{"id":14060,"date":"2017-01-04T09:37:01","date_gmt":"2017-01-04T08:37:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=14060"},"modified":"2016-12-30T20:58:56","modified_gmt":"2016-12-30T19:58:56","slug":"was-fuer-ein-faszinierende-konstruktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2017\/01\/04\/was-fuer-ein-faszinierende-konstruktionen\/","title":{"rendered":"Was f\u00fcr ein faszinierende Konstruktionen!"},"content":{"rendered":"<p>Bescheidenheit ist eine Zier, weiter kommt man ohne ihr. So sagt es der Volksmund, ohne R\u00fccksicht auf Verluste im Kasussystem. Ganz unbescheiden darf ich ein Kompliment zitieren, das meine Blog-Kolleg\/inn\/en und mich sehr gefreut hat. Ein Kollege aus den Niederlanden schrieb in einer Mail:<\/p>\n<blockquote><p>Wat een leuke stukjes zetten jullie toch op jullie website!<\/p><\/blockquote>\n<p>Liest man den Satz mit deutscher Grammatik im Hinterkopf, zuckt man erst einmal zusammen und denkt sich: Da stimmt etwas nicht. Muss ein Versehen sein, vielleicht ein Verschreiber. Eigentlich passt <em>wat een <\/em>nicht zusammen mit einem Plural (<em>stukjes<\/em>).<\/p>\n<p>Auf Deutsch gibt es nat\u00fcrlich eine entsprechende Formulierung:<\/p>\n<blockquote><p>Was f\u00fcr sch\u00f6ne Beitr\u00e4ge habt ihr da auf eurer Website!<\/p><\/blockquote>\n<p>Unm\u00f6glich ist aber die Konstruktion, die das Niederl\u00e4ndische hat:<\/p>\n<blockquote><p>*Was f\u00fcr ein sch\u00f6ne Beitr\u00e4ge habt ihr da auf eurer Website!<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Ausdruck <em>wat een <\/em>+ Plural ist im Niederl\u00e4ndischen absolut g\u00e4ngig. Man findet beispielsweise auf Google jede Menge Belege f\u00fcr S\u00e4tze wie<\/p>\n<blockquote><p>Wat een mooie foto\u2019s!<\/p>\n<p>*Was f\u00fcr ein sch\u00f6ne Fotos!<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Deutschen m\u00fcssen <em>was f\u00fcr ein<\/em> und die darauf folgende Nominalphrase im Numerus immer \u00fcbereinstimmen, im Niederl\u00e4ndischen anscheinend nicht. Ein weiterer Unterschied liegt im W\u00f6rtchen <em>f\u00fcr<\/em>. Auf Deutsch sind Formulierungen ohne <em>f\u00fcr <\/em>seltener, weniger standardsprachlich oder in manchen F\u00e4llen (vor allem beim Plural) ganz ausgeschlossen:<\/p>\n<blockquote>\n<div style=\"width: 345px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Bevroren_landschap_bij_zonsopgang._It_S%C3%BAd_De_Fryske_Marren_03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f4\/Bevroren_landschap_bij_zonsopgang._It_S%C3%BAd_De_Fryske_Marren_03.jpg\/640px-Bevroren_landschap_bij_zonsopgang._It_S%C3%BAd_De_Fryske_Marren_03.jpg\" width=\"335\" height=\"166\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Wat een mooie landschappen vind je toch in Nederland! (D.J.Bergsma, CC-BY-SA 4.0)<\/p><\/div>\n<p>Was f\u00fcr ein sch\u00f6nes Foto!<\/p>\n<p>?Was ein sch\u00f6nes Foto!<\/p>\n<p>Was f\u00fcr sch\u00f6ne Fotos!<\/p>\n<p>*Was sch\u00f6ne Fotos!<\/p><\/blockquote>\n<p>Auf Niederl\u00e4ndisch gibt es den Ausdruck zwar auch mit einem zus\u00e4tzlichen <em>voor<\/em>, aber die Variante ohne diesen Zusatz ist mindestens genauso g\u00e4ngig. Ob die S\u00e4tze mit <em>voor <\/em>tats\u00e4chlich m\u00f6glich und wohlgeformt sind, da widersprechen sich die Urteile unserer Muttersprachlerinnen im Arbeitsbereich. Man findet jedenfalls entsprechende Beispiele im Internet, in denen <em>wat voor (een) <\/em>benutzt wird. Vielleicht h\u00e4ngt es von der Region oder vom stilistischen Empfinden ab, ob man diese Formulierungen akzeptiert oder nicht.