{"id":13444,"date":"2016-09-16T09:44:13","date_gmt":"2016-09-16T07:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=13444"},"modified":"2016-09-12T14:02:43","modified_gmt":"2016-09-12T12:02:43","slug":"hollaendischer-wein-und-flaemischer-kaese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/09\/16\/hollaendischer-wein-und-flaemischer-kaese\/","title":{"rendered":"Holl\u00e4ndischer Wein und fl\u00e4mischer K\u00e4se"},"content":{"rendered":"<p>Die Beziehungen zwischen Portugal und den <em>Lage Landen <\/em>sind lang und intensiv, nicht nur auf den <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/10\/03\/auf-der-frameninsel\/\" target=\"_blank\">Azoren<\/a> oder auf der <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/12\/03\/amesterdao\/\" target=\"_blank\">Anzeigetafel am Flughafen<\/a>. Auch in vielen anderen Kapiteln von Geschichte und Gegenwart Portugals gibt es Verbindungen, von den fl\u00e4mischen Teppichen in der Burg von <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Guimar%C3%A3es_(Portugal)\" target=\"_blank\">Guimar\u00e3es<\/a>, dem \u201eGeburtsort\u201c der portugiesischen Nation, bis hin zum praktisch weltumspannenden <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Nederlands-Portugese_Oorlog\" target=\"_blank\">niederl\u00e4ndisch-portugiesischen Krieg<\/a> in der Kolonialzeit. Zwei besondere Verbindungen haben bis heute Spuren hinterlassen, und zwar in der Namensgebung.<\/p>\n<p>Die eine Verbindung begegnet einem, wenn man Porto besucht. Schaut man von der Stadt aus \u00fcber den Douro, reihen sich am anderen Ufer die Kellereien und Lager der Portwein-Hersteller aneinander. Alle werden \u00fcberragt von dem Schriftzug der Kellerei Sandeman, die etwas niederl\u00e4ndisch klingt, aber wie die allermeisten anderen Hersteller einen britischen Hintergrund hat. Zwischen den vielen traditionellen englischen Namen findet sich aber auch ein wirklich niederl\u00e4ndischer: <em>Niepoort<\/em>. Dass die Niederlande beim Handel mit Portwein mitmischen wollten, ist sicher kein Wunder. Relativ sp\u00e4t, erst im 19. Jahrhundert, begann deshalb ein Franciscus Marius van der Niepoort aus Hilversum damit, die feinen Weine aus Portugal in sein Heimatland zu verkaufen. Bis heute sticht der ungew\u00f6hnliche Name der Familie Niepoort aus den vielen englischen und portugiesischen Marken hervor. Dasselbe tun ein paar deutsche Namen wie etwa die Kellerei Kopke (deren Vorfahren K\u00f6pke hie\u00dfen und aus Hamburg kamen), oder die der Familie Burmester, die aus Deutschland auch erst den Umweg \u00fcber Gro\u00dfbritannien machte.<\/p>\n<div id=\"attachment_13446\" style=\"width: 380px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/09\/20160827_192042.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13446\" class=\"wp-image-13446\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/09\/20160827_192042.jpg\" alt=\"20160827_192042\" width=\"370\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/09\/20160827_192042.jpg 1280w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/09\/20160827_192042-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/09\/20160827_192042-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2016\/09\/20160827_192042-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 370px) 100vw, 370px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13446\" class=\"wp-caption-text\">Gro\u00dfe Auswahl an fl\u00e4mischem K\u00e4se in einem Supermarkt in Portugal (Foto: PK)<\/p><\/div>\n<p>Die zweite und deutlich erstaunlichere Verbindung ist kein Eigenname, sondern ein Gattungsname. In jedem portugiesischen Supermarkt findet man ein K\u00fchlregal mit <em>queijo flamengo<\/em>: \u201efl\u00e4mischer K\u00e4se\u201c. Diese Kategorie fasst alle milden, schnittfesten K\u00e4sesorten zusammen. Vorbild war der Edamer, den man <a href=\"https:\/\/auren.blogs.sapo.pt\/1623746.html\" target=\"_blank\">schon vor Jahrhunderten<\/a> sch\u00e4tzen lernte und importierte. \u00dcber Portugal wurde der K\u00e4se auch nach Brasilien weiterverkauft, wo man von <em>queijo do reino <\/em>sprach: \u201eK\u00f6nigreichsk\u00e4se\u201c. Gemeint waren nat\u00fcrlich nicht die Niederlande und schon gar nicht das K\u00f6nigreich Belgien (das es noch nicht gab), sondern das K\u00f6nigreich Portugal.<\/p>\n<p>Nach Edamer Vorbild werden die \u201efl\u00e4mischen\u201c K\u00e4sesorten heute weiterhin vor allem in kompakten, rundlichen Laiben verkauft, oft aber auch geschnitten in Scheiben. <a href=\"https:\/\/www.marktest.com\/wap\/a\/n\/id~1c8e.aspx\" target=\"_blank\">Marktforschung der Milchindustrie<\/a> ergab, dass <em>fl\u00e4mischer K\u00e4se <\/em>in Portugal inzwischen den \u00fcberragend gr\u00f6\u00dften Marktanteil hat. Wie der K\u00e4se zu seinem Namen kam, ist dennoch ein R\u00e4tsel. Edam ist schlie\u00dflich keine fl\u00e4mische Stadt, sondern durch und durch holl\u00e4ndisch. Zu aller Verwirrung wird viel <em>queijo flamengo <\/em>auf den Azoren hergestellt, wo es eine bedeutende Milchindustrie gibt. Die dortigen historischen Flamen haben mit der Namensgebung aber nichts zu tun. M\u00f6glicherweise spielte es eine Rolle, dass Portugal zeitweise st\u00e4rkere Verbindungen mit Flandern hatte als mit Holland. Oft genug muss es Flandern ertragen, das die dortige Sprache oder Kultur als <em>holl\u00e4ndisch <\/em>bezeichnet wird \u2013 in Portugal geht die Verwechslung in die andere Richtung. Und so m\u00fcssen die Holl\u00e4nder es verdauen, dass man ihr K\u00e4se-Erbe in S\u00fcdwesteuropa als <em>fl\u00e4misch\u00a0<\/em>verkauft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beziehungen zwischen Portugal und den Lage Landen sind lang und intensiv, nicht nur auf den Azoren oder auf der Anzeigetafel am Flughafen. Auch in vielen anderen Kapiteln von Geschichte und Gegenwart Portugals gibt es Verbindungen, von den fl\u00e4mischen Teppichen in der Burg von Guimar\u00e3es, dem \u201eGeburtsort\u201c der portugiesischen Nation, bis hin zum praktisch weltumspannenden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2044,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2983,10102,720,3099,6940],"tags":[44141,23497],"class_list":["post-13444","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-belgien","category-etymologie","category-niederlande","category-sprachvergleich","category-wortschatz","tag-beitraege-auf-deutsch","tag-kulinarisch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13444","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2044"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13444"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13444\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13463,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13444\/revisions\/13463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13444"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13444"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13444"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}