{"id":913,"date":"2021-07-21T14:24:29","date_gmt":"2021-07-21T12:24:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/?p=913"},"modified":"2021-08-02T10:45:07","modified_gmt":"2021-08-02T08:45:07","slug":"is-it-hard-being-the-privileged-one-all-the-time-aktuelle-forschungen-zur-lifestyle-migration-weisser-nordamerikanerinnen-im-ecuadorianischen-andenraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/migration\/2021\/07\/21\/is-it-hard-being-the-privileged-one-all-the-time-aktuelle-forschungen-zur-lifestyle-migration-weisser-nordamerikanerinnen-im-ecuadorianischen-andenraum\/","title":{"rendered":"&#8222;Is it hard being the privileged one all the time?&#8220; Aktuelle Forschungen zur Lifestyle Migration wei\u00dfer Nordamerikaner:innen im ecuadorianischen Andenraum"},"content":{"rendered":"\n<p>Migration wird oft verbunden mit Narrativen von Flucht und Vertreibung in Folge von Krieg, Gewalt und Armut. In diesem Zusammenhang ist Migration das Mittel, um das \u00dcberleben zu sichern \u2013 ein Zustand, der im Herkunftsland nicht gegeben ist. Aber was ist, wenn Menschen aus freien St\u00fccken, ohne scheinbar offensichtliche \u00e4u\u00dfere Zw\u00e4nge migrieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr eine solche <em>Lifestyle <\/em>oder <em>Amenity Migration<\/em> (auch \u201eWohlstandsmigration\u201c) sind vielf\u00e4ltig: Traumata oder pers\u00f6nliche R\u00fcckschl\u00e4ge unterschiedlicher Urspr\u00fcnge und die romantisierende Hoffnung, dass durch einen Umzug an vorgeblich \u201eexotischere\u201c, allgemein eher unbekannte Orte mit vorzugsweise mildem Klima ein neues, ein besseres Leben begonnen werden kann und bestehende Probleme so gel\u00f6st werden k\u00f6nnen (Hayes 2015a: 7f, Benson\/Osbaldiston 2016: 3). Die Migration kann auch mit vorangegangenen touristischen Reisen verkn\u00fcpft sein: der Ort, in den migriert wird, wurde bereits in einem Urlaub besucht und wird mit besonders positiven Erinnerungen in Verbindung gebracht, und in der Folge als Chance f\u00fcr den Start in ein qualitativ hochwertigereres Leben interpretiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kanadische Soziologe Matthew Hayes forscht schwerpunktartig zu den Lebensumst\u00e4nden und -einfl\u00fcssen von Lifestyle Migrant:innen in der ecuadorianischen Andenregion. F\u00fcr Hayes sind Lifestyle Migrant:innen transnationale B\u00fcrger:innen, die neue und gleichsam ungleiche Formen kosmopolitischer Identit\u00e4t erschaffen, wobei er ihre Entscheidungen und Vorstellungen in historischen (post)kolonialen Ideologien verortet sieht (2015a: 10). Hayes selbst hat in zahlreichen Aufenthalten im ecuadorianischen Cuenca, basierend auf qualitativen Interviews, die Lebensumst\u00e4nde sowie die Selbst- und Fremdwahrnehmung nordamerikanischer Migrant:innen untersucht und Artikel dazu ver\u00f6ffentlicht. Die interviewten Akteur:innen sind h\u00e4ufig, aber nicht ausschlie\u00dflich, Pension\u00e4r:innen, die ihre Rentenbez\u00fcge in ein f\u00fcr sie sinnvolles Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis bringen wollen und entsprechend migrieren, weil sie in Ecuador f\u00fcr den gleichen finanziellen Aufwand mehr bekommen als im Ursprungsland und mit dem Geld, das ihnen zur Verf\u00fcgung steht, ein entsprechend luxuri\u00f6seres Leben f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Cuenca ist bei vielen Nordamerikaner:innen als potenzielles Auswanderungsziel beliebt. Die Stadt ist mit circa 330.000 Einwohner:innen sowohl die drittgr\u00f6\u00dfte Stadt Ecuadors als auch die seit Anfang der 2000er Jahre am schnellsten wachsende. Seit 1999 ist Cuenca au\u00dferdem Welterbe der UNESCO. Das Klima ist das ganze Jahr \u00fcber mild und die Stadt ist vor allem f\u00fcr internationale Rentner:innen verlockend, da f\u00fcr Personen ab einem Alter von 65 Jahren in vielen Bereichen des \u00f6ffentlichen Lebens Verg\u00fcnstigungen angeboten werden (International Living 2021). Da auch in Ecuador mit US-Dollar als W\u00e4hrung gehandelt wird, ist vor allem f\u00fcr US-B\u00fcrger:innen keine Umrechnung notwendig und die Kosteneffizienz verglichen mit den Lebenshaltungskosten in den Vereinigten Staaten eindeutig.  