{"id":87,"date":"2016-10-10T17:06:47","date_gmt":"2016-10-10T15:06:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/?p=87"},"modified":"2016-10-13T15:22:04","modified_gmt":"2016-10-13T13:22:04","slug":"was-bedeutet-eigentlich-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/2016\/10\/10\/was-bedeutet-eigentlich-lernen\/","title":{"rendered":"Was bedeutet eigentlich &#8222;Lernen&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Bericht \u00fcber den Workshop der Langen Nacht der Wissenschaften<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Am 11. Juni dieses Jahres f\u00fchrte ein Teil des Kurses \u201eGender und transnationale Migration\u201c, geleitet von Prof. Stephanie Sch\u00fctze, im Rahmen der langen Nacht der Wissenschaften zusammen mit ehemaligen und aktuellen Sch\u00fcler*innen einer Willkommensklasse am Lateinamerikainstitut (LAI) ein Workshop-Projekt durch. Die Idee des Workshops bildet auch die Grundlage dieses Blogs, weshalb wir unsere Erfahrung an dieser Stelle mit euch teilen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Vorfeld der Langen Nacht der Wissenschaften fand zun\u00e4chst ein Kennlerntreffen statt. Mit Hilfe eines Energizers (in der Bildungsarbeit werden Kennenlern- oder Einleitungsspiele oft so genannt, da sie Energie und eine lockere Atmosph\u00e4re schaffen sollen), war das Eis schnell gebrochen und mehrere kleine Gruppen kamen miteinander ins Gespr\u00e4ch. In diesen war es uns m\u00f6glich unsere Interessen n\u00e4her kennenzulernen. Des Weiteren tauschten wir uns \u00fcber Ideen aus, wie ein Workshop w\u00e4hrend der Langen Nacht der Wissenschaften aussehen k\u00f6nnte. Unsere unterschiedlichen Interessen fassten wir sp\u00e4ter zu verschiedenen Themen zusammen, die im Laufe des Workshops zur Sprache kommen sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf Grund der eingeschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeiten, in denen wir und die Sch\u00fcler*innen\u00a0 uns alle gemeinsam treffen konnten, um ein gemeinsames Workshopkonzept auszuarbeiten, hatten wir, die Studierenden, uns im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Idee war verschiedene Thementische aufzustellen, zwischen denen die Teilnehmenden des Workshops sich frei bewegen k\u00f6nnen, um mit anderen Teilnehmenden zu diskutieren und Wissen, sowie unterschiedliche Perspektiven auszutauschen. Uns war bewusst, dass wir damit schon einen Rahmen f\u00fcr den Workshop festlegten, blieben aber offen f\u00fcr weitere Vorschl\u00e4ge und Inhalte von Seiten der Sch\u00fcler*innen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Innerhalb der Gespr\u00e4chsrunden kamen verschiedene Themen auf, die f\u00fcr uns und die Sch\u00fcler*innen wichtig waren. Daraus resultierten folgende 6 Themen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Lernen \u2013 Schule\/Schulsysteme \/\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zukunft \u2013 Tr\u00e4ume, Beruf, Studium \/\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Freizeit \u2013 Musik, Tanz, Sport, Theater, etc.\u00a0 \/\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erinnerung \u2013 Heimat, Herkunftsland\u00a0 \/\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Geschichte \u2013 Wie sind wir nach Deutschland gekommen? \/\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was ist ein gutes Leben? \/\/<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vier Wochen sp\u00e4ter trafen wir uns dann ein zweites Mal im Lateinamerika-Institut. Ab\u00a0 15:30 Uhr kamen nach und nach die Teilnehmenden (die Sch\u00fcler*innen, Studierende und ein paar weitere Personen aus dem Institut) an. Gegen 16 Uhr leiteten wir den Workshop ein. Auf 6 Tischen lagen gro\u00dfe Plakate mit den Themenbl\u00f6cken, auf die wir die jeweiligen Themen geschrieben hatten, verteilt. An jedem Tisch gab es \u201eThemenverantwortliche\u201c, die die Diskussionen leiteten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich selbst setzte mich zun\u00e4chst an den Thementisch \u201eLernen\u201c. Gleich zu Beginn, befand ich mich in einer sehr interessanten Diskussion \u00fcber die \u201eeinfachen\u201c und doch komplexen Fragen: \u201eWas bedeutet f\u00fcr uns Lernen?\u201c und \u201eWie lernen wir am besten?