{"id":14771,"date":"2017-04-15T09:55:55","date_gmt":"2017-04-15T07:55:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=14771"},"modified":"2017-04-17T21:24:20","modified_gmt":"2017-04-17T19:24:20","slug":"zittergeld-und-wanderverguetung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2017\/04\/15\/zittergeld-und-wanderverguetung\/","title":{"rendered":"Zittergeld und Wanderverg\u00fctung"},"content":{"rendered":"<p>Wer Belgien in aller K\u00fcrze beschreiben will, greift zu den drei F: frietjes, files, federalisme. \u00dcber Pommes und Politik haben wir hier schon genug geschrieben. \u00dcber Staus noch nicht.<\/p>\n<p>Das Wort <em>file <\/em>hat so viele <a href=\"https:\/\/www.etymologiebank.nl\/trefwoord\/file1\" target=\"_blank\">historische Hintergr\u00fcnde<\/a>, dass man nicht mehr so recht wei\u00df, ob es ein Latinismus oder ein Gallizismus im Niederl\u00e4ndischen sein soll. Jedenfalls stehen heute nur noch friedliche Autos in einer Reihe und nicht mehr Soldaten oder Kampfwagen, wie das urspr\u00fcnglich bei dem Wort der Fall war.<\/p>\n<div style=\"width: 229px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Eddy_Merckx\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/e\/e8\/Eddy_Merckx_Molteni_1973.jpg\" width=\"219\" height=\"347\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Seine fietsvergoeding war etwas h\u00f6her als die des gew\u00f6hnlichen Arbeitnehmers in Belgien. (Nationaal Archief NL)<\/p><\/div>\n<p>Besonders betroffen von der belgischen filofilie sind die <em>forenzen <\/em>(Singular: <em>forens<\/em>). Auch die k\u00f6nnen sich auf ein lateinisches Erbe berufen: <em>forenses <\/em>sind Marktleute, also diejenigen Menschen, die vom Land kommend regelm\u00e4\u00dfig in die Stadt hineinfahren, um dort ihre Produkte zu verkaufen. Die standen fr\u00fcher wohl mit ihren Ochsenkarren im Stau und heute mit dem Lieferwagen (BN: <em>camionette<\/em>, s\u00fcdlich der Sprachgrenze mit einem weiteren <em>n <\/em>als <em>camionnette<\/em>). Inzwischen sind <em>forenzen <\/em>alle, die regelm\u00e4\u00dfig aus dem Umland in die Stadt einpendeln, egal ob sie Gem\u00fcse mitbringen oder ihren Laptop.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die <em>camionette<\/em> vom Van Dale als Belgizismus der \u201espreektaal\u201c markiert wird, gilt der <em>navetteur <\/em>nur als \u201eniet algemeen\u201c \u2013 was im Van-Dale-Jargon meist auch nichts anderes bedeutet als Belgizismus. Der navetteur kommt nat\u00fcrlich genauso aus dem Franz\u00f6sischen und er f\u00e4hrt, bildlich gesprochen, auf einem Schiffchen, einer <em>navette<\/em>. Das kann eine kleine F\u00e4hre auf einem Fluss sein oder auch das Schiffchen an einem Webstuhl. Die Bewegung geht immer hin und her, daher die \u00fcbertragene Bezeichnung f\u00fcr den Berufspendler. Man kann nat\u00fcrlich auch einfach <em>pendelaar <\/em>sagen.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise haben es nicht alle so weit, dass sie mit dem Auto fahren m\u00fcssen. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, kann daf\u00fcr in Belgien vom Arbeitgeber entweder Ausr\u00fcstung wie eine Sicherheitsweste oder einen Helm bekommen, oder aber eine zus\u00e4tzliche <em>fietsvergoeding<\/em>. Sozusagen eine Pendlerpauschale speziell f\u00fcrs Radfahren. Und weil zu Fu\u00df gehen nach Meinung der Regierung dem Gesetz entsprechend ein \u201eander vervoermiddel\u201c ist, das ebenfalls unter diese Regelung f\u00e4llt, kann jetzt steuerlich auch eine <a href=\"https:\/\/www.standaard.be\/cnt\/dmf20170404_02816883\" target=\"_blank\"><em>wandelvergoeding<\/em><\/a> geltend gemacht werden.<\/p>\n<p>Wenn man sich den Verkehr besonders in Br\u00fcssel anschaut, k\u00f6nnte man diese Zuschl\u00e4ge fast unter den Begriff <a href=\"https:\/\/anw.inl.nl\/article\/bibbergeld\" target=\"_blank\"><em>bibbergeld <\/em><\/a>z\u00e4hlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Belgien in aller K\u00fcrze beschreiben will, greift zu den drei F: frietjes, files, federalisme. \u00dcber Pommes und Politik haben wir hier schon genug geschrieben. \u00dcber Staus noch nicht. 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