{"id":39,"date":"2020-03-29T23:39:14","date_gmt":"2020-03-29T21:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/mummelthei\/?p=39"},"modified":"2020-03-31T18:51:06","modified_gmt":"2020-03-31T16:51:06","slug":"uebersetzungskurs-als-sprachpraktische-uebung-erste-ideen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/mummelthei\/2020\/03\/29\/uebersetzungskurs-als-sprachpraktische-uebung-erste-ideen\/","title":{"rendered":"\u00dcbersetzungskurs als sprachpraktische \u00dcbung \u2013 erste Ideen"},"content":{"rendered":"<p>Bevor ich noch eine Ermunterung zum Austausch verfasse, wozu sich die Kommentarfunktion eines solchen Blogs nat\u00fcrlich wunderbar eignet,\u00a0m\u00f6chte ich einige erste Ideen f\u00fcr die Online-Umsetzung einer sprachpraktischen \u00dcbung vorstellen.<\/p>\n<p>Es geht um folgenden Kurs:<\/p>\n<ul>\n<li>Kurstitel: \u00dcbersetzen aus dem Arabischen und ins Arabische<\/li>\n<li>Lehr- und Lernform: sprachpraktische \u00dcbung<\/li>\n<li>zugeh\u00f6rig zum Modul: erweiterte und angewandte Sprachkompetenz Arabisch<\/li>\n<li>Studiengang: MA Arabistik<\/li>\n<li>Fachsemester: 2<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Backward design<\/h3>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: right\">Es ist ganz wahr, was die Philosophie sagt, da\u00df das Leben r\u00fcckw\u00e4rts verstanden werden mu\u00df. Aber dar\u00fcber vergi\u00dft man den andern Satz, da\u00df vorw\u00e4rts gelebt werden mu\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">\u223c\u00a0S\u00f8ren Kierkegaard , aus den Tageb\u00fcchern<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Fast in diesem Sinne versuche ich in der Entwurfsphase meine Kurse zuerst &#8218;von hinten&#8216; zu verstehen, das hei\u00dft von den Kurszielen her, bevor ich meinen Semesterplan gestalte.\u00a0Dieser Ansatz ist nat\u00fcrlich weder neu noch stammt er von mir;\u00a01998 haben Grant Wiggins und Jay McTighe in\u00a0<em>Understanding by Design<\/em> skizziert, wie man &#8222;backward design&#8220; einsetzen kann, um sicherzustellen, dass alle verschiedenen Elemente eines Kurses aufeinander abgestimmt sind. Man arbeitet sich also von hinten nach vorne durch, definiert zuerst messbare Ziele, entwickelt anschlie\u00dfend Aufgaben, anhand derer man beurteilt, ob die Studierenden die Ziele erf\u00fcllen, um schlie\u00dflich die regelm\u00e4\u00dfigen Aktivit\u00e4ten f\u00fcr den Unterricht zu planen, die Studierenden helfen, das Material zu verstehe und verschiedene Aufgaben erfolgreich zu absolvieren.<\/p>\n<h3>Qualifikationsziele und Kursinhalte<\/h3>\n<p>Dementsprechend habe ich f\u00fcr den Kurs\u00a0<em>\u00dcbersetzen aus dem Arabischen und ins Arabische\u00a0<\/em>bisher folgende <strong>Qualifikationsziele<\/strong> formuliert:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Studierenden haben ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr unterschiedliche Textarten und ihre sprachlichen Charakteristika und wie sich diese auf den \u00dcbersetzungsprozess auswirken;<\/li>\n<li>sie entwickeln \u00dcbersetzungskompetenzen durch aktive Teilnahme in \u00dcbersetzungsauftr\u00e4gen und deren Kommentierung;<\/li>\n<li>sie kennen deutsch- bzw. englischsprachige Terminologien zur Beschreibung von \u00dcbersetzungsph\u00e4nomenen;<\/li>\n<li>sie k\u00f6nnen \u00dcbersetzungen vergleichen und kritisch diskutieren;<\/li>\n<li>sie verstehen den Aspekt der kulturellen Diversit\u00e4t beim \u00dcbersetzen und verf\u00fcgen \u00fcber Kategorien zur qualitativen Analyse von \u00dcbersetzungen;<\/li>\n<li>sie haben ein Bewusstsein f\u00fcr die Etikette bei der Kommunikation in Diskussionsforen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aus diesen Stichpunkten ist ersichtlich, dass ich mich bereits vor der Formulierung der Qualifikationsziele f\u00fcr ein vorrangig <strong>asynchrones Lehrformat<\/strong>\u00a0entschieden hatte, dass auf <strong>geringe Unmittelbarkeit<\/strong> setzt und keiner hohen Bandwidth bedarf. Hauptmedium der Interaktion zwischen Studierenden untereinander sowie zwischen den Studierenden und mir soll ein <strong>Diskussionsforum<\/strong> in Blackboard sein.