latinasalemania (2024), <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/latinasalemania\/\">https:\/\/www.instagram.com\/latinasalemania\/<\/a> (Zugriff 7.09.2024).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Latinas en Alemania (2024), <a href=\"https:\/\/www.latinasenalemania.com\/quienessomos\">https:\/\/www.latinasenalemania.com\/quienessomos<\/a> (Zugriff 7.09.2024).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Latinas en Alemania Blog (2024), <a href=\"https:\/\/www.latinasenalemania.com\/blog\">https:\/\/www.latinasenalemania.com\/blog<\/a> (Zugriff 7.09.2024).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Latinas en Alemania Directorio (2024), <a href=\"https:\/\/www.latinasenalemania.com\/directorio\">https:\/\/www.latinasenalemania.com\/directorio<\/a> (Zugriff 7.09.2024).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Latinas en Alemania Podcast (2024), <a href=\"https:\/\/www.latinasenalemania.com\/podcast\">https:\/\/www.latinasenalemania.com\/podcast<\/a> (Zugriff 7.09.2024).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Statista (2023). Ausl\u00e4nder in Deutschland nach Herkunftsland 2023, <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1221\/umfrage\/anzahl-der-auslaender-in-deutschland-nach-herkunftsland\/\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1221\/umfrage\/anzahl-der-auslaender-in-deutschland-nach-herkunftsland\/<\/a> (Zugriff 30.08.2024).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Turcatti, D. (2021). Migrant-led organisations as caring communities: Towards a re-appreciation of the reciprocal dimension of care. <em>International Journal of Care and Caring<\/em>, 20, 651-667. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1332\/239788221X16226509568576\" target=\"_blank\">https:\/\/doi.org\/10.1332\/239788221X16226509568576<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Turcatti, D., &amp; Assaraf, K. (2020) Lessons gained from a case study of a Latin American NGO in London: The role intercultural competence plays in the delivery of services to migrant communities. In: \u201cAnother Brick In The Wall\u201d Conference Proceedings of International Association for Intercultural Education (IAIE), 136-156.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die lateinamerikanische Community Berlins ist f\u00fcr den deutschen Kontext in ihrer Gr\u00f6\u00dfe und Vielfalt einzigartig. Laut dem statistischen Bundesamt leben in Berlin rund 98.000 Menschen mit einem lateinamerikanischen Pass oder einer Einwanderungsgeschichte aus dieser Region (Statistisches Bundesamt 2023). Menschen aus Mexiko (23.035 Personen), Venezuela (15.105 Personen), Peru (13.340 Personen) und Chile (11.345 Personen) bilden 2023 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":8343,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[599549,9,91480,90478],"tags":[1227],"class_list":["post-1215","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-599549","category-allgemein","category-in-berlin","category-migration-nach-europa","tag-migration"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1215","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8343"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1215"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1215\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1294,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1215\/revisions\/1294"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1215"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1215"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1215"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}