{"id":16945,"date":"2018-04-12T13:38:36","date_gmt":"2018-04-12T11:38:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/?p=16945"},"modified":"2018-04-12T13:58:41","modified_gmt":"2018-04-12T11:58:41","slug":"spargelsuffix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.fu-berlin.de\/nederlands\/2018\/04\/12\/spargelsuffix\/","title":{"rendered":"Spargelsuffix"},"content":{"rendered":"<p>Heute beginnt trotz des langen Winters p\u00fcnktlich die Spargelsaison. Ein guter Anlass, \u00fcber Morphologie nachzudenken. Morphologie kennt man auch in der Biologie: der Aufbau, die Zusammensetzung, die Anatomie von Organismen f\u00e4llt darunter.<\/p>\n<p>Nun kann ich wenig \u00fcber die biologische Morphologie des Spargels sagen, \u00fcber die linguistische dagegen wohl. Wahrscheinlich sind die Namen der einzelnen Sorten von Spargel nur Kennern gel\u00e4ufig. Die verbreitetste Sorte, in Deutschland und auch woanders, ist der <em>Gijnlim<\/em>. Daneben gibt es weitere Sorten wie etwa den <em>Aspalim<\/em>, den <em>Maxilim<\/em> oder den <em>Vitalim<\/em>. Offenbar m\u00fcssen Spargelsorten also auf \u2013<em>lim <\/em>enden. Das ist nat\u00fcrlich kein zauberhaftes historisches Sprachgesetz, sondern eine menschengemachte Regel.<\/p>\n<div style=\"width: 295px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/nl.wikipedia.org\/wiki\/Asperge\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/3\/3f\/Aceera_Nederlandse_asperge_wit_groen_paars_363_2416.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"208\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Vielleicht auch verschiedene Sorten auf -lim? (Aceera BV, CC-BY-SA 3.0)<\/p><\/div>\n<p>Wie so oft in der kommerziellen Landwirtschaft stammen die meisten Spargelsorten, die zum Anbau gez\u00fcchtet und als Samen oder Setzlinge verkauft werden, von demselben Anbieter. Die <em>Limgroup <\/em>in den Niederlanden ist anscheinend Marktf\u00fchrer oder zumindest sehr einflussreich, und zur Markenbildung benennt sie alle eigenen Sorten mit Formen auf \u2013<em>lim<\/em>.<\/p>\n<p>Das Unternehmen ging hervor aus den <em>Proeftuinen Noord-Limburg<\/em>, also einem landwirtschaftlichen Versuchsbetrieb. Daraus gr\u00fcndete man das Unternehmen <em>Asparagus B.V. <\/em>und <a href=\"https:\/\/www.limgroup.eu\/de\/limgroup\/%C3%9Cber-uns\/geschichte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">laut Webseite der Firma<\/a> benannte man es dann um \u2013 wegen der zunehmenden internationalen Aktivit\u00e4ten. Latein war also offenbar nicht international genug.<\/p>\n<p>Ein Konkurrenzunternehmen ist die <em>S\u00fcdwestdeutsche Saatzucht<\/em>. Deren Spargelsorten hei\u00dfen zum Beispiel <em>Ramada<\/em>, <em>Raffaello <\/em>oder <em>Ravel<\/em>. Das Kriterium ist hier wohl eher phonologisch als morphologisch, jedenfalls muss offenbar ein <em>Ra- <\/em>vorkommen. Vermutlich weil das Unternehmen in Rastatt sitzt.<\/p>\n<p>Damit sind erst einmal alle Geheimnisse rund um die Sprachstrukturen von Spargelsorten gekl\u00e4rt. Eine Frage bleibt offen: Wenn die meisten Sorten aus Limburg kommen, warum isst man sie dann mit <em>sauce hollandaise<\/em>?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute beginnt trotz des langen Winters p\u00fcnktlich die Spargelsaison. Ein guter Anlass, \u00fcber Morphologie nachzudenken. Morphologie kennt man auch in der Biologie: der Aufbau, die Zusammensetzung, die Anatomie von Organismen f\u00e4llt darunter. Nun kann ich wenig \u00fcber die biologische Morphologie des Spargels sagen, \u00fcber die linguistische dagegen wohl. 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