{"id":12722,"date":"2016-08-01T09:49:49","date_gmt":"2016-08-01T07:49:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=12722"},"modified":"2016-07-24T19:11:32","modified_gmt":"2016-07-24T17:11:32","slug":"omchen-schmidt-und-die-rosa-dame","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/08\/01\/omchen-schmidt-und-die-rosa-dame\/","title":{"rendered":"Omchen Schmidt und die rosa Dame"},"content":{"rendered":"<p>Belgien hat ein Damenproblem. Immer mehr Apfelliebhaber in Europa greifen zur Apfelsorte <em>Pink Lady<\/em>, wie <a href=\"https:\/\/www.standaard.be\/cnt\/dmf20160609_02331447\" target=\"_blank\">de Standaard<\/a> k\u00fcrzlich berichtete. Kein besonders \u00f6kologisches Konsumentenverhalten, denn die rosane Dame w\u00e4chst vor allem in w\u00e4rmeren Gegenden, gerne auf der S\u00fcdhalbkugel, und hat deshalb eine lange Anreise.<\/p>\n<p><em>Die rosa<strong>ne<\/strong><\/em> <em>Dame? <\/em>Ja, wenn man die deutsche Flexionsmorphologie strikt anwenden m\u00f6chte. Und wenn man Sprachpuristen \u00e4rgern will, die n\u00e4mlich der Meinung sind, dass man <em>rosa <\/em>und\u00a0<em>lila<\/em> <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/zwiebelfisch\/zwiebelfisch-sind-rosane-t-shirts-und-lilane-leggings-erlaubt-a-292846.html\" target=\"_blank\">keinesfalls flektieren darf<\/a> (tats\u00e4chlich: <em>darf<\/em>, nicht etwa <em>kann <\/em>oder zumindest <em>sollte <\/em>\u2013 aber eine offizielle Flexionsverbotskontrolle gibt es zum Gl\u00fcck nicht). Das Niederl\u00e4ndische ist an dieser Stelle etwas vers\u00f6hnlicher. Attribute vor Substantiven werden zwar tats\u00e4chlich noch flektiert: <em>het groen<strong>e <\/strong>huis<\/em>, <em>de grot<strong>e <\/strong>auto<\/em>. Aber <em>roze <\/em>hat schon ein <em>\u2013e <\/em>und die Flexion f\u00e4llt bei <em>de roze dame <\/em>dadurch nicht weiter auf. Problem gel\u00f6st, mal unabh\u00e4ngig davon, dass man die <em>Pink Lady <\/em>sowieso nicht \u00fcbersetzen muss.<\/p>\n<p>Die \u00e4ltere Gro\u00dftante der rosanen Dame ist <em>Granny Smith<\/em>, die ebenfalls einmal auf dem Weg war, den europ\u00e4ischen Apfelmarkt an sich zu rei\u00dfen. Aber die politischen Haltungen standen dem entgegen. Granny Smith wurde h\u00e4ufig in S\u00fcdafrika oder Chile angebaut. Viele Verbraucher wollten das Apartheidsregime und die Pinochet-Diktatur nicht durch ihren Obsteinkauf unterst\u00fctzen. Der Siegeszug des gr\u00fcnen Apfels wurde durch die Gewalt der Wei\u00dfen gegen die Schwarzen gebremst.<\/p>\n<p>Viele der erfolgreichsten Apfelsorten der Gegenwart tragen englische Namen. Wenig verwunderlich, denn der Markt ist umk\u00e4mpft und die besten Chancen haben starke Marken. Neben den schon etwas \u00e4lteren Damen oder dem bekannten <em>Golden Delicious <\/em>geht der Trend zu fancy (oder: fancygen?) Bezeichnungen neuer Z\u00fcchtungen, etwa <em>Gala Galaxy <\/em>oder <em>Scifresh<\/em>.