{"id":11750,"date":"2016-03-10T09:05:02","date_gmt":"2016-03-10T08:05:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=11750"},"modified":"2016-03-10T11:28:44","modified_gmt":"2016-03-10T10:28:44","slug":"ein-wort-das-nicht-trendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/03\/10\/ein-wort-das-nicht-trendet\/","title":{"rendered":"Ein Wort, das nicht trendet"},"content":{"rendered":"<p>Zugegeben, die niederl\u00e4ndische Sprache ist wahrscheinlich die K\u00f6nigin der <a href=\"https:\/\/neon.niederlandistik.fu-berlin.de\/de\/nedling\/morphology\/wordformation\" target=\"_blank\">Konversion<\/a>. Gib ihr ein Substantiv, und sie macht ein Verb daraus, koste es was es wolle. <em>Computeren<\/em>, <em><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/01\/15\/boycotten\/\" target=\"_blank\">tennissen<\/a>, <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/05\/10\/transport\/\" target=\"_blank\">treinen<\/a><\/em> \u2013 alles kann, nichts muss. Doch in einer kleinen Ecke des Internets schleicht sich heimlich das Deutsche von hinten an und paff! bastelt es eine <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/01\/15\/boycotten\/\" target=\"_blank\">implizite Transposition<\/a>, die sich gewaschen hat.<\/p>\n<p>Zugegeben, so klein ist diese Ecke im Internet nicht, sie hei\u00dft <em>Twitter<\/em>. Und auf Twitter kann auf Deutsch ein Thema inzwischen <em><a href=\"https:\/\/blogs.taz.de\/wortistik\/2015\/07\/31\/trenden\/\" target=\"_blank\">trenden<\/a><\/em>. Ja, richtig gelesen: Das Thema <em>trendet<\/em>. Wenn viele Menschen \u00fcber dasselbe schreiben und daf\u00fcr denselben Hashtag benutzen, dann bildet sich ein Trend heraus. Auf Englisch sagt man daf\u00fcr in der Regel, das Thema <em>is trending<\/em>. Viel seltener, vielleicht sogar ungrammatisch ist die Variante *<em>it trends<\/em>. Die Verlaufsform \u00fcberrascht kaum. Trends sind schnell vorbei und es wird \u00fcber sie in der Regel nur solange gesprochen, wie sie andauern. Ein Trend, der keiner mehr ist, ist nicht die Rede wert und braucht auch keine Verlaufsform mehr.<\/p>\n<div id=\"attachment_11753\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11753\" class=\"wp-image-11753 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/02\/Hashtags-300x290.jpg\" alt=\"Hashtags\" width=\"300\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/02\/Hashtags-300x290.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/02\/Hashtags.jpg 759w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-11753\" class=\"wp-caption-text\">Wer trenden will, braucht Hashtags. (PK)<\/p><\/div>\n<p>Das Deutsche hat eine solche Verlaufsform bekanntlich nicht. Also nimmt man sich den <em>Trend<\/em> und macht ihn zu einem einfachen, wunderbar flektierbaren Verb. Es kann sogar auch transitiv verwendet werden. In einem <a href=\"https:\/\/www.gutefrage.net\/frage\/wie-trendet-man-auf-twitter-\" target=\"_blank\">Diskussionsforum<\/a> fragt ein unerfahrener User, wie man gezielt <em>trenden <\/em>kann, also selbst einen Trend setzt. Jemand missversteht die Frage und denkt, es ginge darum, sich an einem konkreten Trend zu beteiligen. Die Antwort: \u201e<span style=\"text-decoration: underline\">Das trendet man<\/span>, indem viele Leute gleichzeitig den gleichen Hashtag benutzen.\u201c Man kann also auch <em>etwas trenden<\/em>, indem man sich absichtlich an einen Trend anh\u00e4ngt und einen Hashtag mitbenutzt. \u00dcbrigens kann man auch etwas <em>hypen<\/em>. Bei einem <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/02\/18\/hype-hype-hoera-2\/\" target=\"_blank\">Hype<\/a> ist der Erfolg wahrscheinlich noch kurzlebiger als bei einem Trend. Allerdings ist das Verb <em>hypen <\/em>offenbar tats\u00e4chlich nur auf transitiven Gebrauch beschr\u00e4nkt. <em>*Das hypet gerade sehr\u00a0<\/em>funktioniert nicht so recht<em>.