{"id":12095,"date":"2016-04-20T09:45:23","date_gmt":"2016-04-20T07:45:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=12095"},"modified":"2018-03-08T10:18:01","modified_gmt":"2018-03-08T09:18:01","slug":"mit-erasmus-in-utrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/04\/20\/mit-erasmus-in-utrecht\/","title":{"rendered":"Mit Erasmus in Utrecht"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.dbnl.org\/tekst\/_vla016196601_01\/_vla016196601_01_0065.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"http:\/\/www.dbnl.org\/tekst\/_vla016196601_01\/_vla016196601_01_0065.php alignleft\" title=\"Zelfportret van Erasmus, getekend in 1509\" src=\"http:\/\/www.dbnl.org\/tekst\/_gid001200701_01\/_gid001200701ill0011.gif\" alt=\"illustratie\" width=\"41\" height=\"45\" \/><\/a>Wie seltsam es ist jeden Tag Deutsch zu sprechen, morgens keinen <em>hagelslag<\/em> auf dem Brot zu haben und die Strecke zur Uni mit der Ringbahn statt dem Fahrrad zur\u00fcckzulegen\u2026 Tja, man merkt es schon: Ich bin offensichtlich in der Eingew\u00f6hnungsphase, denn seit Kurzem bin ich zur\u00fcck aus den Niederlanden, wo ich f\u00fcnf Monate \u2013 von Anfang September bis Ende Januar \u2013 an der <em>Universiteit Utrecht<\/em> studiert habe. Der Plan, ein Semester im Ausland zu verbringen, stand f\u00fcr mich schon lange fest.<\/p>\n<p>Seit ich 2013 mit meinem Studium der Niederl\u00e4ndischen Philologie begonnen habe, war mir klar: Ich will meine neuerworbenen Sprachkenntnisse nicht nur im universit\u00e4ren Kontext der FU nutzen, sondern die Probe aufs Exempel machen und eine Zeit lang im niederl\u00e4ndischsprachigen Ausland wohnen und studieren.<\/p>\n<p>Bereits 2009, w\u00e4hrend meiner Abitur-Abschlussfahrt nach Amsterdam, hatte ich mich in die Niederlande verliebt. F\u00fcr meinen Erasmus-Aufenthalt habe ich mich jedoch f\u00fcr die etwas weniger bekannte Stadt Utrecht entschieden. Diese Entscheidung traf zum einen mein Geldbeutel (Amsterdam ist wohl die teuerste Stadt der Niederlanden), zum anderen mein Sprach-Gewissen (Amsterdam ist eine sehr internationale Stadt, in der es durchaus passieren kann, dass man sofort auf Englisch angesprochen wird), denn ich wollte mich w\u00e4hrend meines Erasmus-Semesters nicht auf Englisch \u201adurchschlagen\u2018, sondern vor allem so viel wie m\u00f6glich Niederl\u00e4ndisch sprechen und die Lebensweise der Niederl\u00e4nder besser kennen lernen.<\/p>\n<p><strong>Ein Dach \u00fcberm Kopf<\/strong><\/p>\n<p>Aus diesen Grund war eine kleine WG mit niederl\u00e4ndischen Studenten f\u00fcr mich sehr viel passender als ein internationales Studentenwohnheim. Gefunden habe ich mein WG-Zimmer schlie\u00dflich auf der Facebook-Seite <em>Kamer in Utrecht<\/em>. Die Angebote auf dieser Seite sind vornehmlich auf Niederl\u00e4ndisch verfasst und meistens muss man sich pers\u00f6nlich w\u00e4hrend eines sogenannten <em>hospiteeravond<\/em> bei der WG vorstellen \u2013 die meisten Niederl\u00e4nder k\u00f6nnen zwar gutes Englisch, meiner Erfahrung nach wollen sie daheim aber gern ihre Muttersprache sprechen.<\/p>\n<div style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/2\/29\/Drift.JPG\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/2\/29\/Drift.JPG\/640px-Drift.JPG\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"270\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">De Drift. (Pepijntje, PD)<\/p><\/div>\n<p>Ich hatte das Gl\u00fcck, sehr fr\u00fch die Zusage f\u00fcr ein Zimmer zu bekommen ohne einen dieser ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten <em>hospiteeravonden<\/em> mitzumachen, da meine Mitbewohner ein Kennenlernen per Skype akzeptierten. Durchschnittlich muss man jedoch \u2013 so wird unter Utrechter Studenten gemunkelt \u2013 11 bis 15 <em>hospiteeravonden<\/em> durchstehen, bevor man die Zusage f\u00fcr ein Zimmer bekommt. Es ist also \u201eDurchhalten\u201c angesagt\u2026<\/p>\n<p>\u2026 was sich aber lohnt, sobald man ein Zimmer im wundersch\u00f6nen Utrecht hat. Die empfehlenswertesten Wohngegenden, auch was das Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis angeht, sind die Viertel <em>Lombok<\/em> und <em>Zuilen<\/em> \u2013 zwei typische Arbeiterviertel mit einem tollen Charme, die zwar nicht ganz zentral gelegen, aber immer noch in N\u00e4he der Innenstadt sind (mit dem Fahrrad braucht man circa eine Viertelstunde bis zum Zentrum und ebenso lang zum Drift, wo die meisten Geb\u00e4ude der Geisteswissenschaften zu finden sind).<\/p>\n<p><strong>Notensystem streng, Arbeitsaufwand hoch<\/strong><\/p>\n<p>Das Notensystem in den Niederlanden ist sehr streng. Die Noten reichen von 1 bis 10, wobei 10 die h\u00f6chste zu erreichende Note ist. Oder besser gesagt, sie w\u00e4re die h\u00f6chste zu erreichende Note, wenn sie denn erreichbar w\u00e4re. Eine kleine Geschichte dazu: Ich habe mich mal mit ein paar niederl\u00e4ndischen <em>meiden<\/em> zum Kaffee getroffen und dabei ist herausgekommen, dass keine der Anwesenden auch nur jemanden kennt, der es jemals geschafft h\u00e4tte eine 10 zu bekommen. Zwar gibt es ger\u00fcchteweise Studenten, die eine glatte 9 bekommen haben, aber die richtig guten Studenten freuen sich bereits au\u00dferordentlich \u00fcber ihre 8 oder 8,5.