W\u00e4hrend im Jahr 2009 lediglich einige hundert Lifestyle Migrant:innen aus Nordamerika in Cuenca gesch\u00e4tzt wurden, waren es 2013 bereits zwischen 3500 und 5000 Menschen \u2013 mit steigender Tendenz (Hayes 2015b: 944).<\/p>\n\n\n\n<p>In der Stadt selbst leben die Migrant:innen grunds\u00e4tzlich relativ verteilt, wenn auch mitunter in kleinen Ballungsr\u00e4umen oder auch in <em>gated communities<\/em>, abgegrenzt von den ecuadorianischen Einwohner:innen (Hayes 2015b: 945). In einem seiner Artikel von 2015 mit dem Titel \u201e\u2018It is hard being the different one all the time\u2018: gringos and racialized identity in lifestyle migration to Ecuador\u201c stellt Hayes folgende These auf: \u201e[\u2026] the racialized identities produced in the context of this migration have important consequences for migrant incorporation into Cuenca, and risk reproducing existing inequalities of caste and class\u201c (Hayes 2015b: 943).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen, die aus ihren nordamerikanischen Ursprungsl\u00e4ndern nach Cuenca migriert sind, werden mehrheitlich als wei\u00dfgelesen und kommen aus einer Umgebung, in der ihre Existenz als Wei\u00dfef\u00fcr sie pers\u00f6nlich keinerlei Bedeutung hatte, weil ihr Aussehen dem der akzeptierten Mehrheit entsprach (Hayes 2015b: 943f). Mit ihrer Umsiedlung nach Ecuador werden die Migrant:innen Teil eines \u201ehighly racialized environment\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eIn Ecuador, however, whiteness is neither invisible nor silent [\u2026] The subjective experience of being racialized white creates for most a new awareness of their whiteness and its symbolic association with economic and other privileges\u201c<\/strong> (Hayes 2015b: 944).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, dass sie auf der Stra\u00dfe und in ihrer Umgebung nicht mehr \u201eunsichtbar\u201c sind, sondern auffallen, ist den Meisten vor ihrem Umzug nach Cuenca nicht bewusst und f\u00fcr einige Migrant:innen der Grund, in eine Nachbarschaft mit anderen Einwander:innen zu ziehen und sich bewusst von den ecuadorianischen Bewohner:innen abzugrenzen. Mitunter ist diese r\u00e4umliche Abgrenzung schon allein \u00f6konomisch bedingt, da die Migrant:innen \u00fcber ein h\u00f6heres Einkommen und gr\u00f6\u00dfere Ersparnisse verf\u00fcgen als der vergleichbare Durchschnitt der Ecuadorianer:innen und sich den Lebensunterhalt in Stadtvierteln mit entsprechend h\u00f6herem Lebensstandard leisten k\u00f6nnen (Hayes 2015b: 946ff). <\/p>\n\n\n\n<p>Hayes beschreibt den gr\u00f6\u00dften Teil seiner Forschungsakteur:innen als dezidiert antirassistische, grunds\u00e4tzlich offene Individuen, die sich ihrer Stellung als \u201eGringo\/Gringa\u201c im klassistisch organisierten Gesellschaftssystem Ecuadors mit der Zeit bewusst werden und dies meist akzeptieren. Was ihnen jedoch bedeutend fehlt, ist das Wissen um und die Anerkennung von soziale(n) Bewegungen und Klassenk\u00e4mpfe(n), sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart, welche die moderne ecuadorianische Gesellschaft geformt und gepr\u00e4gt haben (Hayes 2015b: 947). Dazu kommt, dass nur die wenigsten von Hayes\u2018 Akteur:innen im Vorfeld jemals ein lateinamerikanisches Land besucht haben und bei ihrer Ankunft in Cuenca \u00fcber nur minimale spanische Sprachkenntnisse verf\u00fcgen \u2013 wenn \u00fcberhaupt (Hayes\/Carlson 2017: 199). Wesentlich ist in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung, die einem Menschen heller Hautfarbe zugeschrieben wird: nach wie vor repr\u00e4sentiert <em>Whiteness<\/em> die wohlhabenden, kolonialen Eliten und ist unmittelbar verbunden mit kulturellen Zuschreibungen, wie bspw. dem \u00f6konomischen und sozialen Status und damit einhergehenden Privilegien.