<\/p>\n<p>Meine Vorstellung ist, dass die Studierenden im Abstand von drei Wochen jeweils (mindestens) zwei Texte \u00fcbersetzen, einen aus dem Arabischen und einen ins Arabische. F\u00fcr das Einreichen der \u00dcbersetzungen erstelle ich\u00a0<strong>Aufgaben\u00a0<\/strong>in Blackboard; hier laden die Studierenden bis zu einem zuvor festgelegten Zeitpunkt ihre \u00dcbersetzungen hoch.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend \u00fcbertrage ich diese \u00dcbersetzungen <strong>anonymisiert<\/strong>\u00a0in das Diskussionsforum in Blackboard. Die Studierenden haben dann die Aufgabe, die eingereichten \u00dcbersetzungen in Beitr\u00e4gen zu kommentieren und zu diskutieren. Daf\u00fcr haben sie eine Woche Zeit.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Woche dient dann \u00dcberarbeitung der eigenen \u00dcbersetzungen sowie der Vorbereitung auf eine<strong> Live-Session<\/strong>, also eine Videokonferenz, bei der die Studierenden und ich gleichzeitig \u2013 also\u00a0<strong>synchron<\/strong>\u00a0\u2013 zusammenkommen und in &#8222;Echtzeit&#8220; interagieren. Hier soll noch\u00a0einmal m\u00fcndlich \u00fcber die \u00dcbersetzungen diskutiert werden. Hierf\u00fcr setze ich zun\u00e4chst eine Stunde an. In der Videokonferenz werden auch die Texte f\u00fcr die n\u00e4chste \u00dcbersetzungsaufgabe festgelegt, ggf. auf Vorschlag der Studierenden. In der ersten Live-Session soll diese Struktur auch schon ein erstes Mal evaluiert werden, wobei auch das Diskussionsforum M\u00f6glichkeit zur Zwischenevaluation bietet.<\/p>\n<p>Sofern sich dieser Rhythmus aus erstens \u00dcbersetzungsaufgabe, zweitens schriftlichem Kommentieren, drittens m\u00fcndlichem Diskutieren beim ersten Mal bew\u00e4hrt, wiederholt er sich bis zum Ende der Vorlesungszeit noch zweimal. Damit \u00fcbersetzen die Studierenden insgesamt mindestens 6 Texte im Kursverlauf.<\/p>\n<p>Da im Mittelpunkt dieses Kurse das \u00dcbersetzen steht, habe ich die <strong>Kursinhalte<\/strong>\u00a0entsprechend knapp gehalten:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Studierenden \u00fcben das \u00dcbersetzen von Texten unterschiedlicher Art aus dem Arabischen und ins Arabische;<\/li>\n<li>sie erarbeiten sich selbstst\u00e4ndig einen Einblick in moderne \u00dcbersetzungstheorien und\u00a0wenden entsprechende Analysekategorien der Translationswissenschaft f\u00fcr die Diskussion verschiedener \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeiten an;<\/li>\n<li>die Diskussion der \u00dcbersetzungen findet vorrangig im Forum in Blackboard statt und wird in drei Live-Sessions zusammengefasst.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Was noch offen ist &#8230;<\/h3>\n<h5>Welche Prim\u00e4rtexte?<\/h5>\n<p>Ich habe mich noch nicht entschieden, welche Texte ich mit den Studierenden \u00fcbersetze, obwohl ich meist sofort zu Gedichten neige. Allerdings\u00a0m\u00f6chte ich in der ersten Live-Session mit den Studierenden \u00fcber verschiedene Gattungen, Arten, Sorten von Texten sprechen, sodass wir uns vielleicht gemeinsam auf zwei Texte f\u00fcr die erste \u00dcbersetzungsaufgabe einigen.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die weiteren \u00dcbersetzungsaufgaben m\u00f6chte ich eigentlich Input der Studierenden einholen. Es geht in dem Kurs nicht darum, Texte zu einem bestimmten Thema oder von einem bestimmten Autor oder aus einer bestimmten Zeit zu \u00fcbersetzen, sondern sich eben genau vor Augen zu f\u00fchren, inwiefern unterschiedliche Texte unterschiedliche \u00dcbersetzungsmethoden verlangen, vielleicht aber auch Gemeinsamkeiten in den \u00dcbersetzungsergebnissen aufweisen.