<\/p>\n<p>Der Arbeitsaufwand an der Universit\u00e4t Utrecht ist hoch. Man kann jede Woche mit mehreren Deadlines und benoteten Abgaben rechnen. Die Hausarbeiten, oder <em>papers<\/em>, werden nicht entspannt w\u00e4hrend der Semesterferien geschrieben, sondern in der letzten Woche des jeweiligen <em>bloks.<\/em> Das niederl\u00e4ndische Studienjahr kennt vier <em>bloks<\/em>, im Gegensatz zu zwei Semestern.<\/p>\n<p>Im Gegenzug dazu erh\u00e4lt man eine hohe Studienqualit\u00e4t. Zum Beispiel sind die Seminargruppen angenehm klein. Dadurch werden Gruppenarbeiten m\u00f6glich und jeder Student kann zu Wort kommen.<\/p>\n<p><strong>Unterwegs in Utrecht<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_12306\" style=\"width: 211px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/04\/Fietsen-en-gracht.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12306\" class=\"wp-image-12306 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/04\/Fietsen-en-gracht_kl-201x300.jpg\" alt=\"Fietsen en gracht_kl\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/04\/Fietsen-en-gracht_kl-201x300.jpg 201w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/04\/Fietsen-en-gracht_kl.jpg 471w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12306\" class=\"wp-caption-text\">Fahrr\u00e4der und Grachten &#8211; niederl\u00e4ndischer geht es kaum. (Foto: Y.F.)<\/p><\/div>\n<p>Eine der ersten Anschaffungen, die ich in Utrecht get\u00e4tigt habe, war \u2013 ganz klischeehaft \u2013 ein Fahrrad. Der \u00f6ffentliche Personennahverkehr ist teuer und mit dem <em>fiets<\/em> erreicht man eigentlich alles in unter 40 Minuten, selbst den f\u00fcr Utrechter Verh\u00e4ltnisse weit entfernten <em>Uithof<\/em>. Ich habe mein Fahrrad f\u00fcr 80 Euro in einem der vielen Second-Hand-Fahrradl\u00e4den am <em>Amsterdamsestraatweg<\/em> gekauft. F\u00fcr weniger Geld kann man auch Fahrr\u00e4der im Internet, zum Beispiel auf <em>marktplaats.nl<\/em> finden.<\/p>\n<p>Als ich schlie\u00dflich mein Fahrrad hatte, habe ich es nat\u00fcrlich nicht nur genutzt, um zur Uni zu fahren, sondern auch um meine Lieblingspl\u00e4tze in Utrecht zu besuchen. Ich liebe Essen und daher ist es nicht verwunderlich, dass das Caf\u00e9 <em>Carla<\/em>, der Burgerladen <em>Meneer Smakers<\/em> und der fantastische surinamische Imbiss <em>Moksi &amp; Tandoori<\/em> zu diesen Lieblingspl\u00e4tzen geh\u00f6ren. Aber auch durch die Second-Hand-L\u00e4den in der <em>Voorstraat<\/em> zu schlendern, oder abends einen Film in dem wundersch\u00f6nen kleinen Kino <em>&#8218;t Hoogt<\/em> zu genie\u00dfen, kann ich nur empfehlen.<\/p>\n<p><strong>Was bleibt?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich meine erste Woche mit meiner letzten Woche in Utrecht vergleiche, bin ich verbl\u00fcfft, wie viel sich innerhalb von f\u00fcnf Monaten ver\u00e4ndern kann. In der ersten Woche hatte ich kontinuierlich das Gef\u00fchl, \u00fcberfordert zu sein \u2013 mit dem universit\u00e4ren System, mit der Sprache, mit all den Abgabeterminen, die es einzuhalten galt. Alles war neu f\u00fcr mich und ich kannte noch niemanden. W\u00e4hrend meiner letzten Woche habe ich nochmal alle Freunde getroffen, die ich in Utrecht kennen gelernt hatte. Dabei ist mir erst aufgefallen, mit wie vielen tollen Leuten ich eigentlich Bekanntschaft gemacht habe. Ich sa\u00df mit ihnen ein letztes Mal im Zug, oder im Caf\u00e9 oder wir <em>fietsten<\/em> durch die Stadt. Alles war so vertraut und wir haben uns auf Niederl\u00e4ndisch unterhalten ohne dass ich besonders dar\u00fcber nachdenken musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\">Von <strong>Yvonne Festl<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie seltsam es ist jeden Tag Deutsch zu sprechen, morgens keinen hagelslag auf dem Brot zu haben und die Strecke zur Uni mit der Ringbahn statt dem Fahrrad zur\u00fcckzulegen\u2026 Tja, man merkt es schon: Ich bin offensichtlich in der Eingew\u00f6hnungsphase, denn seit Kurzem bin ich zur\u00fcck aus den Niederlanden, wo ich f\u00fcnf Monate \u2013 von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2044,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,720],"tags":[44141,71795,1542],"class_list":["post-12095","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-niederlande","tag-beitraege-auf-deutsch","tag-gastbeitrag","tag-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12095","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2044"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12095"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12095\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16865,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12095\/revisions\/16865"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12095"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12095"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12095"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}