{"id":14642,"date":"2017-03-24T18:10:47","date_gmt":"2017-03-24T17:10:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=14642"},"modified":"2017-03-24T16:15:14","modified_gmt":"2017-03-24T15:15:14","slug":"wie-macht-man-eine-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2017\/03\/24\/wie-macht-man-eine-sprache\/","title":{"rendered":"Wie \u201emacht\u201c man eine Sprache?"},"content":{"rendered":"<p>Was hat Finnisch mit Niederl\u00e4ndisch zu tun? Um einige Details haben wir uns vor l\u00e4ngerer Zeit <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/03\/03\/vokalchaos-in-antwerpen\/\" target=\"_blank\">hier im Blog<\/a> schon einmal gek\u00fcmmert. Anfang dieser Woche ging es um die ganz gro\u00dfen Fragen.<\/p>\n<p>Unsere Kolleginnen und Kollegen von der Universit\u00e4t Ostfinnland waren in Berlin zu Gast f\u00fcr den Workshop \u201eLinguistic and social dynamics in hierarchic relationships between dominant and non-dominant languages\u201c. Genau genommen ging es dabei gar nicht (nur) um Finnisch, sondern erst einmal um <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Karelisch\" target=\"_blank\">Karelisch<\/a>. Unsere Partner\/innen besch\u00e4ftigen sich mit ihren Forschungsprojekten <a href=\"https:\/\/kontublog.wordpress.com\/\" target=\"_blank\"><em>Kontu<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/kianna-hanke.blogspot.de\/p\/in-english.html\" target=\"_blank\"><em>Ki\u00e4nn\u00e4!<\/em><\/a> in erster Linie mit der Frage, wie \u00dcbersetzungen bei der F\u00f6rderung einer bedrohten Minderheitensprache n\u00fctzlich sein k\u00f6nnen. Ob literarische Texte oder Internetseiten: Am Ende entstehen neue Formen einer Sprache, die bislang selten geschrieben wurde und die sozusagen in neue Welten geholt wird. Dabei spielt es nat\u00fcrlich eine Rolle, wie und f\u00fcr wen \u00fcbersetzt wird, wer \u00fcbersetzt und mit welchen Zielen. F\u00fcr uns eine neue Perspektive, die auf den zweiten Blick viele \u00dcberlegungen ber\u00fchrt, vor denen auch wir immer wieder stehen:<\/p>\n<div id=\"attachment_14644\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/DSC00064xx.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14644\" class=\"wp-image-14644 size-medium\" src=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/DSC00064xx-300x200.jpg\" alt=\"DSC00064xx\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/DSC00064xx-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/DSC00064xx-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/DSC00064xx-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/files\/2017\/03\/DSC00064xx.jpg 1095w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14644\" class=\"wp-caption-text\">Ob Nordsee, Ostsee, Onegasee, Karibische See oder Spree: Wasser sollte in der N\u00e4he sein. Also haben wir einfach gleich selbst auf dem Wasser getagt.<\/p><\/div>\n<p>Wie entstehen sprachliche Normen und wer macht sie? Welche Rolle spielt dabei die Linguistik \u2013 und welche Rolle spielt die Sprachgemeinschaft selbst? Wie detailliert m\u00fcssen sprachliche Normen geregelt sein und wie viel Variation l\u00e4sst man zu? Wie sehen die sprachlichen Formen am Ende aus, die dabei entstehen? Die \u00dcbersetzungen werden nat\u00fcrlich nicht in einem Vakuum produziert, sondern immer in der Umgebung schon bestehender Mehrheits- und Standardsprachen, in diesem Fall Finnisch und Russisch. Dadurch wird die \u00dcbersetzung selbst zu einem Ort, an dem Sprachkontakt stattfindet. Was h\u00e4lt am Ende eigentlich die Sprachgemeinschaft selbst davon?<\/p>\n<p>Vor allem diese letzte Frage fasziniert uns in der Niederlandistik und auch der Anglistik an der FU. In die Kooperation bringen wir vor allem die Erfahrung aus der Forschung mit Spracheinstellungen, Sprachbewusstsein und Sprachideologien ein. Das Niederl\u00e4ndische als plurizentrische Sprache, deren Formenvielfalt beim Lernen und Lehren immer wieder Fragen aufwirft, ist ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr die Wandelbarkeit und Machbarkeit sprachlicher Normen. Das Karelische, gesprochen in Finnland und Russland, muss sich hierbei ebenso unterschiedlichen l\u00e4nderspezifischen Kontexten stellen wie das Niederl\u00e4ndische in seinen drei L\u00e4ndern. Hinzu kommt die postkoloniale Perspektive in unserem Fachgebiet. In der Karibik sehen wir, wie die Aufwertung von Kreolsprachen unterschiedlich weit und schnell vorankommt, auf den ABC-Inseln beispielsweise viel st\u00e4rker als in Surinam. Emanzipation und der Weg aus der Bedeutungslosigkeit sind Ziele, die f\u00fcr Minderheitensprachen in Europa ebenso wichtig sind wie f\u00fcr Kreolsprachen in ehemaligen Kolonien.<\/p>\n<p>Die Fallbeispiele lehren uns viel \u00fcber die Art und Weise, wie Sprachgemeinschaften selbst die F\u00f6rderung von nicht-dominanten Sprachen wahrnehmen und was sie sich w\u00fcnschen. Der Vergleich der Fallbeispiele liegt n\u00e4her als es scheint. Denn egal ob im Regenwald oder im Birkenwald: Am Ende kommt es darauf an, was die Sprecherinnen und Sprecher sich unter dem Ph\u00e4nomen \u201eSprache\u201c vorstellen, wie wir das in der Sprachwissenschaft \u00fcberhaupt herausfinden k\u00f6nnen und wie wir mithelfen k\u00f6nnen, wenn die Gemeinschaften selbst an ihrer Sprachsituation etwas verbessern m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Von heute auf morgen k\u00f6nnen wir diese Fragen nat\u00fcrlich auch nicht beantworten. Dazu m\u00fcssen wir erst einmal im Herbst nach Finnland fahren und uns dort genauer ansehen, was es mit dem Karelischen auf sich hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was hat Finnisch mit Niederl\u00e4ndisch zu tun? Um einige Details haben wir uns vor l\u00e4ngerer Zeit hier im Blog schon einmal gek\u00fcmmert. Anfang dieser Woche ging es um die ganz gro\u00dfen Fragen. 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