{"id":523,"date":"2017-02-21T10:47:07","date_gmt":"2017-02-21T09:47:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/?p=523"},"modified":"2017-02-21T10:47:07","modified_gmt":"2017-02-21T09:47:07","slug":"kooperationsprojekt-des-lai-und-dem-club-al-hakawati-die-caravan-al-hakawati","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/2017\/02\/21\/kooperationsprojekt-des-lai-und-dem-club-al-hakawati-die-caravan-al-hakawati\/","title":{"rendered":"Kooperationsprojekt des LAI und dem Club Al-Hakawati: Die Caravan Al-Hakawati"},"content":{"rendered":"<p>Ein junger Mann mit einem altert\u00fcmlich aussehenden Koffer tritt vor das Publikum, stellt ihn ab, r\u00e4uspert sich und beginnt leise Texte zu rezitieren. Eine junge Frau kommt dazu. Sie macht genau das gleiche. Es folgen weitere Personen, sie alle scheinen sich mitten auf der B\u00fchne auf einen Vortrag vorzubereiten. Das ist das Theaterst\u00fcck? Oder sind wir zu fr\u00fch und das ist eine Textprobe?<\/p>\n<p>Nein. Das St\u00fcck beginnt mit einem Festival. Das Festival der Geschichtenerz\u00e4hler*innen &#8211; im Arabischen traditionell \u201cHakawati\u201d genannt. Doch es kommt anders: Ein zeitgleich ausbrechender Krieg zwingt die beteiligten Geschichtenerz\u00e4hler*innen sich im \u201cCaravan Al-Hakawati\u201d (einem selbstgebauten Auto) auf die Reise zu machen.<\/p>\n<p>Um sich gegen die gut ausgestellten Grenzgeister durchzusetzen m\u00fcssen sich die Hakawati\u2019s in ihren eigenen Geschichten den Schl\u00fcssel zum weiterkommen finden. Eine Odyssee durch eine gef\u00e4hrliche Welt und durch die Irrwege der Grenzregime der Moderne.<\/p>\n<p>Das Thema des St\u00fcckes ist aktueller denn je:<\/p>\n<p>Immer mehr Menschen als jemals zuvor sehen sich \u00fcberall auf der Welt aufgrund von Krieg und Verfolgung gezwungen aus ihrer Heimat zu fliehen. \u00a0Da vor allem, junge Gefl\u00fcchtete aus arabischen L\u00e4ndern wie Syrien oder dem Irak an dem Projekt beteiligt sind, nimmt \u201cCaravan Al-Hakawati\u201d diese spezifische arabische Erz\u00e4hltradition als Ausgangspunkt einer kollektiven Theaterproduktion. So werden unterschiedliche k\u00fcnstlerische und popul\u00e4rkulturelle Traditionen kollaborativ zu einem neuen gemeinsamen Narrativ oder Odyssee der Migration verflochten. Dar\u00fcber hinaus f\u00f6rdert die Wiederaneignung von Erz\u00e4hlungen der \u201cAnderen\u201d nicht nur die Solidarit\u00e4t unter den Beteiligten sondern stellt auch hegemoniale Diskurse \u00fcber Migration, Heimat und Fremdheit auf.<\/p>\n<p>Das LAI unterst\u00fctzt dieses Theaterprojekt nicht nur finanziell, in der kuerzlich geschlossenen Kooperation bekamen die Studierenden die Gelegenheit bei den Proben zu hospitieren und so einen Einblick in die Vielfalt der theaterp\u00e4dagogischen Arbeit zu erhalten:<\/p>\n<p><i>Was kann Theater? Wie bereitet sich eine neu gegr\u00fcndete Gruppe auf ein Theaterst\u00fcck vor? Wie beginnen die Proben jeweils? Wie enden sie? Wie werden Konflikte aufgel\u00f6st? <\/i><\/p>\n<p>Im Rahmen der Theaterproben entstanden ebenfalls neue Kontakte und Bekanntschaften. Die Arbeit auf der B\u00fchne einerseits ist Schein und Schauspiel, doch darunter verbirgt sich auch eine tiefere Komponente: Es handelt sich hierbei nicht \u201enur\u201c um k\u00fcnstliche Darstellung von Kriegs-und Fluchterlebnissen, sondern bot und bietet den jungen Schauspieler*innen auch die M\u00f6glichkeit (durch die theaterp\u00e4dagogische Unterst\u00fctzung) ihre selbst erlebte Vergangenheit zu verarbeiten.