<\/p>\n<h5>Welche Sekund\u00e4rtexte?<\/h5>\n<p>F\u00fcr die Diskussion der eingereichten \u00dcbersetzungen m\u00fcssen sich die Studierenden eigenst\u00e4ndig ein angemessenes Analysevokabular aus dem Bereich der Translationswissenschaften aneignen. Entsprechende Literaturhinweise stelle ich in Blackboard bereit, gebe jedoch nicht vor, welche Texte davon durchzuarbeiten sind. Selbst wenn ich alle diese Texte als sinnvoll und f\u00fcr die Diskussion zutr\u00e4glich erachte, gehe ich davon aus, dass manche Studierende auch ohne die Bearbeitung theoretischer Texte konstruktive Kommentare zu \u00dcbersetzungsvarianten und \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeiten verfassen k\u00f6nnen. Vielleicht sto\u00dfen die Studierenden bei ihren Recherchen auch auf Sekund\u00e4rtexte, die ihnen als noch besser geeignet oder verst\u00e4ndlicher erscheinen als diejenigen, die ich vorausgew\u00e4hlt habe. Auch f\u00fcr die Diskussion um Sekund\u00e4rtexte bietet sich das Forum an.<\/p>\n<h5>Etikette bei der Kommunikation in Online-Foren<\/h5>\n<p>Ich habe noch keine Ausschau nach Blogbeitr\u00e4gen oder gar Sekund\u00e4rliteratur zum Verhalten in Online-Foren gehalten, denke aber, dass es durchaus sinnvoll ist, eine Art\u00a0<strong>Code of Conduct\u00a0<\/strong>zu pr\u00e4sentieren. Vorschl\u00e4ge willkommen!<\/p>\n<h5>Pr\u00fcfungsleistung<\/h5>\n<p>Das Modul sieht eine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung bzw. ein Fachgespr\u00e4ch (ca. 20 Minuten) als Pr\u00fcfungsleistung vor. Ob und \u2013 wenn ja \u2013 wie diese im Sommersemester 2020 kontaktlos umgesetzt werden kann, ist noch nicht klar.<\/p>\n<p>Meine Vorstellung ist, dass die Studierenden nach der letzten Live-Session die im Kurs behandelten Texte intensiv vorbereiten. In der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfungen w\u00e4hlen die Studierenden blind jeweils einen arabischen und einen nicht-arabischen Text. Aus diesen beiden Texten \u00fcbersetzen sie dann jeweils einen angemessen Teil w\u00e4hrend der m\u00fcndlichen Pr\u00fcfung, bevor wir \u00fcber verschiedene \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeiten und Terminologien, mit deren Hilfe sich \u00dcbersetzungen beschreiben lassen, ins Gespr\u00e4ch kommen.<\/p>\n<h3>Abschlie\u00dfend &#8230;<\/h3>\n<p>Diese Ideen zur sprachpraktischen \u00dcbung\u00a0<em>\u00dcbersetzen aus dem Arabischen und ins Arabische\u00a0<\/em>sind noch nicht in G\u00e4nze ausgearbeitet; sehr wahrscheinlich habe ich noch nicht alles bedacht, was es zu bedenken gibt. Auch gibt es sicherlich andere M\u00f6glichkeiten, einen solchen \u00dcbersetzungskurs als\u00a0<em>distant learning course<\/em> aufzuziehen. \u00dcber entsprechende Ideen und Vorschl\u00e4ge oder einfach Gedanken in den Kommentaren zu diesem Beitrag freue ich mich!<\/p>\n<p>Selbst bei einem zu Anfang eines Semesters relativ feststehenden Lehrplan habe ich mir immer erlaubt, flexibel auf R\u00fcckmeldungen von Studierenden zu reagieren, den Arbeitsaufwand anzupassen oder Literatur- und Themenw\u00fcnsche unterzubringen. Auch dieser Kurs wird da keine Ausnahme bilden; eher setze ich auf eine aktive R\u00fcckmeldung durch die Studierenden nach dem ersten Durchlauf der von mir konzipierten Struktur, sodass ich die Lernerfolgskontrollen der dann folgenden Wochen ggf. anpasse und entsprechend der Qualifikationsziele weiterentwickle.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Beitrag folgt wahrscheinlich ein zeitlicher \u00dcberblick zu diesem Kurs.<\/p>\n<p>Bis auf Weiteres &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor ich noch eine Ermunterung zum Austausch verfasse, wozu sich die Kommentarfunktion eines solchen Blogs nat\u00fcrlich wunderbar eignet,\u00a0m\u00f6chte ich einige erste Ideen f\u00fcr die Online-Umsetzung einer sprachpraktischen \u00dcbung vorstellen. 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