{"id":14521,"date":"2017-03-17T09:02:40","date_gmt":"2017-03-17T08:02:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=14521"},"modified":"2018-01-05T19:38:24","modified_gmt":"2018-01-05T18:38:24","slug":"nederlands-op-zn-afrikaans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2017\/03\/17\/nederlands-op-zn-afrikaans\/","title":{"rendered":"Nederlands op z\u2019n Afrikaans"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.osa.fu-berlin.de\/niederlandistik\/perspektiven\/unterricht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Henning Radke<\/a> heeft aan de FU Nederlands gestudeerd. Meestal was hij echter in het buitenland, ergens aan de grenzen van het Nederlandse taalgebied. Wij hadden al een filmpje van hem over de <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2014\/04\/01\/schaafijs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schaafijsverkoper<\/a> in de Paramaribose dierentuin.<br \/>\nHier een bijdrage van <em>de razende Radke <\/em>die tussen de bedrijven door (<em><span id=\"a39372\" class=\"ga\"><span class=\"gah\"><span class=\"gy gac\"><span class=\"gv\"><span class=\"gab\"><span id=\"v5893\" class=\"gab gad gk\"><span class=\"gaj\">zwischendurch<\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/em>) even in Namibi\u00eb was.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Vor mir im Jeep hatte ein P\u00e4rchen Platz genommen. Sie Niederl\u00e4nderin, er Deutscher. \u201eMijn vriend zei dat er veel Duits wordt gesproken in Namibi\u00eb. Maar nu we hier zijn, zie en hoor ik overal Nederlands,\u201d sagte Els sichtlich am\u00fcsiert, als der Jeep schon durch die Namib-W\u00fcste rollte.<\/p>\n<div id=\"attachment_14544\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-1-vlakvark.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14544\" class=\"wp-image-14544 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-1-vlakvark-300x200.jpg\" alt=\"foto 1 vlakvark\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-1-vlakvark-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-1-vlakvark.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14544\" class=\"wp-caption-text\">Vlakvark: ein namibisches Tier mit Charakter. Zum <em>vlakvark<\/em> sagen Niederl\u00e4nder, Belgier und Surinamer <em>knobbelzwijn<\/em>. Den Deutschen, \u00d6sterreichern und Schweizern ist es als Warzenschwein bekannt.<\/p><\/div>\n<p>Was Els, die eigentlich aus der N\u00e4he von Utrecht stammt, hier als <em>Nederlands<\/em> bezeichnete, ist in Wirklichkeit Afrikaans. Doch so ganz weit hergeholt war diese wohl absichtliche Verwechslung nicht, denn verfolgt man die Sprachgeschichte des Afrikaans zur\u00fcck, so landet man unweigerlich beim Niederl\u00e4ndischen. Genauer gesagt: bei den niederl\u00e4ndischen Dialekten des 17. Jahrhunderts, die durch den europ\u00e4ischen Kolonisierungsdrang ans Kap der Guten Hoffnung kamen und dort einen Sprachwandel erfuhren, der seines gleichen sucht. Dieser Wandel wurde durch intensiven Sprachkontakt mit nicht-europ\u00e4ischen Sprachen wie Malaiisch und Khoisansprachen hervorgerufen, verursachte einen deutlichen Wandel der Grammatik und \u00e4nderte Ausspracheregeln. Ein (Teil-)Kreolisierungsprozess setzte ein und wirbelte das Sprachsystem ordentlich durcheinander. Am Ende der Entwicklung stand: Afrikaans.<\/p>\n<p>Heutzutage wird diese Sprache in weiten Teilen S\u00fcdafrikas und Namibias gesprochen und von Niederl\u00e4ndern mit ein bisschen M\u00fche auch ohne langj\u00e4hrigen Sprachkurs gut verstanden. Umgekehrt ist die Verst\u00e4ndlichkeit des Niederl\u00e4ndischen f\u00fcr Sprecher des Afrikaans nicht ganz so leicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_14545\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-2-koffiehuis.