{"id":10961,"date":"2015-11-19T08:37:29","date_gmt":"2015-11-19T07:37:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=10961"},"modified":"2015-11-19T10:25:32","modified_gmt":"2015-11-19T09:25:32","slug":"noch-nicht-prooftauglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/11\/19\/noch-nicht-prooftauglich\/","title":{"rendered":"Noch nicht prooftauglich"},"content":{"rendered":"<p>Das Niederl\u00e4ndische hat sich mal wieder etwas Englisches gemopst. Das Englische ist nun einmal alles andere als <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/11\/13\/maak-je-smartphone-boefproof\/\" target=\"_blank\"><em>boefproof<\/em><\/a>. Das neue Derivationssuffix <em>\u2013proof<\/em> ist ein ziemliches <em><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/11\/16\/boef\/\" target=\"_blank\">boefje<\/a><\/em> und mischt sich in allerlei Worte ein, wie uns Truus De Wilde k\u00fcrzlich schon zeigte.<\/p>\n<p>Wie so viele Entlehnungen kann es sich aber noch nicht geschmeidig in die Flexionsmorphologie einf\u00fcgen. Denn <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/04\/16\/ein-okayes-attribut-ist-noch-such\/\" target=\"_blank\">wieder einmal<\/a> trifft das mit <em>\u2013proof <\/em>gebildete Adjektiv auf die H\u00fcrde, dass es nicht attributiv gebraucht werden kann. <em>Mijn telefoon is boefproof<\/em> ist v\u00f6llig in Ordnung (jedenfalls grammatisch). *<em>Ik heb een boefproofe telefoon <\/em>funktioniert hingegen nicht. Unter anderem m\u00fcsste hier wahrscheinlich auch der Frikativ stimmhaft werden, aber <em>een boefproo<strong>v<\/strong>e telefoon<\/em> wirkt auch seltsam. Selbst bei Neutra im unbestimmten Singular, wo das Problem mit dem \u2013e nicht auftritt, mag die Form nicht so recht klingen: *<em>Ik heb een boefproof mobieltje<\/em>. Wem <em>boefproof<\/em> schon an sich zu affektiert ist, kann es auch mit <em>inbraakproof <\/em>oder <em>winterproof<\/em> probieren \u2013 das Ergebnis ist dasselbe.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Erfolg von <em>\u2013proof <\/em>liegt im Augenblick nicht so sehr darin, dass es sich besonders gut in die Grammatik einf\u00fcgt, schlie\u00dflich wirft es noch jede Menge Zweifelsf\u00e4lle auf, z.B. bei der Schreibung und Aussprache (was passiert mit dem englischen R?) Die bewundernswerte St\u00e4rke des neuen Suffixes liegt vielmehr in seiner semantischen Anpassungsf\u00e4higkeit. Es scheint problemlos auch an Substantive anzuschlie\u00dfen, die <a href=\"https:\/\/www.dbnl.org\/tekst\/dela012alge01_01\/dela012alge01_01_02397.php?q=de%20overdracht%20tussen%20het%20bedoelde%20en%20het\" target=\"_blank\">metonymisch oder synekdochisch <\/a>sind. So erwies sich zum Beispiel die finanzielle F\u00f6rderung von Infrastrukturma\u00dfnahmen im Nordosten der Niederlande zum Gl\u00fcck als europarechtlich zul\u00e4ssig, also <a href=\"https:\/\/www.groningen-seaports.com\/Nieuws\/tabid\/2122\/articleType\/ArticleView\/articleId\/142\/language\/de-DE\/Oplossing-voor-Aldel-en-toekomst-industriecluster-Delfzijl.aspx\" target=\"_blank\"><em>Brusselproof<\/em><\/a>.<\/p>\n<div style=\"width: 214px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mautstelle\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/2e\/Zeichen_391_-_Mautpflichtige_Strecke%2C_StVO_2003.svg\" alt=\"\" width=\"204\" height=\"204\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Wahrscheinlich nicht &#8222;Brussel-proof&#8220; und den Regierungen Belgiens und der Niederlande ein Dorn im Auge*: Die Pl\u00e4ne einer &#8222;Autobahngeb\u00fchr f\u00fcr Ausl\u00e4nder&#8220; in Deutschland. (PD)<\/p><\/div>\n<p>Das Deutsche h\u00e4lt sich bei alldem erst einmal raus. Bisher jedenfalls gibt es das entsprechende Suffix nicht, und wir k\u00f6nnen unser Handy nicht ohne Weiteres als <em>gaunerproof <\/em>bezeichnen. Stattdessen haben wir eine Vielzahl anderer Ableitungen, die alle etwas mit<em> nimmt keinen Schaden<\/em> oder <em>geeignet f\u00fcr<\/em> zu tun haben. Ein Handy kann zum Beispiel durchaus <em>outdoortauglich <\/em>und <em>wasserfest <\/em>sein, aber \u00fcber ein <em>diebstahltaugliches <\/em>oder <em>diebstahlfestes <\/em>Handy freuen sich vermutlich eher die Einbrecher als die Besitzer: Es w\u00fcrde sich besonders gut stehlen lassen, weil es dabei nicht kaputt geht.<\/p>\n<p>Stattdessen k\u00f6nnte das Mobiltelefon vielleicht <em>diebstahlresistent <\/em>sein. Aber das w\u00fcrde wohl bedeuten, dass es sich gar nicht erst stehlen l\u00e4sst. So weit ist die Technik noch nicht. Am ehesten ist es also <em>diebstahlsicher<\/em>. Die Auswahl ist gro\u00df, und man kommt nicht umhin, sich f\u00fcr eine der vielen M\u00f6glichkeiten zu entscheiden.<\/p>\n<p>Das Niederl\u00e4ndische ist dem Deutschen um eine produktive und sehr vielseitig einsetzbare Entlehnung aus dem Englischen voraus. Das Deutsche ist noch nicht prooftauglich. Aber wer wei\u00df, vielleicht ist <em>\u2013proof<\/em> in ein paar Jahren schon ein Kandidat f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.anglizismusdesjahres.de\/\" target=\"_blank\">Anglizismus des Jahres<\/a>?<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #808080\">*Im Zusammenhang mit der Maut-Illustration noch ein Gedanke: &#8222;Brusselproof&#8220; betrifft hier offenkundig nur die Rolle der EU-Institutionen, obwohl die belgische Regierung nat\u00fcrlich auch in Br\u00fcssel sitzt und die Maut ebenso ablehnt. Vermutlich w\u00fcrde man im zweiten Fall eher von &#8222;Wetstraat-proof&#8220; sprechen (nach dem Sitz der Regierungsinstitutionen Belgiens in der Wetstraat\/Rue de la Loi) &#8211; was wiederum interessante Fragen \u00fcber den Umfang von metonymischen Konstruktionen aufwirft.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Niederl\u00e4ndische hat sich mal wieder etwas Englisches gemopst. Das Englische ist nun einmal alles andere als boefproof. Das neue Derivationssuffix \u2013proof ist ein ziemliches boefje und mischt sich in allerlei Worte ein, wie uns Truus De Wilde k\u00fcrzlich schon zeigte. 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