{"id":10748,"date":"2015-11-08T08:45:14","date_gmt":"2015-11-08T07:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=10748"},"modified":"2015-12-01T16:10:09","modified_gmt":"2015-12-01T15:10:09","slug":"spitzlein-brustzipfel-en-snaveltje","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/11\/08\/spitzlein-brustzipfel-en-snaveltje\/","title":{"rendered":"Spitzlein, Brustzipfel en snaveltje"},"content":{"rendered":"<p>Kendall Jenner hat ein neues Piercing, erf\u00e4hrt man im <a href=\"https:\/\/www.ad.nl\/ad\/nl\/1003\/You\/article\/detail\/4169414\/2015\/10\/23\/Kendall-Jenner-pronkt-met-tepelpiercing.dhtml\" target=\"_blank\"><em>Algemeen Dagblad<\/em><\/a>. Wer Kendall Jenner ist, spielt eigentlich keine gro\u00dfe Rolle. Der streng sprachwissenschaftliche Blick richtet sich nicht auf ihren Status als C-Promi sondern auf ihr Dekollet\u00e9. Nur <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/08\/03\/naakte-meisjes\/\" target=\"_blank\">ganz ausnahmsweise<\/a>, versprochen! In der Zeitung ist n\u00e4mlich zu lesen, dass Fr\u00e4ulein Jenner ein neues <em>tepelpiercing <\/em>hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschsprachige wirkt das Wort <em>tepel<\/em> f\u00fcr einen Zeitungsartikel entschieden zu informell. Es klingt so \u00e4hnlich wie <em>Nippel<\/em>, ein eher lockerer, umgangssprachlicher Begriff f\u00fcr <em>Brustwarze<\/em>. Die direkte deutsche Entsprechung von <em>tepel <\/em>w\u00e4re <em>Zipfel<\/em>, was in diesem Zusammenhang aber als ironische Formulierung auf ganz <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/06\/14\/ouwe-lullen-en-krasse-knarren\/\" target=\"_blank\">andere K\u00f6rperregionen<\/a> hindeutet. Im Niederl\u00e4ndischen ist <em>tepel<\/em> dagegen ein v\u00f6llig neutrales Wort ohne besondere Konnotation, das auch <a href=\"https:\/\/nederl.blogspot.de\/2015\/01\/mannentepels-van-de-taal.html\" target=\"_blank\">in seri\u00f6sen Kontexten<\/a> gebraucht werden kann. So \u00e4hnlich aber <em>tepel <\/em>und <em>Nippel <\/em>auch sind (man wei\u00df ja nie, was sich der Lautwandel f\u00fcr [t] und [n] so ausgedacht hat), sie sind etymologisch eher entfernte Verwandte. <em>Nippel<\/em> ist eine relativ fr\u00fche Entlehnung vom Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Englischen und <a href=\"https:\/\/www.etymonline.com\/index.php?term=neb&amp;allowed_in_frame=0\" target=\"_blank\">geht zur\u00fcck<\/a> auf <em>neb <\/em>f\u00fcr <em>Schnabel. V<\/em>on dort aus wurde das englische <em>nib<\/em> dann auch zur Bezeichnung f\u00fcr <em>Spitze<\/em> oder auch <em>Schreibfeder<\/em>. Der <em>tepel<\/em> ist ein Diminutiv von <em>tip<\/em>, also eine kleine Spitze. Auf Deutsch kennen wir <em>Spitze<\/em> im Brustbereich nur als besonders elegante Dekoration an der Unterw\u00e4sche, als (<em>Brusselse) kant<\/em>.<\/p>\n<div style=\"width: 313px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cornelis_van_Haarlem\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/a\/ac\/Cornelis_Cornelisz_van_Haarlem_-_Een_monnik_en_een_begijn_-_1590.jpg\" alt=\"\" width=\"303\" height=\"346\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Cornelis van Haarlem: &#8222;Een monnik en een begijn&#8220; &#8211; en een tepel. (Frans Hals Museum, PD)<\/p><\/div>\n<p>Auf derlei Zierrat hatte Kendall Jenner verzichtet, sonst h\u00e4tte man schlie\u00dflich die Konturen des Schnabelpiercings nicht