{"id":12233,"date":"2016-04-14T09:04:54","date_gmt":"2016-04-14T07:04:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=12233"},"modified":"2016-04-14T09:32:48","modified_gmt":"2016-04-14T07:32:48","slug":"werbepause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/04\/14\/werbepause\/","title":{"rendered":"Werbepause"},"content":{"rendered":"<p>In globalen Ma\u00dfst\u00e4ben gesehen sind die Niederlande ein eher kleines Land, und jetzt passen sie sogar in eine Hosentasche. Vor ein paar Wochen erschien das sympathische kleine B\u00fcchlein <em>Holland f\u00fcr die Hosentasche<\/em> von Ulrike Grafberger. Die deutsche Journalistin, die in Scheveningen lebt, liefert kompakte und trotzdem umfassende Einblicke f\u00fcr Deutschsprachige in die Lebenswelt an der Nordseek\u00fcste.<\/p>\n<p>Der Niederlandistik freuen nat\u00fcrlich besonders die Kapitel zur Sprache und zur Kultur. Darin erf\u00e4hrt man einiges \u00fcber die beliebtesten Namen in den Niederlanden, \u00fcber das spezielle W\u00f6rtchen <em>gezellig <\/em>und sogar \u00fcber das Friesische. Aber auch in den restlichen Kapiteln kann man vieles \u00fcber Land und Leute entdecken und sich wichtige Ausdr\u00fccke aus dem t\u00e4glichen Leben oder dem kollektiven Ged\u00e4chtnis erschlie\u00dfen. Wir lernen beispielsweise die Unterschiede zwischen einem <em>bakfiets <\/em>und einem <em>transportfiets<\/em> kennen, oder wie sich in den Niederlanden die Bezeichnungen <em>allochtoon <\/em>und <em>autochtoon<\/em> im Sprachgebrauch etabliert haben.<\/p>\n<p>In vielen Formulierungen schimmert gelegentlich das Niederl\u00e4ndische im Deutschen durch, vielleicht absichtlich, vielleicht auch nicht. So bekommt auch das deutschsprachige Publikum, das kein Niederl\u00e4ndisch versteht, einen Eindruck von Sprache und Ausdrucksweise der Nachbarn. Ein paar Beispiele:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn der Stadt Delft kommt man dem Delfter Blau auf Schritt und Tritt entgegen.\u201c (<em>tegenkomen<\/em> f\u00fcr <em>begegnen<\/em>)<\/p>\n<p>\u201eRadfahren sitzt in der DNA der Holl\u00e4nder.\u201c (das allniederl\u00e4ndische Positionsverb <em><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/05\/05\/das-hat-gesessen\/\" target=\"_blank\">zitten<\/a><\/em>)<\/p>\n<p>\u201eEmpfang des Gouverneur-Generals von Kanada\u201c (die spezielle Position von <em>\u2013generaal<\/em> <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/03\/23\/allgemein-und-generell\/\" target=\"_blank\">kommt uns bekannt vor<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Was das Buch besonders macht, sind die kleinen Anekdoten aus der j\u00fcngsten Vergangenheit und aus der pers\u00f6nlichen Erfahrung der Autorin. Dadurch werden die Erl\u00e4uterungen aktuell und man hat nie das Gef\u00fchl, einen bleischweren Korrespondentenbericht zu lesen. Beschreibungen eines ganzen Landes bringen immer ein Risiko mit sich: die Generalisierung.<\/p>\n<div style=\"width: 365px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Camerig_%28plaats%29\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/a\/a1\/Camerig-Uitzicht0566.JPG\/640px-Camerig-Uitzicht0566.JPG\" alt=\"\" width=\"355\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Spracheigenarten, Berglandschaft, Katholiken: Ist Bayern das Limburg Deutschlands? (Albont, CC-BY-SA-3.0)<\/p><\/div>\n<p>Bestimmt wird der Eine oder die Andere in den Niederlanden Einw\u00e4nde formulieren wollen: \u201eDas tut doch niemand!\u201c \u201eDavon hab ich noch nie geh\u00f6rt!\u201c \u201eDas war vielleicht fr\u00fcher so, aber heute macht das keiner mehr!\u201c Aus deutscher Perspektive hat die \u00dcberzeichnung aber einen besonderen Charme. Ohne dass uns die Autorin mit der Nase darauf sto\u00dfen muss, k\u00f6nnen wir uns durch den Blick auf die Niederlande in den kleinen \u00c4hnlichkeiten und Unterschieden selbst kritisch be\u00e4ugen. Ist es wirklich so, dass nur die Niederl\u00e4nder penible Sparer sind, oder ist nicht das gewissenhafte Studium der Werbeprospekte in Deutschland der genaue Gegenpart zu den Kundenkarten und Rabattpunkten unserer Nachbarn? \u00c4hnelt das Verh\u00e4ltnis zwischen Limburgern und Friesen nicht erstaunlich dem zwischen Bayern und Hamburgern?<\/p>\n<p>Ein kleines B\u00fcchlein muss auch vieles auslassen. Deshalb \u2013 schade \u2013 erfahren wir wenig \u00fcber die Antillen, die doch auf ihre spezielle Weise weiterhin zu den Niederlanden geh\u00f6ren. Oder \u00fcber die Beziehungen zwischen den Niederlanden und ihrem Nachbarn im S\u00fcden. Vielleicht verbirgt sich dahinter schon Material f\u00fcr einen zweiten Band\u2026<\/p>\n<p>Und wer gleich jetzt entlang der Nordsee weiterlesen m\u00f6chte: Letztes Jahr erschien in derselben Reihe das Buch <em>Ostfriesland f\u00fcr die Hosentasche<\/em>.<\/p>\n<p>Ende der Werbepause.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #808080\">Ulrike Grafberger: <em>Holland f\u00fcr die Hosentasche. Was Reisef\u00fchrer verschweigen<\/em>. Frankfurt\/Main: Fischer Taschenbuch. 2016.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In globalen Ma\u00dfst\u00e4ben gesehen sind die Niederlande ein eher kleines Land, und jetzt passen sie sogar in eine Hosentasche. Vor ein paar Wochen erschien das sympathische kleine B\u00fcchlein Holland f\u00fcr die Hosentasche von Ulrike Grafberger. 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