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gebrauch des Begriffs \u201eGringo\/Gringa\u201c wird von den Migrant:innen angenommen als ein Ausdruck der physischen bzw. ph\u00e4notypischen Differenz zu Ecuadorianer:innen; zugleich ist er jedoch f\u00fcr Einheimische verbunden mit dem Ausdruck eines bestimmten \u00f6konomischen Status und entsprechenden Erwartungen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201e[\u2026] the meaning of gringoness extends to certain material relations, which are shaped by real and perceived inequalities, and inform practices aimed at compensating for the relative material affluence of migrants\u201c<\/strong> (Hayes 2015b: 949).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Durch die Einwanderung wohlhabender Nordamerikaner:innen werden au\u00dferdem soziale Auseinandersetzungen zwischen der bestehenden Elite Cuencas und mestizo-indigenen Bev\u00f6lkerungsschichten neu entfacht. Dies hat zur Folge, dass letztere nur mehr weiter marginalisiert werden (Hayes 2015b: 955).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einwander:innen, die in ihren Ursprungsl\u00e4ndern zum Gro\u00dfteil der oberen Mittelschicht angeh\u00f6rten, kommen als verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig verm\u00f6gende Akteur:innen in eine Stadt mit deutlich niedrigerem Einkommensschnitt pro Kopf als in vergleichbar gro\u00dfen St\u00e4dten in den USA oder Kanada (Ausw\u00e4rtige Migrant:innen m\u00fcssen f\u00fcr die Genehmigung eines ecuadorianischen Visums ein monatliches Mindesteinkommen von 800 US-Dollar nachweisen \u2013 ein Betrag, der deutlich \u00fcber dem durchschnittlichen ecuadorianischen Monatseinkommen von 375 US-Dollar (2017) liegt). Dies ist zum einen bedingt durch postkoloniale Machtasymmetrien, zum anderen werden bereits bestehende strukturelle Ungleichheiten weiter manifestiert.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eNorth Americans see their impact in cultural terms and think Ecuadorians try to take advantage of them, charging them higher prices that they have a moral responsibility to avoid paying. In doing so, however, they miss how their position in Ecuador is mediated by arbitrary global imbalances of wealth and privilege, and participate in displacing lower income residents\u201c<\/strong> (Hayes 2018: 468).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Nordamerikanische Lifestyle Migrant:innen orientieren sich bei der konkreten Entscheidung, nach Cuenca zu ziehen, zu gro\u00dfen Teilen an den finanziellen Vorteilen, die sie daraus gewinnen \u2013 und sehen sich dann mit den Konsequenzen konfrontiert, wie bspw. der r\u00e4umlichen Verdr\u00e4ngung von Menschen aus schw\u00e4cheren Einkommensklassen oder des sie direkt selbst betreffenden \u201egringo pricing\u201c. Hayes argumentiert, dass viele Einwander:innen gut gemeinte Absichten haben, durch ihre Anwesenheit die lokale Wirtschaft zu unterst\u00fctzen und so der Bev\u00f6lkerung zu helfen, sich jedoch gleichzeitig nicht als Verursacher:innen des Problems einer Preisinflation (vor allem sichtbar in steigenden Preisen f\u00fcr Wohnraum und Grundst\u00fccke, aber auch f\u00fcr Lebensmittel und Taxifahrten) und der damit einhergehenden negativen Beeinflussung der allt\u00e4glichen Lebensumst\u00e4nde vieler Cuencanos und Cuencanas sehen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eNorth Americans desire their whiteness to be benign, and belie the potential impact their higher incomes have on the receiving community. Yet, this moral response says more about their own ideals of migration and integration, and fails to address the structural conditions of inequality that condition their place impact as transnational gentrifiers\u201c<\/strong> (Hayes 2018: 468).