Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Kein A und O

Ständig begegnen uns Dinge im Alltag, die wir eigentlich unbedingt tun sollten, aber aus Bequemlichkeit oder irgendwelchen Ängsten heraus dann doch sein lassen. Dazu gehört zum Beispiel die Steuererklärung, dazu gehört der regelmäßige Zahnarztbesuch oder auch die Blutspende. Das Finanzamt kann uns zu der unangenehmen Aufgabe zwingen und die Steuererklärung anmahnen – bei der Blutspende gibt es so ein Druckmittel nicht. Da hilft nur viel Publicity und ein Appell an das gute Gewissen.

So versucht es im Moment auch das Belgische Rote Kreuz mit einer pfiffigen Kampagne. Weil es allerorten an Blutspenden fehlt, streichen das Rote Kreuz und seine Partner auf Webseiten, Plakaten oder Publikationen überall die Buchstaben A, B und O. Die drei Zeichen stehen für die Bezeichnungen der verschiedenen Blutgruppen. In Deutschland würde das nur halb so gut funktionieren: Bei uns heißt die Blutgruppe bekanntlich null und nicht Oh. Wer typographisch sehr gewissenhaft ist, sieht zwischen der Ziffer 0 und dem Buchstaben O auch optisch einen Unterschied. Aber die Benennung der beiden Zeichen fließt gelegentlich ineinander über, besonders bekannt etwa im Englischen, wo etwa bei Telefonnummern auch „oh“ statt „zero“ gesagt wird.

Im niederländischsprachigen Raum scheinen beide Bezeichnungen nebeneinander zu bestehen, hier ist mal von bloedgroep nul und mal von bloedgroep O die Rede. Wikipedia behauptet: „In Vlaanderen wordt dit bijna altijd als letter uitgesproken.” Einen Beleg bekommen wir dafür leider nicht – vielleicht haben unsere Leser/innen in den Nachbarländern hier eigene Eindrücke und Erfahrungen von ihren Arztbesuchen?

Allerorten findet man die Information, dass das O (also das „oh“) ursprünglich aus dem Deutschen stammen soll, nämlich abgeleitet von ohne. Wie der österreichische Mediziner Karl Landsteiner beschrieb, sind in der entsprechenden Blutgruppe keine Antigene enthalten, die Transfusionen für Patienten mit den anderen Blutgruppen verhindern. Die Abwesenheit dieser Antigene kann man natürlich genauso gut mit null beschreiben. Egal ob oh oder null – es läuft auf dasselbe hinaus. Warum sich ausgerechnet im Deutschen das oh von ohne nicht gehalten hat, im Niederländischen dagegen schon (obwohl zonder nicht mit o anfängt), das bleibt rätselhaft.

In Österreich war der Biologe Karl Landsteiner mal viel Geld wert. (ÖNB, PD)

Wenig rätselhaft ist dagegen die Tatsache, warum es das Belgische Rote Kreuz dreimal gibt. Es hat einen flämischen Flügel, der sich Rode Kruis-Vlaanderen nennt. Außerdem hat es einen französischsprachigen Flügel, der weiterhin den Namen Croix-Rouge de Belgique trägt und bei Bedarf den Zusatz communauté française nennt. Und natürlich gibt es auch das Belgische Rote Kreuz der deutschsprachigen Gemeinschaft. Ganz unblutig hat sich die Hilfsorganisation in den 1970er Jahren aufgeteilt, und in Flandern hat man ganz konsequent auch gleich Belgien aus dem Namen gestrichen. Bei der Streichung der drei wichtigen Buchstaben arbeiten das R_de Kruis-Vl__nderen und das Cr_ix R_uge de Belgique nun zum Glück friedlich zusammen.

Wir v_n der Niederländischen Phil_l_gie _n der FU _itten jedenf_lls dringend: Gehen Sie _lut spenden!

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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 16. August 2016 um 18:00 Uhr von Philipp Krämer veröffentlicht und wurde unter Belgien, Sprachvariation, Sprachvergleich, Wortschatz abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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