<\/p>\n<p>Studierende des LAI hatten die M\u00f6glichkeiten hinter die Kulissen zu schauen und mitzuerleben wie aus einer Gruppe von unbekannten und aus verschiedenen Kulturen und L\u00e4ndern stammenden Jugendlichen, ein Team wird, das sich gegenseitig unterst\u00fctzt und sich in den Geschichten der Anderen wiedererkennen. Durch dieses Wiedererkennen werden auch Themen wie sexuelle Freiheit, Gleichberechtigung, Rassismus sowie historische Konfliktlinien zwischen Nationen und Kulturen aufgearbeitet. Da die Hakawatis (<i>storytellers<\/i>) vor allem Menschen sind, die lieben, f\u00fcrchten, spielen und versuchen ihre Ziel zu verfolgen, geschieht das alles aus einer sehr anschaulichen, pers\u00f6nlichen, allt\u00e4glichen Perspektive heraus.<\/p>\n<p>Die Studierenden des LAI bekamen einen Blick auf ein zutiefst emanzipatorisches Projekt, bei dem sich die einzelnen Teilnehmenden auf Augenh\u00f6he gegen\u00fcber stehen und handeln und sich dadurch selbst weiterentwickeln. Das Studium des LAI bezieht in einer Vielzahl seiner Seminare die dekoloniale\/postkoloniale Perspektive mit ein. Neben entsprechenden Konzepten und Theorien werden interkulturelle Ans\u00e4tze verwendet und wissenschaftlich bearbeitet. Das Projekt bot in dieser Hinsicht eine herausragende M\u00f6glichkeit die Theorie auf die Praxis zu \u00fcbertragen und zu sehen wie Empowerment in der Praxis aussehen kann.<\/p>\n<p>Die exklusiv f\u00fcr die Studierenden des LAI aufgef\u00fchrte Generalprobe vermittelte ganz nebenbei auch noch einen Einblick hinter die Kulissen -angefangen bei der Konzeption der Kost\u00fcme bis hin zur B\u00fchnentechnik und der begleitenden musikalischen Arbeit.<\/p>\n<p>Um die Arbeit mit qualitativen Methoden zu \u00fcben, hatten die Studierenden die M\u00f6glichkeit, Interviews mit die den Schauspieler*innen und Theaterp\u00e4dagog*innen durchzuf\u00fchren und diese auszuwerten. Beispielsweise findet sich mittlerweile ein Blogbeitrag \u00fcber die den Club Al Hakawati auf der Internetseite des FU Blogs \u201eFlucht und Migration\u201c, der im Rahmen des Seminars Gender &amp; Transnationale Migration\u201c im letzten Semester entstanden ist. Ebenfalls ist eine kleine Handreichung mit Tipps zum f\u00fchren qualitativer Interviews entstanden. Die Kooperation verst\u00e4rkt des Weiteren den traditionell solidarischen und sozial engagierten Charakter des Instituts.<br \/>\nZu Beginn des diesj\u00e4hrigen Wintersemesters performte die Theatergruppe Teile des St\u00fcckes in der Rost- und Silberlaube. Damit waren auch die druch das LAI unterst\u00fczte Caravan-Al-Hakawati Teil der Kritischen Orientierungswoche an der FU (KOrFU).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein junger Mann mit einem altert\u00fcmlich aussehenden Koffer tritt vor das Publikum, stellt ihn ab, r\u00e4uspert sich und beginnt leise Texte zu rezitieren. Eine junge Frau kommt dazu. Sie macht genau das gleiche. Es folgen weitere Personen, sie alle scheinen sich mitten auf der B\u00fchne auf einen Vortrag vorzubereiten. Das ist das Theaterst\u00fcck? 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