Nederlands

Beobachtungen zur niederländischen Sprache

Koningsdag in Groningen

von Aniko Schusterius

Ausgefeilte Deko.

Wenn die Läden ihre Schaufenster Orange dekorieren, wenn an den Häuserfassaden Trauben von rot-weiß-blauen Luftballons hängen und wenn an der Universität Pappkronen verschenkt werden, dann ist es wieder soweit. Der alljährliche Koningsdag wird zelebriert.
Für mich war der Geburtstag des niederländischen Königs Willem-Alexander doppelt besonders. Wir haben in Deutschland weder ein Königshaus noch eine vergleichbare Person, dessen Älterwerden die Bürger des Landes so begeistert. Während meines Auslandssemesters in Groningen wurde mir sogar die Ehre zu Teil, die Königsfamilie live zu sehen und mit anderen tausenden Menschen zu bejubeln.

Obwohl der niederländische König erst am 27. April Geburtstag hat, bereitete sich Groningen schon Ende März auf den Feiertag vor. Es begann kaum merklich mit ersten Werbeaufstellern in Supermärkten, die besondere Produkte wie orangenen Hooghoudt (Jenever aus Groningen) oder Glitzergirlanden anpriesen. Es konnten Bonuspunkte bis zum großen Tag gesammelt und im Markt für Fanartikel eingelöst werden.

Sprachspielerische Deko.

Eine ansteigende Aufregung war ab der zweiten Aprilwoche zu spüren. Während meine Dozenten in der Universität jedes Seminar damit begonnen, auf den Besuch der königlichen Familie hinzuweisen, steckten Kommilitonen Nerven und Geld in die Planung von Mottoparties und Bartouren. Die Läden dekorierten mit Puppen des Königspaares ihre Schaufenster, stellten Spruchtafeln auf und legten orangene Teppiche vor den Eingängen aus. Motto-T-Shirts gingen öfter über die Ladentheke, als Stroopwaffeln und Käse. Auch die Studentenverbindungen ließen es sich nicht nehmen, ihre Häuser passend zu gestalten. Als besonders kreativ erwiesen sich die Mitglieder der Verbindung Vindicat, die aus der Hooghoudt-Werbung auf ihrem Dach Hoogheidt machten.

In der dritten April-Woche begannen erste Umbauarbeiten in der Stadt. Bühnenteile wurden angefahren und Hotels und Pensionen klebten rot beschriebene Schilder in ihre Fenster: „Geen kamers tussen 27.4. en 29.4“. Auf dem Wochenmarkt und in den Supermärkten konnte man nun vermehrt Gesprächen lauschen, die sich um so wichtige Themen wie Máximas Kleid und die Wahl von Willem-Alexanders Krawatte drehten. Eine Kommilitonin, mit der ich zum Schreiben von Hausarbeiten verabredet war, hatte statt der Begriffe zur Gedichtanalyse tatsächlich alle 43 Titel des Königs auswendig gelernt – meine Begeisterung darüber hielt sich zu ihrer Überraschung in Grenzen.

Mehr sprachspielerische Deko.

Am Morgen des 23. April ging in der Universität das Gerücht um, dass der gesamte Campus aus Sicherheitsgründen zeitnah gesperrt werden würde. Am Abend des gleichen Tages freute ich mich bereits über die kurzfristig ausgerufene veranstaltungsfreie Woche aufgrund des Sicherheitschecks der gesamten Stadt. Herumstehende Fahrräder wurden aus der Stadt transportiert, Parkverbote und die Entfernung von Mülleimern folgten. So langsam wurde mir klar, dass der Koningsdag in der Kategorie Partysport kein Sprint, sondern ein Marathon ist, denn die Feierlichkeiten begannen bereits in der Nacht vor dem Koningsdag. In meinem Fall feierte ich mit hunderten anderen Menschen vor einer großen Bühne auf dem Vismarkt, Dresscode: Krönchen. Hier wurde niederländisches Musikprogramm geboten und es floss jede Menge Heineken.

Die königliche Familie (hinten, ohne Uniform)

Am Freitag, dem 27. April, stand ich nach einer sehr kurzen Nacht um 10:30 Uhr auf dem Martinikerkhof – Kamera um den Hals, Papierkrone auf dem Kopf. Trotz meiner Größe von über 1,80m gelang es mir nur auf Zehenspitzen den noch größeren Umstehenden über die Schulter zu schauen. Kaum hatte die königliche Familie das nahegelegene Hotel Prinsenhof verlassen, stiegen hunderte Arme mit Handys und Kameras in die Luft. Mir gelang nur ein Schnappschuss aus der Menge heraus. Ein Programm entlang der Route sollte den royalen Gästen einen Eindruck von der Stadt und ihren Einwohnern verschaffen. Konfettikanonen, Kindertanzgruppen, Spitzensportler, Alumni der Universität, Musikbands und Quizspiele – ein Hindernissparcours, den die königliche Familie, stets umringt von schreienden und jubelnden Menschenmassen, mit Bravour bewältigte.
Nach dem Besuch des Königs stiegen die großen Partys auf den Bühnen, Clubs und Bars. Im Stadtpark und in den Nebenstraßen fernab des Trubels verkauften Einwohner traditionell ihre tweedehands spullen. Das große Kingsland Festival, schon wochenlang vorher ausverkauft, bot vor allem ein Programm für Technofans.
Egal wer man war, egal wo man sich befand, Groningen war im Ausnahmezustand. Es wurde gefeiert, gelacht und getanzt. Und auch wenn der Krach von den Bühnen aus der Stadt, den Bars und Restaurants, aus den offenen Fenstern und Balkontüren unglaublich laut war, hatte ich das Gefühl am friedlichsten Ort der Welt zu sein.

Alle Fotos von Aniko Schusterius.

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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 2. September 2018 um 22:41 Uhr von Philipp Krämer veröffentlicht und wurde unter Niederlande abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

2 Reaktionen zu “Koningsdag in Groningen”

  1. Henk Smout

    Drie keer zie ik hier Koningsdag, maar ook twee keer Konigsdag zonder de tweede -n-.
    Moeilijk toch, dat Nederlands!

  2. Philipp Krämer

    Onze drie correctoren (NL, Belgisch, Duits) hebben – geboeid/gefascineerd door de inhoud – over dit typefoutje heen gelezen! Meteen verbeterd. 🙂

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