\u201c Einer der Sch\u00fcler erz\u00e4hlte, dass es im Arabischen zwei verschiedene W\u00f6rter f\u00fcr Lernen gibt, die unterschiedliche Lernkonzepte ausdr\u00fccken. Mein Ged\u00e4chtnis lie\u00df es nicht zu, die arabischen Begriffe zu behalten, aber die Bedeutungen merkte ich mir sehr wohl. Zum einen gibt es ein Wort, welches, soweit ich es richtig verstand, das formelle Lernen in Schulen, Universit\u00e4ten oder anderen Institutionen beschrieb. Zum anderen gibt es einen Begriff f\u00fcr Lernen, der auch andere Formen des Lernens umfasst. Er beinhaltet nicht nur institutionelles Wissen, sondern auch Lebenserfahrung. Informelle Situationen im Alltag, aus denen bewusst oder unbewusst gelernt wird. Wissen, dass sich jede*r selbst aneignet im Laufe des Lebens. Aus jeder einzelnen erlebten Erfahrung, jedem Ereignis, nimmst du etwas mit und lernst daraus (Liebe arabisch sprechenden Menschen, korrigiert mich, sollte ich hier etwas falsch darstellen!). F\u00fcr mich war dieses Gespr\u00e4ch sehr aufschlussreich. Wir hielten diese Erkenntnis auf dem Plakat fest und schrieben auf allen Sprachen, die wir beitragen konnten, das Wort (oder mehrere Worte) f\u00fcr \u201eLernen\u201c auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als kurze Erkl\u00e4rung: Uns ist bewusst, dass auch Sprache eine Form der Macht darstellt. Am LAI wird jedes Semester versucht Kurse in den verschiedenen Sprachen Lateinamerikas anzubieten, also nicht nur auf Deutsch sondern auch auf Spanisch und Portugiesisch. Um allerdings nicht nur kolonialen Sprachen zu reproduzieren, werden auch regelm\u00e4\u00dfig Sprachen lokaler Bev\u00f6lkerungen unterrichtet, wie bswp. Quechua, Nahuatl, etc.. Viele der Sch\u00fcler*innen sprachen gut Deutsch, allerdings war dies nicht ihre Muttersprache, weshalb wir versuchten im Rahmen des M\u00f6glichen, auch deren Sprachen im Workshop zu ber\u00fccksichtigen und einzubinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber zur\u00fcck zum Thema. Nach dem ersten Thementisch verbrachte ich einen Moment an dem Tisch \u201eFreizeit\u201c. Dort wurde \u00fcber Schauspielerei gesprochen und ein paar Sch\u00fclerinnen \u00e4u\u00dferten den Traum sp\u00e4ter einmal Schauspielerin werden zu wollen. Es kam heraus, dass einige in der Runde Interesse am Tanz, Gesang und Theater hatten und wir tauschten uns \u00fcber unsere Erfahrungen damit aus. Einige der Sch\u00fclerinnen erz\u00e4hlten uns allerdings, dass ihnen hier neben dem Unterricht und zus\u00e4tzlichen Deutschkurs kaum Zeit bleibt, um andere Dinge zu unternehmen. Zum Schluss setzte ich mich noch zum \u201eZukunftstisch\u201c, wo ich allerdings eher passiv blieb und zuh\u00f6rte, w\u00e4hrend ich das Gemalte und Geschriebene meiner Vorg\u00e4nger*innen auf dem Plakat begutachtete und selbst meinen Beitrag &#8211;\u00a0 diesmal in Bildsprache &#8211; dazu malte. Denn dies war f\u00fcr mich das Sch\u00f6ne an diesem Workshop. Es gab verschiedene Themen \u00fcber die du dich unterhalten konntest. Es war allerdings dir \u00fcberlassen frei zu entscheiden, ob du aktiv oder passiv teilnimmst, ob du sprichst oder deine Ideen, Meinungen, Gedanken non-verbal auf das Papier bringst \u2013 malend oder schreibend. Au\u00dferdem stand es jedem frei auf der Sprache zu\u00a0 schreiben, die ihm, ihr beliebte und wenn m\u00f6glich wurde es \u00fcbersetzt. Jede*r konnte an den Tischen bleiben solang oder kurz er oder sie es wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach zwei Stunden musste wir einige noch laufende Gespr\u00e4che unterbrechen, da die Zeit sich dem Ende neigte. Ich kann nicht f\u00fcr andere sprechen, dennoch hoffe ich, dass jede*r der Anwesenden etwas mitnehmen konnte aus diesem Workshop und etwas gelernt hat, und obwohl es in der Universit\u00e4t stattfand, denke ich, dass es eher dem zweiten arabischen \u201eLernbegriff\u201c, dem Informellen, entsprach, als dem Ersten. Auf mich trifft dies auf jeden Fall zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht \u00fcber den Workshop der Langen Nacht der Wissenschaften Am 11. Juni dieses Jahres f\u00fchrte ein Teil des Kurses \u201eGender und transnationale Migration\u201c, geleitet von Prof. Stephanie Sch\u00fctze, im Rahmen der langen Nacht der Wissenschaften zusammen mit ehemaligen und aktuellen Sch\u00fcler*innen einer Willkommensklasse am Lateinamerikainstitut (LAI) ein Workshop-Projekt durch. 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