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14545\" class=\"wp-image-14545 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-2-koffiehuis-300x169.jpg\" alt=\"foto 2 koffiehuis\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-2-koffiehuis-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-2-koffiehuis-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-2-koffiehuis-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14545\" class=\"wp-caption-text\">Ein namibisches koffiehuis, in dem man melkskommels bestellen kann<\/p><\/div>\n<p>Woran liegt das? Im Wandel des afrikaansen Wortschatzes liegt sicherlich ein wichtiger Grund. Es gibt viele W\u00f6rter auf Niederl\u00e4ndisch, die man auf Afrikaans schlichtweg nicht kennt. Der urspr\u00fcnglich niederl\u00e4ndische Wortschatz wird jedoch kreativ genutzt. So haben sich im Afrikaans viele zusammengesetzte Nomen (Komposita) herausgebildet, f\u00fcr die das Niederl\u00e4ndische nur Anglizismen kennt. Wer in Namibia vom <em>skootrekenaar<\/em> (w\u00f6rtlich: Scho\u00dfrechner) spricht, sollte in den Niederlanden lieber <em>laptop<\/em> sagen. W\u00e4hrend namibische Caf\u00e9s <em>melkskommels<\/em> (w\u00f6rtlich: Milchschaukeln) im Angebot haben, empfiehlt es sich in Amsterdam einen <em>milkshake<\/em> zu bestellen. <em>Verkleurmannetjies<\/em> (w\u00f6rtlich: Verf\u00e4rbm\u00e4nnchen) leben im s\u00fcdlichen Afrika in freier Natur. In Holland kommen sie nur in Zoos vor und hei\u00dfen dort <em>kameleons<\/em>. Und ein namibischer <em>hysbak<\/em> (w\u00f6rtlich: Hebekasten) wird in der Umgebung Nordhollands, Sie ahnen es schon, als <em>lift<\/em> bezeichnet.<\/p>\n<p>Das Interessante an diesen Beispielen ist, dass die Struktur der afrikaansen Komposita f\u00fcr Sprecher des Niederl\u00e4ndischen transparent ist. Sie k\u00f6nnen die Einzelteile des Kompositums analysieren und somit ihre w\u00f6rtliche Bedeutung verstehen. Wenn ich also eine <em>Milchschaukel<\/em> auf meinen <em>Scho\u00dfrechner<\/em> gesch\u00fcttet habe, weil ich auf dem Weg zum <em>Hebekasten<\/em> fast auf ein <em>Verf\u00e4rbm\u00e4nnchen<\/em> getreten bin, dann bekomme ich einen Eindruck davon, wie diese afrikaansen W\u00f6rter im Kontext f\u00fcr Niederl\u00e4nder klingen m\u00fcssen. Vereinfacht man jetzt noch die Grammatik, verzichtet g\u00e4nzlich auf Verbkonjugation und fast immer auf ein \/\u2013t\/ am Ende des Wortes, dann kommt man der niederl\u00e4ndischen Wahrnehmung der afrikaansen Sprache schon recht nahe.<\/p>\n<div id=\"attachment_14546\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-3-rooi-duinealternatief.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14546\" class=\"wp-image-14546 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-3-rooi-duinealternatief-300x225.jpg\" alt=\"foto 3 rooi duine(alternatief)\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-3-rooi-duinealternatief-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-3-rooi-duinealternatief-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/foto-3-rooi-duinealternatief-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14546\" class=\"wp-caption-text\">Rooi duine (rote D\u00fcnen)<\/p><\/div>\n<p>Umgekehrt hat das Niederl\u00e4ndische in afrikaansen Ohren auch einen besonderen Klang. Auf die Frage, wie (belgisches) Niederl\u00e4ndisch f\u00fcr ihn klinge, antwortete der S\u00e4nger einer bekannten s\u00fcdafrikanischen Band: \u201cHulle sit net \/-en\/ op elke woord.