<\/em><\/p>\n<p>Und das Niederl\u00e4ndische, mit seiner Leidenschaft f\u00fcr die Verbbildung? Es verweigert sich dem Trend. Beim <em><a href=\"https:\/\/www.ad.nl\/ad\/nl\/5595\/Digitaal\/article\/detail\/3783867\/2014\/11\/06\/Blauwe-Whatsapp-vinkjes-trending-op-Twitter.dhtml\" target=\"_blank\">Algemeen Dagblad<\/a> <\/em>schreibt man beispielsweise: \u201eBlauwe Whatsapp-vinkjes trending op Twitter\u201c. Man kann problemlos das Hilfsverb weglassen, wie in einer <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/09\/14\/grammatik-schlagzeilen-entschluesselt\/\" target=\"_blank\">Zeitungs\u00fcberschrift<\/a> \u00fcblich. Aber f\u00fcr das Vollverb bzw. hier die pr\u00e4dikative Partizipform braucht man die englische Form. Einen Grund daf\u00fcr kann man zumindest vermuten: Auch im Niederl\u00e4ndischen gibt es die englische Verlaufsform nicht. Und das Pr\u00e4sens der dritten Person eines Verbs <em>trenden<\/em> w\u00e4re <em>trendt<\/em>. Zumindest in der gesprochenen Sprache w\u00e4re diese Form nicht h\u00f6rbar zu unterscheiden vom Substantiv <em>trend<\/em>. F\u00fcr die geschriebene Sprache ist das allerdings kein Argument. Und im Internet wird nun einmal mehr geschrieben als gesprochen.<\/p>\n<p>Was das Niederl\u00e4ndische <a href=\"https:\/\/onzetaal.nl\/taaladvies\/advies\/engelse-werkwoorden-met-een-t-nederlandse-vervoeging\" target=\"_blank\">sehr wohl kennt<\/a>, sind andere Trend-bezogene Verbableitungen wie <em>trendhoppen<\/em>, <em>trendsetten <\/em>und <em>trendwatchen<\/em>. Alles sehr interessante Verben, die eine unterschiedliche Beteiligung an Trends transportieren. Etwas <em>hypen <\/em>kann das Niederl\u00e4ndische genauso gut wie das Deutsche. Nur\u00a0<em>mittrenden<\/em>, das kann es noch nicht.<\/p>\n<p>Sehr enthusiastisch hofft zumindest <a href=\"https:\/\/www.adformatie.nl\/blog\/blendlelen-als-werkwoord\" target=\"_blank\">ein Internetuser<\/a> darauf, dass sich das Verb <em>blendlelen<\/em> durchsetzen wird, abgeleitet von der Medienplattform <em><a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Blendle\" target=\"_blank\">Blendle<\/a><\/em>. So sehr er seine Wortkreation auch zu hypen versucht, die Chancen sind eher gering. Ableitungen von Markennamen setzen sich deutlich schwerer durch und ausgehend vom Schriftbild stolpert die Aussprache von <em>blendlelen <\/em>sehr. Niemand wei\u00df au\u00dferdem, ob <em>Blendle<\/em> dauerhaft erfolgreich wird \u2013 oder ob es nur kurzzeitig <em>trendet<\/em>. Beim <em>Trenden<\/em> jedenfalls hat das Niederl\u00e4ndische den Trend verpasst. #Sprachwandelfail<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugegeben, die niederl\u00e4ndische Sprache ist wahrscheinlich die K\u00f6nigin der Konversion. Gib ihr ein Substantiv, und sie macht ein Verb daraus, koste es was es wolle. Computeren, tennissen, treinen \u2013 alles kann, nichts muss. Doch in einer kleinen Ecke des Internets schleicht sich heimlich das Deutsche von hinten an und paff! bastelt es eine implizite Transposition, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2044,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3099,3098,6941,6940],"tags":[44141,23501],"class_list":["post-11750","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sprachvergleich","category-sprachwandel","category-wortbildung","category-wortschatz","tag-beitraege-auf-deutsch","tag-implizite-transposition"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11750","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2044"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11750"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11750\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11995,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11750\/revisions\/11995"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}