{"id":12140,"date":"2016-04-02T09:30:04","date_gmt":"2016-04-02T07:30:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=12140"},"modified":"2016-04-03T19:53:59","modified_gmt":"2016-04-03T17:53:59","slug":"qui-est-brussel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/04\/02\/qui-est-brussel\/","title":{"rendered":"Qui est Brussel?"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"  wp-image-12120 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/03\/Franz\u00f6sischBuchstaben.jpg\" alt=\"Franz\u00f6sischBuchstaben\" width=\"53\" height=\"52\" \/>Teil 3 einer kleinen Serie \u00fcber Niederl\u00e4ndisch und Franz\u00f6sisch (und mehr).<\/strong><\/p>\n<p>Nach den Anschl\u00e4gen in Br\u00fcssel waren sie wieder allerorten zu lesen, die <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/03\/10\/ein-wort-das-nicht-trendet\/\" target=\"_blank\">Hashtags<\/a> der Unterst\u00fctzung. Was die Einen als ber\u00fchrende Geste der Solidarit\u00e4t empfinden, ist f\u00fcr die Anderen ein Zeichen simpler Anbiederung. Wir wollen uns um diese Frage nicht scheren und uns einfach nur anschauen, was in den sozialen Netzwerken tats\u00e4chlich geschrieben wird.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr waren die Hashtags #jesuischarlie und #jesuisparis sehr beliebt. Danach trat #jesuisBrussels die Nachfolge an. Allerdings ist nicht so ganz klar, welcher Hashtag sich als Nachfolger wirklich durchsetzen konnte. Das Schema bietet n\u00e4mlich ein paar M\u00f6glichkeiten zur Variation.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sagen, die Grundform entspricht der Kombination [ich bin] + [Ort\/Land\/Institution]. Dabei hat sich f\u00fcr [ich bin] inzwischen mehr oder weniger deutlich die franz\u00f6sische Variante <em>je suis<\/em> durchgesetzt. Das liegt daran, dass die drei dramatischen Ereignisse, nach denen diese Art von Hashtags aufkam, in franz\u00f6sischsprachigen St\u00e4dten stattfanden, n\u00e4mlich zweimal in Paris (Charlie Hebdo, Bataclan etc.) und einmal in Br\u00fcssel. Es regt sich inzwischen viel Emp\u00f6rung, weil Anschl\u00e4ge au\u00dferhalb Europas weniger Aufmerksamkeit oder Emp\u00f6rung hervorrufen. Wer darauf aufmerksam machen m\u00f6chte, greift auf Twitter h\u00e4ufig zum bew\u00e4hrten Schema: #jesuisAnkara, #jesuisIstanbul oder #jesuisPakistan.<\/p>\n<p>Wenn die drei Ereignisse in der frankophonen Welt nicht den Grundton gesetzt h\u00e4tten, w\u00e4ren die Hashtags vielleicht anders ausgefallen. H\u00e4tte es das Muster schon fr\u00fcher gegeben, dann h\u00e4tten wir im Juli 2011 vielleicht #jegerUt\u00f8ya lesen k\u00f6nnen, oder nach den Zuganschl\u00e4gen 2004 auch #estoyMadrid (m\u00f6glicherweise sogar #soyMadrid, je nachdem wie permanent die Unterst\u00fctzung gemeint ist).<\/p>\n<div style=\"width: 309px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Aanslagen_in_Brussel_op_22_maart_2016\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/e\/e2\/Brandenburg_Gate_lit_up_in_Belgian_flag_colors_to_show_solidarity.jpg\/602px-Brandenburg_Gate_lit_up_in_Belgian_flag_colors_to_show_solidarity.jpg\" alt=\"\" width=\"299\" height=\"238\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Auch Berlin war Br\u00fcssel. (GillyBerlin, CC-BY-2.0)<\/p><\/div>\n<p>Interessant ist im Fall von Br\u00fcssel, dass <em>je suis<\/em> in den meistens gleich bleibt, aber der Name der Stadt in unterschiedlichen Formen vorkommt, zum Beispiel als<\/p>\n<blockquote><p>#jesuisBruxelles<\/p>\n<p>#jesuisBrussels<\/p>\n<p>#jesuisBrussel<\/p><\/blockquote>\n<p>Die erste Form ist die konsequenteste, weil durchgehend franz\u00f6sisch. Die zweite Form ist wegen ihrer Mischung interessant: <em>je suis <\/em>bleibt unver\u00e4ndert, weil es sozusagen der Standardfall ist. Die englische Bezeichnung <em>Brussels<\/em> zeugt von der internationalen Bedeutung nicht nur der sozialen Netzwerke, sondern auch der Stadt. Nicht umsonst betonen viele, dass Br\u00fcssel bei den Anschl\u00e4gen als Symbol f\u00fcr Europa und internationale Stadt der Begegnungen und Offenheit als Ziel ausgew\u00e4hlt wurde. Bei <em>Charlie (Hebdo) <\/em>und <em>Paris<\/em> standen keine anderen Schreibweisen zur Verf\u00fcgung. Hier musste es ausreichen, dass die Zeitung bzw. der unver\u00e4nderliche Name der Stadt an sich f\u00fcr die Bedeutung \u201eoffene, westliche Gesellschaft\u201c standen, mit der man sich identifizieren wollte.