{"id":13488,"date":"2016-09-27T15:50:42","date_gmt":"2016-09-27T13:50:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=13488"},"modified":"2016-09-27T15:45:22","modified_gmt":"2016-09-27T13:45:22","slug":"sitzraub-und-schiffsabspringer-in-der-karibik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/09\/27\/sitzraub-und-schiffsabspringer-in-der-karibik\/","title":{"rendered":"Sitzraub und Schiffsabspringer in der Karibik"},"content":{"rendered":"<p>Der Herbst 2016 ist eine spannende Zeit f\u00fcr die Politik auf der anderen Seite des Atlantiks. Vor ein paar Tagen f\u00fchrte <a href=\"https:\/\/www.ggg.at\/2016\/09\/23\/aruba-fuehrt-eingetragene-partnerschaften-ein\/\" target=\"_blank\">Aruba<\/a> die eingetragene Partnerschaft f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare ein \u2013 in der Karibik immer noch eine Seltenheit. Gestern fanden au\u00dferdem in Sint Maarten vorgezogene Neuwahlen statt, die nach einem <a href=\"https:\/\/www.dutchcaribbeanlegalportal.com\/news\/movers-shakers\/79-a-new-challenge\/5776-sint-maarten-government-falls-three-coalition-members-defect\" target=\"_blank\">Misstrauensvotum<\/a> gegen die Regierung notwendig waren.<\/p>\n<p>Unter anderem stimmte der Abgeordnete Silvio Matser gegen die Regierung \u2013 er hatte bis dahin der Regierungskoalition angeh\u00f6rt und steht im Augenblick vor Gericht, weil er bei der vorherigen Wahl 2014 systematischen <a href=\"https:\/\/www.volkskrant.nl\/buitenland\/parlementslid-sint-maarten-verdacht-van-kopen-stemmen-gevangenen~a4381104\/\" target=\"_blank\">Stimmenkauf<\/a> organisiert haben soll.<\/p>\n<div style=\"width: 343px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:SXM_Admin_Bldg.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/a\/a9\/SXM_Admin_Bldg.jpg\/640px-SXM_Admin_Bldg.jpg\" width=\"333\" height=\"250\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Regierungsgeb\u00e4ude in Philipsburg, Sint Maarten (J. Velisque, CC-BY-SA 4.0)<\/p><\/div>\n<p>Schon l\u00e4nger leidet die Politik in Sint Maarten darunter, dass Abgeordnete im Parlament die Seite wechselten und sich gegen die Partei stellten, f\u00fcr die sie gew\u00e4hlt worden waren. Solche <em>ship jumpers<\/em> sind inzwischen ein Ph\u00e4nomen, das fast selbstverst\u00e4ndlich zur politischen Landschaft des Inselteils geh\u00f6rt. Im <a href=\"https:\/\/www.nrc.nl\/nieuws\/2016\/09\/27\/up-boekt-opnieuw-nipte-verkiezingswinst-op-sint-maarten-a1523562\" target=\"_blank\">NRC<\/a>\u00a0 \u2013 eine der wenigen Zeitungen, die \u00fcberhaupt \u00fcber die Wahlergebnisse berichten \u2013 ist die Rede von <em>zetelroof<\/em>. Der Van Dale \u00fcbersetzt es ohne weiteres als <em>Mandatsraub <\/em>ins Deutsche. Wohl eine eigene Erfindung, denn ein etablierter Begriff ist das sicher nicht. Google liefert vereinzelt Treffer (fragt aber sicherheitshalber nach, ob man nicht nach <em>Mandat Staub<\/em> suchen wollte), dabei geht es aber meist um Beschwerden kleiner Parteien, die sich vom Wahlsystem benachteiligt f\u00fchlen. Was mit <em>zetelroof\u00a0<\/em> tats\u00e4chlich gemeint ist, erkl\u00e4rt das einsprachige W\u00f6rterbuch: \u201ehet bezet-houden van een par\u00adle\u00adments\u00adze\u00adtel, na\u00addat men de frac\u00adtie waar\u00adin men ver\u00adko\u00adzen is heeft ver\u00adla\u00adten\u201c. Der <em>ship jumper <\/em>stiehlt seiner Fraktion einen Sitz und springt mit ihm \u00fcber Bord. Wie sich nach den gestrigen Wahlen die Parteien sortieren werden, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p>In sprachpolitischer Hinsicht darf man von den Wahlen in Sint Maarten wohl nicht zu viel erwarten. Wie auf der Insel \u00fcblich fand der Wahlkampf auf Englisch statt. Die Partei <em>National Alliance <\/em>versuchte wenigstens, in ihrem <a href=\"https:\/\/data.sxmelections.com\/sint-maarten\/election-2014\/national-alliance\/37\/10\/partymanifesto.aspx\" target=\"_blank\">Wahlprogramm<\/a> im Kapitel zur Kultur ein wenig lokaltypisch zu klingen, mit der \u00dcberschrift <em>Tis We Own Ting <\/em>(\u201athis is our own thing\u2018). Mehr als Folklore ist damit aber nicht gemeint, und sprachpolitische Ziele z.B. zur Anerkennung der lokalen Form des Englischen (oder Kreolischen \u2013 diese Debatte wollen wir hier lieber nicht beginnen) werden nicht erw\u00e4hnt. Als einzige der vier Parteien, die im neuen Parlament vertreten sein werden, nennt die <em>United People\u2019s Party <\/em>(UP) zwei sprachpolitische Ziele in ihrem <a href=\"https:\/\/data.sxmelections.com\/sint-maarten\/election-2016\/united-peoples-party\/417\/11\/partymanifesto.aspx\" target=\"_blank\">Wahlprogramm<\/a>, n\u00e4mlich im Kapitel zur Bildungspolitik:<\/p>\n<blockquote><p>&#8211; UP recognizes that Sint Maarten is a multilingual society where English is the native tongue; UP will make provisions in the curriculum to ensure that English is mastered by the end of secondary education.<\/p>\n<p>&#8211; Because Dutch is a very important language, UP will put in place a strong Dutch-as-a-foreign language curriculum in all schools to allow students to master Dutch by the end of secondary education.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Ziele d\u00fcrften wahrscheinlich relativ unumstritten sein. Wie sie konkret erreicht werden sollen, steht allerdings nirgends. Man darf gespannt sein, wie diese \u201eprovisions\u201c aussehen werden, und was ein \u201estrong curriculum\u201c f\u00fcr Niederl\u00e4ndisch als Fremdsprache sein soll.<\/p>\n<p>Am kommenden Freitag steht etwas weiter s\u00fcdlich \u00fcbrigens schon die n\u00e4chste Wahl an, n\u00e4mlich in Cura\u00e7ao.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Herbst 2016 ist eine spannende Zeit f\u00fcr die Politik auf der anderen Seite des Atlantiks. Vor ein paar Tagen f\u00fchrte Aruba die eingetragene Partnerschaft f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare ein \u2013 in der Karibik immer noch eine Seltenheit. Gestern fanden au\u00dferdem in Sint Maarten vorgezogene Neuwahlen statt, die nach einem Misstrauensvotum gegen die Regierung notwendig waren. 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