<\/p>\n<p>Das bedeutet aber nicht, dass das Niederl\u00e4ndische in der Welt der Apfelsorten v\u00f6llig verloren ist. Einer der Klassiker ist noch immer der <em>Boskoop<\/em>. Das St\u00e4dtchen in <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Boskoop\" target=\"_blank\">S\u00fcd-Holland<\/a>, das seit Langem von der Pflanzenzucht lebt und heute zu Alphen aan den Rijn geh\u00f6rt, gab dem weltbekannten Apfel seinen Namen. In der nicht ganz offiziellen Stadthymne hei\u00dft es darum ganz naheliegend:<\/p>\n<blockquote>\n<div style=\"width: 324px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Schone_van_Boskoop\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f7\/Apfel_boskop.JPG\/640px-Apfel_boskop.JPG\" width=\"314\" height=\"236\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Jede Menge Bosk\u00f6ppe. (Zyance, CC-BY-SA-2.5)<\/p><\/div>\n<p><em>Open grenzen zij ons streven,<\/em><\/p>\n<p><em>Voor het kweekersfabrikaat,<\/em><\/p>\n<p><em>Dan alleen kan Boskoop leven,<\/em><\/p>\n<p><em>Als de wereld open staat.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Welt stand f\u00fcr den Namen allerdings nur bedingt offen, denn das doppelte <em>o <\/em>ist unterwegs \u00f6fter zur H\u00e4lfte verloren gegangen. Man liest also h\u00e4ufig <em>Boskop<\/em>, was f\u00fcr niederl\u00e4ndische Ohren wie eine etwas h\u00f6lzerne Beschimpfung klingen d\u00fcrfte. Mit vollem Namen hei\u00dfen diese \u00c4pfel<em> Sch\u00f6ne aus Boskoop<\/em> bzw.<em> schone van Boskoop <\/em>(nicht etwa: <em>mooie<\/em>). Das vereinfacht zumindest die Pluralbildung, damit keine missverst\u00e4ndlichen Formen wie *<em>boskopen,<\/em> *<em>boskoppen<\/em> oder gar *<em>Bosk\u00f6ppe <\/em>dabei herauskommen. Hinter dem genauso verbreiteten <em>Elstar<\/em> verbirgt sich auch eine <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Elstar_(appel)\" target=\"_blank\">niederl\u00e4ndische Herkunft<\/a>, n\u00e4mlich aus <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Elst_(Gelderland)\" target=\"_blank\">Elst<\/a> in der Betuwe. Sogar unter den neueren Sch\u00f6pfungen sind niederl\u00e4ndische Namen noch pr\u00e4sent. Die beliebte griechische <em>Alkmene<\/em> hat die Mutanten <em>Cevaal<\/em> in den Niederlanden und <em>de Coster <\/em>in Belgien hervorgebracht. Aristokratisch kommt der <em>Karmijn de Sonnaville<\/em> daher. Den wiederum flektiert man nicht. Niemand berichtet, sein Lieblingsapfel sei\u00a0<em>de<\/em><em> Karmijn<strong>e<\/strong> van Sonnaville<\/em>. Beim <em>Karminrot<strong>en<\/strong> von Sonnaville <\/em>kann man das Farbadjektiv wohl flektieren, man <em>darf <\/em>es wahrscheinlich auch. Blo\u00df werden im deutschen Sprachraum sowieso nur Wenige erkennen, was <em>karmijn<\/em> eigentlich hei\u00dft. Genauso wie bei den <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/06\/27\/appeltjes-van-oranje\/\" target=\"_blank\">Appeltjes<\/a> van <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/07\/23\/appeltjes-van-oranje-2\/\" target=\"_blank\">Oranje<\/a>, die man den Sprachsch\u00fctzern zufolge auch nicht <em>orangene \u00c4pfelchen <\/em>nennen darf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Belgien hat ein Damenproblem. Immer mehr Apfelliebhaber in Europa greifen zur Apfelsorte Pink Lady, wie de Standaard k\u00fcrzlich berichtete. Kein besonders \u00f6kologisches Konsumentenverhalten, denn die rosane Dame w\u00e4chst vor allem in w\u00e4rmeren Gegenden, gerne auf der S\u00fcdhalbkugel, und hat deshalb eine lange Anreise. Die rosane Dame? Ja, wenn man die deutsche Flexionsmorphologie strikt anwenden m\u00f6chte. 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