{"id":11481,"date":"2016-01-19T08:32:55","date_gmt":"2016-01-19T07:32:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=11481"},"modified":"2016-01-16T16:11:24","modified_gmt":"2016-01-16T15:11:24","slug":"flaschenweise-afrikaans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/01\/19\/flaschenweise-afrikaans\/","title":{"rendered":"Flaschenweise Afrikaans"},"content":{"rendered":"<p>In Deutschland ist Afrikaans ist seit Jahren in aller Munde. Stimmt nicht? Stimmt doch! Man kann nat\u00fcrlich nicht behaupten, dass besonders viele Menschen in Deutschland Afrikaans sprechen oder lernen. Aber an einer Stelle ist die Sprache dennoch pr\u00e4sent: Auf dem Tisch, im Geburtstagsgeschenk, im Supermarktregal. Viele Weine aus S\u00fcdafrika tragen n\u00e4mlich auf ihrem Etikett das Afrikaans in die Welt.<\/p>\n<p>Am gel\u00e4ufigsten sind deutschen Genie\u00dferzungen wahrscheinlich die gr\u00f6\u00dferen Marken, G\u00fcter und Produktionsorte wie <em>Nederburg <\/em>oder <em>Stellenbosch. <\/em>Damit beginnt aber das Spiel erst. Afrikaans wird n\u00e4mlich auch f\u00fcr die Markenbildung gerne herangezogen, um Geschichten zu erz\u00e4hlen und damit den Wein individuell und pers\u00f6nlich erscheinen zu lassen. F\u00fcr Deutschsprachige d\u00fcrfte dabei der Hihi-ist-das-niedlich-Faktor noch hinzukommen. Ob das die Produzenten beabsichtigen, darf man bezweifeln. Schlie\u00dflich ist der deutschsprachige Raum nicht das einzige Exportgebiet.<\/p>\n<p>Die Suche bei beliebigen Weinanbieter im Internet liefert einige poetische Produzenten und Marken wie<\/p>\n<blockquote><p><em>Buitenverwachting <\/em>(ein Wein, der die Erwartungen \u00fcbertreffen soll \u2013 fragt sich, ob die Erwartungen an Wein aus S\u00fcdafrika tats\u00e4chlich so niedrig sind)<\/p>\n<p><em>Vergelegen <\/em>(ein Produkt aus einem weit abgelegenen Weingut, Message: \u201cbesonders schwer heranzukommen\u201d)<\/p>\n<p><em>Kaapzicht\u00a0<\/em>(Blick aufs Kap, alte Seefahrer- und Fernreisenromantik)<\/p>\n<p><em>Allesverloren <\/em>(ein Weingut, das einmal abbrannte aber so gute Produkte lieferte, dass man es wieder aufbauen musste)<\/p>\n<p><em>Vergenoegd <\/em>(deutlich optimistischer als das Vorgenannte)<\/p>\n<p><em>Avontuur <\/em>(verweist wohl auf die Unw\u00e4gbarkeiten der Geschichte und verspricht spannende Aromen, aber ob ein Wein wirklich &#8222;abenteuerlich&#8220; schmecken soll?)<\/p>\n<p><em>Vrede en Lust <\/em>(genau das Gegenteil von <em>avontuur<\/em>)<\/p>\n<p><em>Gemoedsrus <\/em>(&#8222;Gem\u00fctsruhe&#8220;, sicher kein aufregender Wein, aber vielleicht ein Genussmoment zur Erholung)<\/p><\/blockquote>\n<p>Manches Etikett ist sogar ziemlich mutig und mutet der Kundschaft allerlei Begriffe zu, deren Aussprache beim Ablesen eine ziemliche Herausforderung darfstellen d\u00fcrften, beispielsweise <em>Leeuwenkuil <\/em>oder <em>Boekenhoutskloof<\/em>.<\/p>\n<div style=\"width: 345px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f3\/Blaauklippen_vineyards_%C3%A0_Stellenbosch.jpg\/1024px-Blaauklippen_vineyards_%C3%A0_Stellenbosch.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f3\/Blaauklippen_vineyards_%C3%A0_Stellenbosch.jpg\/1024px-Blaauklippen_vineyards_%C3%A0_Stellenbosch.jpg\" alt=\"\" width=\"335\" height=\"224\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Weingut Blaauwklippen bei Stellenbosch. (Mister-E, CC-BY-2.0)<\/p><\/div>\n<p>Was zus\u00e4tzlich auff\u00e4llt: Einige dieser Begriffe sind mehr niederl\u00e4ndisch als afrikaans, etwa die Formen <em>buiten <\/em>(nl.) statt <em>buite <\/em>(afr.), <em>vergenoegd <\/em>(nl.) statt <em>vergenoeg <\/em>(afr.), oder <em>leeuw <\/em>(nl.) statt <em>leeu <\/em>(afr.). F\u00fcr Kundige oder Einheimische mag das noch einen zus\u00e4tzlichen Beigeschmack in Richtung \u201chistorisch\u201d und \u201ctraditionell\u201d erzeugen. F\u00fcr den deutschen Markt spielt es sicher keine Rolle.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bleiben das Afrikaans auf dem Etikett nie alleine. Im Gegenteil: Es gibt auch jede Menge Markennamen auf Englisch, die f\u00fcr den internationalen Verkauf auf jeden Fall transparenter sind. Die sachlicheren Beschreibungen wie das Herkunftland (<em>Wine of South Africa<\/em>) und die Rahmenpoesie (<em>4th generation winemaker family<\/em>) sind ohnehin immer auf Englisch oder mischen sich ganz s\u00fcdafrika-typisch mit afrikaansen Namen (<em>Produced and bottled on Kanonkop<\/em>). Dazu kommt erstaunlich oft das Franz\u00f6sische, nicht nur in den bekannten Rebsorten wie <em>Chardonnay <\/em>oder <em>Cabernet Sauvignon<\/em>, sondern auch als Marken-, Orts- und Familiennamen. Dass gerade die Gegend um das St\u00e4dtchen <span style=\"text-decoration: underline\">Fransch<\/span>hoek eine Weinregion ist, \u00fcberrascht sicher niemanden. Die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Huguenots_in_South_Africa\" target=\"_blank\">hugenottische Auswanderung nach S\u00fcdafrika<\/a> hat hier ihre kulinarischen und onomastischen Spuren hinterlassen.<\/p>\n<p>Das Business ist jedenfalls nach au\u00dfen sichtbar fest in der Hand der stolzen wei\u00dfen Traditionslinien, die einst die Weinproduktion ans Kap brachten: Nicht-koloniale Sprachen S\u00fcdafrikas sucht man auf den Weinflaschen vergeblich. Der gute Tropfen mag der Zunge schmeicheln, aber in Zungen reden m\u00f6chte er lieber nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland ist Afrikaans ist seit Jahren in aller Munde. Stimmt nicht? Stimmt doch! Man kann nat\u00fcrlich nicht behaupten, dass besonders viele Menschen in Deutschland Afrikaans sprechen oder lernen. Aber an einer Stelle ist die Sprache dennoch pr\u00e4sent: Auf dem Tisch, im Geburtstagsgeschenk, im Supermarktregal. 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