{"id":11998,"date":"2016-05-01T09:36:26","date_gmt":"2016-05-01T07:36:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=11998"},"modified":"2017-01-08T13:25:49","modified_gmt":"2017-01-08T12:25:49","slug":"waffeleisenjoghurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/05\/01\/waffeleisenjoghurt\/","title":{"rendered":"Waffeleisenjoghurt"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-12120 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/03\/Franz\u00f6sischBuchstaben.jpg\" alt=\"Franz\u00f6sischBuchstaben\" width=\"53\" height=\"52\" \/>Teil 6 einer kleinen Serie \u00fcber Niederl\u00e4ndisch und Franz\u00f6sisch (und mehr).<\/strong><\/p>\n<p>Joghurt ist seit Langem schon probiotisch, aber ab sofort ist er auch plurizentrisch. Und wer k\u00f6nnte so ein Produkt besser herstellen, als die Belgier? Die Supermarktkette Delhaize macht der Kundschaft n\u00f6rdlich wie s\u00fcdlich der Sprachgrenze jetzt ein unwiderstehliches Angebot: Frischer Joghurt aus dem eigenen Land. Nun mag man sich fragen, ob es in Flandern wirklich kluges Marketing ist, mit dem Gesamtstaat Belgien Werbung zu machen. Aber wenn man Werbung mit <em>fl\u00e4mischem <\/em>Joghurt gemacht h\u00e4tte und dann herauskommt, dass die Milch daf\u00fcr aus Wallonien kam \u2013 das w\u00e4re erst recht eine Imagekatastrophe gewesen.<\/p>\n<p>Wie wirbt man f\u00fcr ein Produkt, das abgesehen von der Verpackung eigentlich immer gleich aussieht \u2013 und das trotzdem \u201etypisch belgisch\u201c sein muss? Man k\u00f6nnte besonders belgische Geschmacksrichtungen anbieten. Aber Joghurt mit Schokolade gibt es l\u00e4ngst, und Joghurt mit Bier- oder Pommesaroma w\u00fcrde selbst ein eingefleischter Royalist nicht hinunterw\u00fcrgen. Bleibt das, was man mit dem Mund sonst noch tun kann: Sprache. Also m\u00fcssen zwei Fernsehspots her, einer auf Niederl\u00e4ndisch und einer auf Franz\u00f6sisch:<\/p>\n<div class=\"lyte-wrapper\" style=\"width:640px;max-width:100%;margin:5px;\"><div class=\"lyMe\" id=\"WYL_mEWKx6o1CqQ\"><div id=\"lyte_mEWKx6o1CqQ\" data-src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FmEWKx6o1CqQ%2Fhqdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC\"><div class=\"tT\"><\/div><\/div><div class=\"play\"><\/div><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/mEWKx6o1CqQ\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FmEWKx6o1CqQ%2F0.jpg\" alt=\"YouTube-Video-Thumbnail\" width=\"640\" height=\"340\" \/><br \/>Dieses Video auf YouTube ansehen<\/a><\/noscript><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:640px;margin:5px;\"><br\/><span class=\"lyte_disclaimer\">ACHTUNG: Daten nach YouTube werden erst beim Abspielen des Videos \u00fcbertragen.<\/span><\/div><\/p>\n<div class=\"lyte-wrapper\" style=\"width:640px;max-width:100%;margin:5px;\"><div class=\"lyMe\" id=\"WYL_TGWynjmf_i0\"><div id=\"lyte_TGWynjmf_i0\" data-src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FTGWynjmf_i0%2Fhqdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC\"><div class=\"tT\"><\/div><\/div><div class=\"play\"><\/div><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/TGWynjmf_i0\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FTGWynjmf_i0%2F0.jpg\" alt=\"YouTube-Video-Thumbnail\" width=\"640\" height=\"340\" \/><br \/>Dieses Video auf YouTube ansehen<\/a><\/noscript><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:640px;margin:5px;\"><br\/><span class=\"lyte_disclaimer\">ACHTUNG: Daten nach YouTube werden erst beim Abspielen des Videos \u00fcbertragen.