\u201d (Sie f\u00fcgen an jedes Wort einfach ein \/-en\/ an) und erntete damit <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=32_XZVkKnXM&amp;feature=youtu.be&amp;t=2m17s\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lacher und Applaus<\/a> vom afrikaanssprachigen Publikum. Diese zugespitzte Anmerkung hat durchaus einen wahren Kern, denn im Niederl\u00e4ndischen ist \/\u2013en\/ ein h\u00e4ufiges Suffix, eine Wortendung, die z.B. den Plural markiert (<em>een aanmelding<\/em>\u00a0 \u2013 <em>drie aanmelding<strong>en<\/strong><\/em>) oder den Infinitiv eines Verbes anzeigt (<em>kenn<strong>en<\/strong>, lez<strong>en<\/strong>, vrag<strong>en<\/strong><\/em>). Afrikaans nutzt daf\u00fcr ausnahmslos Verbst\u00e4mme (<em>om te <strong>ken<\/strong>, om te <strong>lees<\/strong>, om te <strong>vra<\/strong><\/em>). Auch in der Vergangenheitsform gibt es im Gegensatz zum Niederl\u00e4ndischen keine grammatische Endung. So wird aus dem Satz \u201e<em>we hebb<strong>en<\/strong> gelez<strong>en<\/strong>\u201d<\/em> auf Afrikaans \u201e<em>ons het gelee<\/em>s\u201d. K\u00fcrzer, b\u00fcndiger, morphologisch ver\u00e4ndert. Oder anders gesagt: Der Sprachkontakt hat am Kap zu Sprachwandel gef\u00fchrt, zu einer Entwicklung, die die niederl\u00e4ndischen Variet\u00e4ten in Europa nicht durchliefen. Wortendungen fielen weg oder ganze Laute innerhalb eines Wortes verschwanden. Andere W\u00f6rter wurden phonologisch reduziert (<em>alsjeblieft\/alstublieft<\/em> zu <em>asseblief<\/em>) und verschmolzen miteinander (<em>moet niet<\/em> zu <em>moenie<\/em>). Ein Hauch von Kreolisierung.<\/p>\n<p>Dieser Prozess hat jedoch nicht voll durchgeschlagen, denn ihren niederl\u00e4ndischen Charakter haben viele W\u00f6rter auf Afrikaans behalten. So kann Els auch weiterhin im Auto durch Namibia fahren und \u00fcberall auf W\u00f6rter sto\u00dfen, die ihr bekannt vorkommen. Nur ein Wort wird sie garantiert nicht sehen: das <em>amperbroekie<\/em> (Kaum-H\u00f6schen), das jeder zweite Niederl\u00e4nder als Beleg f\u00fcr die Beschreibungsfreudigkeit des Afrikaans heranholt, um sich sodann dar\u00fcber zu am\u00fcsieren.<\/p>\n<p>Ein <em>amperbroekie<\/em>, ein Kaum-H\u00f6schen \u2013 es tut mir leid, lieber Niederl\u00e4nder, aber von einem <em>amperbroekie<\/em> hat nun wirklich noch nie jemand im s\u00fcdlichen Afrika gesprochen. Es sei denn, er hat einst die niederl\u00e4ndische Werbung eines Lebensmittelherstellers gesehen. Jenes Herstellers, der den Niederl\u00e4ndern erfolgreich ein Wort gelehrt hat, welches es in Wirklichkeit nicht gibt. Seine Bedeutung l\u00e4sst sich sicherlich erraten.<\/p>\n<p><em>Auf Afrikaans gibt es eine Reihe von W\u00f6rtern, die bei Sprechern des Niederl\u00e4ndischen zu Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchren k\u00f6nnen. <a href=\"https:\/\/elisselenaars.wordpress.com\/2014\/03\/22\/5-misleidende-zuid-afrikaanse-woorden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier<\/a><a href=\"https:\/\/www.2jou.be\/5-misleidende-zuid-afrikaanse-woorden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a> sind ein paar Beispiele aufgelistet.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Door: Henning Radke<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Henning Radke heeft aan de FU Nederlands gestudeerd. Meestal was hij echter in het buitenland, ergens aan de grenzen van het Nederlandse taalgebied. Wij hadden al een filmpje van hem over de schaafijsverkoper in de Paramaribose dierentuin. Hier een bijdrage van de razende Radke die tussen de bedrijven door (zwischendurch) even in Namibi\u00eb was. 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