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Was sich stattdessen zeigt, ist eine gewisse naive Hilflosigkeit, begr\u00fcndet in einem mangelnden Bewusstsein f\u00fcr globale Ungleichheitsstrukturen, von denen sie selbst profitieren. Nord-S\u00fcd-Migrant:innen in Cuenca sind entsprechend sozialisiert, sich mit den materiellen und symbolischen Vorteilen, die ihnen vor Ort geboten werden, zu identifizieren und sie anzunehmen, anstatt sie in ihrem transkulturellen Kontext in Frage zu stellen (Hayes 2018: 473). Ohne Frage verf\u00fcgen viele dieser Migrant:innen \u00fcber \u201egute\u201c Absichten und sowohl Willen als auch Motivation f\u00fcr eine \u201eerfolgreiche Integration\u201c in die Gesellschaft Cuencas. Der Gedanke, bspw. durch kontinuierliches Erlernen der Sprache oder den demonstrativen Einzug in ein von geb\u00fcrtigen Ecuadorianer:innen gepr\u00e4gtes Stadtviertel, seinen eigenen Integrationsprozess vorantreiben zu k\u00f6nnen und so als vollwertiger Teil der neuen Gesellschaft und Kultur wahrgenommen zu werden, mag zun\u00e4chst einmal logisch erscheinen. Er ver\u00e4ndert allerdings nichts an der Tatsache, dass den meisten Migrant:innen nicht bewusst ist, welche Strukturen es sind, die ihren reibungslosen Auswanderungsprozess von Nordamerika nach Lateinamerika und damit zusammenh\u00e4ngende Privilegien \u00fcberhaupt erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eNorth American migration to Ecuador and other locations in Latin America is shaped by unearned, structurally inherited advantages [\u2026]\u201d<\/strong> (Hayes\/Carlson 2017: 204).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei werden sie allen potenziellen integrativen Anstrengungen zum Trotz Teil einer Elite bleiben, die von globalen Ungleichheitsstrukturen und asymmetrischen Machtverh\u00e4ltnissen zwischen dem globalen Norden und dem globalen S\u00fcden profitiert und diese immer wieder manifestiert und reproduziert \u2013 und vice versa.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem Idealbild des \u201egood immigrant\u201c oder \u201egood guest\u201c steht das von Hayes\u2018 Forschungsindividuen oftmals erw\u00e4hnte Narrativ des \u201eobnoxious gringo\u201c oder \u201eugly american\u201c gegen\u00fcber. Hierbei handelt es sich um Personen innerhalb der Akteursgruppe der Migrant:innen, die durch offensichtliches Miss- und Fehlverhalten gegen\u00fcber ihrer ecuadorianischen Gastgesellschaft auffallen und von einem Gro\u00dfteil der von Hayes Interviewten abgelehnt werden (Hayes\/Carlson 2017: 195ff). Diesen Personen gemein ist u. a. eine Ablehnung der ecuadorianischen Kultur und die Weigerung, die eigenen Spanischkenntnisse zu verbessern oder sogar ungeduldig von ecuadorianischen Arbeiter:innen im \u00f6ffentlichen Dienst in verschiedenen Kontexten zu verlangen, Englisch zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die vielschichtig privilegierte Situation der Lifestyle Migrant:innen wird vor dem Hintergrund globaler Mobilit\u00e4tsprozesse nochmals deutlich: wer darf bzw. kann sich wie in der Welt bewegen?<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4tkapitalistische und neoliberale Machtverh\u00e4ltnisse bedingen, dass vor allem Personen mit hohem \u00f6konomischem Status aus weltwirtschaftlich starken Nationen als transnationale Reisende anerkannt und gew\u00fcnscht sind (Glick Schiller\/Salazar 2012: 4). Auch Lifestyle Migrant:innen stammen aus L\u00e4ndern, denen eine \u201esignifikante Machtposition [wirtschaftlicher und\/oder politischer Natur] in der globalen Hierarchie\u201c zugeschrieben wird (Benson 2014: 49).<\/p>\n\n\n\n<p>Transnationale Mobilit\u00e4t im Sinne \u201elegaler\u201c Grenz\u00fcbertretungen ist f\u00fcr Menschen aus dem globalen Norden entsprechend leichter als f\u00fcr Menschen des globalen S\u00fcdens.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eNorth-South migration brings into focus the coloniality of power at the heart of transnational mobility, particularly in a context marked by the growth of surveillance and regulations that criminalize and restrict movement for most citizens of countries in the Global South trying to move north\u201c<\/strong> (Hayes\/P\u00e9rez-Ga\u00f1\u00e1n 2017: 117).