<\/span><\/div><\/p>\n<p>Beide Spots spielen auf charmante Weise mit dem Verh\u00e4ltnis zwischen einem vermeintlich neutralen Standard und den jeweils eigenen belgischen Varianten. Der niederl\u00e4ndischen Spot setzt an zwei Stellen an. Einerseits an der Aussprache des <em>zachte g <\/em>in <em>Belgen<\/em>, das bei manchen Flamen im Dialekt bis hin zum [h] gehen kann. Und andererseits bei den verschiedenen Formen des Worts <em>Joghurt<\/em>. Van Dale gibt als Aussprachem\u00f6glichkeiten an: \/j\u0254\u00ad\u03c7\u028frt, j\u0254\u00ad\u0263\u0259rt\/, in BE ook \/ju\u00ad\u0263urt\/. Daran diskutieren die Stimmen im Off, was die \u201ekorrekte\u201c Variante ist und kommen zu dem Schluss: \u201eHet kan allebei\u201c. Dem variationsbegeisterten Sprachwissenschaftler geht dabei das Herz auf. Der Spot zelebriert die Unterschiede anstatt auf \u201erichtig\u201c (Standard) und \u201efalsch\u201c (Belgien-typisch) zu pochen. Das ergibt nat\u00fcrlich Sinn, denn der Werbeeffekt funktioniert nur, wenn das \u201etypisch Belgische\u201c auch positiv dargestellt werden kann: Belgische Aussprache gut \u2013 belgischer Joghurt gut. Dass sich ein Unternehmen bzw. eine Werbeagentur das traut, zeigt ziemlich klar, wie unverkrampft inzwischen das Verh\u00e4ltnis zu Standard und Variation ist. Wer h\u00e4tte vor ein paar Jahrzehnten schon Werbung mit \u201efalschem Niederl\u00e4ndisch\u201c gemacht?<\/p>\n<p>Der Werbespot f\u00fcr das Publikum in der s\u00fcdlichen H\u00e4lfte des Landes funktioniert ganz \u00e4hnlich. Auch hier diskutieren die sprachreflektierten Stimmen \u00fcber die Richtige Bezeichnung f\u00fcr <em>Joghurt<\/em>: Hei\u00dft es <em>yaourt <\/em>oder <em>yogourt<\/em>? Antwort: \u201eOn peut dire les deux.\u201c (Man kann beides sagen.) Und die Belgier hei\u00dfen nicht nur <em>Belges <\/em>[b\u025bl\u0292] sondern auch [b\u025bl\u0283]. Diese Auslautverh\u00e4rtung kommt vielen Deutschsprachigen sicher bekannt vor, weil sie beim deutschen Akzent im Franz\u00f6sischen auch \u00f6fter passiert. Sie ist im belgischen Franz\u00f6sisch recht verbreitet und ist nicht unbedingt negativ konnotiert.<\/p>\n<p>Der Clou an den Werbespots liegt darin, dass in beiden Sprachfassungen an exakt derselben Stelle mit Variation gespielt wird. Genau diesen Punkt zu treffen, an dem man auf Franz\u00f6sisch <em>und <\/em>Niederl\u00e4ndisch mit Belgien-typischen Varianten spielen kann, ist eine reife Leistung. Den Werbemachern ist etwas gelungen, woran viele in Belgien seit Jahrhunderten scheitern: V\u00f6llig symmetrische Gerechtigkeit zwischen Franz\u00f6sisch und Niederl\u00e4ndisch herzustellen. Sozusagen Waffeleisenpolitik im Joghurtbecher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 6 einer kleinen Serie \u00fcber Niederl\u00e4ndisch und Franz\u00f6sisch (und mehr). Joghurt ist seit Langem schon probiotisch, aber ab sofort ist er auch plurizentrisch. Und wer k\u00f6nnte so ein Produkt besser herstellen, als die Belgier? 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