{"id":14719,"date":"2017-04-08T14:12:14","date_gmt":"2017-04-08T12:12:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=14719"},"modified":"2017-04-07T16:24:08","modified_gmt":"2017-04-07T14:24:08","slug":"batavistik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2017\/04\/08\/batavistik\/","title":{"rendered":"Batavistik?"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen auf der <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/INP\/internationales\/tagungen\/index.shtml\" target=\"_blank\">\u201eGermanic Sandwich\u201c-Konferenz in M\u00fcnster<\/a> konnte man etwas beobachten, das ich bislang eher aus der Romanistik kannte: Vortr\u00e4ge in verschiedenen Sprachen der Sprachfamilie, und fast alle verstanden einigerma\u00dfen, worum es ging. Egal ob der Vortrag auf Deutsch, Englisch oder Niederl\u00e4ndisch war. Skandinavische Sprachen waren als Untersuchungsgegenstand vertreten, aber nicht als Vortragssprache \u2013 das w\u00e4re vielleicht auch schwieriger geworden. In der Romanistik ist man weniger realistisch. Dort wird gelegentlich erwartet, dass man ohne mit der Wimper zu zucken Portugiesisch versteht, wenn man mal Italienisch gelernt hat.<\/p>\n<p>Nun hat die Romanistik auch eine l\u00e4ngere Tradition, sich als fachliche Einheit zu verstehen, jedenfalls in der deutschsprachigen akademischen Welt und ein wenig auch in der internationalen Fachgemeinschaft (z.B. bei den Tagungen der <em>Soci\u00e9t\u00e9 de Linguistique Romane<\/em>). G\u00e4be es einen \u00e4hnlichen Zusammenhalt bei der Forschung zu germanischen Sprachen \u2013 und der Erfolg des <em>Germanic Sandwich <\/em>scheint das nahezulegen \u2013, wie sollte dann diese Fachrichtung hei\u00dfen? Der Begriff <em>Germanistik<\/em> ist schon besetzt. Den hat sich die Forschung zum Deutschen und seinen Kulturformen unter den Nagel gerissen, bevor das Englische noch auf dem Weg zur Weltsprache war und den Oberbegriff f\u00fcr sich h\u00e4tte beanspruchen k\u00f6nnen. Es wird schwer zu machen sein, die jetzige Germanistik einfach in <em>Teutonistik <\/em>umzubenennen.<\/p>\n<p>In der Niederlandistik ist das Problem \u00e4hnlich. Nat\u00fcrlich ist Niederl\u00e4ndisch auch die Sprache Flanderns, insofern ist die Bezeichnung v\u00f6llig korrekt (jedenfalls schon einmal besser als <em>Hollandistik<\/em>, was man aus unachtsamem Munde <a href=\"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2015\/04\/10\/herausforderungen-der-hollandistik\/\" target=\"_blank\">schon einmal h\u00f6rt<\/a>). Der Begriff klingt trotzdem sehr nach Niederlande-Forschung, obwohl der gesamte Sprachraum betrachtet wird. Es geht eben um die Sprache der <em>niederen Lande<\/em>, f\u00fcr die wir auf Deutsch auch keinen Begriff haben, der die <em>Lage Landen <\/em>oder die <em>Low Countries <\/em>angemessen abbilden w\u00fcrde.<\/p>\n<div style=\"width: 336px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Rembrandt_Harmensz._van_Rijn_-_The_Conspiracy_of_the_Batavians_under_Claudius_Civilis_-_Google_Art_Project.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/ff\/Rembrandt_Harmensz._van_Rijn_-_The_Conspiracy_of_the_Batavians_under_Claudius_Civilis_-_Google_Art_Project.jpg\/640px-Rembrandt_Harmensz._van_Rijn_-_The_Conspiracy_of_the_Batavians_under_Claudius_Civilis_-_Google_Art_Project.jpg\" width=\"326\" height=\"206\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Die Verschw\u00f6rung der Bataver. (Rembrandt, PD)<\/p><\/div>\n<p>Hinzu kommt noch, dass die <em>neerlandistiek<\/em> bzw. <em>Niederlandistik <\/em>mit ihrer germanischen Wurzel und der gelehrten \u2013<em>istik <\/em>merkw\u00fcrdig zusammengeschraubt wirkt gegen\u00fcber den eleganten klassischen Bezeichnungen wie <em>Hispanistik<\/em>, <em>Lusitanistik <\/em>oder <em>Sinologie<\/em>. W\u00e4re nicht die <em>Batavistik<\/em> eine sch\u00f6ne Alternative? Immerhin h\u00e4tte man dann eine sch\u00f6ne humanistisch-lateinische Basis.<\/p>\n<p>Trotzdem ist die Begriffswahl nicht unbedingt ideal, denn einige Assoziationen sind eher unsch\u00f6n: Die <a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Bataafse_Republiek\" target=\"_blank\">Batavische Republik<\/a> war kein besonders nachhaltiges Konstrukt und dass Jakarta einmal <em>Batavia<\/em> hie\u00df, muss man auch nicht unbedingt feiern. Dort wurde \u00fcbrigens eine Zeitlang eine portugiesisch-basierte Kreolsprache gesprochen, die l\u00e4ngst ausgestorben ist, aber f\u00fcr sich noch der Name <em>Batavia Creole <\/em>in der <a href=\"https:\/\/apics-online.info\/contributions\/43\" target=\"_blank\">Fachcommunity<\/a> h\u00e4lt. Vielleicht w\u00e4re die Batavistik ein geeigneter Begriff f\u00fcr die Erforschung dieser Sprache.<\/p>\n<p>L\u00f6sungen f\u00fcr das Germanistik-Problem sind das alles nicht. Wahrscheinlich braucht es gar keine. Am Ende machen wir ja doch vor allem einfach Sprachwissenschaft. Also <em>taalkunde<\/em>. Oder <em>linguistics<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen auf der \u201eGermanic Sandwich\u201c-Konferenz in M\u00fcnster konnte man etwas beobachten, das ich bislang eher aus der Romanistik kannte: Vortr\u00e4ge in verschiedenen Sprachen der Sprachfamilie, und fast alle verstanden einigerma\u00dfen, worum es ging. 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