gesehen. Sie trug also keinen <em>beha<\/em>, wie uns der Artikel detailliert berichtet. (Unterw\u00e4sche von Promis scheint in den\u00a0<em>Lage Landen<\/em> gerade ein wichtiges Thema zu sein, auch bei <em><a href=\"https:\/\/www.standaard.be\/cnt\/dmf20151022_01933002\" target=\"_blank\">De Standaard<\/a><\/em>.) Den <em>BH <\/em>gibt es auch auf Deutsch, und als Kurzform f\u00fcr <em>B\u00fcstenhalter <\/em>bzw. <em>bustehouder<\/em> ist der Hintergrund v\u00f6llig identisch. Ob man <em>beha<\/em> als Akronym sehen m\u00f6chte, h\u00e4ngt ein bisschen von der Definition ab. Jedenfalls weist der niederl\u00e4ndische Terminus <em>letterwoord<\/em> bereits darauf hin, dass bei Akronymen die Schrift oft einen gro\u00dfen Einfluss auf die Bildung des neuen Wortes hat. Es greift entweder die Anfangslaute oder die Anfangsbuchstaben der W\u00f6rter auf, aus denen es zusammengesetzt wird. Bei <em>beha<\/em> w\u00e4re es hoffnungslos, nur auf die Laute zu setzen, weil man dann ein Art behauchtes [b<sup>h<\/sup>] aussprechen m\u00fcsste. <em>Beha <\/em>ist also die neu ausgeschriebene Form einer Abk\u00fcrzung \u2013 ob nun Akronym oder nicht \u2013 basierend auf dem Schriftbild, \u00e4hnlich der geschriebenen Variante <em>okay<\/em> f\u00fcr <em>OK<\/em>. W\u00e4hrend <em>be <\/em>und <em>ha <\/em>die Buchstabieraussprache des Niederl\u00e4ndischen exakt wiedergeben, ist das Niederl\u00e4ndische <em>ok\u00e9<\/em> und auch die Variante <em>oukei<\/em> auf Afrikaans schon wieder einen Schritt weiter in der Entwicklung. Der Buchstabe <em>K <\/em>wird schlie\u00dflich nur auf Englisch [ke\u026a] ausgesprochen. Die angedeutete Diphthongierung von [o] mit der Schreibung &lt;ou&gt; w\u00fcrde dagegen durchaus auch der gegenw\u00e4rtigen Aussprache im Niederl\u00e4ndischen entsprechen, jedenfalls in den Niederlanden. Dass so auf Basis des Buchstabierens und der Entlehnung eine ganz neue Schreibweise entstanden ist, ist ein v\u00f6llig <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/04\/16\/ein-okayes-attribut-ist-noch-such\/\" target=\"_blank\">okayer<\/a> Prozess. Das hat der Sprachwandel tiptop hinbekommen, und in der Linguistik finden wir sowas spitze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kendall Jenner hat ein neues Piercing, erf\u00e4hrt man im Algemeen Dagblad. Wer Kendall Jenner ist, spielt eigentlich keine gro\u00dfe Rolle. Der streng sprachwissenschaftliche Blick richtet sich nicht auf ihren Status als C-Promi sondern auf ihr Dekollet\u00e9. Nur ganz ausnahmsweise, versprochen! In der Zeitung ist n\u00e4mlich zu lesen, dass Fr\u00e4ulein Jenner ein neues tepelpiercing hat. F\u00fcr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2044,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[71792,23502,10102,6940],"tags":[44141],"class_list":["post-10748","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-suedafrikaafrikaans","category-aussprache","category-etymologie","category-wortschatz","tag-beitraege-auf-deutsch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2044"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10748"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10748\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10768,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10748\/revisions\/10768"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10748"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}