Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Belgienluft

Über Belgiens Himmel tut sich was. Die altehrwürdige Sabena ist lange Geschichte. Seit es die Société Anonyme Belge d‘Exploitation de la Navigation Aérienne nicht mehr gibt, spricht der Luftraum über Flandern und Wallonien Englisch, mit Brussels Airlines am Brussels Airport. Und neuerdings mit Air Belgium. Die neue Fluggesellschaft sollte eigentlich Ende April starten, mit einer Direktverbindung nach Hongkong. Leider hat das Unternehmen bisher keine Überflugrechte für den russischen Luftraum und musste deshalb den Erstflug verschieben.

Dynamische Trikolore. (MisterQ, CC-BY-SA 4.0)

Bei ihrem Namen war die neue Fluggesellschaft wenig phantasievoll. Die Kombination Air + X gibt es hunderfach. Strukturell ist sie etwas wunderlich: Ist Air + X eigentlich ein Kompositum? Und wenn ja, hat es wirklich einen Kopf, bzw. woraus setzt es sich zusammen? Angenommen, Air steht kurz für Airline und der Zusatz soll näher bezeichnen, woher die Fluglinie kommt oder wer sie betreibt. Dann wäre für das Englische die Reihenfolge relativ ungewöhnlich. Wir hätten es dann mit der Fluglinie Belgien zu tun, nicht mit der Belgien-Fluglinie. Belgium Air wäre also die morphologisch naheliegendere Wahl, und die Form X + Air wird natürlich von anderen Fluggesellschaften auch häufig gewählt. Aber die umgekehrte Variante Air + X gibt es eben auch zuhauf. Noch ist uns Air Berlin in relativ frischer Erinnerung.

Anders als bei Brussels Airlines kommt jetzt jedenfalls bei Air Belgium wieder der Landesname zur Ehre (eine Air Belgium gab es auch früher schon einmal). Auch in der Farbgebung und beim Logo gibt man sich föderal bis royal. Mit der neuen Verbindung könnte es zumindest am Boden wieder etwas frankophoner zugehen, denn die Flüge starten und landen nicht in Zaventem, sondern in Charleroi, das im Flugtourismus großzügig „Brüssel-Süd“ heißt.

Im Detail scheint die Fluggesellschaft aber noch ein wenig Nachhilfe in Sprachfragen zu brauchen. Sie bietet ihre Webseite zwar unter anderem auch auf Deutsch an und vernachlässigt damit nicht die dritte Landessprache. Bei den Informationen über Brüssel schlägt man dann aber ein wenig über die Stränge und erklärt alle drei Sprachen sogleich auch zu offiziellen Sprachen der Hauptstadt – also Französisch, Deutsch und… Flämisch (nicht Niederländisch). Immerhin wird der Fehler konsequent in allen Sprachfassungen der Internetseite durchgehalten.

Ob man in Charleroi künftig mehr Kantonesisch in den Straßen hören wird? Warten wir’s ab – vorausgesetzt, die Sache mit Russland klärt sich bald.

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Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 26. April 2018 um 13:05 Uhr von Philipp Krämer veröffentlicht und wurde unter Belgien, Wortbildung abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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