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Lifestyle Migrant:innen aus Kanada und den Vereinigten Staaten nutzen ihre Mobilit\u00e4t und wirtschaftliche \u00dcberlegenheit zu ihrem Vorteil \u2013 und generieren auf diesem Weg einen Kontrast, der st\u00e4rker nicht sein k\u00f6nnte. W\u00e4hrend Nordamerikaner:innen mit bewusst ausgerichteten Marketingstrategien der Beh\u00f6rden mittel- und s\u00fcdamerikanischer L\u00e4nder angeworben werden, um die regionale Wirtschaft mit ihrem potenziellen Investitionskapital voranzutreiben (zu den \u2013 negativen \u2013 Konsequenzen dessen siehe oben), haben L\u00e4nder wie die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren ihre strikten Einwanderungsbestimmungen weiter versch\u00e4rft \u2013 dies betrifft vor allem S\u00fcd-Nord Migrant:innen aus L\u00e4ndern Lateinamerikas und der Karibik (Feldmann et al. 2019: 2). Dazu kommt, dass die h\u00e4ufig angebotenen sozialen und finanziellen Vorz\u00fcge f\u00fcr nordamerikanische Migrant:innen (bspw. eine g\u00fcnstige Krankenversicherung) in paradoxer Weise der Tatsache gegen\u00fcber stehen, dass vielen Einheimischen und Staatsb\u00fcrger:innen im empfangenden Land eine solche vollumf\u00e4ngliche Versorgung fehlt, weil sie nicht \u00fcber die entsprechenden finanziellen Mittel verf\u00fcgen \u2013 was wiederum Ursache sein kann f\u00fcr Migrationsstr\u00f6me in L\u00e4nder des globalen Nordens (ebd.). Die Privilegien von Lifestyle Migrant:innen werden also nicht allein anhand ihres individuellen finanziellen Verm\u00f6gens verhandelt, sondern vor allem im Rahmen transnationaler Mobilit\u00e4t(en) und asymmetrischer globaler Machtverh\u00e4ltnisse. In diesem Sinne kann, nahezu muss das Forschungsfeld der Lifestyle Migration in einem postkolonialistischen Kontext analysiert und interpretiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Benson, Michaela 2014: Negotiating Privilege in and through Lifestyle Migration. In: Michaela Benson und Nick Osbaldiston (Hrsg.), <em>Understanding Lifestyle Migration<\/em>. <em>Theoretical Approaches to Migration and the Quest for a Better Way of Life<\/em>. London &amp; New York: Palgrave Macmillan, 47-68.<\/p>\n\n\n\n<p>Benson, Michaela und Osbaldiston, Nick 2016: Toward a critical sociology of lifestyle migration: reconceptualizing migration and the search for a better way of life. <em>The Sociological Review <\/em>64: 407-423.<\/p>\n\n\n\n<p>Feldmann, Andreas et al. 2019: New Mobility Patterns in the Americas. In: Andreas Feldmann, X\u00f3chitl Bada und Stephanie Sch\u00fctze (Hrsg.), <em>New Migration Patterns in the Americas. Challenges for the 21<sup>st<\/sup> Century<\/em>. o.O.: Palgrave Macmillan, 1-24.<\/p>\n\n\n\n<p>Glick Schiller, Nina und Salazar, Noel 2012: Regimes of Mobility Across the Globe. <em>Journal of Ethnic and Migration Studies<\/em>: 1-18.<\/p>\n\n\n\n<p>Hayes, Matthew 2015a: The Emerging Lifestyle Migration Industry and Geographies of Transnationalism, Mobility and Displacement in Latin America. <em>Journal of Latin American Geography <\/em>14(1): 7-18.<\/p>\n\n\n\n<p>Hayes, Matthew 2015b: \u2018It is hard being the different one all the time\u2019: gringos and racialized identity in lifestyle migration to Ecuador. <em>Ethnic and Racial Studies <\/em>38(6): 943-958.<\/p>\n\n\n\n<p>Hayes, Matthew und Carlson, Jesse 2017: Good guests and obnoxious gringos: Cosmopolitan ideals among North American migrants to Cuenca, Ecuador. <em>American Journal of Cultural Sociology <\/em>6(1): 189-211.<\/p>\n\n\n\n<p>Hayes, Matthew und P\u00e9rez-Ga\u00f1\u00e1n, Roc\u00edo 2017: North-South migrations and the asymmetric expulsions of late capitalism: Global inequality, arbitrage, and new dynamics of North-South transnationalism. <em>Migration Studies <\/em>5(1): 116-135.<\/p>\n\n\n\n<p>Hayes, Matthew 2018: The gringos of Cuenca: How retirement migrants perceive their impact on lower income communities. <em>Royal Geographical Society. Special Section: Geographies of the Ageing-Migration Nexus<\/em>. o.S.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Migration wird oft verbunden mit Narrativen von Flucht und Vertreibung in Folge von Krieg, Gewalt und Armut. In diesem Zusammenhang ist Migration das Mittel, um das \u00dcberleben zu sichern \u2013 ein Zustand, der im Herkunftsland nicht gegeben ist. Aber was ist, wenn Menschen aus freien St\u00fccken, ohne scheinbar offensichtliche \u00e4u\u00dfere Zw\u00e4nge migrieren? 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