<\/p>\n<p>Und was hat es mit der dritten Form #jesuisBrussel auf sich? Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine sehr belgische L\u00f6sung: halb franz\u00f6sisch, halb niederl\u00e4ndisch. Sehr viele Tweets mit diesem Hashtag sind auf Englisch, man kann die Intention hinter der speziellen Form nicht so genau ablesen. Vermutlich steckt in vielen F\u00e4llen ein Tippfehler dahinter, wenn einfach das <em>\u2013s <\/em>in\u00a0<em>Brussels<\/em> verloren gegangen ist.<\/p>\n<p>Aber in Belgien ist auch Solidarit\u00e4t eine Frage communautairer Ausgewogenheit:<\/p>\n<p>https:\/\/twitter.com\/greylilrabbit\/status\/712391211856822272<\/p>\n<div style=\"width: 281px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Placard_outside_one_of_the_entrances_to_the_Maelbeek_metro_station_asks_%E2%80%98why%E2%80%99.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/b\/b3\/Placard_outside_one_of_the_entrances_to_the_Maelbeek_metro_station_asks_%E2%80%98why%E2%80%99.jpg\/640px-Placard_outside_one_of_the_entrances_to_the_Maelbeek_metro_station_asks_%E2%80%98why%E2%80%99.jpg\" alt=\"\" width=\"271\" height=\"181\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Mehrsprachige Realit\u00e4ten in Br\u00fcssel: Deutsch statt Niederl\u00e4ndisch?* Ein Plakat vor der Metrostation Maa\/elbeek. (H.Murdock&amp;VOA, PD)<\/p><\/div>\n<p>Mit dieser Anmerkung hat Sara gar nicht so Unrecht, denn einer der beiden Anschl\u00e4ge fand streng genommen nicht in Br\u00fcssel statt, sondern in Flandern. Der Flughafen liegt (gr\u00f6\u00dftenteils) in der Gemeinde Zaventem, also deutlich au\u00dferhalb der Region Br\u00fcssel-Hauptstadt. Deshalb w\u00e4re es nicht verkehrt, dem Hashtag auch ein St\u00fcckchen Niederl\u00e4ndisch zu g\u00f6nnen. Sucht man auf Twitter nach dem Hashtag #ikbenBrussel, so findet man in aller Regel Tweets mit zwei Schlagw\u00f6rtern. Neben der niederl\u00e4ndischen Variante kommt <a href=\"https:\/\/hashtagify.me\/hashtag\/ikbenbrussel\" target=\"_blank\">fast immer<\/a> auch die franz\u00f6sische vor. Umgekehrt gilt das nicht unbedingt. Wer #jesuisBruxelles schreibt, erg\u00e4nzt <a href=\"https:\/\/hashtagify.me\/hashtag\/jesuisbruxelles\" target=\"_blank\">nicht automatisch<\/a> mit #ikbenBrussel, sondern zum Beispiel eher mit #prayforBelgium. Belgien ist in den Augen der Welt eben doch ein Land, das st\u00e4rker mit Franz\u00f6sisch als mit Niederl\u00e4ndisch in Verbindung gebracht wird. Dieser Eindruck d\u00fcrfte st\u00e4rker von der sprachlichen Wirklichkeit in Br\u00fcssel gepr\u00e4gt sein (und von der historischen und weltweiten Bedeutung des Franz\u00f6sischen) als von der rein zahlenm\u00e4\u00dfigen Mehrheit der Niederl\u00e4ndischsprachigen im Gesamtstaat.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich z\u00e4hlt der gute Wille mehr als die Details der korrekten Sprachwahl \u2013 ganz abgesehen davon, dass viele Anschlagsopfer weder frankophon noch niederl\u00e4ndischsprachig sind. Dass man auf Twitter \u00fcber solche Fragen nachdenkt, zeigt auf jeden Fall eines: Es kommt gerade in Belgien nicht nur darauf an, <em>mit wem<\/em> man solidarisch ist, sondern auch <em>wie.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #808080\">*Anmerkung zur zweiten Abbildung: Welche Sprache fehlt bzw. eine andere ersetzt, ist nat\u00fcrlich auch eine Frage der Perspektive. Man k\u00f6nnte genauso &#8222;Englisch statt Niederl\u00e4ndisch&#8220; sagen (dann w\u00e4ren die drei offiziellen Sprachen Belgiens komplett). Oder man kann sich wundern, warum das Plakat in drei statt vier Sprachen geschrieben wurde (Belgiens drei Sprachen + internationales Englisch). Dass ich mir die Frage genau in dieser Form gestellt habe, sagt wohl mehr aus \u00fcber meine Sicht auf die Bedeutung des Deutschen als \u00fcber die Message des Plakats.<br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil 3 einer kleinen Serie \u00fcber Niederl\u00e4ndisch und Franz\u00f6sisch (und mehr). Nach den Anschl\u00e4gen in Br\u00fcssel waren sie wieder allerorten zu lesen, die Hashtags der Unterst\u00fctzung. Was die Einen als ber\u00fchrende Geste der Solidarit\u00e4t empfinden, ist f\u00fcr die Anderen ein Zeichen simpler Anbiederung. 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