<\/p>\n<blockquote><p>Wat een mooie foto!<\/p>\n<p>Wat een mooie foto\u2019s!<\/p>\n<p>?Wat voor een mooie foto!<\/p>\n<p>?Wat voor een mooie foto\u2019s!<\/p>\n<p>?Wat voor mooie foto\u2019s!<\/p><\/blockquote>\n<p>Um es noch einmal zu sortieren, kann man f\u00fcr jede Sprache eine kleine Tabelle machen:<\/p>\n<table style=\"height: 174px\" width=\"360\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"256\"><strong>\u00a0NL<\/strong><\/td>\n<td width=\"256\"><strong>Singular<\/strong><\/td>\n<td width=\"256\"><strong>Plural<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"256\">Wat een\u2026<\/td>\n<td width=\"256\">OK<\/td>\n<td width=\"256\">OK<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"256\">Wat voor een\u2026<\/td>\n<td width=\"256\">?<\/td>\n<td width=\"256\">?<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"256\">Wat voor\u2026<\/td>\n<td width=\"256\">X<\/td>\n<td width=\"256\">?<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"height: 170px\" width=\"360\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"256\"><strong>\u00a0DE<\/strong><\/td>\n<td width=\"256\"><strong>Singular<\/strong><\/td>\n<td width=\"256\"><strong>Plural<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"256\">Was ein\u2026<\/td>\n<td width=\"256\">?<\/td>\n<td width=\"256\">X<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"256\">Was f\u00fcr ein\u2026<\/td>\n<td width=\"256\">OK<\/td>\n<td width=\"256\">X<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"256\">Was f\u00fcr\u2026<\/td>\n<td width=\"256\">X<\/td>\n<td width=\"256\">OK<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Preisfrage lautet: Wie kommt das? Wir haben einerseits im Niederl\u00e4ndischen die M\u00f6glichkeit einer (vermeintlichen oder tats\u00e4chlichen) Inkongruenz zwischen dem Artikel und dem zugeh\u00f6rigen Substantiv. Und wir haben andererseits die Pr\u00e4position <em>f\u00fcr<\/em>, die eigene Regeln schafft.<\/p>\n<p>Ein Grund daf\u00fcr ist vermutlich die Tatsache, dass die gesamte Konstruktion <em>was (f\u00fcr) ein<\/em> in beiden Sprachen etymologisch nicht mehr transparent ist. Es handelt sich trotz der Einleitung mit <em>Was <\/em>nicht um eine Frage, vielleicht noch nicht einmal um eine rhetorische. Auch die intuitiv naheliegende Wortbedeutung von <em>f\u00fcr <\/em>bzw. <em>voor <\/em>im Sinne von \u201azugunsten von\u2018 oder \u201aanstelle von\u2018 ist hier nicht direkt durchsichtig. Das gilt zwar in beiden Sprachen, aber das Niederl\u00e4ndische hat sich diese Intransparenz schon etwas produktiver zunutze gemacht. Hier wird <em>wat een <\/em>einfach zu einer Art von Partikel, die emotionale Intensit\u00e4t ausdr\u00fcckt, weil ein bestimmtes Ph\u00e4nomen unter allen gleichartigen Ph\u00e4nomenen besonders heraussticht \u2013 sei es positiv oder negativ:<\/p>\n<blockquote><p><em>Wat een geweldige roman! <\/em>(Das Buch ist viel besser als die meisten anderen Romane.)<\/p>\n<p><em>Wat een afschuwelijke politici! <\/em>(Die Politiker sind noch viel widerw\u00e4rtiger als die meisten anderen.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Was f\u00fcr ein spannende Entdeckungen man in einer einfachen, netten E-Mail von einem Kollegen doch macht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bescheidenheit ist eine Zier, weiter kommt man ohne ihr. So sagt es der Volksmund, ohne R\u00fccksicht auf Verluste im Kasussystem. Ganz unbescheiden darf ich ein Kompliment zitieren, das meine Blog-Kolleg\/inn\/en und mich sehr gefreut hat. 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