{"id":13614,"date":"2016-10-17T09:43:16","date_gmt":"2016-10-17T07:43:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=13614"},"modified":"2017-01-08T13:18:29","modified_gmt":"2017-01-08T12:18:29","slug":"studieren-oder-den-rand-halten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2016\/10\/17\/studieren-oder-den-rand-halten\/","title":{"rendered":"Studieren oder den Rand halten?"},"content":{"rendered":"<p>Zu unpolitisch, zu tr\u00e4ge, zu leidenschaftslos \u2013 dies und mehr h\u00f6rt man oft \u00fcber die heutige Generation der jungen Menschen, die an unseren Unis studieren. Stimmt nat\u00fcrlich nicht, wie man zum Beispiel an den vielen Initiativen f\u00fcr Gefl\u00fcchtete sieht, die unsere Studierenden in k\u00fcrzester Zeit auf die Beine gestellt haben. (Nur zur Erinnerung: Das Programm Welcome@FUBerlin, mit dem sich die FU r\u00fchmt, funktioniert in erster Linie durch das freiwillige Engagement von Studierenden.)<br \/>\nWas wir im Augenblick selten erleben, sind Streiks, Kundgebungen oder Proteste. Nicht so in S\u00fcdafrika. Dort geht es f\u00fcr viele Studierende immer noch um die nackte Existenz: Kann ich mir ein Studium \u00fcberhaupt leisten? Wie soll ich das bezahlen?<\/p>\n<p>An der Witwatersrand-Universit\u00e4t und anderen Hochschulen entladen sich diese grundlegenden Fragen jetzt in <a href=\"https:\/\/www.sabc.co.za\/news\/a\/cdbf23004e929d0baf41ef255d13e686\/Classes-continue-at-Wits-amid-protests-20161210\" target=\"_blank\">Protesten<\/a> und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Studentenprotest-in-Suedafrika\/!5344471\/\" target=\"_blank\">leider auch in Gewalt<\/a>. Die Regierung wollte eine Anhebung der Studiengeb\u00fchren durchsetzen, wodurch f\u00fcr junge Menschen aus weniger wohlhabenden Familien der Zugang zu einer Universit\u00e4tsausbildung schwierigier w\u00fcrde. H\u00f6here Bildung w\u00e4re dann k\u00fcnftig noch mehr als ohnehin schon ein Privileg f\u00fcr wohlhabende Wei\u00dfe. Grund genug f\u00fcr einige Protestler, gleich den Namen der renommierten Universit\u00e4t <a href=\"https:\/\/www.timeslive.co.za\/local\/2016\/10\/10\/Wits-renamed-%E2%80%98University-of-the-Whites-With-Rands%E2%80%99-on-Wikipedia\" target=\"_blank\">zu \u00e4ndern<\/a>, n\u00e4mlich in <em>University-of-the-Whites-With-Rands<\/em>.<\/p>\n<div style=\"width: 324px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/South_African_rand\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/en\/thumb\/8\/8c\/SA_Bank_Note_2012_Specimen_image.png\/409px-SA_Bank_Note_2012_Specimen_image.png\" width=\"314\" height=\"369\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Aktuelle Banknoten des S\u00fcdafrikanischen Rand. (S\u00fcdafrikanische Zentralbank, fair use)<\/p><\/div>\n<p>Der <em>Rand <\/em>ist die s\u00fcdafrikanische W\u00e4hrung. Die hat ihre Namen wiederum selbst vom Witwatersrand, einer geologischen Formation in der Umgebung von Johannesburg. An einer langen Felsenkante entlang st\u00fcrzen zahlreiche sch\u00e4umende Wasserf\u00e4lle hinab \u2013 so schnell kommt man zur Bezeichnung: Wei\u00dfe Wasserkante. Und weil in diesen Felsen ziemlich viel Gold gefunden wurde, aus dem man M\u00fcnzen pr\u00e4gen konnte, hie\u00df also auch das Geld kurz und knapp <em>Rand<\/em>. Die aktuellen Geldscheine tragen auf der Vorderseite eine Beschriftung auf Englisch, auf der R\u00fcckseite immer in zwei anderen der vielen offiziellen Sprachen des Landes. Afrikaans ist am wenigsten wert: Es steht auf der 10-Rand-Note.<\/p>\n<p>Wer an der Witwatersrand-Universit\u00e4t studieren will, braucht nicht nur <a href=\"https:\/\/www.news24.com\/Columnists\/GuestColumn\/why-we-reject-blades-announcement-20161004?utm_source=news24-am-newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=Newsletters\" target=\"_blank\">Rand ohne Ende<\/a>, sondern idealerweise auch ein bisschen K\u00f6pfchen \u2013 auf Englisch <em>wits<\/em>. Fertig ist ein afrikaans-englisches Wortspiel, n\u00e4mlich der Kurzname der Universit\u00e4t: <em>Wits<\/em>. Die Uni hat den Namen <em>Wits <\/em>verst\u00e4ndlicherweise l\u00e4ngst zum Markenzeichen gemacht, wie schon <a href=\"https:\/\/www.wits.ac.za\/\" target=\"_blank\">die Webseite und die URL<\/a> dazu verraten. Obwohl das Toponym afrikaans ist, wie so viele in S\u00fcdafrika, ist die Wits traditionell eine englischsprachige Hochschule, an der man inzwischen aber auch einige der lokalen Sprachen studieren kann. In der gesamten Debatte und bei den Protesten ist Afrikaans mehr oder weniger au\u00dfen vor. Zu sehr wird die Sprache an sich schon mit wei\u00dfen Privilegien assoziiert, so dass es f\u00fcr viele absurd wirken w\u00fcrde, Emp\u00f6rung gegen die Ungleichheit auf Afrikaans zu artikulieren. Unter dem quasi-offiziellen Hashtag der Bewegung #feesmustfall findet man auf Twitter praktisch nur englischsprachige Tweets, aber auch eine weitere sehr deutliche Geste. Studierende singen eine &#8222;dekolonisierte Nationalhymne&#8220;, also ohne die Textteile in den Kolonialsprachen Afrikaans und Englisch:<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"500\" data-dnt=\"true\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">&quot;The decolonized national anthem.&quot; || <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Wits?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#Wits<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/Fees2017?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#Fees2017<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/FeesMustFall?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#FeesMustFall<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/86lClvftRd\">pic.twitter.com\/86lClvftRd<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Lindokuhle Xulu (@LindokuhlXulu1) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/LindokuhlXulu1\/status\/784360393355526144?ref_src=twsrc%5Etfw\">October 7, 2016<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Den weniger betuchten Studierenden in S\u00fcdafrika ist jedenfalls zu w\u00fcnschen, dass sie durch die Bildungspolitik nicht noch weiter an den Rand gedr\u00e4ngt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu unpolitisch, zu tr\u00e4ge, zu leidenschaftslos \u2013 dies und mehr h\u00f6rt man oft \u00fcber die heutige Generation der jungen Menschen, die an unseren Unis studieren. 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